Forum: Karriere
Als Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf: "Der härteste Umbruch meines Lebens"
Silke Hoock/ SPIEGEL ONLINE

Zehntausende Lehrer fehlen künftig bundesweit - eine Chance für Seiteneinsteiger. Christian Wahle hat sich auf das Risiko eingelassen und erzählt, warum das nicht schief gegangen ist.

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severus1985 11.04.2019, 10:31
1. Seiteneinsteiger haben wenigstens Lebenserfahrung

Meiner Meinung nach wiegt sich die didaktische Überlegenheit der ausgebildeten Lehrer gut gegen die "komplettere Weltsicht" der Seiteneinsteiger auf. Schule soll auch auf das Berufsleben vorbereiten, dieses haben die meisten Lehrer aber nie kennengelernt. Von der Schule in die Uni in die Schule qualifiziert nicht dazu, Jugendlichen den richtigen Weg ins Berufsleben beizubringen. Eine gesunde Mischung aus Didakten und Realisten finde ich daher gut.

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mangolover 11.04.2019, 10:38
2. Hohe Messlatte für Seiteneinsteiger?

Das war ein Lehrer angeblich einem Seiteneinsteiger voraus hat, bzw voraus haben sollte ist Pädagogik und Didaktik. Aber das genau habe ich selten an Schulen erfahren. Ansonsten dürfte kaum ein Lehrer an Erfahrung und Fachwissen an die Messlatte von Seiteneinsteigern herankommen. Das riecht stark nach Angstschweiß der GEW, die sich ja schon einmal vehement gegen Praktika von Lehrern in Betrieben ausgesprochen haben.

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BettyB. 11.04.2019, 10:58
3. Eine Alternative

Klassisch ausgebildete Lehrer, die den Beruf wegen fehlender Alternativen oder Ferienzeiten gewählt haben, aber nur theoretisch wissen, wie man mit Schülern umgeht, oder lebenserfahrene Außenseiter, die sich bewusst sind, was sie in der Schule als Alternative zum bisherigen Berufsleben erwartet. Für Schüler sind die Letzteren wohl von Vorteil.

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abortus_bang 11.04.2019, 11:03
4. Rosarote Geschichte vom Gymnasium

Was mich immer besonders stört, dass in den allermeisten Fällen in den Medien immer von GymnasiallehrerInnen beim Seiteneinstieg berichtet wird. Es ist ein himmelweiter Unterschied sollte man den Gang an eine Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe (mittlerweile quasi "Resteschule") antreten. Während ein gut ausgebildeter Mensch am Gymnasium auf überwiegend motivierte bzw. zumindest erzogene (respektvoll Erwachsenen und ein Mindestmaß an anständigem Verhalten anderen gegenüber) Kinder trifft, ist dies an anderen Einrichtungen mittlerweile mitnichten der Fall. Am Gym kann man zwar nicht sein Forscherwissen anbringen, dennoch besteht hier die Möglichkeit fachlich zu arbeiten. Völlig im Gegensatz zu anderen Schularten. Hier besteht das Problem! Die Gymnasien können ihren Bedarf an Personal noch gut decken, an den Brennpunktschulen sieht es landesweit aber katastrophal aus und wird sich weiterhin verschlechtern, weil niemand Lust hat sich den höchst ungesunden Stress zu geben. Ich selbst steige in diesem Sommer nach mehreren Jahren an einer solchen Schule (und sie ist noch nichtmal tiefster Brennpunkt) wieder aus, da sich die Arbeitsbedingungen auch gerade in den letzten Jahren noch weiter verschlechtert haben. Meiner persönlichen Meinung nach kann man dort den Beruf nicht mehr mit einer gesunden Lebensführung in Einklang bringen.
Leid tun mir alle meine SchülerInnen, die es nicht (direkt) aufs Gym geschafft haben, vernünftigen Unterricht verdient haben aber leider oft nicht gerecht bedient werden können, weil andere pausenlos am Torpedieren sind.
Ich behalte die Entwicklung interessiert im Auge, halte zwar nichts direkt von den oft getätigen Aussagen, dass "uns das alles um die Ohren fliegen wird". Es ist jedoch langfristig keine Verbesserung in Sicht und das ist höchst bedenklich.

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Schleiter 11.04.2019, 11:06
5. Ich werde Frau Doktor

Kürzlich las ich, dass uns in D in ländlichen Gebieten ein Ärztemangel droht. Hoffentlich kann ich dann auch meinen Lebenstraum verwirklichen und doch noch Ärztin, am liebsten Kinderärztin, werden.
Studiert hab ich auch etwas und viel Erfahrung als Mutter von drei Kindern. Berufsbegleitend ein Tag in der Woche Nachqualifizierung ist okay.

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Phil2302 11.04.2019, 11:10
6. Berufserfahrung

Vorab: Ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied zwischen Lehrern und Seiteneinsteigern gibt. Die Pädagogik des Studiums ist überhaupt nicht praxisrelevant, die Didaktik ist hilfreicher, aber auch extrem schnell nachgeholt. Auf der anderen Seite würde ich gerne mal etwas Inhalt in der Phrase "Seiteneinsteiger haben wenigstens Berufserfahrung" lesen. Es wird dauernd behauptet, aber den Zusammenhang sehe ich nicht. Was bringt es denn, wenn ich den Satz des Thales beibringe oder den Franck-Hertz-Versuch bespreche, wenn ich schon einmal irgendwo als Sachbearbeiter (oder auch Teamleiter) gearbeitet habe? Leute, der Lehrplan steht fest. Da gibt's kein "oh ich weiß aber was in der Wirtschaft gebraucht wird". Zum einen hat auch der Seiteneinsteiger nur eine einzige Facette der ach so eng fassbaren und in einem Wort komprimierten "Wirtschaft" kennengelernt, zum anderen bereite ich ja hauptsächlich aufs Studium vor - und da weiß auch ich sehr genau was wichtig wird (Differentialrechnung) oder unwichtig (römische Zahlen). Also, ich freue mich über Antworten.

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titoandres 11.04.2019, 11:15
7. Seiteneinsteiger nicht das Problem

Im Übrigen: Lehrer, die auf Lehramt studiert haben, haben auch "Lebenserfahrung". Es ist ja nicht so, dass man im Studium, im Privatleben und dann an der Schule im luftleeren Raum existiert. Seiteneinsteiger an sich sind auch gar kein Problem. Das Problem besteht darin, dass man studierte Lehrer auch in der Lage schlecht behandelt (Gymnasiallehrer an Grundschulen schicken; Lehrer über Sommerferien arbeitslos werden lassen; den immer steigenden Aufwand nicht reduzieren; etc.) und Seiteneinsteiger nicht angemessen prüft: Es ist eben nicht auszuschließen, dass Menschen irgendwann aus falschen Gründen doch noch an die Schule gehen, nämlich nur weil der eigentliche Lebensplan gescheitert ist.

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flars1985 11.04.2019, 11:15
8. Seiteneinsteiger, ja aber...

Viele wünschen sich Seiteneinsteiger wegen der angeblich vorhandenen, größeren Lebenserfahrung, aber was ist denn diese Erfahrung in vielen Fällen? Lehrer müssen mit dem Vorwurf leben, sie hätten außer Schule und Universität nichts gesehen, da stellt sich die Frage, was haben denn die Seiteneinsteiger so gesehen?

Die meisten Seiteneinsteiger die ich erlebt habe kamen aus den Bereichen Mathe und Physik und waren vor ihrem Wechsel in den Lehrerjob an der Uni angestellt, haben dort an einem Lehrstuhl gearbeitet und als sie in ein Alter kamen wo der Vertrag nicht mehr verlängert wurde nach einer Alternative gesucht. Auch deren Lebenserfahrung besteht aus Schule und Universität.

Aus der Zeit in der ich Nachhilfe gegeben habe, kann ich berichten, dass mehrere dieser Seiteneinsteiger massive Probleme hatten ihr Wissen in einer gymnasialen Unterstufe zu vermitteln. Das Halten einer Übung an der Uni mit ausschließlich Studenten die sich das Fach ausgesucht haben ist eben nicht mit einer Schule vergleichbar.
Ein positives Beispiel aus meiner Schulzeit war ein Lehrer der vor dem Studium eine Ausbildung absolviert hat, ich bezweifle allerdings, dass es vor allem diese Ausbildung war die ihn zu einem besseren Lehrer gemacht hat.

Und seien wir mal ehrlich. Seiteneinsteiger mit Erfahrung außerhalb von Schulen und Uni werden absolute Ausnahmen bleiben. Denn warum sollte man an eine Schule wechseln, wenn man vorher im Beruf erfolgreich war?

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omop 11.04.2019, 11:18
9. Seiteneinsteiger sind eine Bereicherung

Ein Seiteneinsteiger, der vorher mehrere Jahre in einem anderen Beruf (Wirtschaft etc.) gearbeitet hat, kann Schülern m.E. vielfach eine offenere Sicht der Dinge zeigen. Didaktik und Pädagogik sind sicherlich wichtig, aber das allein macht sicherlich keinen guten Lehrer aus..auch hier kommt es auf Fachwissen an.

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