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Anonymes Lehrergeständnis: Wie die Schule mich krank macht
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Inklusion, jahrgangübergreifender Unterricht: Hier erzählt eine Berliner Grundschullehrerin, dass sie eigentlich hinter diesen Ansätzen steht - und warum ihr trotzdem alles über den Kopf wuchs.

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bs4761 03.06.2019, 15:48
10. Lehrerprobleme

sind der aktuellen Eltern/Großelterngeneration, soweit sie sich für Schule interessieren, wohlbekannt. Von der Respektperson " Lehrer "ist im Laufe der letzten 30 Jahren ein " Opfer " geworden.
Etliche diverse Lehrmethoden unterschiedlicher Art , ohne wissenschaftlicher Grundlage, wurden zum Nachteil der Kitakinder und Schülern durchgepeitscht. Alle Methoden haben einen
gemeinsamen Nenner " autarkes lernen "
also mit minimierten zutun Erwachsener oder Lehrern. Bestenfalls werden diese als
Lernbegleiter gesehen.
Alle diese sehr negativen Entwicklungen für Erzieher und Lehrer gehen stets weiter.
Für Interessenten empfehle ich die Lektüre des Buches " Deutschland verdummt " von Dr. Winterhoff

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cobaea 03.06.2019, 15:58
11.

Zitat von aggro_aggro
"Mehr Geld in die Bildung stecken" hilft nichts, immerhin hatten die Schulen vor 30 Jahren auch nicht mehr Möglichkeiten. Eher viel weniger. Ohne Seiteneinsteiger die Anzahl der Lehrer zu verdoppeln (Doppelbesetzung statt Unterrichtsausfall) ist nicht nur unbezahlbar sondern komplett unrealistisch. Dazu noch mehr Smartboards, Tablets und Spielzeug in die Schulen schaffen um alles finanziell zu regeln ist ein Irrweg. Das Problem ist, dass die Schüler die Schule hassen und nicht dort sein wollen. Und wenn sie schon dort sein müssen, dann zumindest nicht in ihrer Freiheit eingeschränkt sein wollen (Handy, Unterhaltungen, Essen). Das ganze Unterrichtssystem muss neu gedacht werden. Entweder mehr Disziplin oder mehr Freiheiten. Und jedes Kind an eine Schule, an die es passt.
Das ist doch Unsinn - die SchülerInnen hassen die Schule nicht von vornherein. Da hier eine Grundschullehrerin schreibt, kann man mal festhalten, dass sich auch heute noch die meisten Kinder darauf freuen, endlich in die Schule zu kommen. Ob das dann auch so bleibt, hat massgeblich damit zu tun, wie gross die Klasse ist und wieviel Zeit die Lehrkäfte damit für die Arbeit mit den Kindern haben, und wie engagiert die Lehrkräfte sind.
In Inklusionsklassen braucht man zwingend zwei Lehrkräfte - eine allein kann nicht gleichzeitig die Bedürfnisse der "normalen" SchülerInnen - die ja auch schon aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen kommen und sehr unterschiedliche Fähigkeiten haben - und der Inklusionskinder (hörbehindert, sehbehindert, körperbehindert oder geistig behindert) befriedigen. Das ist schlicht unmöglich.
Ob nun vorne ein Smartboard hängt oder eine Tafel samt Karte und/oder anderen Materialien, ändert an den Lehrinhalten gar nichts - es erleichtert aber der Lehrkraft die Arbeit. Kinder wachsen nun mal heute auch mit Tablets im Haushalt auf - wieso soll dann die Schule so tun, als gäbe es sowas gar nicht?
Aber Lehrerdoppelbesetzungen oder auch nur schon kleine Klassen, sind nicht gratis zu haben. Das was Sie als "muss neu gedacht werden" hier präsentieren, ist aber nicht "neu gedacht" sondern "altes System aus den 50ern neu belebt".

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Byrne 03.06.2019, 16:16
12. Geld ist nur eines von vielen Problemen

Zitat von Horst Scharrn
Das Problem lässt sich langfristig lösen mit einer simplen Maßnahme: Mehr Geld für Bildung ausgeben. Und mit dem mehr an Geld baut man dann zusätzliche Schulen und stellt mehr Lehrer ein bis man irgendwann Klassen von 10-15 Schülern hat. Das Geld dafür wäre locker vorhanden, nur der politische Wille fehlt.
Die Anzahl der Schüler in einer Klasse ist nicht das zentrale Problem. Die durch Jahrgangs übergreifendes Lernen und Inklusion bedingte immer größere Heterogenität der Schülerinnen und Schüler bei gleichzeitig durch zahlreiche Quereinsteiger verursachte schlechtere Qualifikation der Lehrenden sind die zentralen Probleme. Weiter ist Schule und hier besonders die Grundschule seit Jahrzehnten ein beliebtes Experimentierfeld für immer wieder neue pädagogische Konzepte, welche sich praktisch samt und sonders nach 10 bis 20 Jahren als doch nicht so gut herausstellen und vom nächsten Experiment abgelöst werden. In den sechziger und siebziger Jahren war es im Bereich Mathe die Mengenlehre, die damals als Allheilmittel gegen Mathefrust verkauft wurde und die heute vermutlich kaum jemand noch kennt. Momentan scheitert gerade das Experiment "Schreiben nach Gehör". Leidtragende sind neben den Lehrern und Lehrerinnen auch immer die Schülerinnen und Schüler.

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jeby 03.06.2019, 16:27
13.

Inklusion und viele Migrantenkinder in einer Klasse klappt halt nicht. Daher probieren ja auch massenhaft Eltern ihre Kinder in Schulen und Klassen zu bekommen, wo beides einen geringen Anteil ausmacht. Mit viel kleineren Klassen und viel mehr Lehrern wäre es vielleicht machtbar, aber so etwas wird nie und nimmer in der Realität umgesetzt. Daher bleibt alles beim Alten. Diejenigen Eltern, die Wert auf Bildung setzten und in vielen Fällen auch das nötige Kleingeld haben, werden schon funktionierende Schulen finden. Kinder anderer Eltern landen auf Problemschulen oder zumindest auf Schulen mit komplett überforderten Lehrern.

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KevinPriegnitz 03.06.2019, 16:47
14. hmmm

gab oder gibt es diesen Artikel nicht jedes Jahr aufs Neue bei spiegel.de? Die Textzeilen kommen mir bekannt vor.

Aber ich schreib es widerum erneut: Früher gab es Klassen mit 20 - max. 25 Schülern. Wir haben alle überlebt auch wenn wir auf den Tischen gesessen haben. Da wurde man zurechtgewiesen und gut. Das Eltern die Schule mit Anwälten überhäufen ist auch heutzutage nicht so, das sehe ich ja an meiner Nichte die im kommenden Schuljahr ans Gymnasium wechselt.
Wir brauchten keinen 2ten Lehrer. Wozu überhaupt? Fehlt es dem Lehrer an Durchsetzungskraft? Dann ist er im Beruf definitiv falsch angesiedelt.
Früher gab es noch eine Orientierungsstufe wo alle Schüler nach ihrem Bilden und sonstigem nahegelegt wurde in welche Schule sie zu gehen haben. Dank der heutigen Politik fällt das ja weg.

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mosquitojg 03.06.2019, 17:40
15. Auch ohne Inklusion zu einem respektvollen Miteinander erziehen?

"Inklusion gut, genau wie den jahrgangsübergreifenden Unterricht... Das sind die einzig sinnvollen Methoden, mit deren Hilfe die Kinder lernen, dass es auf der Welt viele unterschiedliche Menschen gibt, die alle positive Eigenschaften haben."

das ist die eine Seite der Medaille und die andere:

"Manchmal bekam ich über Wochen nicht mit, wenn ein stilles, braves Mädchen in Mathe zurückfiel.".

Als Eltern dieses braven Mädchens hätte ich eben ein Problem mit dieser Schule und dieser Bildungspolitik. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Inklusion wirklich so förderlich ist für ihr eigentliches Ziel. Wenn die Kinder merken, dass sie unter Inklusion leiden, weil sie nicht gut genug umgesetzt werden kann aufgrund Personalmangels, dann kann das auch nach hinten losgehen. Es ist mir auch nicht klar, warum nicht ohne Inklusion zu einem respektvollen Miteinander erzogen werden kann. Doch auch besser als wenn die genervten Kinder sich dann "Schimpfwörter an den Kopf" werfen, wie das hier dann ausartet?!

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gluonball 03.06.2019, 17:58
16. Komsich

Bei uns in Berlin ist alles in Ordnung in der Grundschule. Aber die davor war auch ein Graus. So hart und traurig das ist aber das liegt nun mal an den Schülern die da kommen.
Wer zuhause Respekt und Achtung gelernt hat, ist eben in der Schule auch nicht so anstrengend. Und das unterscheidet sich gewaltig von Bezirk zu Bezirk. Aber das will ja immer keiner wahr haben. Wir lieben es ja "bunt".

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BettyB. 03.06.2019, 18:08
17. Tja

Wenn auch Bildungs- und Sozialpolitiker ihre eigene Kinder auf Privatschulen schicken, muss man sich nicht wundern, wenn auch sie versuchen, die Konkurrenz für ihren Nachwuchs möglichst gering zu halten. Eine Freundin nannte das mal "Mittelstandspolitik der besonderen Art". Eben...

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Merlin1006 03.06.2019, 18:57
18. Hier auch...

Das ist ja genau so wie auf der Grundschule von meinem Sohn! Berlin, Inklusion, JÜL, Kinder, die kaum Deutsch sprechen, Eltern, die sich null interessieren, unfähiger Quereinsteiger, ambitionierte Lehrerinnen, die nicht mehr können...

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remedias.cortes 03.06.2019, 19:10
19. DANKE für diesen Artikel,

ja, das passiert an Deutschlands Schulen. Auch ich bin eine Burn-Out - Betroffene , die an einer Inklusions- und integrativen Hauptschule unterrichtet hat. Zweimal in der Woche mit einer Sonderpädagogin im Team - es sei denn, diese wurde als Vertretungskraft gebraucht, also fast immer. DANKE auch an alle SPIEGEL- Kommentaristen.
Kommentare ohne Häme über die "WArmduscher- und Weicheier von beamteten Lehrern, oder wie unser Ex- Schröder uns nannte "faule Säcke".

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