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Arbeitszeiten in Kliniken: "Überdenken Sie Ihren Stundenzettel nochmal"
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Ein Arzt in Polen schiebt 175 Stunden lang Dienst - auch in deutschen Kliniken ist der Arbeitsdruck oft enorm. Junge Mediziner in der Facharztausbildung berichten von nicht vergüteten Überstunden und gefälschten Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft ist machtlos.

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jetbundle 11.03.2014, 23:06
40.

Zitat von al2510
Und die Krankenversicherung muss neu überdacht werden.
Die ist doch die Wurzel des Übels, und die damit verbundene Patientenhaltung. So lange man für den Arztbesuch nichts zahlt rennen die Leute wegen jeder Erkältung zum Arzt. Die Ressourcen die in den Aufmerksamkeitstherapie für vereinsamte Patienten fließen fehlen dann an anderer Stelle.

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Drake_De 11.03.2014, 23:42
41.

Zitat von tssd47
Ich kann nur jedem raten, den Facharzt für Arbeitsmedizin zu machen. Dann in der Metall- und Elektrobranche bei einem der großen anfangen, z.B. Daimler, Bosch o.ä. Dann erhält man: 40 h Woche, AT Vertrag wie ein Abteilungsleiter mit privat nutzbarem Dienstwagen und kstenlosem Sprit innganz Europa, unter 110 TEUR p.a. geht da keiner nach hause. Bereitschaftsdienst, was ist das?
Eigentlich werden genügend Mediziner ausgebildet.
Die Ausbildung eines Mediziners ist eine der teuersten Unilehrgänge überhaupt.
Aber: Mehr als 50% davon sind Frauen. Was ja sehr gut ist einerseits, andererseits ist die kommen die Mediziner ungefähr Anfang 30 als Assistenzarzt in die Kliniken. Nun ja, dann ist die Zeit gerade noch den Facharzt soweit zu bringen, dass man genug Punkte hat, die Facharztprüfung zu machen, sich nen anderen Mediziner als Mann zu suchen, Kinder zu kriegen und dann mit dem Mann als Oberarzt, der sich Stundenmässig ne 60-70 Stundenwoche reinzieht sich aufs Kindererziehen zu spezialisieren und ne 10-20 h Stelle in einer kleinen Praxis auf der restlichen Pobacke abzuleisten.
Was anderes bleibt den Frauen aber auch garnicht übrig, denn ohne eine ordentliche Kindertagesstätte mit flexiblen Betreuungszeiten für Kinder von Führungskräften (die flexibilität ist wichtig) und einigermaßen Humanen Arbeitszeiten bleibt einer Medizinerin doch eigentlich nur diese Lösung wenn man Kinder will, oder man geht ins Ausland, wo man es geschafft hat die Arbeitszeiten human und familienfreundlicher zu gestalten.
Deutschland leistet es sich, 50% der ausgebildeten Mediziner zu "verschwenden".

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thelma&louise 11.03.2014, 23:48
42. Etwas Realität gefällig?

Vor 15 bis 20 Jahren waren Arbeitszeiten von78-82 Stunden am Stück ganz normal. Man trat Freitags morgens an und ging Montags abends nachhause. Wer jetzt fragt, warum man sich das gefallen lässt, der muss mal in den Spiegel sehen: Sind Sie bereit einen realistischen Beitrag in Ihre gesetzliche Krankenkasse zu bezahlen, oder sind sie ganz froh, dass durch Ausbeutung des gesamten Gesundheitspersonals Ihre Beiträge bezahlbar bleiben? Na? Schon mal nachgerechnet? Wenn man weiß, dass der durchschnittliche gesetzlich Krankenversicherte im letzten Lebensjahr seine gesamten Versicherungsbeiträge verbraucht, dann weiß man, dass man in jedem Krankenhaus und in jeder Praxis beschenkt wird (und zwar von den Privatpatienten, die das alles finanzieren)
Wer da von tollen Einkommen ohne Überstunden im Arztberuf redet - egal ob in Klinik oder Praxis - der ist leider dumm. Da das keine Krankheit ist, kann man diesen Dummen auch nicht helfen, weshalb man ihnen nur zurufen kann: Get out of my emergency room! Wir danken im Voraus.

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ioakim 12.03.2014, 00:11
43. Ist leider nicht erst seit heute

Ich habe als Berufsanfänger 1992 in einer deutschen Uniklinik die ersten 18 Monate 400 Euro verdient, meine Eltern haben mir meine Miete bezahlt. Dafür habe ich ca. 90 Stunden die Woche gearbeitet, manchmal bis zu 7 Wochen ohne freien Tag. Überstunden habe ich in Deutschland selbst als Oberarzt nie bezahlt bekommen. Jetzt arbeite ich ein England, bekomme für die halbe Arbeit das doppelte Gehalt. Reich wird auch hier niemand, aber mein Haus kann ich bis zur Rente abbezahlen.

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PsyDyn 12.03.2014, 00:11
44. Ich kann das nur bestätigen

Besonders Unikliniken sind teilweise ein rechtsfreier Raum. Ich habe dort in den neunziger Jahren eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit zwischen 70 und 90 Stunden gehabt, über insgesamt sechs Jahre. Die Nachtdienste wurden mit 12,50 DM (=6,25 €) vergütet, normale Schichten begannen um 8.00 Uhr, gingen über in die Nacht, danach sollte man offiziell ins Frei gehen, viele Kollegen, auch ich, arbeiteten jedoch noch den nächsten Tag auf Station weiter. Nach einer Nacht Schlaf ging es dann weiter, bei sechs bis acht Nacht- und Wochenenddiensten im Monat. Samstag/Sonntagdienste bedeuteten in der Psychiatrie/Neurologie regelmäßig 24 Stunden.
Den Haß, den man als Assistent auf die Fuzzis aus der Verwaltung und deren Winkeladvokaten bekam, die einem bedeuteten, der Nachtdienst bedeute keine reguläre Arbeitszeit, sondern lediglich Bereitschaft, den kann ich nicht in Worte fassen.
Viele Kliniken beruhen auf der puren Ausbeutung der Ärzte, vor allem der Assistenten.

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ph.latundan 12.03.2014, 05:38
45. selten soviel schwachsinn gelesen ...

Zitat von markusb
Zuletzt kam noch die Meldung, daß das Durchschnittseinkommen der Niedergelassenen Ärzte bei jährlich 160000€ liegt. Muss ich jetzt Mitleid haben? Vielleicht sollten wir einfach da was streichen undwem es nicht gefällt, der kann ja gerne ins hochgelobte Ausland gehen. Allerdings sollten dann auch die Kosten der Ausbildung zurück erstattet werden.
selten soviel schwachsinn gelesen ...
es geht nicht um niedergelassene aerzte sondern um in krankenhaeusern angestellte aerzte. wer lesen kann ist klar im vorteil.

wer neidisch auf das gehalt ist, wenn dieses hier angegebene ueberhaupt stimmt, kann ja arzt werden. so einfach ist das.

und die kosten der ausbildung sind durch die steuern der eltern gezahlt.

ansonsten auswandern............

ps
meine tochter wird kinderaerztin, schwerpunkt diabetis, und sie wird mit sicherheit NICHT in dtld arbeiten.

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turinturambar 12.03.2014, 07:38
46. Naja

2.200 Euro netto entsprechen dem Tarifvertrag im ersten Ausbildungsjahr. Mit 24-Stundendienst (4 bis 7mal im Monat) kommen aber sicher 600-900 Euro Nettlo mehr hinzu.
Man verdient sicher nicht so gut wie in der Wirtschaft, muss allerdings auch keine Arbeitslosigkeit befürchten.
Ich denke unsere Bezahlung in der Assistensarzt-Ausbildung ist fair.
Man sollte nur den Dokumentationswahn und die überwuchernde Bürokratie abschaffen, dann haben wir auch mehr Zeit fuer den Patienten.
Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass Aerzte in ihrer Freizeit forschen, nach Dienstschluss, und nachts in der Bereitschaft.

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CancunMM 12.03.2014, 08:06
47.

Zitat von derForensiker
Also zumindest in Deutschland sind die Kollegen zum Teil selber schuld, wenn sie sowas noch tolerieren. Eine Meldung beim Amt für Arbeitsschutz kann eine Klinik ganz schön in Bedrängnis bringen. Der Vorteil ist heute der Ärztemangel: Wenn jemand ein bißchen flexibel ist, kann er einen Rauswurf oder eine ausfallende Vertragsverletzung durchaus verschmerzen - eine Stelle findet er immer.
Meldung beim Amt für Arbeitsschutz ?
Das ich nicht lache !
Ich war 14 Jahre als Assistenzarzt im Krankenhaus tätig. Ich hatte immer befristete Verträge. Der längste dauerte 4 Jahre. Natürlich ist man da erpressbar. Irgendwann dachte ich mir: Ok. Wenn du die Schnauze hälst wird dein Vertrag nicht verlängert also kannst du auch die Schnauze aufmachen. Ich war Assistenzarztsprecher und holte wegen des Verstoßes einer großen Klinikkette den Marbuerg Bund und die entsprechenden Aufsichtsbehörden ins Boot. Das Ergebniss: Wir hatten keine 24 h-Dienste mehr, mein Vertrag wurde nicht verlängert, ich wurde massiv von der Klinikleitung unter Druck gesetzt und als ich ging bekam ich von meinen Kollegen auf die Schulter geklopft (und das meine ich nicht abschätzig, sondern das war wirklich ein schönes Erlebniss). In einer anderen Klinik informierte das Amt für Arbeitsschutz meinen Chef, dass es da aufmuckende Assistenzärzte gebe. Dann wurde der Druck wieder erhöht.
So viel zu den entsprechenden Aufsichtsämtern.

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gratiola 12.03.2014, 08:36
48. Geld -und andere Zahlen

Für den niedergelassen Arzt gilt z.B. in meinem Fall 128.000 € Brutto. Beim Stuerberater kommt nach Ab zug von Unkostern (Miete, Strom, Wasser, Rentenbeitrag, KK-Beitrag und Steuren 34.684 €/pro Jahr raus, d.h. knapp 3000 €. Das bei den genannten WE und Überstunden und ewig drohenden Regressforderungen.
Die Klinik war viel, viel schlimmer. Viele Kollegen haben dazu richtige Beiträge bzw. Beispiele gegeben. Der Knakpunkt ist, dass in den Kliniken viele Einnahmeplätze für Verwaltungswichtigtuer geschaffen wurden. Schon eine Homepage für ein Krankenhaus fängt in der Regel mit dem Geschäftsführer und nicht mit den Ärzten an.
In Verwaltung, EDV, DRG, inklusive dafür notwendiges Personal werden Millarden versänkt. Alles auch zum Wohl der Industrie, welche für Soft und Hardware etc. Milliarden kassieren. Es wird sich nichts ändern,

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gustavscott 12.03.2014, 08:41
49. Nicht nur Ärzte

Zitat von sysop
Ein Arzt in Polen schiebt 175 Stunden lang Dienst - auch in deutschen Kliniken ist der Arbeitsdruck oft enorm. Junge Mediziner in der Facharztausbildung berichten von nicht vergüteten Überstunden und gefälschten Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft ist machtlos.
Die Schilderung der Zustände in den Kliniken ist richtig (Jahrzehnte in der Klinik). Zum einen ist dies von der Politik so gewollt und zum anderen sind es nicht nur die Ärzte, die wo mißhandelt werden sondern in viel stärkerem Maße die Pflegekräfte. Pausenregelungen, Arbeitszeitzegelungen, Höchstarbeitszeiten werden wie selbstverständlich mißachtet. Staatliche Aufsichtsämter werden zusammengelegt und kümmern sich auch nicht. 1/2, 1 oder 2 Jahresverträge sind gängige Praxis(bei allen Berufsgruppen). Ausgliederungen auf eigene Zeitarbeitsfirmen (formell), die nur die eigene Klinik bedienen gehören dazu. Das Geld im Gesundheitswesen fließt nur in die Taschen der "Gesundheitsindustrie". Aber auch das ist politisch gewollt.

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