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Arbeit ohne Stress: Aussteiger mitten in der Großstadt
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Clemens Meyer hätte eine steile Karriere und das große Geld haben können, so wie seine BWL-Mitstudenten. Doch lieber verkauft er Dinge, die er mag, zu Zeiten, die ihm passen. Meyer bietet in seiner Hamburger Wohnung Stereoanlagen an. Und wünscht seiner Kundschaft mehr Muße.

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spannendezeiten 04.03.2014, 12:22
1. Aussteiger?

eher brillianter Geschaeftsplan, aber mal ehrlich, ein bisschen Geld der Eltern muss da auch schon hinterstehen, sonst kann man es nicht ganz so gemuetlich angehen lassen ...

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kanzlermacher 04.03.2014, 12:31
2. Aussteiger?

Wieso Aussteiger? Der Kerl verkauft High-End-Anlagen für mehrere tausend Euro, d.h. er ist mittendrin im Superkapitalismus. Den muss man ja nicht verteufeln - jeder, wie er will - aber was hat das mit einem Aussteiger zu tun? Nur weil er die Produkte in seiner Wohnung verkauft und mit Strickjäckchen rumläuft, ist er doch kein Aussteiger.

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wdiwdi 04.03.2014, 12:41
3. Nein, garantiert kein Aussteiger

Zitat von kanzlermacher
Wieso Aussteiger? Der Kerl verkauft High-End-Anlagen für mehrere tausend Euro, d.h. er ist mittendrin im Superkapitalismus. Den muss man ja nicht verteufeln - jeder, wie er will - aber was hat das mit einem Aussteiger zu tun? Nur weil er die Produkte in seiner Wohnung verkauft und mit Strickjäckchen rumläuft, ist er doch kein Aussteiger.
Und er arbeitet außerhalb der normalen Geschäftszeiten, geht auch noch spätabends zu Kunden. Würde man das von einem MediaMarkt-Verkäufer verlangen, würde Verdi Zeter und Mordio schreien.

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fraumüller 04.03.2014, 12:52
4. absolut kein Aussteiger

... nur jemand der es anders macht und schlauer als die Meisten. Er trägt das volle Risiko der Selbständigkeit anstatt sich in die sichere Wohlfühlatmosphäre eines Angestelltendaseins zu kuscheln. Dafür hat er eben die Gewissheit, dass er sich nur selber ausbeutet, statt ausgebeutet zu werden.

Und seine Branche ist ja auch alles andere als sicher; heutzutage wo alles über Preis und Minimalismus und Apple Styling verkauft wird, versucht er superschwere und superteure Panzerschränke zu verkaufen. Qualität statt Geiz, sowas will doch niemand mehr haben. Hut ab.

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topas 04.03.2014, 12:56
5. optional

Wie kanzlermacher schon schrieb: Der Typ ist kein Aussteiger. Er lebt quasi vom irrsinnigen Superkapitalismus. Er verkauft eine HiFi-Anlage zu einem Preis, der locker einem Jahr Hartz-IV entspricht, damit ein Manager etwas komfortabler im Hotel Musik hören kann. Dem LKW-Fahrer, der die produzierten Zigaretten quer durch Europa kutschen darf, wird aus logistischen Gründen der Heimatstop am Wochenende gestrichen und die Klimaanlage aus Kostengründen nicht repariert. Hauptsache, der Manager kann ein paar belangslose und sinnfreie Dokumente zusammen stellen und sich dabei von einer 20.000EUR-Anlage berieseln lassen, die er in einem anders gestalteten Verkaufsraum erworben hat.

Im Artikel steht "An dessen Ende liegen seine Privaträume. Alle anderen Zimmer sind Verkaufsfläche". Der Logik nach ist das gesamte Krankenhaus auch die Wohnung des Bereitschaftsarztes, weil er ein Privatzimmer im Dachgeschoss hat. Der Musikladen hier um die Ecke auch, weil er in einer ausgebauten Garage eingerichtet wurde - mit Durchgang zum Privathaus.
Im Prinzip ist der Verkäufer jemand, der eine große Wohnung in zwei Bereiche aufteilte, einen zur heimisch gestalteten Ladenfläche umfunktionierte (Standard-Marketing-Konzept, oft genug gesehen) und dann als Selbständiger arbeitet. Jeder Selbständige kann sich - je nach wirtschaftlicher Lage - entscheiden wann & wie lange er leben möchte. Wenn er einige Zeit nix verkauft hat (und das Konto leer ist) wird er auch den Surf-Termin absagen oder früh um 7 einen Kunden empfangen, wenn dieser es sagt.

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jruhe 04.03.2014, 12:58
6. Aussteiger

Im Gegensatz zu den anderen Foristen hier, bin ich schon der Meinung, dass es sich bei dem Herrn um einen Aussteigert handelt: Es ist ein Aussteiger aus dem Rationalismus unserer schnelllebigen Welt in die Welt der Esoterik und des Subjektivismus. Er verkauft Hifi-Anlagen, andere hingegen werden Heilpraktiker, um sich zu verwirklichen.

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SPONaqua 04.03.2014, 13:33
7. Gefällt mir!

Schöner Artikel. Und Glückwunsch an Herrn Meyer: Alles richtig gemacht!

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Iggy Rock 04.03.2014, 13:54
8.

Zitat von jruhe
Im Gegensatz zu den anderen Foristen hier, bin ich schon der Meinung, dass es sich bei dem Herrn um einen Aussteigert handelt: Es ist ein Aussteiger aus dem Rationalismus unserer schnelllebigen Welt in die Welt der Esoterik und des Subjektivismus. Er verkauft Hifi-Anlagen, andere hingegen werden Heilpraktiker, um sich zu verwirklichen.
Finden sie es nicht merkwürdig, dass wir schon in Zeiten leben, in der Leute, die nicht die 08/15 Karriere durchziehen, gleich als "Aussteiger" bezeichnet werden? Für mich ist er nämlich auch keiner, er macht nur das, was vielen von uns gut tun würde: Arbeiten ja, aber nicht mehr im fremdbestimmten Hamsterrad.
Echte Aussteiger müssen keine Anlagen für tausende Euros verkaufen, die haben weitgehend akzeptiert, dass sie Konsum nicht glücklich macht und kein oberstes Lebensziel sein muss. In der Stadt müssen die auch nicht leben, dort gibt es schließlich nichts Wichtiges, außer viele Menschen.

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elbfischer72 04.03.2014, 13:55
9. Aussteiger...?

...Altbau-Wohnung in EPPENDORF und Verkauf von High-End-Musikanlagen an die Hochfinanz der Gesellschaft - ein Aussteigerleben sieht doch wohl anders aus als dieses mitten im Kapitalismus geführte...

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