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Anonymes Lehrergeständnis: Wie die Schule mich krank macht
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Inklusion, jahrgangübergreifender Unterricht: Hier erzählt eine Berliner Grundschullehrerin, dass sie eigentlich hinter diesen Ansätzen steht - und warum ihr trotzdem alles über den Kopf wuchs.

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Sandygirl 03.06.2019, 13:33
1. Anekdotenhafte Bestätigung

Leider kann ich alle Punkte aus meinem Bekanntenkreis (viele Lehrer) nachvollziehen. Sowohl das die Lehrer immer stärker belastet werden, als auch das Einstellen von unqualifizierten Neueinsteigern. Ein immer stärker werdender Aspekt der mir im Artikel fehlt ist die Elternarbeit. Hatte früher ein Schüler schlechte Noten, dann haben Eltern das Gespräch und den Rat gesucht, damit der Schüler besser lernen kann. Heute drohen die Eltern eher mit dem Anwalt, wenn die Schüler schlechte Noten bekommen. Das belastet nicht nur die Lehrer - es ist auch ein völlig falsches Signal an die eigenen Kinder, ob man sich für Schule (und später den Beruf) anstrengen muss. Nicht umsonst sehen wir mit Erschrecken die immer höher Anzahl von abgebrochenen Berufsausbildungen.

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Quant85 03.06.2019, 13:42
2.

Das klingt wie bei meiner Mutter, die auch in Berlin Lehrerin ist (Gesamtschule). An ihrer Schule gibt es viele Migranten, die in Deutsch natürlich mehr Aufmerksamkeit brauchen. Immer mehr bürokratische Anforderungen, Extraaufgaben, demotivierte und gestresste Kollegen, ... Das hat sie auch zu einem Burn Out und einer Depression geführt. Zum Glück hat sie gelernt Nein zu sagen und sich um sich selbst zu kümmern.
Das Problem liegt am Lehrermangel und dass die Lehrer auch immer älter werden. Mit Anfang 60 hat man halt nicht mehr dieselbe Konstitution wie mit 30. Das wird gerne vergessen.

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dodgerone 03.06.2019, 14:08
3. Schuld ist die Politik

...die Probleme ziehen sich durchs Land. Kleinstaaterei und politische Vorgaben die sich nicht an der Realität orientieren. Bildung ist Gesamtdeutsch eine Baustelle und es wird kaum "gebaut"... stattdessen immer neue Vorgaben etc.

Schulen mal materiell oder personell ordentlich ausstatten: schaffen wir in Deutschland nicht. Man kann als Deutscher hier nur neidisch nach Skandinavien schauen. Das schlimmste: kein Politiker schämt sich dafür!

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Orthoklas 03.06.2019, 14:16
4. Nicht nur ein Grundschulproblem

Die geschilderten Sachverhalte kann ich ebenso auf das Gymnasium übertragen: ohne den Einsatz weit über das erwartbare Maß hinaus würde keine einzige Schule mehr funktionieren. Die Kollegen hängen sich wahnsinnig rein - und wir müssen uns fast täglich sagen lassen, welch laues Leben die Lehrer doch hätten. Diese Bemerkungen als dumm zu bezeichnen wäre noch eine freundlichere Antwort. Ich freue mich über jedes offene und ehrliche Wort dazu Kollegen - so wie hier.

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Andersstern 03.06.2019, 14:18
5. Politisch gewollt

Solange alle zwei Jahre eine neue Sau durch das Bildungsressort getrieben wird, ist die Zunahme der Burn-out Erkrankungen der KollegInnen zwangsläufig. Dazu kommen noch inkompetente Bildungspolitiker durch alle politische Parteien. Dazu die Besonderheit der Berliner Schule die Ausbildung der neuen Lehrer und die Ausstattung der Schulen totgespart zu haben. Wenn dann noch einer von Investitionen in die Bildung spricht bleiben einem die Wörter im Hals stecken. Erstaunlich ist eher, dass Schule überhaupt noch halbwegs funktioniert, was zum Großteil den Menschen, die dort beschäftigt sind, geschuldet ist.

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Klaus316 03.06.2019, 14:20
6. In SH genau so

Ist in SH genau so. Und daran hat die neue Landesregierung auch nichts geändert. Eher im Gegenteil: die Ressourcen gegen jetzt nur noch ans Gymnasium.

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mcmercy 03.06.2019, 14:34
7.

Kann ich gut nachvollziehen. 30 Kinder mit extrem unterschiedlichen Fähigkeiten und Voraussetzungen unter Kontrolle zu halten ist für eine einzelne Person nahezu unmöglich. Hinzu kommt dass es gerade in der Grundschule dem kindlichen Bewegungsdran völlig zuwieder läuft stundenlang still zu sitzen, früher wurden die mit Härte ruhig gehalten, heute ist das kein sinnvolles Erziehungskonzept mehr, aber neue moderne Erziehungsmethoden werden außer an privaten Schulen nicht eingesetzt.

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aggro_aggro 03.06.2019, 14:44
8. Was soll helfen?

"Mehr Geld in die Bildung stecken" hilft nichts, immerhin hatten die Schulen vor 30 Jahren auch nicht mehr Möglichkeiten. Eher viel weniger. Ohne Seiteneinsteiger die Anzahl der Lehrer zu verdoppeln (Doppelbesetzung statt Unterrichtsausfall) ist nicht nur unbezahlbar sondern komplett unrealistisch.
Dazu noch mehr Smartboards, Tablets und Spielzeug in die Schulen schaffen um alles finanziell zu regeln ist ein Irrweg.
Das Problem ist, dass die Schüler die Schule hassen und nicht dort sein wollen. Und wenn sie schon dort sein müssen, dann zumindest nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt sein wollen (Handy, Unterhaltungen, Essen).
Das ganze Unterrichtssystem muss neu gedacht werden. Entweder mehr Disziplin oder mehr Freiheiten. Und jedes Kind an eine Schule, an die es passt.

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Horst Scharrn 03.06.2019, 15:26
9.

Das Problem lässt sich langfristig lösen mit einer simplen Maßnahme: Mehr Geld für Bildung ausgeben.
Und mit dem mehr an Geld baut man dann zusätzliche Schulen und stellt mehr Lehrer ein bis man irgendwann Klassen von 10-15 Schülern hat. Das Geld dafür wäre locker vorhanden, nur der politische Wille fehlt.

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