Forum: Karriere
Arbeitszeiterfassung: Was das EuGH-Urteil für Arbeitnehmer bedeutet
imago images/Michael Weber

In Zukunft müssen Unternehmen die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter genau erfassen. Was bedeutet das für deutsche Arbeitgeber und -nehmer? Die wichtigsten Antworten.

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joomee 14.05.2019, 22:50
110. Was die Leute wollen

Zitat von flaps25
... zum Schutz von Arbeitnehmern. Dass man auch außerhalb der offiziellen Arbeitszeit ab und zu Berufliches durchdenkt oder während der offiziellen Arbeitszeit mal nen Kaffee trinkt und Fachfremdes bequatscht - ja meine Güte. Das sind doch keine Argumente, dass echte Arbeitszeit nicht dokumentiert wird. Und das in Deutschland, wo sonst jeder Mist bis zur 27. Nachkommastelle erfasst und Bürokratisierungen wird. Aber jetzt ist es plötzlich unmöglich, mit 2 Klicks seine Arbeitszeit zu erfassen? Absolut lächerlich. Wie schon jemand schrieb, wer im Monat 10000 EUR netto bekommt, schaut nicht so genau auf die Uhr. Wer mit Mindestlohn oder knapp mehr ausgebeutet wird, bekommt jetzt die Chance, diesem Unwesen den Garaus zu machen. Manche Leute scheinen aber im denken so degeneriert, dass sie als Arbeitnehmer keine Arbeitnehmerrechte mehr einfordern...
Ich frage mich wer denn beim Denken so degeneriert ist...

Sie scheinen es nicht zu verstehen, denn viele Arbeitgeber werden die Leute heute aus ihren Vertrauenszeit-Arbeitssystemen und Home-Offices zurückpfeifen - weil sie Sorgen haben dass die Zeiterfassung nicht rechtens gemacht wird oder kreative Zeiten als Arbeitsstunden deklariert werden müssen und es dann Ärger gibt - z.B. vom Betriebsrat oder der Gewerkschaft.

Sie sehen es ja hier im Forum, sehr viele Menschen wollen nicht unter permanenter Zeitkontrolle arbeiten. Ich gehöre zu denen. Das hat weder etwas mit Egoismus zu tun, noch mit hohen Gehältern sondern ist schlicht und ergreifend ein psychologischer Aspekt, der gerade in der heutigen Zeit bei den vielen atypischen Berufsfeldern eine wichtige Rolle spielt.

Natürlich muss ein Mechanismus gefunden werden damit Ausbeutung speziell im unteren Lohnbereich verhindert wird.

Aber man sollte dafür nicht ein Zwangszeiterfassungssystem allen anderen überstülpen, die das wieder brauchen noch wollen. Zumal ich mal grob schätze, dass gut die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland das ablehnen während die anderen es für gut befinden. Und dass Sie diese rund 50% der Arbeitnehmer als im Denken degeneriert bezeichnen, ist eine absolute Unverschämtheit und Arroganz.

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Tusnelda 14.05.2019, 23:00
111.

Zitat von dr.joe.66
Das Thema kann man auf zwei Arten interpretieren. Einmal so, wie hier bei Spon dargestellt. Oder aber, wie zum Beispiel bei n-tv.de, wo deutlich negativer berichtet wird. Ich arbeite hoch-kreativ in der Forschung und Entwicklung, auf Vertrauensbasis. Werde ich jetzt kriminalisiert, wenn ich am Wochenende zu Hause im Internet surfe und mir Veröffentlichungen durchlese? Wenn ich bei Messebesuchen abends im Hotel noch meine Emails beantworte anstatt mir einen blöden Film im TV anzusehen? Wenn ich auf dem Parkplatz nach Dienstschluss noch mit zwei KollegInnen diskutiere, was im Projekt als nächstes wichtig wird? Ja, natürlich muss ein gesundes Maß an Arbeitsstunden eingehalten werden. Und zur Vermeidung von Ausbeutung braucht es einen guten Betriebsrat und entsprechende Arbeitnehmer-Rechte, vielleicht sogar staatliche Anlauf- und Schiedsstellen. Bei sicherheitskritischen Jobs ist eine genaue Einhaltung von Pausen und Ruhezeiten selbstverständlich unabdingbar. Aber eine minuten-genaue, bürokratische Erfassung mit irgendwelchen Apps bei allen Tätigkeiten? Liebe EU, geht es bitte noch bürokratischer? Prima Munition für alle Populisten. EU-GH: richtig gut gemacht. Frei nach Hancock: G-G-G-G-Go-GoGood-Good-J-J-J-Job. Good Job...
Als Wissenschaftlerin weitgehend im Homeoffice kann ich das nur unterstützen. Ich arbeite etappenweise projektorientiert vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, wage in diesen Zeiten kaum, etwas zu essen wg. des Zeitverlustes. Aber dann gibt es wieder Leerläufe, welche diese extremen Stresszeiten ausgleichen.
Natürlich kontrolliere ich meine Mails selbstverständlich auch am WE und im Urlaub, um nicht in solchen zu ertrinken - soll ich jetzt im Urlaub meine Arbeitszeiten erfassen? Ist doch völlig irrer bürokratischer Blödsinn. Oder gar mehr: Meinen Arbeitsalltag von 9 -5 in der Uni gestalten, was so gar nichts mit den Anforderungen gemein hat? Der EuGH-Entscheid ist gut für jene, die in Dienstleistungsbranchen ausgebeutet werden, keine Frage. Aber es gibt Arbeitsbereiche, wo diese Regelung schlichter Blödsinn ist! Hier gälte es zu differenzieren.

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GeMe 14.05.2019, 23:06
112. @lighthouseskye Heute, 22:23: Sein Pensum nicht erfüllen

Zitat von lighthouseskye
In einem Krankenhaus im Berliner Umland, in dem ich mal arbeitete, wurde eine Stechuhr eingeführt. Kam man 5 Minuten zu spät, wurde das als Unterminute gerechnet. Blieb man 2h länger wurde punkt 16:00 abgeschnitten, da man ja anscheinend nicht in der Lage war, sein Pensum in der vorgegebenen Arbeitszeit zu erfüllen, weil man sich nicht ordentlich organisiert hat. Wurde es angeordnet, länger zu bleiben (z.B. wegen eines Notfalls), konnte man den Antrag auf eine Zeiterfassungskorrektur stellen. Theoretisch. Praktisch wurde das untersagt, da dies wiederum ein schlechtes Bild auf die Personalplanung ergab...
Das kenne ich von einem ehemaligen Arbeitgeber auch.
Dort musste ich von 07:30 bis 17:00 Uhr im Büro anwesend sein. Die Mittagspause war 1 Stunde. Bezahlt wurden 40 Stunden im Monat.
Wer Überstunden machte, bekam vom Chef zu hören: "Sind Sie nicht ind er Lage ihre Arbeit zu organisieren?". Denn Überstunden machen musste man nur, weil man zu dumm war seine Arbeit zu organisieren.
Falls jemand nachrechnet. Ich habe jeden Tag 30 Minuten unbezahlt gearbeitet. Hat aber niemanden interessiert, weil ich zu unorganisiert war.

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bo.hanson 14.05.2019, 23:06
113. Find ich gut

...ich verstehe die Aufregung nicht. Selbstverständlich ist es für Arbeitnehmer gut wenn Ihre tatsächliche Arbeitszeit erfasst und vergütet wird. Ich habe eher den Verdacht, dass bei einigen Foristen der A.... auf Grundeis geht, da möglicherweise bei genauer Erfassung herauskommt, dass doch nicht soviel gearbeitet wird wie sie angeben. Und Projektarbeit vom Homeoffice aus hat doch mit diesem Sachverhalt überhaupt nichts zu tun. Die meisten Homeoffice Beschäftigten werden doch nicht im Stundenlohn (sprich Zeitgenau)(das könnte man doch sehr gut erfassen. Einloggen, Ausloggen) bezahlt. Warum regen die sich auf? Ich habe einen Arbeitsvertrag für 38,5 Stunden/Woche, wie selbstverständlich wird von mir aber 40 Stunden erwartet. Ich möchte nicht kleinlich erscheinen, aber unbezahlte 1,5 Überstunden je Woche über die letzten 16 Jahre? Da kommt man schon mal ins grübeln. Der Punkt ist doch die Höhe des Einkommens. Bei 3000 brutto ist das doch sicherlich anders zu betrachten als bei 7000? Sind wir ehrlich, den Arbeitgeber interessiert das alles überhaut nicht. Er hat Kosten. Fertig. Und die möchte er so gering wie möglich halten. Jeden Cent den er gespart hat ist einer mehr in seiner Tasche. So ist es, und wenn jetzt irgend ein Forist sich über diese Aussage aufregt hat er das Prinzip unserer Wirtschaft, der maximalen Gewinnmaximierung, nicht begriffen.

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slowboarder 14.05.2019, 23:06
114.

Zitat von skeptikerin007
...wer in der Eu was bringt. Meistens Schlechtes. Und qui bono dieses Gesetz? Meine Tochter hat Zeiterfassung in ihrem Krankenhaus. Sie hat wieder 80 Überstunden, diese als freie Tage zu haben ist illusorisch. Bei dem Ärztemangel im Haus kann sie nicht mehr, als drei Tage fehlen. ( die Urlaubstage sind extra geplant) Und die Zeiterfassung geht mit abmelden in der Mittagszeit, wenn sie das vergessen (auch wenn sie wegen eines Notfalls da bleiben), wird die Mittagspause automatisch abgezogen. In der letzten vier Monaten sind drei Ärzte/ Ärztinnen gegangen. Neue Kollegen? Fehlanzeige, jetzt sind nur zwei deutsche Ärztinnen da, die anderen aus Rumänien, Russland, Iran und Ungarn. Der Chefarzt (mit Migrationshintergrund)ist Deutscher, d.h. er hat hier studiert, keine Verständigungsprobleme, notfalls kann er bei der Gutachten zuarbeiten. Mag sein, dass bei der Paketservice, Reinigung oder in der Gastronomie das sinnvoll ist, aber sonstwo bezweifele ich. Und Sie sollen niemanden so von oben abkanzeln, der Forist hat leider Recht.
was wäre an der Situation denn besser, wenn es keine Zeiterfassung gäbe?
wären dann mehr Ärtze da??? hätte ihre Tochter dann weniger Überstunden zu leisten???

Die Arbeitzeiterfassung deckt hier das Problem doch nur auf, aber sie ist nicht schuld daran.
Und wer glaubt, dass ein Problem nicht existiert, nur weil man es nicht sieht, ist geistig in einem sehr frühen Stadium stehen geblieben.

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slowboarder 14.05.2019, 23:11
115. Arbeitszeiterfassung

Zitat von may4th_be_with_u
Natürlich bin ich Egoist, wenn es um meine Arbeitszeiten geht. Warum soll ich plötzlich drunter leiden, wenn in anderen Branchen die Arbeitszeit nicht korrekt erfasst wird? Was hat meine Arbeitszeit mit dem Einzelhandel oder den Hoteliers zu tun? Mein Arbeitgeber gesteht mir eine sehr freie Arbeitszeitgestaltung zu und die möchte ich nicht missen. Das Arbeiten ist für mich dadurch deutlich entspannter. Ein Gespräch beim Psychologen wird wohl dann fällig, wenn mir die Freiheit der Einteilung genommen wird.
warum wird ihre Arbeitszeitgestaltung weniger frei, wenn sie aufschreiben, wann sie gearbeitet haben?

eine Einschränkung gäbe es doch erst, wenn ihnen vorgeschrieben wird, zu welchen Zeiten sie arbeiten müssen.
wenn sie nur dokumentieren, ist das noch keine Einschränkung ihrer Arbeitszeitgestaltung (es sei denn, sie möchten ihre wahren Arbeitszeiten geheim halten)

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alt-nassauer 14.05.2019, 23:43
116. Nur einige wenige Kommentare gelesen...

Schon wird mit Unfug und die in Brüssel getobt oder auch nur an sich denken und somit Uninteressant!

Was ist aber mit denen für die das eben nicht Uninteressant ist? Ja möglicherweise für gewisse Personenkreise Gerechtigkeit bringt. Auch wenn es den Egomanen und Brüssel Hau drauf nicht passt.

Das Urteil müssen wir in unserem Arbeitsbereich noch genauer betrachten. Unser AG rechnet Überstunden Regelrecht auf Jahre gegen. Weil Schichtplan mal weniger oder Mehrstunden im Jahresdurchschnitt hergibt. Er rechnet uns vor es würde sich auf "mehrere" Jahre ausgleichen. Laut Richterlichem Urteil sei die "Mehrarbeit" dem Schichtplan geschuldet. Somit gibt es Jahr mit 80 oder bis zu 40 Überstunden, die der AG frei von Ausgleich in Freizeit oder Geld geschenkt bekommt.

Deshalb muss man mal abwarten ob das Urteil nicht Konsequenzen hat und die Jährliche Arbeitszeit auch entlohnt werden muss und nicht "geschuldet" ist.

Also mal schön langsam, mit Unnütz oder die in Brüssel...

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netiothi 14.05.2019, 23:48
117. Nix

Wird sich dadurch ändern. Ich habe in mehreren DAX Unternehmen gearbeitet, die heute schon die Regeln umgehen. Beispiele: Ich wurde von meiner Chefin aufgefordert, nur noch maximal 8 Stunden in das Buchungsssystem einzutragen. Weniger war aber ok.
Eine andere Firma sammelt alles und wenn man 120 Überstunden hat, werden die auf 40 gekürzt. Ohne Geld, ohne Ausgleich. Das ist heute schon so. Wer das von seiner Firma und seinem Chef einfordert bekommt Ärger, weniger Bonus usw. Und der Gruppendruck der anderen wirkt auch.

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mcgrant1 15.05.2019, 00:01
118. Es ist und bleibt eine typische EU-Kopfgeburt!

Zitat von mina2010
die Anzahl der Tastauranschläge loggen und die Telefonate aufzeichnen ... leider sind dann die mit Tante Lisa auch dabei :-(
Sie glauben tatsächlich Homeoffice bestünde darin etwas in einen Computer einzutippen und zu telefonieren? Schon mal daran gedacht, dass man Dokumentationen lesen muss, Probleme überdenken, Lösungsansätze auszuprobieren, Tests zu planen usw.? Klar man auch noch jeden der zuhause arbeitet auch noch an ein EEG anschliessen und die Hirnströme auswerten, aber ob das unsere Wirtschaft und die Arbeitnehmer das so wollen und brauchen wage ich zu bezweifeln!

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AxelSchudak 15.05.2019, 00:04
119.

Zitat von AntiGravEinheit
Dummerweise sind Lehrer normalerweise keine Angestellten. Daher dürfte für die das Urteil nicht gelten.
Selbst wenn wir mal annehmen, dass dieses Urteil sich seltsamerweise nur auf Angestellte und nicht auf Beamte bezieht: Es gibt genug angestellte Lehrer, und so lagen es auch nur EINEN gibt, muss die Arbeitszeiterfassung da sein. Wenn es das System erstmal für Angestellte gibt - glauben Sie dann wirklich, dass man das nicht auf die verbeamteten Lehrer überträgt?

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