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Als Deutscher in Norwegen: "Der ökologische Anstrich ist nur gute Show"
Privat

Rochus Lyssy, 50, lebt seit 17 Jahren in Norwegen. Hier erzählt er, warum es ihm im Norden so gut gefällt, warum er nicht mehr als Zimmermann arbeitet - und wo das Image des Landes nicht stimmt.

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Axel7 13.07.2019, 12:05
1. Manches so ähnlich wie in der Schweiz

Der fehlende Datenschutz, die etwas wenige Kultur, oder in der Schweiz die Kultur, die man sich als Familie leisten kann und das Erzkapitalistische sind hier in der Schweiz fast genau so. Auch dass man im Erwachsenenalter schwer neue gute Freundschaften schließen kann.
Vielleicht ist es eine Schwierigkeit, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Nicht überall ist es wie in der eigenen sehr wohlhabenden Provinz.
Heute haben sich Schweizer in der Zeitung geärgert, daß ihre eigenen sensiblen Daten in einer Cloud angeblich von Swisscom gelöscht wurden. In wirklichkeit ist es eine US-Cloud, deren Kleberchen sich Swisscom kurz eingekauft hat mit allen Folgen für die Privatsphäre. Schlau wäre, ihre sensiblen Daten grundsätzlich lokal zu speichern. Aber dazu müßte man abweichend vom Nachbarn denken...

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chjuma 13.07.2019, 12:06
2. klingt sehr objektiv

Sehr gut, unaufgeregt und objektiv geschrieben. Und... trotz der Kürze recht fesselnd... Danke

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Gluehweintrinker 13.07.2019, 12:13
3. Dennoch ist Norwegen ein Role Model

Betrachte ich die konsumhysterische und stets ruppig-missgelaunte deutsche Gesellschaft, dann erscheint mir Norwegen dennoch als leuchtendes Beispiel einer Gesellschaft, die einem zukunftsfähigen Gemeinwesen näher kommt als was ich hierzulande erlebe. Ich bin öfter dienstlich dort unterwegs, im Urlaub ebenfalls und auch einen Bildungsurlaub über Ökologie habe ich nahe Kristiansand absolviert.

Protzerei erscheint mir verpönt. Es kann sein, dass man beim Einkauf im kleinen Dortladen den benachbarten Milliardär trifft, der mit Gummistiefeln an der Brottheke steht und Schwätzchen hält. Auch reicht das vergleichsweise hohe Einkommen nicht aus, um die sehr hohen Preise zu kompensieren, also wird im Schnitt bewusster und weniger konsumiert.

Ja, Norwegen wurde von einer ärmlichen Agrar- und Fischfanggesellschaft zu einer reichen, durch Gas und Öl. Wie intelligent ist der Staatsfond, der eine finanziell gesicherte Zukunft seiner Einwohner zum Ziel hat, per nationalem Konsens? Wie vorausschauend ist es, E-Mobilität zu fördern (ungeachtet der Akku-Problematik und des Gesamt-Öko-Fußabdrucks solcher Fahrzeuge). Wie fortschrittlich sind ÖPNV in Städten und die Norwegische Staatsbahn? Wie exzellent sind Gesundheitssystem und Pflege personell ausgestattet?

Benchmarking, also vom Besseren zu lernen, das scheint unter Staaten kaum angesagt zu sein. Statt dessen versucht Deutschland, immer und immer wieder das Rad neu zu erfinden. So wird das nichts mit einer zukunftsfähigen Gesellschaft.

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Mertrager 13.07.2019, 12:28
4. Kultur ist Mangelware

Also diesem Schluss kann ich nicht wirklich folgen. Liegt vielleicht daran, was man als Kultur versteht. Ich habe da bisher keine Mangel gesehen und weiß auch von Deutschen, die lange in Norwegen sind, dasz sie das Problem - wenn überhaupt - nur aufgrund von Sprachbarrieren haben. Ansonsten ist der Bericht gut.

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brux 13.07.2019, 12:33
5. Na ja

Norwegen leistet sich viel grüne Politik, die es mit dem Verkauf von fossilen Brennstoffen finanziert.
Das ist dann etwa so wie ein Drogenhändler, der zuhause auf Drogenfreiheit besteht.
Ich habe beruflich viel mit Norwegern zu tun. Alles sehr ehrliche und korrekte Leute, aber humorlos und sterbenslangweilig. Muss man mögen oder auch nicht.

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112211 13.07.2019, 12:34
6. Öko

Schon vor Jahren unterhielt ich mit einem Freund, der nach Norwegen gezogen war, und, obwohl er das Land liebt und schätzt, die Meinung vertrat, dass die Norweger eigentlich ziemlich flegelhaft mit dem eigenen Land umgingen, und dies nur deswegen keine Probleme bereite, weil es so wenig Einwohner seien.

Die Zeilen, die ich heute hier lese, bestätigen seine damalige Meinung. Ich empfand das Land als ziemlich sauber. Aber er zeigte mir, dass es eigentlich kaum einen freien Fleck ohne Ferienhäuschen geben würde. Allein das sei schon Frevel genug.

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Emil aus Lönneberga 13.07.2019, 12:39
7. Was will uns dieser Artikel sagen?

Lebe seid 13 Jahren hier und kann dies nicht bestätigen. Ausser dass es immer wieder Deutsche gibt, die in ihrer Besser-Wessi-Mentalität alles zu Nichte quatschen und zeigen wollen was sie für tolle Kerle sind.
Auch wenn alles online abgewickelt wird, heißt es nicht, dass der Datenschutz vernachlässigt wird. Der und die technischen Möglichkeiten sind wohl mit den deutschen weit überlegen.
Naja, wen es nicht passt kann ja zu Hause bleiben.

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-william- 13.07.2019, 12:45
8. Zu Kommentar Nr. 3

Es wäre so einfach sich gute Dinge von anderen Staaten abzuschauen, die dort sehr gut funktionieren und auf Deutschland übertragbar wären. Leider erfinden wir immer das Rad immer neu und führen hunderte Ausnahmen in Gesetze ein, um der Wirtschaft nicht zu "schaden". Nur leider ist diese lobbyistsche Denkweise viel zu träge um die wirklichen Themen der Zukunft anzugehen. Die Wirtschaft schadet sich damit langfristig selbst. Für die Manager von damals ist das natürlich dann eher unterdurchschnittlich interessant.

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Mikle 13.07.2019, 12:45
9.

Deutschland und Norwegen sind flächenmäßig ähnlich groß. Deutschland hat 82,8 Mio Einwohner, Norwegen 5,3 Mio Einwohner. Natürlich ist dort die Welt noch in Ordnung, natürlich kann den Norwegern ihre CO2 Produktion am A....... vorbeigehen. Die riesigen Wälder und das Meer kompensieren das mit Leichtigkeit. Alle Vergleiche mit Deutschland hinken, hier werden Birnen mit Äpfeln verglichen: wir haben weder Gas noch Öl, auch Strom können wir nicht so leicht so leicht erzeugen wie die Norweger, die zudem sehr, sehr viel weniger benötigen, selbst wenn sie nur noch E-Autos haben.

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