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Alltag eines Sonderpädagogen: "Von meinen Idealen ist nichts mehr übrig"
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Ins Referendariat startete er voller Tatendrang. Fünf Jahre später macht er nur noch Dienst nach Vorschrift. Ein Sonderpädagoge erzählt, warum er seinen einstigen Traumjob nicht noch einmal ergreifen würde.

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realist22 05.01.2018, 20:02
40. Die Ideale

Zitat von moritz27
was er beschreibt stimmt. Was ich nicht verstehe ist: Er ist ja nicht im Alter von 14 Jahren von seinen Eltern in irgendeinen Beruf gedrängt worden. Wenn man also Abitur macht und sich anschließend über seinen Berufswunsch einfach auch mal bei den schon berufstätigen Praktikern umgeschaut und umgehört hätte, wäre eine solche Berufswahl wahrscheinlich unterblieben. Und das will er jetzt bis zur Früpensionierung durchhalten?
Bevor sie den Beruf ergreifen und am Anfang des Berufslebens denken junge Lehrer noch, dass sie es nur richtig machen müssen - anders als die altgedienten Lehrer - dass mit dem nötigen Engagement, das sie natürlich aufbringen werden, der pädagogische Anspruch, den sie an sich haben, erfüllt werden kann. nach einiger Zeit erst stellen sie fest, dass es sehr schwer oder fast unmöglich ist, seine eigenen Ansprüche und die der Umwelt zu erfüllen.

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TS_Alien 05.01.2018, 20:02
41.

Selbst an normalen Schulen läuft vieles falsch. Die Klassen sind zu groß. Die Arbeitsbelastung ist zeitweise weit über 60 Stunden in der Woche. Und den auffälligen Kindern kommt man nicht bei, weil die erlaubten Sanktionen viel zu lasch sind und viele Eltern nicht kooperieren.

Es gibt in Deutschland zu viele Menschen, die niemals Eltern hätten werden sollen. Das geht durch alle Schichten und ist unabhängig von der Nationalität der Eltern.

Mittlerweile denke ich, dass für den einen oder anderen Schüler ein Erziehungsheim angebracht wäre, falls es das noch gibt. Selbst wenn es diesem Schüler nichts bringt, allen anderen wäre damit geholfen. So leicht gebe ich keinen Schüler auf, aber manchmal muss man Schüler aufgeben und alle anderen vor ihm schützen.

Jeder Mitarbeiter im Bildungssystem kennt die Probleme. Auch die Ministerien kennen sie. Die Ministerien reagieren nur nicht darauf. Stattdessen werden von den Ministerien absurde Statistiken geführt (vermutlich zur eigenen Beruhigung), viel zu oft lächerliche Erlasse verlautbart und Geld für viel Unsinn ausgegeben.

Wenn ich als Ausgleich nicht so viele Schüler hätte, für die es sich zu arbeiten lohnt, hätte ich den Beruf wieder aufgegeben.

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keinervonvielen 05.01.2018, 20:24
42. Top Beruf

Also hier noch einmal ein Sonderpädagoge. Ich bin auch männlich und Mitte Dreißig. Für mich ist es ein absoluter Traumberuf. Meiner Meinung nach mangelt es den Burnout-Kollegen sehr oft an Autorität, bzw. lassen sie sich viel zu viel gefallen. Es kommt auch nicht auf den super gut aufbereiteten Unterricht an, sondern für Disziplin/Ruhe/Lernklima zu sorgen und Streitigkeiten sofort nachzugehen. Wenn man dann noch ehrliches Interesse an Schülern zeigt und ihnen mit Respekt begegnet, dann läuft es auch. Die Faktor Humor ist auch nicht zu unterschätzen. Gerade als Mann hat man zudem bei männlichen Schülern einen besseren Stand. Also ich kann den Beruf nur empfehlen und bin heilfroh nach meiner Ausbildung nochmal die Schulbank gedrückt zu haben. Meine primären Beweggründe waren vor allem Sicherheit und die gute Bezahlung. Ich hätte nie gedacht, dass der Beruf so Spaß macht. Mit Sicherheit habe ich aber mit meiner Schule und meinen Kollegen großes Glück gehabt.

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spmc-124335485025276 05.01.2018, 20:51
43. Sehe das anders

Ich bin ebenfalls Sonderpädagoge, jahrelang Förderschule, dann GU, jetzt Berufskolleg.
Ich gehe jeden Tag gerne zur Schule, Diagnostik gehört schon immer zu unserem Geschäft ebenso wie schwierige Kinder. Dafür sind wir ja auch mal angetreten! Und dafür sind die Klassen wesentlich kleiner, auch wenn bei diesem Herrn die 14 schon zu viel sind. Vielleicht sollte er sich mal für A12 vor eine Grundschulklasse in NRW stellen, da sitzen 30 Kinder, mit teilweise erheblich anspruchsvolleren Eltern. Vielleicht weiß er dann zu schätzen, was er hat.
Ansonsten empfehle ich einfach einen Berufswechsel, so kann man das weder ihm und schon gar nicht den Kindern noch 35 Jahre zumuten.

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quak_quak 05.01.2018, 21:03
44. @ Nordstadtbewohner

Zitat von Nordstadtbewohner
Von welcher "reichen Generation" sprechen Sie? Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das gilt auch für Eltern. Oder warum sollten wohlhabende Menschen die Kinder aus anderen Familien alimentieren? Grundsätzlich gilt: Wer Kinder will, muss sie auch selbst finanzieren. Ein warmes Mittagessen steht allen Schülern in Deutschland zu, wenn ihre Eltern das dementsprechend auch bezahlen. Die Schule meiner Kinder ist übrigens top, was wohl auch daran liegt, dass ich und meine Frau unsere Kinder eine Schule in freier Trägerschaft besuchen lassen, die zusätzlich Schulgeld erhebt. Wütend sollte Sie von daher eher folgendes machen: Eltern, die nicht selbst in die Zukunft der eigenen Kinder investieren und es stattdessen von Unbeteiligten verlangen. Zum Artikel: Ich denke, der Sonderpädagoge wusste wohl nicht, worauf er sich auf beruflicher Ebene einlässt. Stress und Zeitdruck gibt es auch in anderen Berufen. Da sollte man ehrlich zu selbst sein.
Ich sehe es wie Sie. Gerade die Linksideologen ("dem Diktat der besitzenden Klasse unterstehen") mit ihren immer weiter ausufernden Forderungen an Schule und Gesellschaft sind es, die die Eltern darin bestärken, ihre persönliche Verantwortung abzugeben. Nur, dass das den Kindern nicht nützt. Jedes Jahr werden neue Höchststände bei der Zahl von auf Transferleistungen angewiesenen Kinder veröffentlicht - und jedes Jahr führt dies zu neuen Forderungen an die Politik und die Gesellschaft, obwohl doch gerade diese Statistiken zeigen, dass in einem über die Maßen aufgeblähten Sozialstaat sich Armut und Verwahrlosung reproduzieren.

Wer Verantwortung für sich und seine Kinder übernimmt, kann sich meist nur ein oder zwei Kinder leisten, nicht zuletzt wegen der hohen Abgabenlast - wer nicht mal für sich selber Verantwortung übernehmen kann, nach dem Staat ruft und von Haus aus niedrigste Ansprüche an Bildung und Erziehung stellt, braucht sich diesbezüglich keine Gedanken zu machen. Dass das im Interesse der Kinder ist, bezweifle ich. Lehrer - überfordert, Jugendämter überlastet, und von den mahnenden Worten der linken Elite kann sich ein Kind weder Fürsorge noch Werte und schon gar keine Zukunft kaufen.

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HaPeGe 05.01.2018, 21:10
45. Unzumutbar !

Die Zustände im deutschen Bildungswesen sind einfach nur noch katastrophal. Die Damen und Herren Bildungspolitiker sind auf dem besten Weg die Zukunft unseres Landes zu verspielen. Deshalb kann ich auch diesen Pädagogen verstehen, ... es ist einfach so nicht mehr machbar. Ganz abgesehen davon, für mich gilt: Inklusion ist eine Illusion. Man sollte endlich aufhören, sich etwas vorzumachen. Den Eltern muss ganz klipp und klar gesagt werden: Entschuldigung, aber eure Gören bringen es einfach nicht ! Wir können nicht wegen einer Minderheit, die Bildung der Mehrheit auf Spiel setzen. Sonst könnte das der Politik irgendwann per Urteil des BVG auf die Füße fallen.

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Periklas 05.01.2018, 21:19
46. Zeit für Veränderungen

Pädagogik ist eine Lebensaufgabe und eine Schwerstarbeit, das für einen selbst nicht erkennbar ist. Das persönliche Selbstbild ist als wertvoll zu betrachten und lässt auch andere Perspektiven zu.
Die Weiterbildung zu einem Therapeuten wäre der nächste konsequente Schritt seine Ideale bei zu behalten. In der Kreativität, der eigenen Lebensgestaltung einen Punkt zu setzen.

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twinketoe 05.01.2018, 21:25
47.

Zitat von juergengojny
Die Inklusion wurde überstürzt eingeführt von einer politischen Klasse ohne den notwendigen Sachverstand.
Da verwechseln Sie aber was. Im Artikel geht es nicht um Inklusion sondern um Exklusion. Der Lehrer der hier zu Wort kommt ist Lehrer in einer Förderschule. Dies ist eine Schule an der nur Kinder mit Einschränkungen unterrichtet werden; Kinder mit geistigen, körperlichen oder sozialen Behinderungen.

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kuschl 05.01.2018, 21:39
48. keinervonvielen hat recht!!!

keinervonvielen beschreibt in Post 42 das Problem auf den Punkt. Wer als Lehrer nicht in der Lage ist, in seiner Klasse für Ruhe und damit für ein entsprechendes Lernklima zu sorgen, hat schon verloren. Die mangelnde personale Autorität vieler Lehrer ist ein Grundproblem an unseren Schulen.

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pegasus2012 05.01.2018, 22:40
49.

Zitat von TS_Alien
Mittlerweile denke ich, dass für den einen oder anderen Schüler ein Erziehungsheim angebracht wäre, falls es das noch gibt. Selbst wenn es diesem Schüler nichts bringt, allen anderen wäre damit geholfen. So leicht gebe ich keinen Schüler auf, aber manchmal muss man Schüler aufgeben und alle anderen vor ihm schützen.
Schon mal was vom Grundrecht des Kindes auf Familie gehört (UN-Kinderrechtskonvention) ?

Die Freiheit raubende Heime sind hier zum Glück von gestern !

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