Forum: Karriere
Arbeiten im Kollektiv: "Wir sind zufriedener"
Franziska Senkel

Kaffee, Cola, Krankenpflege: In Deutschland gibt es unterschiedlichste Betriebe, die sich ohne Chef selbst verwalten. Sie haben eines gemeinsam: Die Menschen hier arbeiten gern.

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Haarfoen 05.08.2019, 11:42
1. Prima ...

... beweist der Artikel doch, dass Menschen potentiell in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln: Ohne Investoren, eine Wirtschaftselite und / oder einen autoritären Staat. Natürlich wird es ungemein schwieriger, ein großes Unternehmen via Kollektiv zu regeln, man erinnere sich an den Niedergang von "Foto Porst" als Negativbeispiel. Andererseits sind Kollektive zum Beispiel in Form von Wohnbaugenossenschaften (keine staatlichen Wohnbaugesellschaften) bestens in der Lage, die Wohnraummisere zu lindern - wenn sie den Grundstücke oder Vorkaufsrechte hätten. Nur leider "klebt" der Deutsche mit seinem schrecklichen Kadavergehorsam an staatlicher Autorität, der Staat selbst misstraut seinen Bürgern zutiefst. Insoweit delegiert man die Probleme an die besitzenden Klassen, die (wie bekannt) versagen und nur den eigenen Profit im Sinn haben. Bedeutet: Die Bürger sind befähigt, sich in vielen Belangen selbst zu verwalten, man muss sie nur lassen und dabei unterstützen. Willy Brandt meinte einst: "Mehr Demokratie wagen" - das sehe ich auch so.

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holger.becker 05.08.2019, 12:34
2. Größe ist entscheident

In der Unternehmensentwicklung sagt man, dass der Charakter bei ca. 15-20 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern umschlägt.
Ich habe das selber erlebt, zwei Jahre durfte ich in so einem Unternehmen arbeiten, dann war die Grenze überschritten. Anfangs wusste jeder, was der oder die andere macht, und Hierarchieebenen bzw. Kommunikationsstrukturen waren einfach nicht notwendig, quasi alles wurde "zwischen uns" besprochen. Beim Lesen der Berichte fühlte ich mich an diese Zeit erinnert. Kommen die richtigen Menschen zusammen, können sehr angenehme und effektive Konstrukte entstehen.
Mit zunehmender Größe funktioniert solch eine Art der Zusammenarbeit häufig nicht mehr.

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huz6789 05.08.2019, 12:43
3. Moderne Führung = Wenig Chef

Ich kenne dutzende Stories von Freunden, die unter einem Vollpfosten von Chef/Chefin arbeiten müssen. Bei meinem Arbeitgeber gibt es zwar Chefs, aber Selbstverantwortung wird groß geschrieben und die Chefs mischen sich nur ein, wenn unbedingt nötig. Das Unternehmen ist extrem erfolgreich, die Leute sind motviert und keiner macht Selbstausbeutung, sondern arbeitet ganz normal. Es wird Zeit, das immer noch weit verbreitete, falsche Menschenbild, dass es einen Chef braucht, damit die Leute richtig arbeiten, einzumotten. In der Selbstverantwortung liegt eine immense Kraft. Nur einige Karrieristen und Herrschsüchtige wollen das nicht wahrhaben.

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vox veritas 05.08.2019, 12:44
4.

Was auffällt: Es handelt sich durch die Bank weg um kleinere Unternehmen. Sobald eine gewisse Größe überschritten ist, stösst das System an seine Grenzen. Das ist wie mit der Direkten Demokratie; die funktioniert auch nur begrenzt in größeren Ländern.

Für kleinere Unternehmen kann ein solches Kollektiv u.U. aber eine Alternative sein.

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im_ernst_56 05.08.2019, 13:04
5.

Zitat von holger.becker
In der Unternehmensentwicklung sagt man, dass der Charakter bei ca. 15-20 Mitarbeiterinnen bzw. Mitarbeitern umschlägt. Ich habe das selber erlebt, zwei Jahre durfte ich in so einem Unternehmen arbeiten, dann war die Grenze überschritten. Anfangs wusste jeder, was der oder die andere macht, und Hierarchieebenen bzw. Kommunikationsstrukturen waren einfach nicht notwendig, quasi alles wurde "zwischen uns" besprochen. Beim Lesen der Berichte fühlte ich mich an diese Zeit erinnert. Kommen die richtigen Menschen zusammen, können sehr angenehme und effektive Konstrukte entstehen. Mit zunehmender Größe funktioniert solch eine Art der Zusammenarbeit häufig nicht mehr.
Man kennt das auch bei Freiberuflern (Ärzten, Zahnärzten, Anwälten), die in einer Art Kollektiv arbeiten. Nach meiner Kenntnis funktioniert das nur so lange, wie alle dieselbe Geschäftsphilosophie haben. Und bei Unternehmen von der Größe von BMW (um das Beispiel von Kevin Kühnert zu bemühen), wird die kollektive Führung schon gar nicht funktionieren.

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bobby.dittmann 05.08.2019, 13:46
6. Mondragón Corporación Cooperativa

Das siebtgrößte Unternehmen in Spanien, global agierend, ist die Genossenschaft Mondragón Corporación Cooperativa. Es gibt zwar Chefs, die maximal das fünffache der Mitarbeiter_innen verdienen dürfen, aber ohne die demokratische Bestätigung durch die Genoss_innen (=Arbeiter_innen) geht gar nix.

Soviel dazu, dass alternative Formen nur in Kleinunternehmen gehen. Es kann kollektive, am Gemeinwohl orientiere Produktion geben, nur müssen dann ein paar Menschen darauf verzichten ohne Arbeit Porsche zu fahren, weil die Dividende für sie arbeitet...

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Celegorm 05.08.2019, 14:13
7.

Zitat von im_ernst_56
Man kennt das auch bei Freiberuflern (Ärzten, Zahnärzten, Anwälten), die in einer Art Kollektiv arbeiten. Nach meiner Kenntnis funktioniert das nur so lange, wie alle dieselbe Geschäftsphilosophie haben. Und bei Unternehmen von der Größe von BMW (um das Beispiel von Kevin Kühnert zu bemühen), wird die kollektive Führung schon gar nicht funktionieren.
Mir wäre neu, dass Kühnerts Vorschlag eine hierarchiefreie Führung von BMW beinhaltete. Kühnert sprach lediglich von einer wirtschaftlichen Kollektivierung, sprich dass der Betrieb und damit der Profit anteilsmässig den Arbeitern gehören würde. Dass bedeutet logischerweise nicht, dass dann plötzlich alle Mitarbeiter sich an jeder Mikro-Entscheidung beteiligen wollen. Auch ein kollektivierter Betrieb kann ein Management einsetzen, nur muss sich dieses dann halt gegenüber der Belegschaft verantworten und nicht gegenüber den Aktionären.

Letztere sind eh auch ein gutes Stichwort, denn Aktionären traut man ja komischerweise zu, bei fundamentalen Entscheidungen zur Betriebsführung mitzuentscheiden. Obschon diese oft keine spezifische Kompetenz dafür und stattdessen gar potentiell betriebsschädigende Eigeninteressen haben. Dass die Belegschaft ungeeigneter als Aktionäre wäre, solche Entscheide zum eigenen Unternehmen zu treffen, scheint darum eine ziemlich lächerliche Annahme.

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wahnbert 05.08.2019, 14:18
8. Es gibt

in Deutschland bestimmt tausende inhabergeführte Firmen, in denen es eine angenehme Unternehmenskultur gibt. Genauso kann es in Kollektiven gehen, wenn sich genug Mitglieder finden, die auch das unternehmerische Risiko mittragen. Bei der größtmöglichen Übereinstimmung aller Beteiligten ist das bestimmt machbar. Aber wer meint, in Kollektiven gibt es keine Konflikte, muß schon sehr unbedarft sein.
Auch in einem Kollektiv kann man nicht jede Entscheidung erst in einer Mitglieder- versammlung ausdiskutieren. Irgendeiner muß in dem Fall für das Kollektiv sprechen.
Auf jeden Fall muß man eine ganze Menge Gleichgesinnte finden. Das ist aber auch meistens das Problem Inhabergeführter Firmen. Heute noch schwieriger, weil es kaum noch größere Inhabergeführte Unternehmen gibt. Wer meint, im Kollektiv geht alles besser, ist doch schon sehr Blauäugig.

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Leser_01 05.08.2019, 15:39
9.

Diese Leute übernehmen ein existierendes Geschäftsmodell. Ohne den, der sich das alles ausgedacht hat, säßen sie allesamt auf der Straße und würden jammern, dass ihnen niemand Arbeit gibt. In ein gemachtes Nest reinsetzen, kann sich jeder.

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