Forum: Karriere
Alltag eines Security-Mitarbeiters: "Die Menschen beäugen mich kritisch"
DPA

Gemeinsam mit Kollegen hat er gestreikt und um ein besseres Gehalt gekämpft. Im Protokoll erzählt ein Mitarbeiter der Flughafen-Sicherheitskontrolle von Druck, nervigen Fluggästen - und warum er seinen Job mag.

Seite 1 von 8
Hightower. 16.01.2019, 10:18
1. Verhältnismäßigkeit

Grundsätzlich stehe ich immer auf Seite der Arbeitnehmer und bin für eine angemessene Bezahlung, von der man (auch in Großstädten) leben kann. Allerdings sehe ich hier das Verhältnis zwischen geforderter Entlohnung (20€/h) und den Anforderungen an diese angelernte Tätigkeit nicht gegeben.
Luftsicherheitsassistenten erhalten beispielhaft folgende Bezhalung: Stundenlohn 16,00 / 17,13 € in Frankfurt bzw. 17,00 € in Hamburg - Tarifliche Sonderzahlungen - Steuerfreie Zulagen: Nacht 15% / Sonntag 40% / Feiertag 100 % - 2,20€ pro Tag Anwesenheitsprämie (44,00€ netto im Monat) (Quelle: i-Sec).
17€ * 160/h = 2720€ (OHNE Zuschläge) > 32.640€ Bruttogehalt im Jahr (OHNE Zuschläge) für einen Anlernberuf. Davon können manche Berufstätige mit abgeschlossener Berufsausbildung träumen.

Der Autorschreibt, er sei Beschäftiger eines personellen Sicherheitsdienstleister (bspw. Securitas, Kötter, iSec o.ä.). Innerhalb dieser Unternehmen gibt es zahlreiche andere Verwendungsmöglichkeiten.

Generell (!) ist die Sicherheitsbranche in Deutschland leider völlig unterbezahlt. Dass die Branche auch ein Imageproblem (im Sinne der Mitarbeiter) hat, ist mir bewusst, ich selbst arbeite in dieser Branche.
Tatsächlich würde sich beispielsweise jeder Mitarbeiter in Fußballstadien über einen Stundenlohne von Ansatzwesie 17€ freuen, die Realität sieht jedoch ganz anders aus. Auch gibt es (wie überall) Mitarbeiter, die ihren Job ernst nehmen, andere hingegen weniger.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neo99999 16.01.2019, 11:06
2. Sorry, aber

1. Dass die Gehaelter sich in verschiedenen Staedten, Bundeslaendern unterscheiden, ist ueblich und haengt auch damit zusammen, dass die Lebenskosten in diesen Staedten unterschiedlich sind. 2. JEDER Mitarbeiter am Flughafen (Passage, Info, Geschaefte, Reisebueros, etc.) nutzt die gleichen Toiletten, wie dieser Mitarbeiter und eben auch die Passagiere. Am Frankfurter Flughafen werden die Toiletten regelmaessig gereinigt und man kennt die, welche man lieber vermeidet. Zudem es durchaus im Buerobereich in den Terminals Toiletten gibt, die ausschliesslich von Mitarbeitern benutzt werden und auch diesem Kollegen zur Verfuegung stehen. 2. JEDER Mitarbeiter, der in den Transit/Sicherheitsbereich muss, durchlaeuft die gleiche Sicherheitskontrolle wie dieser Mitarbeiter - was daran so schlimm sein soll entzieht sich meinem Verstaendnis. 3. "Außerdem müssen wir seit 2012 alle drei Jahre eine Prüfung ablegen, in der wir zeigen müssen, dass wir die Luftsicherheitsgesetze beherrschen und auch kleinste metallische Gegenstände am Körper der Reisenden erkennen können. Diese Prüfung ist sehr hart." - oehm, Entschudligung, aber ist das nicht der Job????? Und was ist denn die Konsequenz, wenn man "durchfaellt"? Mit Sicherheit keine Entlassung, sondern Nachschulung. Das ist reine Qualitaetssicherung fuer die Sicherheit aller Fluggaeste und auch Mitarbeiter am Flughafen und wichtig. 4. Ja, der Job ist koerperlich anstrengend, man steht viel, muss sich oft buecken, etc., aber das wird hie ja noch nicht mal bemaengelt. Sorry, aber mit diesem Text als Begruendung fuer die Lohnforderungen hat man sich keinen Gefallen getan .

Beitrag melden Antworten / Zitieren
_oliver_ 16.01.2019, 11:58
3. Hoheitliche Aufgaben zum Ramschtarif

Man sollte mMn mal grundsätzlich darüber diskutieren,weshalb die hoheitliche Aufgabe Fluggast-Sicherheit hier vergeben wird, finde ich. Wie der Artikel hier belegt, es wird offensichtlich nicht gut bezahlt. Da braucht jetzt ja nur ein geschickter Terrorist wen bestechen, um seine tödliche Fracht durchzuschleusen. Der Druck ist hoch und verdient wird nicht soo gut, da ist der Anreiz zuzugreifen gleich höher. Man ist international besetzt wie es hier heißt, finde ich eher einen noch beunruhigenderen Umstand. Dann vergibt man also diese sicherheitsrelevante Aufgabe an Firmen, die schlecht bezahlen, aber als Zoll macht man die Aufgabe noch selbst, wenn es z. B. um gefälschte Sonnenbrillen oder Bußgelder für Laptops aus den USA geht. Man kann nur mit dem Kopf schütteln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
WolfThieme 16.01.2019, 12:10
4. Am Arm vorbei

Drei Beiträge ! Das zeigt, wie das Thema den Leuten am Arm vorbei geht. Dabei sorgt dieses schlecht bezahlte Personal für unsere Sicherheit beim Fliegen. Wäre schön, wenn man am Band wenigstens "Guten Tag!" wünschen würde (altmodische Grußformel aus dem 20. Jahrhundert), ihr Stoffel.
Stände hier was über die SPD, wäre es 300 statt drei Beiträgen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Harry1 16.01.2019, 12:11
5. Der Mann hat es verdient, er trägt auch Verantwortung

In einer deutschen Großstadt kostet eine kleine Wohnung 800 €.
Zum Leben braucht man weitere 800 €
1.600 Netto notwendig für ein bescheidenes Dasein! Altersvorsorge noch aussen vor!
Mit Alterversorgung sind wir bei 3.000 Brutto und da kommen wir halt mit dem Hunger-Mindestlohn nicht hin.

Arbeit muss sich (wieder) lohnen!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
gunoi 16.01.2019, 12:28
6. Der Druck ist zu groß?

Jetzt mal ernsthaft, all die hier angeführten Gründe für eine Gehaltserhöhung sind doch wohl ein Witz. Ich habe über 3.5 Jahre eine Ausbildung absolviert, habe Deadlines einzuhalten, muss immer erreichbar sein, absolute Reisebereitschaft zeigen und liege beim Stundenlohn nicht weit über 20 EUR. Jeder der mal an einem Flughafen durchgecheckt wurde, weiß genau, dass es da eben keinen übermäßigen Druck gibt. Die Herrschaften verrichten die Arbeit in ihrem eigenen Tempo. Ich will nicht sagen, dass sie langsam währen, aber ich sehe da auch niemanden ins Schwitzen kommen, weil der Chef mit dem Knüppel hinter einem steht. Auch die Aussage, dass der Test den Druck so sehr erhöht, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Mann muss halt in seinem Job etwas können und der Arbeitgeber will das natürlich prüfen. Wo ist das Problem? Wenn man nicht in der Lage ist, kleine metallische Objekte an einem Menschen zu finden, und die nötigen Gesetze zu lernen, dann ist das einfach nicht der richtige Job. Wie viel soll den dann ein Paketzusteller oder eine Reinigungskraft im Hotel verdienen? 50 Euro pro Stunde?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whugo 16.01.2019, 12:52
7. "am Arm vorbei" hat Gründe

Zitat von WolfThieme
Drei Beiträge ! Das zeigt, wie das Thema den Leuten am Arm vorbei geht. Dabei sorgt dieses schlecht bezahlte Personal für unsere Sicherheit beim Fliegen. Wäre schön, wenn man am Band wenigstens "Guten Tag!" wünschen würde (altmodische Grußformel aus dem 20. Jahrhundert), ihr Stoffel. Stände hier was über die SPD, wäre es 300 statt drei Beiträgen.
Vielleicht liegt es daran, dass der Herr vom Sicherheitspersonal mehr jammert als argumentiert. Er sagt, "die Menschen beäugen mich kritisch"; nunja, das ist aber doch genau das, was er - pflichtgemäß - mit den Fluggästen auch macht, und - mit Verlaub - wir mich abtastet und mir dabei fast direkt in den Schritt greift, den werde ich mir doch auch ein bisschen genauer anschauen dürfen. Dann findet er die alle drei Jahre stattfindende Überprüfung seiner Kenntnisse "sehr hart". Er möchte also ohne Prüfung mehr verdienen und dabei hingenommen wissen, dass er über die Jahre mehr und mehr Vorschriften vergisst und nichts Neues hinzulernt. Dann kann man auf die Sicherheitskontrolle gleich ganz verzichten. Schließlich beklagt er die Unfreundlichkeit der Fluggäste. Ich beklage ebenso die Unfreundlichkeit vieler Sicherheitsleute. Wenn ich mit einem "guten Morgen" zum Abtaster gehe, ernte ich oft genug nur ein "Arme hoch!". So, nach dem Motto, "hey Boss, ich brauch mehr Geld", sollte man Lohnerhöhungen nicht begründen. Da müssen schon Argumente kommen, nicht nur Jammerei (aufs gleiche Klo wie Passagiere, ohjeohje, hält man sich für was Besseres?).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
studlmu 16.01.2019, 13:17
8. ein Witz ...

ich fliege jede Woche zwei bis dreimal (mir ist voellig klar, dass dies oeklogisch bedenklich und auch sonst eine Zumutung ist - aber jeder verdient irgendwie seine Broettchen) und denke, dass ich durchaus eine Vorstellung von den Ablaeufen gewinnen konnte: nirgendwo auf der Welt habe ich soviel eigenartige Vorfaelle erlebt wie an einem deutschen Flughafen - mittlerweile glaube ich, dass das Personal an den Kontrollen kleine, wenig faehige Sadisten sind. (nur z.B. die Beschlagnahmung und Entsorgung von Vitamintabletten im Roehrchen). Wie bei vielen Sachen sollten Streikende doch einfach ueber den Zaun schauen: wie man Menschen am Flughafen kontrolliert kann man in Israel lernen. Schlechtes Beispiel - klar, da muesste sich wohl die Haelfte des dt. Personals einen anderen Job suchen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jsimo_10 16.01.2019, 13:19
9. Neid

Deutschland ist eine Neidgesellschaft. Gönnt den Leuten doch das Geld und zieht nicht immer euch als Vergleich ran. Jeder der unzufrieden ist, kann seinen Beruf wechseln. Ich selbst habe eine Berufsausbildung und arbeite nicht mehr in meinem Ausbildungsberuf, da er zu schlecht bezahlt ist. Deswegen arbeite ich selbst in einem "Anlernjob" und bin bei 50.000 Jahresbrutto, habe aber deutlich weniger Stress als so ein Sicherheitsmitarbeiter. Hier in Deutschland schaut jeder auf den Schulabschluss bzw. welches Studium man hat, das sagt aber nichts darüber aus, was ein Mensch kann und was er leistet. Vielleicht hatte man aufgrund sozialer Verhältnisse einfach keine Chance, eine höhere Schulbildung zu erwerben. Naja das führt jetzt zu weit. Es ist ein stressiger Job und er sollte entsprechend entlohnt werden. Achja: Augen auf bei der Berufswahl! ;-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 8