Forum: Karriere
Alltag eines Busfahrers: "Die Leute schauen mich oft nicht mal an"
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Er kurvt gerne durch die Stadt und bringt Menschen von A nach B. Aber von seinem Gehalt kann er seine Familie nicht ernähren. Ein Busfahrer erzählt von den guten und schlechten Seiten seines Jobs.

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ArmeOhren 18.01.2018, 06:19
1. Interessant

Danke für die Einblicke, vieles davon war mir tatsächlich neu, und natürlich danke an alle Busfahrer, die den Job trotz aller Widrigkeiten jeden Tag machen. Dass man den Fahrer oft nur als Inventar wahrnimmt, wurde mir erst so richtig klar, als ich das erste Mal in einer Gegend Bus gefahren bin, in der es zum guten Ton gehört, dass sich Fahrer und Gäste begrüßen, voneinander verabschieden und und auch beieinander bedanken (Es sind zwar nur ein paar Floskeln, aber es macht einen Unterschied).
Was mich etwas überrascht hat, ist, dass es den Verkehrsbetrieben offenbar nicht möglich ist, die Verteilung der Fahrten etwas effizienter und für die Fahrer angenehmer zu gestalten. Ständig wechselnde Zeiten, Transferfahrten quer durch die Stadt, das klingt nicht optimal. Eine Verbesserung der Situation für die Fahrer wäre sicher auch im Sinne der Fahrgäste - denn wenn mehr Menschen den Job freiwillig und gerne machen würden, wäre vermutlich auch die Quote der unfreundlichen und wenig hilfsbereiten Fahrer, die es ja leider auch zur Genüge gibt, geringer. Dass viele beim Wort Busfahrer zuerst an jemanden denken, der Kinder anschreit oder Leuten absichtlich vor der Nase wegfährt, ist sicher auch etwas, dass dann auch die Netten und Korrekten mit ausbaden müssen.

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schwachewade 18.01.2018, 06:27
2. der Skandal

liegt darin, dass ein normal arbeitender Familienvater sich und seine Familie nicht ernähren kann. Und das geht nicht nur Busfahrern so. Da darf man gespannt sein wie weit die Gesellschaft auseinanderdriftet, wenn diese Art von Job im Getriebe von Industrie 4.0 ganz wegfällt.

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meihan 18.01.2018, 06:42
3. Ruhezeiten?

Ein Busfahrer mit 300 Stunden im Monat (incl. Nebenjob) ist schon fragwürdig. Wo bleiben da die gesetzlich vorgeschrieben Ruhezeiten?!? Man sollte soviel Verantwortung haben und auch an die zu befördernden Fahrgäste denken. Nicht ohne Grund hat man diese Ruhezeiten vorgeschrieben. Auch sind da die Gemeinden/Städte gefragt, solche verantwortungsvolle Jobs ausreichend zu bezahlen!

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wiesenflitzer 18.01.2018, 06:48
4. Dann wird er als Rentner

40 Jahre Vollzeit gearbeitet haben (plus Zweitjob) und hat trotzdem keine 1000€ Rente.
Was, liebe sozialdemokratische SPD, christliche CDU soll daran sozial oder christlich sein?
Da kann man dann auch 40 Jahre auf der Couch liegen, ein bisschen schwarz arbeiten und hat dann im Grunde das gleiche wie der Busfahrer, oder ähnlich schlecht bezahlte Jobs.
Altersarmut in Deutschland trotz jahrzehntelanger Arbeit.

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anselmwuestegern 18.01.2018, 07:12
5.

Der Lohn eines Busfahrers (-Fahrerin) ist zu niedrig, wenn man bedenkt, welche Verantwortung er/sie trägt. Andererseits mag auch ich nicht unbedingt mehr bezahlen. Was die Pünktlichkeit angeht, geht das durch die ganze Gesellschaft. Ich habe auch schon in anderen Ländern gearbeitet und bin dort öv gefahren. Man braucht Europa nicht zu verlassen, um solche Erfahrungen zu machen. Die Leute sind viel entspannter, wenn der Fahrplan nicht so streng getacktet ist. Auch die Arbeitgeber waren diesbezüglich entspannter. Zumindest mit gegenüber kam ein Kommentar im Sinne von, "das ist eben so".
Vielleicht sollten der deutsche öv auch eher Pläne aushängen, auf denen vermehrt ist, von wann bis wann der Bus in welchem ungefähren Abstand verkehrt.
Wenn ich vollgetextete Fahrpläne sehe, bei denen alle 5 Minuten eine Ankunft eingetragen ist, bekomme ich zu viel. Übersichtlicher ist das nicht und tatsächlich garantieren kann einen solchen Plan niemand. Das würde als interne Regelung reichen und müsste nicht ausgehängt werden.
Wenn die Leute wissen, dass sie in 5 (10; 15; 20; 50;...) Minuten wieder einen Bus der Linie erwarten können, werden sie auch entspannter.

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Olaf 18.01.2018, 07:32
6.

1400 Euro Netto für so einen Vollzeitjob ist wirklich viel. Was die unfreundlichen Fahrgäste betrifft, sollte er vielleicht einmal in den ländlichen Bereich wechseln.

Da ist es wie in Südamerika, da freuen sich die Leute wenn überhaupt ein Bus kommt.

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ManRai 18.01.2018, 07:33
7. In Perth Australien

gibt es einige frei Buslinien, die Fahrgäste bedanken sich zu 80 -90 % beim Aussteigen. Selbst In Singapore sagen viele Guten Morgen oder Hello.... Deutschland soll sich da ein Beispiel nehmen

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HaraldBögeholz 18.01.2018, 07:33
8. Busfahren in Melbourne

Ich bin vor knapp einem Jahr nach Australien ausgewandert und lebe jetzt in einem der Vororte von Melbourne. Insgesamt ist mir aufgefallen, dass die Australier ein sehr höfliches Völkchen sind, aber insbesondere beim Busfahren hat mich das erstaunt.
Die meisten Leute schauen beim Einsteigen dem Busfahrer in die Augen und grüßen ihn, und fast alle rufen ihm beim Aussteigen ein freundliches "Thank you" zu. Das hat mir als Deutschem, der bisher den Bus als eine Art Maschine und den Fahrer als Teil dieser Maschine wahrgenommen hat, echt die Augen geöffnet. Ja, da ist ein Mensch, der so freundlich ist, mich durch die Stadt zu fahren ... natürlich begrüße ich ihn freundlich und danke ihm hinterher.
Wenn Sie, lieber Busfahrer, also je unzufrieden mit den äußeren Umständen Ihres Jobs sein sollten, empfehle ich eine Auswanderung nach Melbourne ... die Stadt, in der Busfahrer geschätzt werden ;-)

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kiwi.pro 18.01.2018, 07:36
9. Faktencheck

Ein Busfahrer im öffentlichen Dienst verdient, mit etwas Berufserfahrung mindestens 2.000? Brutto, in Steuerklasse 3 mit einem Kind sind das 1.585? netto.
Dazu kommt die Schichtzulage und Zuschläge für Nachtarbeit ab 21:00 Uhr.
Das ist trotzdem zu wenig (wie auch bei Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen etc.) und die Kluft zu den Reichen wird immer größer.
Trotzdem wäre es wichtig mit korrekten Zahlen zu arbeiten.

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