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Alten- und Krankenpflege: Was gegen den Notstand in der Pflege hilft
DPA

Überall fehlen Pflegekräfte - kein Wunder, viele verdienen kaum mehr als den Mindestlohn. Aber dürftige Bezahlung ist nicht das einzige Problem. Eine Studie zeigt: Der Staat könnte die Lage mit Vorgaben verbessern.

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wannbrach 05.06.2018, 10:51
1.

Warum kann das Pflegepersonal nicht anständig bezahlt werden? Wer ist dafür verantwortlich und wie kann den Zustand verbessern. Die Medien könnten hier sehr wirkungsvoll helfen.

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hardline 05.06.2018, 10:55
2. Falsche Pauschalisierung

In den Medien wird immer so getan, als nagten alle, die im Pflegeberuf tätig seien, am Hungertuch. Natürlich ist es so, dass Pflegehilfskräfte in der Altenpflege relativ schlecht verdienen. Allerdings muss man auch mal sehen, dass diese Hilfskräfte oft in anderen Berufen auch nicht mehr verdienen könnten. In der Krankenpflege sieht es schon wieder ganz anderst aus, und auch bei den Fachkräften in der Altenpflege. Meine Freundin ist examinierte Krankenschwester und verdient bei durchschnittlich 173 Stunden Arbeit im Monat durchschnittlich brutto 5200 €. Weil sie gut ist. Aber viele, die vorher lange studiert haben und auch gut sind, komm da nicht ran.

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deraushh 05.06.2018, 11:02
3. und Freiberufler

die in die Einrichtungen gehen, um die prekäre Personalsituation aufzufangen, werden oft von den Rentenkassen grundlos des Sozialbetruges verfolgt. Ebenso die Einrichtungen die oftmals ohne zeitlich begrenzte Freiberufler eigentlich die Versorgung der Alten nicht mehr gewährleisten konnen. Auch hier muss unbedingt nachgebessert werden und Rechtssicherheit hergestellt werden. Ohne Freiberufler würde das System vieler Orts zusammenbrechen, aber das erzählen sie mal jemand RVA bzw vom Zoll.

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frytom 05.06.2018, 11:06
4. Wie sparen uns heute bereits zu tode...

Der politische Fehler war es, das Gesundheitswesen nach US-Vorbild zu kapitalisieren, so als könne man aus ihm "normale" Wirtschaftsunternehmen zaubern.

Böser, aber gewollter Fehler der Politik und der Gesundheitswesenprivatisierungs-Profiteure. Bis heute wird diese schwachsinnige affirmative Politik fortgesetzt.

Die Pflege ist zu billig und zu stark ausgedünnt. Das Einführen der Fallpauschalen und der "Standards" diente bis heute hauptsächlich und in erster Linie dazu, Arbeit zu quantifizieren, damit die Buchhalter exakt berechnen können, wo und wie in den Bereichen überall (vermeintlich) Einsparungspotential generiert werden kann. MRSA-Ausbreitung dank mangelnder Hygiene dank mangelnder Zeit ist die Folge usw. Aber, gut gespart, Herr Spahn.

Wir sparen heute bereits in den Krankenhäusern Menschen zu Tode. In den Niederlanden z.B. gibt es ein viel besseres national-weit mustergültiges Mrsa (vulgo Krankenhauskeime)-Handling, welches zwingend für alle vorgeschrieben ist. So etwas wäre für D ebenfalls zu wünschen. Nur dafür benötig man mehr Geld & mehr Personal.

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-mutabor 05.06.2018, 11:17
5.

Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten sind evtl schön für private Wohlbefinden, nützen in diesem Beruf aber nichts, wenn sie nicht auch zu einer besseren Bezahlung führen. Denn auch die Karrieremöglichkeiten sind im Pflegebereich genauso schlecht, wie überall. Chef kann immer nur 1 werden. Alle anderen machen keine Karriere, egal wieviele Fortbildungen sie mitgemacht haben. Das ist in allen Berufen der gleiche Beschiss! Aber man könnte die Arbeitszeiten gravierend verkürzen. Teilzeitarbeit bedeutet ja auch nur ein Teilgehalt. Und das ist auch der Grund warum Teilzeitbeschäftigte mehr arbeiten wollen. Nicht weil die Arbeit so toll ist, sondern weil der Verdienst so gering ist! Also halbe Stellen voll bezahlen! Höchstens eine 30 St/Woche! Mindestens 30/€ pro Stunde! Und wenn dann noch die Azubis mit einen vernünftigen Gehalt von ca 1500-2000 € netto geködert werden, klappt es auch im Pflegebereich!

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Das dazu 05.06.2018, 11:40
6. Einzelfall

Zitat von hardline
In den Medien wird immer so getan, als nagten alle, die im Pflegeberuf tätig seien, am Hungertuch. Natürlich ist es so, dass Pflegehilfskräfte in der Altenpflege relativ schlecht verdienen. Allerdings muss man auch mal sehen, dass diese Hilfskräfte oft in anderen Berufen auch nicht mehr verdienen könnten. In der Krankenpflege sieht es schon wieder ganz anderst aus, und auch bei den Fachkräften in der Altenpflege. Meine Freundin ist examinierte Krankenschwester und verdient bei durchschnittlich 173 Stunden Arbeit im Monat durchschnittlich brutto 5200 €. Weil sie gut ist. Aber viele, die vorher lange studiert haben und auch gut sind, komm da nicht ran.
Ein Einzelfall, der gar nichts ausagt. Sie schreiben nicht, wo und in welchem Gebiet. Es gibt spezialisierte Krankenschwestern, die werden eben gut bezahlt. Weil sie viele Zusatzausbildungen haben.
Meine Frau ist auch gut, wird gelobt und gefördert. Aber sie ist zu alt um die langen Zusatzqualifikationen anzugehen. Sie kommt auf netto 1500, bei mehr Stunden und starken gesundheitlichen Belastungen.
Früher wurden Gesundheitsgefahren bei Vergütungen berücksichtigt, aber nicht in diesem Bereich. Die Studie zeigt es auf. Die mangelnde Wertschätzung dieses Bereiches.
Es will sich wohl niemand damit beschäfftigen, weil es an die eigene Alterung und Sterblichkeit erinnert. Das wird weit weg geschoben.
Dazu kommt, das die Pflegekräfte ja diesen Beruf "freiwillig" gerne ausüben in den Augen der Gesellschaft.
Und Pflegekräfte in Altenheimen mit anderen Berufen zu vergleichen, ist einfach nicht möglich.
Die Empathie zur Pflege braucht ein Stahlarbeiter oder Maurer einfach nicht. Auch keine Bürokraft.
Dabei ist der Pflegeberuf bei weitem nicht einfach, wie er so dargestellt wird mit "Teilzeitkräften" und Aushilfen.
Fakt ist, das diese Form der Lohnempfänger priorisiert eingestellt wird, um die Lohnkosten niedrig zu halten und die gewünschte Flexilibität zu haben, die bei einer 24h Betreuung gebraucht wird.
Denn die Hauptarbeitszeiten in der Pflege sind eben nicht 9-17 Uhr.
Sie gehen min. von 6-22 Uhr und Nachts muss auch jemand da sein.
Das wird immer verkannt.
Schichtzulagen? Lächerlich, da würde kein Industriearbeiter für aufstehen. Schmutzzulagen? Ebenfalls, da lachen Müllwerker.
Gefahrenzulage? Nur in ganz engen Grenzen, denn das würde ja mehr kosten. Aber gerade ältere demente Menschen sind oftmals eine Gefahr. Aber eben nicht so rechtlich anerkannt, das es gewürdigt wird.
Aber die blauen Flecken, verdrehten Handgelenke und Kratzer bei meiner Frau sprechen eine andere Sprache.
Hat ihre Freundin auch solche Bedingungen?
Also vorsichtig mit solchen pauschalen Aussagen wie "woanders auch nicht mehr".
Nicht von einem Einzelfall auf das System schliessen.

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helisara 05.06.2018, 11:46
7.

In der Realität bekommen viele Pfleger auch nicht den Pflegemindestlohn. Da wird von den Heimbetreibern auf Teufel komm raus getrickst. Und der Beruf ist einer der schwersten überhaupt, physisch und psychisch.

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dr.eldontyrell 05.06.2018, 11:54
8. Kein Wort

Zitat von hardline
In den Medien wird immer so getan, als nagten alle, die im Pflegeberuf tätig seien, am Hungertuch. Natürlich ist es so, dass Pflegehilfskräfte in der Altenpflege relativ schlecht verdienen. Allerdings muss man auch mal sehen, dass diese Hilfskräfte oft in anderen Berufen auch nicht mehr verdienen könnten. In der Krankenpflege sieht es schon wieder ganz anderst aus, und auch bei den Fachkräften in der Altenpflege. Meine Freundin ist examinierte Krankenschwester und verdient bei durchschnittlich 173 Stunden Arbeit im Monat durchschnittlich brutto 5200 €. Weil sie gut ist. Aber viele, die vorher lange studiert haben und auch gut sind, komm da nicht ran.
glaube ich Ihnen. Ein guter Freund ist Unfallchirurg und verdient etwa 3500,-EU brutto. Meine Frau ist examinierte Krankenschwester auf Intensivstation im Schichtdienst, und hat auf 70% 2700,-EU brutto.
Oder haben Sie Schweizer Franken in Euro umgerechnet?
In Bangladesh wäre man damit sicherlich Großgrundbesitzer, aber in NRW reicht das grade so.
Ja genau, weil "sie gut ist" bekommt sie als Krankenschwester einen AT-Vertrag? Ja nee, is klar.

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c0bRa 05.06.2018, 13:18
9. @1

Im Grunde muss man wohl sagen, das die Pflegekräfte selbst dran schuld sind, sie sind noch Menschen und genau damit spielen viele Arbeitgeber.
Für die Pfleger sind die Alten und Hilfsbedürftigen, die sie pflegen eben auch noch Menschen und die Pfleger haben Mitleid und sagen eben, wer soll sie pflegen wenn ich streike? Also wird halt schön Überstunde an Überstunde gehängt, aus Ausnahme wurde Routine, der Arbeitgeber merkte, das es funktioniert, also wozu Kräfte einstellen, wenn der Pfleger auch ne Doppelschicht zum Wohle seiner Pflegenden klopft? Das ist dann nur noch ein Excel-Problem, die Stunden so aufzuteilen, dass es schön aussieht.

Eine Bekannte ist Altenpflegerin und die klopft regelmäßig für einen Hungerlohn 28 Tage ohne Pause "Schaukel"schichen, wie sie es nennen. Montag früh, Dienstag nacht, Mittwoch spät, Donnerstag nacht, Freitag spät, Samstag früh, Sonntag nacht. Viel Spaß mit dem Schlafrythmus. und wenn die Kollegin krank wird, dann halt auch gern mal 12-16 Stunden, sind ja noch 8 Stunden zum schlafen dazwischen. Meistens...

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