Forum: Karriere
Arbeitsgerichtsurteil: Wer spontan in die Ferien fliegt, darf fristlos gekündigt werd
DPA

Eine Controllerin aus Düsseldorf flog nach Mallorca - und reichte ihren Urlaubsantrag erst von dort aus ein. Der Chef forderte ihre Rückkehr, doch sie blieb. Nun landete der Fall vor Gericht.

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jo125 11.07.2018, 19:25
30. Wissenschaft

Zitat von Celegorm
In der Wissenschaft ist das jedenfalls gang und gäbe: weil viele nur befristet angestellt sind, jeder primär selber für seine Karriere verantwortlich ist, vieles zeitintensiv ist und übermässiges Arbeiten motiviert oder zumindest nicht unterbunden wird, ist es vielerorts normal, dass an Wochenenden und auch sonst viel zu viel gearbeitet wird. Und das meist noch für einen sehr bescheidenen Lohn. Entsprechend kann ich mir nicht vorstellen, dass das in Unternehmensberatungen, Anwaltskanzleien, etc. mit ihren hohen Einstiegslöhnen anders läuft und der Chef es dort freudig abnickt, wenn man am Freitag um 16 Uhr ins Wochenende will obwohl der Klient seine Dokumente bis Montag fertig haben muss..
Die Wissenschaft kenn ich nur als Student, höre aber schon, was manche dort für einen Sch… Job machen, Doktoranden etwa. In der Wirtschaft läuft das aber nicht, und die Dame hat ja offensichtlich nicht in einem Institut gearbeitet. Und wenn in den von Ihnen genannten Unternehmensberatungen und Kanzleien die Leute freiwillig dieses Pensum abliefern, bitteschön. Das Elend ist selbst gewählt. Als BWLer und sicher auch als Jurist weiß man doch, auf was man sich einlässt. Wer für eine besondere Karriere und ein überdurchschnittliches Einkommen seine Freizeit opfern will, kann das ja gerne tun. Nur klar ist: Anordnen darf das niemand (s. Arbeitsrecht).

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hexenbesen.65 11.07.2018, 20:51
31.

Zitat von jo125
Spontane Arbeitseinsätze am Wochenende kann niemand anordnen. Zudem muss sowas vom Betriebsrat (wenn er denn existiert) genehmigt werden. Mal eben 12 Stunden Schicht geht auch nicht, in Ausnahmefällen darf die Arbeitszeit 10 Stunden betragen - und muss natürlich bezahlt werden. Vertrauensarbeitszeit gilt in beide Richtungen und betrifft eigentlich nur leitende Angestellte. Aber das Märchen vom Arbeitgeber als Ausbeuter hält sich hartnäckig in manchen Kreisen. Daraus abzuleiten, man könne sich einfach mal so in den Urlaub verabschieden - ohne Genehmigung - ist schon dreist. Ist mir auch in meiner 38jährigen beruflichen Laufbahn noch nie begegnet.
So ist es bei uns auch. Unser Vorgesetzter bekommt auf die Ohren, wenn wir länger als 9 Stunden (normal 7,8 Std) arbeiten. (Tja , dem klingeln jetzt diese--weil bei uns "Land unter" ist) Urlaubszeit und keine Vertretung--und das Tagesgeschäft läuft weiter.
Da sind spontane Arbeitseinsätze auch schon mal üblich...aber unser Chef achtet penibel darauf, dass diese Zeiten gut geschrieben werden und auch genommen werden können.... tja, nur wann....bei mir sind es schon fast 150 Stunden...in diesem Jahr..
Spontaner Urlaub hat auch noch niemand gemacht (außer: Freitag bescheid gegeben, dass man nächste Woche frei braucht, und auf das ok gewartet....war noch nie so, dass abgelehnt wurde.Allerdings ist das nicht gern gesehen- und nur für Notfälle gedacht..meine Vertetung hat diese Woche "spontan-Urlaub", weil er den Hof aufgegraben bekommt, weil er Wasserschaden hat... )

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scooby11568 11.07.2018, 23:39
32. @ celegorm und jo125 ich bin jetzt kein Arbeitsrechtler

Aber ist es nicht sogar so, dass der AG darauf achten muss, dass der An nicht zuviel arbeitet? Ist ansonsten Verletzung der Fürsorgepflicht

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infopanter 12.07.2018, 00:58
33. Bildende Kunst

Ich werde nie verstehen wie und warum sich manche selbst verknechten. Hut ab vor der Person, die die arbeitnehmerseits geforderte Spontanität und Flexibelität zu ihrem Vorteil gelebt hat! Die Idee zum Gerichtsverfahren hätte von Till Eulenspiegel sein können!

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aktiverbeobachter 12.07.2018, 08:02
34. irreführend

Da sich die Parteien im Gütetermin anscheinend auf einen gerichtlichen Vergleich geeinigt haben, der u.a. besagt, dass die außerordentliche Kündigung in eine ordentliche umgewandelt wird (plus Abfindung), stimmt die Aussage "Wer spontan in die Ferien fliegt, darf fristlos gekündigt werden" definitv nicht. Selbst bei so einem, aus meiner Sicht, schwerwiegendem Vergehen der Arbeitnehmerin kann der Arbeitgeber nicht erfolgreich (ohne weitere Kosten wie Abfindung, Lohnzahlungen) eine außerordentliche Kündigung durchsetzen. Wer deutsches Arbeitsrecht kennt, sicherlich keine Überraschung, aber wieder mal sehr bedenklich.

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adrianhb 12.07.2018, 09:04
35.

Zitat von TS_Alien
Die Firma wird es sicher verschmerzen, auf eine solche "Leistungsträgerin" verzichten zu müssen. Leider hat die Firma es versäumt, das Verfahren durchzuziehen. Da wären neben der fristlosen Kündigung noch etliche Schadenersatzforderungen und Prozesskosten auf die "Leistungsträgerin" zugekommen. Und im Zeugnis hätte dann gestanden: Sie hat ihre arbeitsvertraglichen Pflichten im Rahmen Ihrer Möglichkeiten wahrgenommen.
ja, dann hätte der Arbeitgeber Deine Racheglüste befriedigt ...

Ist aber nicht sein Kerngeschäft und eine gütliche Einigung spart Zeit und Nerven. In der gewonnenen Zeit hat er vermutlich einen guten Gewinn erwirtschaftet, anstatt sich auf ein Risiko vor Gericht einzulassen.

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kaiosid 12.07.2018, 09:10
36. super Aktion

Einfach mal spontan wegfahren, warum nicht? Wenn der AG dann so ein Prinzessinnentheater veranstaltet - dämlich.
Es stimmt schon: von den Mitarbeitern wird Flexibilität, unermüdlicher Einsatz etc. gefordert. Hat die Dame ja auch gebracht, immerhin nebenbei studiert. Und dann so ein humorloser Einsatz des AG.
Alles richtig gemacht und schön die Abfindung mitgenommen.
Und diese Geißelungen hier verstehe ich nicht. Die leitenden Angestellten und Manager kassieren ordentlich ab und dann wird hier noch ein Subordinationszwang von den Angestellten eingefordert. Ach ja... immer schön brav sein.

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jo125 12.07.2018, 09:39
37. So ist das nun mal

Zitat von kaiosid
Einfach mal spontan wegfahren, warum nicht? Wenn der AG dann so ein Prinzessinnentheater veranstaltet - dämlich. Es stimmt schon: von den Mitarbeitern wird Flexibilität, unermüdlicher Einsatz etc. gefordert. Hat die Dame ja auch gebracht, immerhin nebenbei studiert. Und dann so ein humorloser Einsatz des AG. Alles richtig gemacht und schön die Abfindung mitgenommen. Und diese Geißelungen hier verstehe ich nicht. Die leitenden Angestellten und Manager kassieren ordentlich ab und dann wird hier noch ein Subordinationszwang von den Angestellten eingefordert. Ach ja... immer schön brav sein.
Nennt sich Direktionsrecht. Das besagt, dass der Vorgesetzte Anweisungen erteilen darf, die der Mitarbeiter zu befolgen hat. Ansonsten droht Abmahnung und Kündigung wegen Arbeitsverweigerung. Im Übrigen handelt es sich ja nicht um Sklavenarbeit, sondern um einen beiderseitig freiwillig geschlossenen Arbeitsvertrag. Wer das nicht möchte, geht eben Hartzen. Oder hat so viel Mumm, selbst ein Unternehmen zu gründen.

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Fonso 12.07.2018, 09:49
38. Mal wieder...

Wieder mal schlechtes Deutsch in der Überschrift.
"Wer spontan in die Ferien fliegt, darf fristlos gekündigt werden".
Auch wenn das viele falsch machen: es muss heißen "dem darf fristlos gekündigt werden".
Oder "darf fristlos entlassen werden".

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postmaterialist2011 12.07.2018, 10:13
39. Klar geht sowas gar nicht !

Aber wieso haben wir trotz angeblichem Fachkräftemangel immer noch die 40 Stunden Woche ( ich habe in den 1990igern nach dem Studium mit 35 h angefangen), werden neue Mitarbeiter oft nur mit 22 Tagen Urlaub ( Standard war früher 30) eingestellt, gibt es in immer mehr Betrieben kein Weihnachts- oder Urlaubsgeld mehr und ist der Reallohnzuwachs seit Jahren ein Witz. Durch Schröder und das Dauerjammern der Arbeitgeber hat sich seit 2000 so viel zu Ungunsten der Arbeitnehmer geändert, dass es höchste Zeit wird, das sich der Wind wieder dreht und auch die Mitarbeiter ihren fairen Anteil an den stetig wachsenden Gewinnen bekommen.

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