Forum: Karriere
Arbeitswahn: "Bleibst du auf der Strecke, liegt es nur an dir!"
Corbis

Mails um Mitternacht, Berge von Überstunden: Für immer mehr Menschen hört die Arbeit nie auf, hat Karrierecoach beobachtet. Der Frühkapitalismus kehrt zurück, und die Globalisierung ist die perfekte Ausrede.

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kfp 10.10.2013, 12:15
20.

Zitat von mactor2
Selbst schuld Wer nach Feierabend/im Urlaub oder Wochende noch betriebliche Mails liest und ggf. noch beantwortet schaltet eben nie ab. Das ist aber auch dann die eigene Schuld wenn man dann zusammenbricht...
Zitat von depiedn
haben wir nicht freie Berufswahl in diesem Land? Freitag ab eins macht jeder seins......so ist das jedenfals bei mir. Meine letzten Überstunden habe ich vor 4Jahren gemacht....einfach mal den Job wechseln und im Bewerbungsgespäch mal den Mund aufmachen. Sowas wird im Studium natürlich nicht gelehrt.
Genau, da haben wir's wieder, wie der Titel schon sagt: "Bleibst du auf der Strecke, liegt's nur an dir!"
Nicht daran, dass man als Berufsanfänger grundsätzlich nur befristete Stellen kriegt, in denen alle Malochen bis zum Umfallen und man alle Chancen auf Weiterbeschäftigung verwirkt, wenn man es den anderen nicht gleich tut.

Nicht daran, dass ein großer Teil dieser Befristeten trotzdem nicht übernommen wird, weil gerade wegen Krise Einstellungsstopp herrscht, das Unternehmen zur Gewinnmaximierung gar nicht vor hat, Leute in Festanstellungen zu übernehmen, weil gerade Abteilungen geschlossen/verlegt werden usw. usf.
Nicht daran, dass der "Fachkräftemangel" darin besteht, dass die Unternehmen in teils hochqualifizierten Berufen nur jeweils ein paar Dutzend solider Kandidaten zur Auswahl haben, von denen aber dummerweiser keiner nur 20 Jahre alt ist und gleichzeitig mindestens 10 Jahre Fach- und Führungserfahrung sowie Expertenkenntnisse in allen angrenzenden Fachabteilungen hat...

Nicht daran, dass man evtl. eine Familie ernähren muss und denen nicht alle paar Monate einen Umzug quer durch die Republik bzw. das Risiko einer neuen Probezeit (die nicht immer nur zur fairen Probe, sondern auch gerne mal als weiteren Schritt im Auswahlprozess zwischen einer ganzen Reihe an Top-Kandidaten oder auch einfach als Erpressungsmittel benutzt wird) oder gar den Einstieg in die schöne neue Welt der Befristungen zumuten kann.

Nicht daran, dass Arbeitgeber einerseits unbegrenzte Flexibilität und kurze Befristungen verlangen. Aber wehe, man wechselt den Arbeitgeber mehrmals. (Erst recht, wenn einem selbst irgendwas nicht passt, dann ist man natürlich ein rotglühendes Eisen, das keiner mehr anfassen will.)

Nicht daran, dass man nach ein paar Jahren Befristungen und berufsbedingter Umzüge bei aller Bemühung um Ausgleich irgendwann sicher keine Familie, Freunde, Hobbies o.ä. mehr vor Ort hat, so dass außer Arbeit tatsächlich nichts mehr bleibt...
Diese Aufzählung lässt sich beliebig fortsetzen...

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kfp 10.10.2013, 12:19
21.

Zitat von weizenspreu
Richtig. Einfach mal das Leben etwas entschleunigen. Die Stunden reduzieren oder sich eine Halbtagsstelle suchen. Zwar muss man dann auf die ein oder andere Annehmlichkeit verzichten, aber die gewonnene Zeit wiegt dies mehr als nur auf.
Sicher können Sie auf solche Annehmlichkeiten wie die nächste Anstellung und/oder Vertragsverlängerung gerne verzichten. Aber die meisten von uns sind auf ein Einkommen nun mal angewiesen, und im Zeitalter der Befristungen ist "Entschleunigung", "Stunden reduzieren" u.ä. der Freifahrtschein in den vierten Hartz...

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cicatriz 10.10.2013, 12:20
22. Deutsche Arbeitswelt -- bewusst ohne mich

Genau das, was Wehrle beschreibt, habe ich auch ansatzweise erlebt, bevor ich bewusst aus der Arbeitswelt ausgestiegen bin.
Es ist nicht einzusehen, warum überhaupt noch jemand diese Ausbeuterwirtschaft unterstützt.

Arbeitslos und ALG2 ist wesentlich vernünftiger, ökonomischer und stresssparender als diese psychotischen deutschen Unternehmer zu ertragen. Trotz Jobcenter. Aber das lässt sich regelmässig auskontern.

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paulroberts 10.10.2013, 12:21
23. ja

Zitat von henryboehm
... und zieht dann wieder in die grosse weite welt! konsum und kapitalismus ist nunmal verdammt attraktiv.
die Attraktivität liegt spassigerweise in seine mangelnden Fähigkeit zu befriedigen.Es ist wie bei Drogen oder Alkoholsucht.Es ist kurz mal gut, aber nur kurz, dann will man wieder mehr und mehr (des Nutzlosen).
Und irgendwann ist das Leben vorbei und man schaut zurück auf die
vielen Smartphones, Fernseher, Autos, durch deren Kauf man ein paar Leute mit reich gemacht hat.Und wundert sich über das Gefühl von sinnlos.

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cicatriz 10.10.2013, 12:21
24. Bravo und vielen Dank

Zitat von henryboehm
ich habe in den achtigern der leistungsgesellschaft ade gesagt und bin landkommunarde geworden. alle meine kinder sind akademiker, hochbezahlte elite und wieder ins hamsterrad eingestigen. tendenzil links aber eher "gruene bourgeoisie". ich als "altenativer" mit .....
Genau so habe ich das auch gemacht. Nichts bringt mich wieder zurück in diese deutsche Arbeitswelt, so angeekelt bin ich von deutschen Unternehmern.

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carolane 10.10.2013, 12:22
25. Man muss die Menschen vor sich beschützen

Der Artikel reiht sich in das unendliche Lamento der deutschen Volksverwirrung ein. Ja was wollen die Lieben den nun?

Vorzeigewohnung, Vorzeigeurlaub, Vorzeigekinder, Vozeigejob, Vorzeigesozialstaat und all die schönen Dinge aus dem Katalog des unersättlichen Wohlergehens den es heute so gibt. Nur wenn man etwas dafür tun muss fängt man an zu weinen. Alles hat seinen Preis. Wer halt all die Segnungen unseres Wohlstands und unseres unendlichen Sozialstaats nicht will, soll halt langsam tun, sich einen anderen uncoolen und schlecht bezahlten Job suchen. Bei Aldi an der Kasse kriegt man keinen Burnout, höchstens wunde Finger und stirbt nicht am Infarkt sondern an Langeweile.

Und früher war alles besser. Sowieso. Und schuld daran sind die Unternehmer. Sowieso. Und die Politiker. Und die FDP. Klar. Nur die lieben Kinder nicht, die man beschützen muss, weil sie es nicht besser wissen und können. Hilflos. Alle zum Vogeldoktor. Oder alle brauchen einen persönlichen Lebensberater. Hei, gute Werbung.

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merapi22 10.10.2013, 12:23
26. Kapitalismus ein Zugewinn-Wirtschaft für ALLE!

Als Visionäre, der seiner Zeit weit voraus waren, kann man Ludwig Erhard bezeichnen!
Wohlstand für alle! http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Erhard
Kurz nach dem zweiten Weltkrieg, eine fast unmögliche Utopie! Kapitalismus = soziale Marktwirtschaft = Zugewinnwirtschaft für ALLE! Wenn man Arbeiter zwingt ohne Gewinn zu arbeiten, dann zwingt man auch bald Unternehmer ohne Gewinn ihre Waren zu verkaufen, Vermieter ohne Gewinn zu vermieten! Diese Vision war Deutschland 1990 näher als heute!

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Eros1981 10.10.2013, 12:24
27. Ich arbeite lediglich 25 Stunden in der Woche

Ich bin in einer Grundschule als Integrationshelfer tätig und dort für einen verhaltensauffälligen Jungen der 3. Klasse zuständig.

Dementsprechend arbeite ich nur während der Unterrichtszeiten von 8 Uhr bis 13 Uhr und nur in Ausnahmefällen, wenn mal ein Schulausflug oder ähnliches ansteht mehr.
Ich verdiene circa 700 Euro netto monatlich und bekomme noch 270 Euro vom Arbeitsamt hinzu, macht also insgesamt 970 Euro.

Da ich genug in meiner Freizeit zu tun habe und mit vergleichsweise wenig Geld zurechtkomme, bin ich zufrieden mit meiner beruflichen Situation.
Was so toll sein soll sein ganzes Leben mit Arbeit zu verplanen, verstehe ich nicht.

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zynik 10.10.2013, 12:24
28.

Zitat von Celegorm
Immer schön zu sehen, dass die alten Reflexe funktionieren wie gehabt - schön für die wahren Profiteure des heutigen Systems. Denn solange irrelevante Symptome und wehrlose Individuen zur Zielscheibe werden muss man sich bekanntlich keine Sorgen machen, dass an den wahren Ursachen des Ganzen etwas geändert würde. Dabei stünde es ja sogar in dem Artikelchen hier: Prächtig geht es dank der (Selbst-)Ausbeutung der Arbeitnehmer natürlich nicht irgendwelchen Hartzern oder Asylanten, sondern der eigenen Chefetage..
Nach oben kriechen, nach unten treten. Diese Mentalität ist bei den meisten Deutschen wohl genetisch bedingt. Das wusste auch schon Winston Churchill: "Man hat die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen."

"Mutti" klingt heute eben etwas freundlicher.

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Ze4 10.10.2013, 12:24
29. Ja,

Zitat von KarlFaktor48
Immer dieses polemische Gejammer und Gemecker, meine Großeltern haben noch täglich 12 Std von Montag bis Samstag in der Fabrik gestanden, bei Dreck, Lärm und schwerer körperlicher Arbeit. Da ist so ein paar Emails nach Feierabend beantworten die reinste Kur dagegen. Man kann sich ja selbstständig machen und dann arbeitnehmerkuschliger Chef werden.
Reaktionen wie die Ihre sind mir wohl bekannt, da ich mein Recht auf Faulheit immer offensiv vertreten und gelebt habe. Es ist schon erstaunlich, welch giftige Kommentare eine entspannte Lebenseinstellung bewirkt. Mein Beileid.

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