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Aktuelle Studie: Sozialarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe sind überlastet
DPA

Fast 13.400 Sozialarbeiter gibt es an deutschen Jugendämtern. Sie haben zu viele Fälle, zu wenig Zeit und sind nur mangelhaft ausgestattet - das zeigt eine neue Studie.

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u30 14.05.2018, 14:48
1. Kein Wunder

Eine Freundin von mir hatte sich als Mitarbeiterin im Jugendamt versucht. Großstadt, Brennpunkt, teils sehr belastende Fälle. Für sie eine Herausforderung, die sie gern und leidenschaftlich annahm - da kann man was bewirken. Dann die Ernüchterung: Befristeter Vertrag, nach Einstellung in der Gehaltsstufe runtergestuft, weil sie ja "nur" Pädagogik auf Diplom und nicht Sozialpädagogik studiert hatte, Verlängerunsgespräche von der Personalabteilung immer hinausgezögert. Warum man immer noch glaubt die Gutmütigkeit der Menschen ausnutzen zu können und sie nicht anständig zu bezahlen müssen nur weil sie - im besten und schlimmsten Fall - Kinderleben retten erschliesst sich mir nicht.

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dasfred 14.05.2018, 15:31
2. Selbst 35 Fälle sind zuviel

Das heißt, sich um 35 Fälle unterschiedlichster Konstellation zu kümmern. Hier müssen in jedem Fall alle Beteiligten einzeln in den Blick genommen werden. Nichts wiederholt sich, nichts ist vergleichbar, auch wenn es den Anschein hat. Damit sind viele Sozialarbeiter überfordert. Dazu kommt die Kontrolle der Familienhelfer, die mit ihren Berichten auch eher ihre eigene Leistung in den Vordergrund stellen. Woimmer das Kindeswohl gefährdet scheint, ist zeitintensive Arbeit nötig, die von der Gesellschaft auch finanziert werden muss. Die Folgeschäden können damit extrem zurückgehen.

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spon-facebook-10000053331 14.05.2018, 16:36
3. Nicht zu vergessen die Kollegen ...

...die im Rahmen eines "Sozialraumprojektes" Teamterror, Hinte-/Lüttringhausindoktrinationen, Controlling-,Teambuilding-,Training-on the job- und was weiß ich noch- Workshops zudem Leitungssperenzchen und Budgetalarmen ausgesetzt sind und neben einem Besprechungsirrsinn und Dokumentationswahn auch noch akademische Zielfindungsdiskussionen mit Betroffenen und Hilfeträgern ausfechten sollen statt ... zu helfen.

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genugistgenug 14.05.2018, 17:00
4. Schnelle Eingreiftruppe "SEK Jugendamt"?

Bereits diese Klage zeigt die Inkompetenz:
....Andere Sozialarbeiter hatten außerdem über fehlende Diensthandys oder Fahrzeuge geklagt, so dass sie im Falle einer akuten Kindeswohlgefährdung nicht immer sofort reagieren können......
Denn wenn so was notwendig ist, hat man es zu besorgen. Sicher können die Mitarbeiter das auch mit Anträgen, Remonstrationen und Einschaltung (Personal/Betriebsrat) belegen.
Wenn die Arbeitsleistung dadurch nicht erbracht werden kann, dann sind auch Anzeigen fällig.
Wir gehen allerdings nur vom üblichen Gemaule aus. Oder scheitert die Rettung eines Kindes tatsächlich an einem fehlenden Dienstwagen*? Nehmen die nicht die Polizei zu so einem Einsatz mit oder bildet das Jugendamt eigene SEK aus und stürmt dann auch Wohnungen?
Wer die Arbeitsweise der Jugendämter verfolgt, z.B. Alessio 3 Jahre, tot geprügelt oder der zum Missbrauch vermietete 9-jährige (beide unter Obhut der Behörde), usw. den packt sowieso das kalte Grausen. Bei Alessio wurde noch großspurig von "alles ordnungsgemäß bearbeitet, usw." im Fernsehen geredet und dann EIN Sachbearbeiter zu Strafbefehl mit 90 Tagessätzen verdonnert - wenn aber das Mehraugenprinzip eingehalten wurde, dann hätten auch noch andere Personen einen Strafbefehl bekommen müssen, plus Vorgesetzte!
Es stellt sich auch die Frage, wie die Mitarbeiter entscheiden - vor allem wenn es um (Zwangs)Pflegestellen geht und das entsprechende Geld dazu - wie auch bei Gutachten, die oft "frei Schnauze" erstellt werden, doch trotz unwissenschaftlicher Erstellung als Basis herhalten..
Doch egal was noch alles passiert, es gilt die alte Bürokratetenregel "wir bemühen uns....."

*Dienstwagen - wir haben hier zwei Fälle bei denen die Dienstwagen auch zur Heimfahrt genutzt werden - bei Rückfragen erscheint plötzlich ein Termin auf der Strecke, natürlich nur im handschriftlichen Kalender. Doch Rückfragen gibt es nicht mehr, seit die Personen aufgestiegen sind und selbst den Fahrzeugpool kontrollieren.
Diensthandy muss sein, dann geht man nicht mehr versehentlich ran, wenn das Amt klingelt.

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wookie13 14.05.2018, 18:17
5. Schön...

..., dass das mal thematisiert wird.
Das beschränkt sich ja leider auch nicht nur auf die Regionalen Sozialen Dienste der Jugendämter, sondern auf den gesamten Kinder- und Jugendhilfebereich.
Hier, genauso wie in Pflege- und Gesundheitsberufen, wird offensichtlich erwartet, dass die Mitarbeitenden aus Überzeugung und Engagement sich selbst ausbeuten.
Und tatsächlich lief das auch jahr-(zehnt)-gelang so. Ich hab Kolleg*innen die auf 40h-Stellen eher 80h/Woche gearbeitet haben. Und genau so jegliche Auswirkungen von Kürzungen verschleiert.
Die Geldgeber und Geschäftsführungen wundern sich nun über den Fachkräftemangel und den ?Mangel an Engagement? der jungen Kolleg*innen.
Die Fluktuation im sozialen Bereich ist ein deutliches Zeichen, dass sich etwas ändern müsste. Ich hab allerdings meine Zweifel, dass das in absehbarer Zeit passieren wird.
Schließlich gibt es da keine messbare Wertschöpfung und, (wage ich es zu schreiben?), es handelt sich um klassische Frauenberufe...
Die Begleitung und Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen ist eben nicht viel Wert - traurig, aber wahr.

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GoaSkin 14.05.2018, 18:23
6. das kommt vom Steuern sparen wollen

Statt eine solide Verwaltung zu finanzieren und den Wohlfahrtsstaat angemessen auszubauen kommt den Meisten nur in den Sinn, dass der Staat zu viel kostet und mal weniger Steuern nehmen sollte. Dabei sind es nicht die Besserverdienenden mit wirklich hohen Steuern, die am Lautesten schreien, sondern Diejenigen, die selbst kaum welche zahlen.

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isar56 14.05.2018, 18:55
7.

Ich weiß nicht wen Sie als wir bezeichnen in Ihrem Beitrag. Als Sozialarbeiterin in einem bayerischen Jugendamt kann ich Ihnen aus erster Hand ein paar Informationen geben. Voraussetzung für eine Einstellung ist das zur Verfügung stellen des privaten PKW als Dienstwagen. Dafür gibt es eine Kilometerpauschale, auch wenn sich ein Kind im Wagen erbrechen sollte.... pauschal ist pauschal. Hinzukommen, Bereitschaftsdienste nachts und an Wochenenden zusätzlich zur 39 1/2 Stundenwoche, Kooperation mit Schulen, Kindergärten, Gerichten, Kinderärzten, Psychiatern, Gutachtern, Psychologen, Frühförderstelllen, Logopäden, Polizei uvm und nein wir nehmen nicht zu jedem Einsatz die Polizei mit, sondern nur bei Gefahr im Verzug. Zum von Ihnen angeführten Beispiel des 9 jährigen, der von seinen Eltern zum Missbrauch freigegeben wurde, lesen Sie bitte nochmals nach: die Mitarbeiter des zuständigen Jugendamtes stellten zweimal Antrag auf Entzug der Elterlichen Sorge bei Gericht, um das Kind aus der Familie zu holen. Beide Anträge wurden abgelehnt.
Ich spreche Jugendamtsmitarbeiter nicht rundum frei von Schuld. Aber leisten Sie doch ein Praktikum für eine Woche..... das dürfte möglich sein, wenn Sie eine Datenschutzerklärung unterschreiben.
Ich verspreche Ihnen, ohne Kondition und viel Einsatzbereitschaft schmeißen Sie vor Ende der Woche hin. Das Ganze gibts für kleine, im Sommer überhitzte Büros und ca 1600,— Euro netto Anfangsgehalt nach einem Hochschulstudium.

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isar56 14.05.2018, 19:10
8.

Zitat von wookie13
..., dass das mal thematisiert wird. Das beschränkt sich ja leider auch nicht nur auf die Regionalen Sozialen Dienste der Jugendämter, sondern auf den gesamten Kinder- und Jugendhilfebereich. Hier, genauso wie in Pflege- und Gesundheitsberufen, wird offensichtlich erwartet, dass die Mitarbeitenden aus Überzeugung und Engagement sich selbst ausbeuten. Und tatsächlich lief das auch jahr-(zehnt)-gelang so. Ich hab Kolleg*innen die auf 40h-Stellen eher 80h/Woche gearbeitet haben. Und genau so jegliche Auswirkungen von Kürzungen verschleiert. Die Geldgeber und Geschäftsführungen wundern sich nun über den Fachkräftemangel und den ?Mangel an Engagement? der jungen Kolleg*innen. Die Fluktuation im sozialen Bereich ist ein deutliches Zeichen, dass sich etwas ändern müsste. Ich hab allerdings meine Zweifel, dass das in absehbarer Zeit passieren wird. Schließlich gibt es da keine messbare Wertschöpfung und, (wage ich es zu schreiben?), es handelt sich um klassische Frauenberufe... Die Begleitung und Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen ist eben nicht viel Wert - traurig, aber wahr.
Zustimmung. Ergänzen möchte ich noch die Arbeit der Sozialarbeiter in Jugendämtern, die Vormundschaften und Ergänzungspflegschaften zu führen haben, wenn Eltern aus unterschiedlichen Gründen ihr Sorgerecht nicht ausüben können oder dürfen. Volle Versntwortung für jegliche Entscheidung, dem Wohle des Kindes entsprechend, u.a. medizinische Eingriffe, schulische Belange, Kindergarten, Einzelfallhilfen, individuelle Fördermaßnahmen, therapeutische Behandlungen...... Diese Mitarbeiter in Jugendämtern, vereinzelt auch Privatpersonen, haften für jeden Fehler und verdienen noch weniger als ihre Kollegen in den sozialen Diensten.

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schamot 14.05.2018, 20:12
9. Meine Erfahrung ist Sozpets

Ist, daß an ihr Studium geknöpft die Erwartung ist, sich selbst von Überforderung oder Seelischem Leid zu heilen. Die Erkenntniss ist dann ernüchternd und nun müssen sie it der Ausbildung Brötchen verdienen...was sie nun auch überfordert...

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