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Alltag in einem Jobcenter: "Ich habe Kollegen, da möchte ich nicht Kundin sein"
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Blick hinter die Kulissen eines Jobcenters: Martina Haase will Arbeitslosen helfen, doch kommt vor lauter Bürokratie kaum dazu. Verzweifelt steckt sie Menschen in Maßnahmen - auch wenn die sinnlos sind.

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bssh 02.01.2015, 15:41
1. Traurig

Was für ein "tolles" System!
Es ist schon ein Armutszeugnis, dass der Name von Mitarbeitern verändert werden muss, weil sie schildert, wie schlecht das alles organisiert wird.
Wie soll das funktionieren, wenn es viel zu wenig engagierte Vermittler gibt, es an Geld fehlt? So konzentriert man sich bei der Arbeitsagentur darauf leicht vermittelbare zu vermitteln, die das auch alleine schaffen. Und die schwer Vermittelbaren werden nur unter Druck gesetzt, aber nicht gefördert. Kaum jemand interessiert sich für die Menschen und will wirklich helfen, sondern eher einen Missbrauch nachweisen oder irgendwelche ominösen Zahlen erreichen.
Die sollten sich mal ein Beispiel an anderen Ländern nehmen, wo man Vermittler hat, die sich Zeit nehmen, ihre wenigen Leute, die sie betreuen, kennen und sie deshalb auch besser an die Wirtschaft empfehlen können, da sie wissen, wer für welches Unternehmen passt. Erst wenn sich dann zeigt, dass jemand wirklich nicht will, dann wird sanktioniert.

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kai kojote 02.01.2015, 15:43
2.

Ist reinstes Lotto. Ich hatte auch mal ca. 1,5 Jahre Hartz IV und einige Vermittler, die mich wie Vieh behandelt haben, mich in sinnlose Maßnahmen stecken wollten die nicht nur Zeitverschwendung, sondern schlichtweg entmündigend und entwürdigend sind. Irgendwann geriet ich dann an eine Sachbearbeiterin die sogar lächeln konnte und mir die Chance für eine Umschulung gab - mittlerweile verdien ich wieder mein eigenes Geld. In dieser Zeit lernte ich auch ALG-II-Bezieher kennen denen seit vielen Jahren die Chance auf Umschulung oder ähnlich sinnvolles verwehrt wird und die schon 4 mal oder öfter ein und die selbe Maßnahme (Bewerbungs"training" etc) hintereinander gemacht haben... . Deutsche, die in "Integrationskurse" gesteckt wurden, und ITler, die Gartenarbeit-Fortbildungskurse besuchten etc.. ein Graus.

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t.h.wolff 02.01.2015, 15:45
3.

Unternehmerträume werden wahr. Bemerkenswert ist auch, daß die Quelle durch ein Alias geschützt werden muß, ganz als berichte sie aus dem Herzen der organisierten Kriminalität, nicht aus einer vermeintlichen Körperschaft öffentlichen Rechts, in der Bürger ihre Rechte wahrnehmen.

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garfield 02.01.2015, 15:51
4.

Na, da entwickelt sich wohl eine zweite Inge Hannemann? Kein Wunder, dass sie ihren Namen schützen muss. Wenn's raus kommt, wird man versuchen, auch sie aufs Abstellgleis zu schieben, noch bevor ihre Aussagen größere Kreise ziehen. Aber das System ist dermaßen verfault, dass immer mehr wach werden.

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salmasius 02.01.2015, 15:55
5. Kurz vor der Rente zum Bewerbungstraining

Ein Freund, arbeitslos geworden und drei Monate vor der Rente, muss nun auf Anweisung der Arbeitsagentur ein Bewrbungstraining absolvieren. So krank ist das System!

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Eros1981 02.01.2015, 15:56
6. Gleiche Erfahrungen habe ich auch gemacht

Zitat von kai kojote
Ist reinstes Lotto. Ich hatte auch mal ca. 1,5 Jahre Hartz IV und einige Vermittler, die mich wie Vieh behandelt haben, mich in sinnlose Maßnahmen stecken wollten die nicht nur Zeitverschwendung, sondern schlichtweg entmündigend und entwürdigend sind.
Ich sollte mal ein halbes Jahr eine Maßnahme mitmachen, in denen wir beispielsweise "den" oder "denn" in einen Lückentext einsetzen sollten.

Bin dann wegen chronischer Unterforderung zum Arzt gegangen, der mit ein Attest ausstellte, das besagte, dass die Maßnahme für mich unzumutbar ist.

Dann konnte ich den Blödsinn abbrechen, ohne sanktioniert werden zu können.

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Großer Bruder 1984 02.01.2015, 15:58
7. Ich ergänze ....

Jedes Jobcenter hat nur bestimmte Mittel zur Verfügung. Deshalb steht schon zu Jahresbeginn fest, wie viele Maßnahmen und Weiterbildungen es geben wird, wie viele Fahrtkosten ich erstatten darf und wie viele Bildungsgutscheine ich ausstellen muss.

Wenn das Jobcenter in der Eingliederungsvereinbarung die Einreichung und den Nachweis von mindestens sechs Bewerbungen pro Monat fordert, muss auch eine Zusage zur Erstattung der Bewerbungskosten enthalten sein. Behält sich der Leistungsträger diese aber im Rahmen einer Ermessensentscheidung vor, ist der Eingliederungsverwaltungsakt rechtswidrig. Das entschied das Sozialgericht Gelsenkirchen mit seinem Beschluss vom 18. Juni 2013 (Aktenzeichen: S 43 AS 1316/13.ER). Auf den Beschluss weist Dr. Manfred Hammel vom Caritasverband für Stuttgart e. V. hin.

Daher immer die Eingliederungsvereinbarung nicht unterschreiben, mitnehmen und überprüfen lassen. Da es sich um einen "Vertrag" handelt dürfen sie dies. Gegenvorschläge machen und gegebenenfalls auf den Verwaltungsakt warten, da nur gegen diesen Widerspruch eingelegt und Klage erhoben werden kann nicht gegen den Vertrag. Daher drängen die ARG Mitarbeiter gerne auf dies Vereinbarungen, hilft Arbeit sparen.

Gerne nenne ich die entsprechenden Aktenzeichen der Bundesgericht und die dazugehörigen Aktenzeichen.

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L!nk 02.01.2015, 16:00
8. Mein Name ist Haase . . .

Wie peinlich ist das denn - einerseits muss die Dame sich verstecken, andererseits bezeichnet auch die ihre Verwaltungsgegenstände als "Kunden". Ich habe als Exkunde keinen Zettel von dieser "Firma" gesehen, der nicht auf irgendwelchen existenzbedrohlichen Formulierungen basiert - behandelt man so seine Kunden, oder werden die Menschen mit großer Selbstverständlichkeit belogen?
Vorbildfunktion geht irgendwie ganz anders.

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Europa! 02.01.2015, 16:01
9. Gut gemacht, Frau Reif!

Das ist die Sorte Journalismus, die man sich wünscht. Investigativ, ohne Vorurteile. Das Interview hätte noch zehn Seiten länger sein können!

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