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Arbeitswelt: Rette sich, wer kann: Mitarbeitergespräch!
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Worauf können sich Mitarbeiter und Chefs sofort einigen? Richtig - beide hassen Mitarbeitergespräche. Karriereberater Martin Wehrle hat die schlimmsten Begegnungen gesammelt.

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hman2 17.09.2018, 13:09
30. Die bescheuerteste Frage...

...die ich bei uns im Konzern mal in so einem Fragebogen, der dem Personalgespräch vorausging, sah war:

"Wie zufrieden sind Sie mit der Politik der Geschäftsführung in der Vermittlung durch Ihren Vorgesetzen?"

Mein Vorgesetzter war mit mir derselben Meinung, dass diese Koppelfrage schwachsinnig war. Da dies die einzige Frage zur GF war, hätte ich (mit der GF unzufrieden, mit dem Chef aber zufrieden) quasi meinen eigenen Chef abgewerten MÜSSEN...

Wir haben beide die Frage ausgelassen (und ich habe ihm mündlich erzählt, wie ich denke), was natürlich von der Personalabteilung gerügt wurde...

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relies 17.09.2018, 13:14
31. Au wei...

Zitat von peter-11
... aber das ist ja leider in den Medien sehr verbreitet. Wahrscheinlich in Mitarbeitergesprächen "angeordnet". :-) Für erfahrene Chefs liegt das Wohlbefinden der Mitarbeiter im eigenen Interesse. Es ist keine neue Erkenntnis, dass Mitarbeiter die sich wohlfühlen, .....
Mit Verlaub, peter-11, aber Ihr Post klingt wie aus einem Lehrbuch abgeschrieben. Nicht, dass ich nicht voll hinter Sinn und Zweck eines solchen Instrumentes stehen würde, die Realität sieht nur leider vollkommen anders aus. Ich habe bei meinem Arbeitgeber etwa ein Dutzend Vorgesetzte "durchgemacht" und keiner(!) hat diese Gespräche so genutzt, dass sie nicht beiden Seiten als Pflicht- bzw. Alibl-Übung vorgekommen wären.

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rk_fisch 17.09.2018, 14:12
32. Bei uns gibt es einen vorgefertigten Mitarbeiterbewertungsbogen

Mit der Benotung 1 (für schlecht), 2 (knapp ausreichend), 3 (Mindestanforderung der Firma) und 4 (sehr gut).
Dieser wird in der Regel vor dem Mitarbeitergespräch ausgefüllt, als Mitarbeiter muss man die gleiche Bewertung aus eigener Sicht über sich während und nach dem Gespräch abgeben. Den Mitarbeiterbewertungsbogen vom Vorgesetzten und Mitarbeiter ausgefüllt erhält dann das Mutterhaus, natürlich von beiden unterschrieben.

Einem örtlichen Geschäftführer verweigerte ich einen Hardwarewunsch, nicht etwa weil ich böse wäre, sondern weil das Mutterhaus Vorschriften bei der Hardware machte. Diese Vorschriften kannte der Geschäftsführer, ich klärte ihn mehrmals auf und trotzdem: bei der Bewertung erhielt ich bei mehreren Punkten eine 1 - schlecht - weil ich mich erdreistete, dem Wunsch des Geschäftsführers nachzukommen, trotz der Vorschriften des Mutterhauses.
Deshalb weigerte ich mich auch, den von beiden ausgefüllten Mitarbeiterbewertungsbogen mit Hinweis auf die Sachlage und ungerechte Bewertung mit zu unterschreiben.

Seither rangieren Mitarbeitergespräche und - Bewertungen bei mir auf dem Niveau irgendwo bei "Schade um die verplemperte Zeit, die hätte man besser nutzen können".

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MartinS. 17.09.2018, 14:23
33. ...

Zitat von joppop
Die meisten chefs haben keinen blassen schimmer wie man solchegesprache angeht.
Das ist aber schon ein ganz grober Fehler... denn wer das dem Chef alleine aufs Auge drückt, der ist selbst dran schuld, wenn dann so ein Alibi-Gespräch bei rum kommt.
Ich als Mitarbeiter habe doch auch selbst ein Interesse daran. Nicht daran, mir selbst ein paar Schulnoten zu geben, sondern ein Feedback zu geben, und auch meine eigenen Erwartungen vorzubringen.
Wer die Vorbereitung auf so ein Gespräch auf das Ankreuzen beim Beurteilungsbogen beschränkt, dem ist schlichtweg nicht zu helfen.
Für mich ist doch relevant, wie ich meine eigene Arbeit wahrnehme. Was läuft generell gut, was läuft nicht so gut, was erwarte/erhoffe ich mir... bin ich mit meiner Tätigkeit zufrieden, will ich mich in eine bestimmte Richtung entwickeln, was bin ich bereit, im Gegenzug dafür anzubieten... bin ich bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, wie ist das Klima im Kollegenkreis, wie sind die Rahmenbedingungen (manche lassen sich nicht oder nur bedingt ändern... Bürokratie die sich aus der Organisationsstruktur ergibt werden wohl alle hassen, aber man muss sich halt damit arrangieren)

Himmel - NUTZT solche Gespräche, bereitet euch vor, zeigt damit auch ganz direkt, dass ihr euch mit eurer Arbeit auseinandersetzt - so mancher wird ganz erstaunt sein, dass er damit bedeutend mehr erreichen kann als mit "ich bin der Meinung, dass ich für meine Arbeitsleistung mehr Geld verdienen sollte".
So ein Gespräch ist keine Einbahnstraße und man sollte bei einem derartigen Werkzeug durchaus auch mal zusehen, was man denn anstellen kann, um selbst einen größeren Nutzen daraus zu ziehen.
(und ja - natürlich soll sowas auch konstant stattfinden. Aber das sind dann eben auch oftmals so Sachen zwischen Tür und Angel, oder eben Extremsituationen, bei denen einem mal der Kragen platzt, die dadurch aber eben auch immer nur als Ausnahme wahrgenommen werden... das sieht bei einem spezifischen Termin dann eben wieder anders aus)

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st_anja 17.09.2018, 14:25
34. sicht so einfach .....

Zitat von jo125
Ein großer Irrtum ist oftmals, dass Leute mit Sachverstand auch gute Führungskräfte sind. Das ist natürlich Unsinn. Man sieht es in der Politik: Minister haben in der Regel von ihrem Ressort keine Ahnung (siehe von der Leyen), führen aber große Behörden. Gerade in von ......
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, die Führungskräfte ohne Fachwissen fachliche Kick Offs leiten und beim Kunden den letzten Mist verzapfen, den dann der Experte wieder ausbügeln darf.
Ich halte Führungskräfte ohne Fachwissen keineswegs für besser als Führungskräfte mit Fachwissen.

Wenn es mit Führungskompetenz hapert (ist meistens so), dann wird die Person wenigstens noch wegen dem Fachwissen respektiert.

Ich habe beides erlebt und Ihr Statement passt so pauschal nicht zu meinen Erfahrungen.

Ihrer Aussage nach müssten die Fachleute dann besser positioniert und bezahlt werden als die Führungskräfte ohne Fachkenntnisse. Das ist nicht so und sorgt gerade bei den Experten für viel Frust.
Sie müssen ständig für inkompetente Führungskräfte die Kohlen aus dem Feuer holen und dann zusehen, wie diese ohne Fachwissen die Lorbeeren kassieren.

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monro 17.09.2018, 14:39
35.

Zitat von jupp78
Sie wollen ernsthaft wöchentlich über berufliche Weiterentwicklung Aufstieg und Co. reden? Sorry, aber das ist doch vollkommen praxisfremd. Einfach deshalb, weil nirgends diesbezüglich eine solche Schlagzahl bei den Themen an der Tagesordnung ist. Da kann es gar nicht so häufig überhaupt was zu besprechen geben, was dann einfach zur Folge hat, dass selbst jährlich nicht drüber gesprochen wird.
Das ist ganz und gar nicht praxisfremd. Eine gute Personalabteilung besteht und fördert dieses Vorgehen, im Anglo-Amerikanischen Raum ist das Gang und Gäbe.
Ich halte mit meinem Team wöchentliche Individualgespräche, in denen es um die aktuelle Arbeit geht, wo sie Hilfe brauchen und welcher Punkt auf dem Developmentplan/Performanceplan durch die aktuelle Arbeit bearbeitet wird, oder wir planen, wie Anforderungen der nächsten Gehaltsstufe in den Arbeitsalltag einbaut werden können.
Anhand dieser Meetings ist dann das abschließende Jahresgespräch einfach geführt, die entsprechende Empfehlung zum Aufstieg einfach gegeben.
Wer als Arbeitnehmer nicht regelmäßig die Möflichkeit einfordert mit dem Vorgesetzten an der eigenen Karriere zu arbeiten, sollte sich auch nicht beschweren, wenn es mit dem Aufstieg nicht klappt.

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jupp78 17.09.2018, 14:49
36.

Zitat von monro
Ich halte mit meinem Team wöchentliche Individualgespräche, in denen es um die aktuelle Arbeit geht, wo sie Hilfe brauchen und welcher Punkt auf dem Developmentplan/Performanceplan durch die aktuelle Arbeit bearbeitet wird, oder wir planen, wie Anforderungen der nächsten Gehaltsstufe in den Arbeitsalltag einbaut werden können. Anhand dieser Meetings ist dann das abschließende Jahresgespräch einfach geführt, die entsprechende Empfehlung zum Aufstieg einfach gegeben.
Sie mögen über die Arbeit wöchentlich sprechen ... klar.
Aber hier wurde gefordert den Developmentplan/Performanceplan jede Woche zu überarbeiten, jede Woche darüber zu sprechen, ob es nun eine neue Gehaltsstufe gibt etc..
Nein, das macht niemand wöchentlich.

Sie schreiben ja selbst, dass es bei Ihnen ein "abschließendes Jahresgespräch" gibt. Das ist das hier thematisierte MA-Gespräch, nichts anderes. Und warum machen Sie das nur einmal im Jahr? Ja, weil jede Woche es zu führen, vollkommener Unsinn wäre.

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kat0101 17.09.2018, 14:52
37. jo125

Wer weiß, vielleicht bin ich bei euch unterwegs :)
Und an deinem Post sehe ich, dass du erst einmal die Pflichtlektüre lesen solltest, um angemessen diskutieren zu können. "Reinventing organizations"
Ist jedoch nichts für Menschen, die Chef sein wollen und in oldschool-Manier davon sprechen, dass ja jemand dafür sorgen muss, dass es läuft und die Gehälter gezahlt werden müssen und - ganz schlecht - etwas von Selbstfindungsgedöhns schwadroniert etc., also eigentlich nix für Dich, Jo-i.

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sammilch 17.09.2018, 15:25
38.

Ich habe Mitarbeitergespräche in unterschiedlicher Qualität erlebt.
In einem großen Konzern liefen sie sehr gut, professionell und sinnvoll ab. Hatte den Eindruck, man wollte mir tatsächlich einen sinnbildlichen Kompass an die Hand geben wie es weiter geht - was gelang.
Auch konnte ich meiner Führungskraft Feedback zu ihrem Verhalten geben - das wurde angenommen.

In einem mittelständischen Unternehmen hatte ich hingegen eher den Eindruck, es ist "Abrechnungstag", die Führungskraft zeigte mir kleine Fehler (weil keine größeren zu finden waren) von vor über 8 Monaten auf, wie ich denn gedenke diese künftig zu vermeiden?
Da sie mir nie wieder widerfahren sind, konnte ich keine Antwort geben. Ich war geplättet von dieser "wir suchen jetzt die Nadel im Heuhafen" Mentalität.
Anschließend wurde ich gefragt, warum mein Krankenstand so niedrig war. Auch da war ich verblüfft, konnte keine verbindliche Antwort geben. Die Frage zielte dahin, Kollegen anzuschwärzen, die die damalige Grippewelle mit zur Arbeit geschleppt hatten
Meine Wortkargheit wurde mir negativ angerechnet, ich würde das Gespräch nicht ernst nehmen. So nicht.

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jo125 17.09.2018, 16:11
39. Missverständnis

Zitat von st_anja
Ihrer Aussage nach müssten die Fachleute dann besser positioniert und bezahlt werden als die Führungskräfte ohne Fachkenntnisse. Das ist nicht so und sorgt gerade bei den Experten für viel Frust. Sie müssen ständig für inkompetente Führungskräfte die Kohlen aus dem Feuer holen und dann zusehen, wie diese ohne Fachwissen die Lorbeeren kassieren.
Ich habe mich sicher missverständlich ausgedrückt: Natürlich braucht eine Führungskraft Fachwissen, das ist sozusagen die notwendige Bedingung (die in meinem Beispiel Frau v.d.L offensichtlich nicht erfüllt). Es ist aber nicht hinreichend in Bezug auf die Aufgaben einer Führungskraft. Also: Fachwissen allein befähigt nicht für Führungsaufgaben.

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