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200 Bewerbungen, fast nur Absagen: "Bin ich ein aussichtsloser Fall?"
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53 Jahre alt und auf Jobsuche: Was tun, wenn es monatelang einfach nicht klappen will? Der Karriere Coach Matthias Martens rät, sich die richtigen Fragen zu stellen - und selbstkritisch zu sein.

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tonhalle 17.06.2019, 09:09
10. Da fehlen ein paar Fakten

Sicherlich trifft Herr Martens im Kern die richtigen Punkte, aber einige Facetten fehlen dann doch.
Mit 44 traf es mich als Controller in leitender Funktion, mit internationaler Erfahrung und dezidiertem Know how aus unterschiedlichen Branchen und in einem Ballungsraum Wohnhaft.
Nach entsprechenden Stationen hatte ich meinen Lebenslauf von Headhuntern sogar überarbeiten lassen und hörte ausschließlich, dass dies, zusammen mit den hervorragenden Zeugnissen gut aussähe.
Von Arbeitgeberseite erfuhr ich letztlich und natürlich nie offiziell die Gründe, weshalb ich letztlich rund 12 Monate suchte.
Vor allem wirkte, dass meine gute Qualifikation nur bei einem bestehenden Beschäftigungsverhältnis ein angemessenes Gehalt ermöglichen.
Und da war auch der Teufelskreis!
Die geeigneten Positionen gehen i.d.R. an den Personenkreis der Suchenden in Beschäftigung, da die zuständigen Personaler den Arbeitslosen Bewerber ja nur mit deutlichen, gehaltlichen Abschlägen "argumentieren" können, was in sich zur Folge hat, dass derselbe Personaler dann davon ausgeht, dass dieser Bewerber im Anschluß, durch sein Streben nach gehaltlicher Anpassung, Unruhe in dei Organisation bringt.
Kein Witz, das ist recht oft so!
Und die Alternative auf Sachbearbeiterebene zu gehen, um vor ALG II wenigstens noch aktiv handeln zu können? Alle Personaler reagieren dann gleich.
Überqualifikation! Nur kurzer Verblieb und ein Bewerber, der ggf. als erste Maßnahme den eigenen Chef, dem er fachlich vielleicht sogar überlegen, ist den Job streitig machen.
Das ist leider kein Einzelfall und mehr als nur ein Personaler und mehr, als nur ein Headhunter haben mir das bestätigt.
Es blieben eine gänzliche Umorientierung mit hohem Risiko und entsprechendem Gehaltsverzicht und viel Glück. Gelegentlich suchen Firmen recht plötzlich. So hatte ich Glück als Spezalist in eine NIsche zu rutschen.
Natürlich fehlt jetzt jeden Monat etwas Geld, aber immerhin ist durch den Rückschritt auch das Thema Verantwortug und Work-Life-Balance ein Anderes geworden.

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Robert M 17.06.2019, 09:19
11. Ich kann das nicht bestätigen!

Weder Headhunter noch die Monate bei der Transferagentur haben mich wirklich auf das vorbereitet was kommt.
Alle waren 'lieb & nett' und haben Optimismus verbreitet. auch ich habe damals über 200 Bewerbungen geschrieben und maßgeblich Ansagen kassiert. Die Hürden einen 'Alten' einzustellen sind anscheinend echt hoch. Headhunter meist um Jahrzehnte jünger. Am sprachlosesten hat mich mal folgendes Gespräch gemacht:
HH: Sie waren über 20 Jahre in der gleichen Firma; ich: ja aber auf unterschiedlichen Positionen mit 2 Jahren USA, an verschiedenen Standorten (4 Umzüge davon in den letzten 10 Jahren) und wechselnden Anforderungen.... (20 Minuten später zum Abschluss)
HH: wenn Sie den Job bekommen, wer sagt uns denn. dass Sie nicht nach 3 Monaten wieder weg sind? ich: ich war über 20 Jahre in einer Firma....
Erst ein Tipp brachte mich wieder in Arbeit und auch nur weil der einstellende offen sagte was ich zu erwarten hatte - und sich nicht von dem Abschrecken ließ was ich erwartete! (Weniger Urlaub, Hälfte vom Gehalt).
Fachkräftemangel? Quatsch, man sucht nur gut ausgebildete erfahrene Mitarbeiter flexibel für wenig Gehalt.
Es dauert wohl noch 5-10 Jahre bis man bereit ist auch mal Erfahrung auch wertzuschätzen und statt Sabbatical auch altersgerechte Konzessionen zu machen.

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observerlbg 17.06.2019, 09:21
12. Sein wir mal ehrlich....

Ixh war selbst mit 50 kurz arbeitslos und habe die typische Jobsuchmühle in allen Färbungen durch. Mein Fazit: mit über 50 ist man ALT. Selbst wenn man noch Bäume ausreißen kann, wie 30 aussieht und kerngesund ist, die HR bzw. der Geschäftsführer sieht eine alte Person. Das wurde mir so von Arbeitsagentursachbearbeitern als auch von Personalchefs klar vermittelt. Also schraubt man seine Forderungen und Erwartungen runter und arbeitet manchmal weit unter Wert. Und so mancher dringend gesuchter Handwerker oder Universaltechniker arbeitet dann als Facility Manager (Hausmeister), Einzelhandelskaufmann (Verkäufer) oder Individualpersonentransporteur (Taxi- oder UBER-Fahrer). Aber überall wird gestöhnt: Facharbeitermangel.....

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hoeffertobias 17.06.2019, 09:30
13. Der Fackräftemangel ...

Zitat von marthaimschnee
Es würde mit der absolut wichtigsten Frage beginnen, nämlich die an die Presse, wo denn hier bitte ein Fachkräftemangel existieren soll. Wenn es diesen tatsächlich gäbe, dann wären die Arbeitgeber die Verzweifelten und würden sich um jeden Bewerber reißen, auch wenn der vielleicht etwas mehr Aufwand an Einarbeitung und Qualifizierung bedeutet. So jedoch macht es lediglich den Eindruck, daß die AGs wie ein verwöhntes Balg rumjammern, weil sie keine dritte Playstation bekommen. Und die Medien verbreiten deren Ansicht, so wie die Omi das arme Kind bedauert, weil es nicht bekommt, was es möchte.
... existiert mittlerweile in ganz Deutschland, mal von linksrot regierten Gegenden im Osten ausgenommen. Es gibt allerdings Mitarbeiter, die umsonst auch noch zu teuer sind, weil sie dem Unternehmen eher schaden als nutzen. Nennt man im allgemeinen "Keimzellen". Und zum Glück kann man diese potentiellen MA mittlerweile sehr gut filtern. Nur weil jemand lange in einem Unternehmen gearbeitet hat, bedeutet das eben noch nicht, dass er für ein Unternehmen auch wertvoll ist. Das ist aber (zum Glück) der hiesige Maßstab.....

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Gumbalaya 17.06.2019, 09:32
14. Wie ich mit 52 in Festanstellung zurück fand

Ich hatte als Führungskraft nach Jahrzehnten in börsenkotierten Unternehmen mit 50 die Stelle verloren und es dauerte 2.5 Jahre wieder eine Festanstellung (besser denn je) zu finden. Über 500 Bewerbungen mit 5 Einladungen (3 davon über 4-5 Interviews bis jeweils ein interner MA die Stelle bekam oder die Stelle zurückgezogen wurde, beides extremst unprofessionelle HR Vorgänge).

Nachdem ich herausgearbeitet hatte, für welche meiner Erfahrungen andere Menschen Geld zahlen würden (jeder, der in unseren Breiten ausgebildet ist, hat Erfahrungen, die andere nicht haben und diese deshalb einkaufen durch outsourcing oder Einstellung), machte ich mich selbständig und nach 2.5 Jahren bot mir mein grösster Kunde einen festen Vertrag an.

Meine Erfahrung: schreiben Sie auf welche Projekte und Ergebnisse erfolgreich waren. Überlegen Sie, welche Firmen diese Erfolge brauchen könnten. Spielen Sie mit Freunden, Kollegen und Fremden durch, wie Alleinstellungsmerkmale formuliert werden könnten, damit diese Erfolgsaussichten gezielt vermittelt werden können. Versuchen Sie diese Erfolgsaussichten zu quantifizieren.

Engagieren Sie sich in Berufsverbänden, denn genau dort treffen sich alle relevanten Leute, die Ihre Erfahrung einordnen können. Schärfen Sie Ihr Lösungsangebot, lernen Sie in Werkstattgesprächen dazu, präsentieren Sie Ihre Projekte, nehmen Sie Führungsverantwortung in dieses Verbänden wahr. Das dortige Netzwerk ist in vielerlei Hinsicht produktiver für Ihre Jobsuche als Stellenportale.

Vor allem, wenn Sie dort als aktiver Experte wahrgenommen werden. Konzentrieren Sie sich darauf Projekte und Erfahrungen zu präsentieren vor einem Publikum, das Sie sich als Arbeitgeber und Manager vorstellen können. Beispielsweise könnten Sie einen Workshop oder Seminar leiten, in denen Manager von Ihnen lernen deren Abteilungen effizienter zu machen, in deren Projekten zielgerichteter und schneller zum Ergebnis zu kommen oder eine neue Technologie, neue Prozesse einzusetzen. Erwerben Sie seltene Metodenkompetenz und vermitteln Sie diese denen gegenüber, denen diese Kompetenzen fehlen.

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blueshift774 17.06.2019, 09:39
15. Eine klare Antwort auf Ihre Frage, Jens!

Ja, Sie sind nicht mehr erwünscht! Die deutsche Wirtschaft will keine Mitarbeiter, die älter sind als 45 Jahre! Sie sind zu erfahren und haben damit Ihre berechtigten, fachlichen Anforderungen an den Job.

Das permanente Gerede über "Fachkräftemangel" ist populistisch. Man will nur die Zuwanderung lockern, um mehr ausländische, hochqualifizierte Arbeitskräfte auf den deutschen Arbeitsmarkt zu schleussen, die billig, flexibler einsetzbar, d.h ausbeutbarer, weniger geschützt sind und gleichzeitig die Arbeitssuchenden in Deutschland in die Asozialität "dumpen". Das ist Agenda, nicht Zufall!

Außerdem: Je mehr Deutsche in asozialen Jobs leben müssen, desto rechtsradilkaler wird diese Gesellschaft. Das sehen Sie doch an dem dämlichen Gelaber der AFD. Das kommt der neoloberalistisch eingestellten Wirtschaft doch entgegen.

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harald441 17.06.2019, 09:41
16. Ich war 29 Jahre und bis zum

offiziellen Renteneintrittsalter in derselben Firma. Es war meine dritte, nachdem die erste dichtmachen mußte und die zweite dichtzumachen drohte, was sich nach meinem Weggang etwa zwei Jahre später auch bestätigte.
Zwar war ich "nur " ein Sachbearbeiter, aber die 29 Jahre hatten sowhl mir als auch meiner Firma gutgetan, weil ich mich in ein Fachgebiet als Ingenieur eingearbeitet hatte, welches von den Kollegen eigentlich durchweg gerne gemieden wurde. Durch die lange Zeit konnte ich mein Fachwissen tagtäglich ausbauen und erweitern, denn die Aufgabe, in welcher Richtung es weitrergehen sollte, ergaben sich aus meiner Arbeit von ganz alleine, so daß mir kein Chef Weisungen zu geben brauchte, die eigentlich nie wußten, was ich da eigentlich machte. Nur, daß es funktionierte, bestätigten denen meine Kollegen als auch die Kunden, um die es letztendlich in der freien Wirtschaft ja immer geht.
Faktisch war ich eine quasiselbständig arbeitender Angestellter mit großer Zufriedenheit und einem unterdurchschnittlichen Krankenstand von geschätzten zwei Tagen im Jahr. Und wenn ich nochmals an der gleichen Stelle anfangen müßte, so würde ich es ganz genauso wieder machen.

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Linksverteidiger 17.06.2019, 09:46
17. Rechtschreibung

Muss es nicht "Karriere-Coach" anstatt "Karriere Coach" heißen?
Schlägt das sogenannte Deppen-Leerzeichen jetzt auch in der Spiegel-Redaktion zu?

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mumuwilli1975 17.06.2019, 09:49
18. björn_marten

Genauso sieht die Realität aus. Bei meinem AG werden gerne 50plus eingestellt, aber eben nicht jene, die 20 Jahre auf der Stelle getreten sind und unflexibel sind.

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blueshift774 17.06.2019, 09:49
19. Lieber Jens,

die Unternehmen setzen heutzutage KI-Agents ein, um den Bewerberstrom zu filtern - nach welchen Kriterien auch immer...

Die HR-Abteilungen können sich ja nicht mehr qualifiziert auf Bewerber einstellen, weil die permanent mit dem Aufwand befasst sind, Mitarbeiter rauszuwerfen.

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