Forum: Karriere
Als Seiteneinsteiger in den Lehrerberuf: "Der härteste Umbruch meines Lebens"
Silke Hoock/ SPIEGEL ONLINE

Zehntausende Lehrer fehlen künftig bundesweit - eine Chance für Seiteneinsteiger. Christian Wahle hat sich auf das Risiko eingelassen und erzählt, warum das nicht schief gegangen ist.

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ondrana 11.04.2019, 23:53
80. Same procedure....

In den 70ern gab es schon einmal die massenweise Einstellung von Nicht-Lehrkräften. Damals waren es die Gymnastilehrerinnen und Hauswirtschaftsmeisterinnen. Despektierlich "Strick und Hops" genannt.
Die hatte man als Schulleitung über 30 Jahre lang an der Backe. Am Anfang war das noch kein Problem. Eltern akzeptierten das, was Schule ihnen so bot und waren still.
Je mehr Schule jedoch juristischer wurde, Nachvollziehbarkeit von Zensuren wichtiger wurde, desto mehr Probleme gab es. Es fehlte halt manchmal an der Intelligenz. (Ausnahmen bestätigen die Regel.)

Dazu kommt folgende Situation: Meistens hat ein/Quereinsteiger/in nur ein Fach. Das heißt, er/sie kann keine Klassenlehrerschaft übernehmen. Hat eine Schule zu viele Quereinsteiger, können nicht mehr alle Klassen versorgt werden.

Dann hat Frau oder Herr Müller nur das Fach Physik oder Musik und darf nichts anders unterrichten.
Eine normale Schule hat aber gar nicht genug Physik- oder Musikstunden zu versorgen, um dieser Lehrkraft eine volle Stundenzahl zu garantieren. Dann darf diese Lehrkraft an mindestens eine andere Schule stundenweise abgeordnet werden. Das wiederum macht die Erstellung des Stundenplanes wirklich schwierig.

Fazit: Quereinsteiger/innen können nur die letze Möglichkeit sein.

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Ontologix II 12.04.2019, 00:44
81. Nennen wir doch Zahlen

Zitat von Rentenkassierer
Ich, inzwischen Rentner, habe in den 1970er Jahren Mathematik studiert und habe seitdem mein Berufsleben in der Software- und Systementwicklung verbracht. Der überwiegende Teil meiner ehemaligen Kollegen bestand aus Mathematikern (Informatiker gab es in meiner Generation faktisch noch nicht, weil das gerade erst aufgebaut wurde) und auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis sind diese deutlich in der Überzahl. Niemand von denen hätte es jemals gereizt Lehrer zu werden. Diese Aussagen fielen auch explizit. Man hat ja schliesslich das Fach des Faches wegen studiert. Die finanzielle Seite spielt natürlich auch noch eine Rolle. Der öffentliche Dienst allgemein ist für jemanden, der als Mathematiker oder Informatiker erfolgreich in der Wirtschaft tätig ist, finanziell uninteressant.
Als Systementwickler können Sie locker das Doppelte eines Mathematiklehrers verdienen, und auch deutlich mehr als ein Oberstudiendirektor. Und Letzterer hat einen Job, um den sich nur Masochisten reißen.

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tom_eitel 12.04.2019, 00:52
82.

Zitat von JoachimZ.
Wo kann man in NRW entsprechende Stellen finden und sich bewerben?
Probier es mal hier - aber nicht zu früh freuen. Wichtig ist, ein Mangelfach zu finden und dieses auch studiert zu haben (meine Erfahrung)
https://studieren.de/quereinsteiger-ins-lehramt.0.html
Schau mal, was das dortige Schulministerium schreibt. Der Link von der allgemeinen Seite könnte veraltet sein.
Hilfsweise würde ich auch mal andere Bundesländer durchforsten, weil in jedem Land andere Zugangsvoraussetzungen herrschen und unterschiedliche Fächer gesucht werden.

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Rentenkassierer 12.04.2019, 10:02
83. Licht und Schatten

Zitat von Ontologix II
Als Systementwickler können Sie locker das Doppelte eines Mathematiklehrers verdienen, und auch deutlich mehr als ein Oberstudiendirektor. Und Letzterer hat einen Job, um den sich nur Masochisten reißen.
Das ist völlig korrekt. Ausserdem kann man, wenn man denn Interesse daran hat, Karriere machen oder auch individuelle Sachen durchsetzen (ich kenne Leute, die einen jährlichen dreimonatigen unbezahlten Urlaub vertraglich gesichert hatten, weil sie jedes Jahr in Australien mit ihren Segelflugzeugen unterwegs waren).

Es gibt aber natürlich auch Schattenseiten, speziell wenn man eine Familie mit Kindern haben will.

"Der Berg kommt nicht zum Propheten" ist eine Aussage, die für Spezialisten eine grosse Rolle spielt. Es kann im Zusammenhang mit dem Beruf durchaus sein, dass man alle paar Jahre umziehen muss, weil man irgendwo auf dem Planeten an einem längeren Projekt beteiligt ist.

Ebenso kann es sein, dass man mal für ein paar Jahre nur am Wochenende kurz zuhause ist, weil man Projekten irgendwo auf der Welt arbeitet und Anwesenheit vor Ort notwendig ist.

Eine dritte Variante bedingt immer einen gepackten Koffer für eine Woche, weil man oft sehr kurzfristig in einen Flieger steigen muss und nicht weiss, wie lange man vor Ort benötigt. Meine ehemalige Frau stand einmal vor dem Problem, dass am Abend viele Leute zu meinem Geburtstag eingeladen waren,ich aber mittags ganz kurzfristig nach Antwerpen fliegen musste, da es ein technisches Problem gab.

Sie sehen schon an einer Formulierung, dass Scheidungen ein ziemlich häufiges Phänomen sind. Fast alle meine ehemaligen Kollegen, sofern sie überhaupt verheiratet waren, haben eine oder mehrere Scheidungen hinter sich.

Ich könnte jetzt noch lange mit der Beschreibung von Erlebnissen fortsetzen, die Dritte, die das alles nicht kennen, kaum glauben würden, aber das gehört halt auch dazu.

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eumel2 13.04.2019, 08:50
84. Berufserfahrung...

... wird überbewertet. Das sage ich als nun verbeamtete Lehrer mit Berufserfahrung. Wichtig ist diese m.E. nur in Berufsschulen. Dort lassen sich oft praxisnahe Bezüge herstellen.

Wichtiger: Beziehungsarbeit, päd. Know-How, Didaktik, Fachwissen - in genau dieser Reihenfolge. Das gilt m.E. für alle Schulformen.

Die Diskussionen hier sind einmal mehr unsäglich. Da wird Lehrkräften psychologisches Halbwissen vorgeworfen (korrekt, Bin kein Psychologe und kein Erzieher...), dann selbst Didaktik und Methodik durcheinandergeworfen und dann der Seiteneinsteiger als Lösung vorgeschlagen.

Bitte mal nachdenken: das Abiturniveau korreliert negativ mit der Seiteneinsteigerquote. Ein Schelm, wer da einen Zusammenhang unterstellen will...

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hinz.und.kunz 13.04.2019, 18:22
85.

Zitat von severus1985
1. Seiteneinsteiger haben wenigstens Lebenserfahrung Meiner Meinung nach wiegt sich die didaktische Überlegenheit der ausgebildeten Lehrer gut gegen die "komplettere Weltsicht" der Seiteneinsteiger auf. Schule soll auch auf das Berufsleben vorbereiten, dieses haben die meisten Lehrer aber nie kennengelernt. Von der Schule in die Uni in die Schule qualifiziert nicht dazu, Jugendlichen den richtigen Weg ins Berufsleben beizubringen. Eine gesunde Mischung aus Didakten und Realisten finde ich daher gut.
Jetzt helfen Sie mir doch bitte mal auf die Sprünge, welch "komplettere Weltsicht" z.B. ein Versicherungsmathematiker, ein Fertigungsingenieur, ein Controller oder ein Programmierer gegenüber Lehrern haben sollte, und, vor allem, warum?

Und welche "Lebenserfahrung" meinen Sie, die ein Konstrukteur oder ein BWLer einem Lehrer voraus habe? Was hat ein It-ler, der z.B. ein Netzwerk wartet, einem Lehrer an Lebenserfahrung voraus? Und warum zählt der Umgang mit PC bei Ihnen zu Lebenserfahrung und der Umgang mit Schülern nicht?

Lehrer kommen nach der Uni übrigens nicht wieder als Schüler in die Schule, sondern sie üben dort im Gegensatz zu den Schülern einen Beruf aus. Einen Beruf, von dem sie im Übrigen keine Ahnung haben, genausowenig wie Sie Ahnung von Berufen haben, die Sie nicht ausüben, weil Sie sie halt nicht gelernt haben.

P.S.: Ich bin weder Lehrer noch Lehrerin.

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grotefend 14.04.2019, 09:23
86. Mit Verlaub!

Zitat von mupfl
Die meisten bekommen allenfalls schadlos den Phasenwechsel zwischen Frontalunterricht und Stillarbeit hin. Von dem, was in der Pädagogik (Lern) Psychologie, den Neurowissenschaften State of the Art ist, hat kein Lehrer den blassesten Schimmer, obwohl das eigentlich die Kernkompetenzen sein sollten. Jeder Erzieher und sogar jeder Marketingmensch ist dahingehend besser ausgebildet.
Lehrer absolvieren zu ihrem Master-äquivalenten Abschluss noch ein zweijähriges Referendariat. Die Unterstellung, sie könnten keine Methoden anwenden, ist haltlos. Außerdem: Stillarbeit kann Teil des Frontalunterrichts sein. Das eine schließt das andere nicht aus.

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grotefend 14.04.2019, 09:26
87.

Zitat von thomas.wenzel
....Und genau das ist es, was Lehrern abgeht.
Ziemlich einfältiger Kommentar Ihrerseits, meinen Sie nicht?

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grotefend 14.04.2019, 09:30
88. Ohje

Zitat von totalausfall
Ich zweifele an der Richtigkeit unserer pädagogischen Entwicklung. Daher finde ich es nicht schlimm, dass die nicht "pädagogisch" geschult oder besser gesagt verhunzt wurden! Meine Generation hatte noch die Typ Lehrmangel-Lehrer aus den 60ern! Da wurde Herr/Frau Lehrer stehend begrüßt und die Pädagogik sah so aus, dass man nacheinander an die Tafel gerufen wurde. Dann gabs entweder Lob oder dumme Sprüche, die sich jeder mit ein bisschen Ehrgeiz kein zweites mal anhören wollte vor versammelter Mannschaft! Wir haben unser Zeug gelernt! Ähnliche Pädagogik verfolgen die Asiaten ja auch - sehr erfolgreich. Wahrscheinlich sind viel zu viele "Pädagogen" an den Schulen.
Heute begrüßt man sich ebenfalls an vielen Schulen noch stehend (der Lehrer steht übrigens auch), um sich gegenseitigen Respekt zu zollen und ein Zeichen zu setzen, dass der Unterricht losgeht. Wo ist das Problem?

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grotefend 14.04.2019, 09:32
89. Sehen Sie...

Zitat von p_zero
Mein Physik Leistungskurs Lehrer war vorher bei der NASA. Allein schon dieser Fakt hat Respekt verschafft. Und Respekt ist doch ein Attribut das manchem Lehrer gut stünde.
Manche genießen eine gewisse Amtsautorität, andere verschaffen sich ihre Autorität allein dadurch, dass sie einen Zugang zu den Schülern haben. Und dazu muss man wahrlich kein Quereinsteiger sein.

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