Forum: Karriere
"Arroganter Haufen": Warum dieser Fliesenleger Siemens- und Audi-Ingenieure als Kunde
Michael Schmiedl

Besserwisserei und mangelnde Zahlungsmoral: Ein bayerischer Fliesenleger will nicht mehr für Ingenieure von Audi und Siemens arbeiten. Er erstellte eine Ausschlussliste - und ist von den Reaktionen überrascht.

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MatthiasPetersbach 12.01.2019, 17:33
270.

Zitat von ing-besserwisser
Um es zu vervollständigen sollte man erwähnen, dass auf dem Bau ordentlich gepfuscht wird. .....
Das ist völliger Blödsinn. Kar, die ganzen Bauten, die jedes Jahr fertig werden - alles gepfuscht.

Nein - es wird so gepfuscht, wie überall. Nicht mehr, eher weniger.

Mit dem Unterschied, daß man das Pfuschen/Verbrechen/Fehler/schlechter Tag im Büro nicht bemerkt wird, auf dem Bau aber schon. Weil da was Verwertbares und Zählbares und Beurteilbares zu sehen ist.

Das ist der Unterschied zwischen physischer Arbeit/Herstellen und imaginärer Arbeit.

Zwischen Feldspieler und Torwart.

Die Fähigkeiten des Handwerkers sind begrenzt - wie die Fähigkeiten von uns allen. Der kann was anderes - Bereiche wie Planung, kritische Entscheidungen und Gesamtkonzept werden da aber nicht komplett abgedeckt. Das muß dann die Bauleitung machen.

Ich steh daneben, wenn die Leute das erste Mal anfangen. Kontrolliere, ob die wissen, was sie tun müssen und was wir mit dem Chef besprochen haben. Und komm dann nach ner Stunde wieder. Und telefoniere abends mit dem Chef von denen. Und halte die Wasserwaage dran, nehme noch den Sanitärmensch dazu, daß der sich das auch ansieht und so weiter und so weiter......

Das kann man sich sparen - muß das dann aber halt selber machen. Und zwar richtig. Qualifiziert. Was der Normalmensch eben -verständlicherweise und zurecht - nicht kann. Baufehler sind in der Regel Bauleitungsfehler.

Nachbesserungen und Rechnungskorrekturen kommen vor und sind Bestandteil dieser Arbeit. Aber das Wort "Pfusch" ist in diesem Fall eigentlich unverschämt.

Das impliziert eine böse Absicht. DAFÜR hat aber der normale Handwerker keinen Draht. Der will größtenteils seine Sache richtig machen - und wieder weg zur nächsten. Eben WEIL ihn die Leute gegenseitig empfehlen. Was sie nicht tun würden, wenn er Pfusch abliefern würde.

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lobro 12.01.2019, 17:34
271. Studium und Handwerk

Zitat von privatbahn
Lassen Sie ihre Kinder einen Handwerksberuf erlernen und schon sind Sie raus aus der Misere. Nach meiner Erfahrung geschieht aber etwas völlig anderes. Wir treiben unsere Kinder zum Abitur. Aus Angst vor gesellschaftlichem Abstieg oder weil es nicht ins Weltbild einer Akademikerfamilie passt, dass das Kind 'nur' einen Handwerksberuf erlernt.
Studium und Handwerk kann man doch kombinieren. Der Chef des Handwerksbetriebs, der in meinem Haus die Heizung, die Sanitär- und Elektroinstallationen gemacht hat war selbst Dipl.-Ing.

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power.piefke 12.01.2019, 17:42
272. was Arroganz angeht, da kennt er sich aus.

zitat: "So ein Automobilingenieur, der hat im Normalfall zwei linke Hände, die können überhaupt nichts. Die können nicht mal einen Nagel in die Wand klopfen. Das sind komplette Theoretiker." ..... Sehr schön alle über einen Kamm scheren. Musterbeispiel für Arroganz. Als Ingenieur bei einem Automobilzulieferer kann ich genau so einen Text über Handwerker schreiben, ohne Probleme. Aber anstatt alle Handwerker als Idioten hinzustellen, arbeite ich lieber mit denen, die was können und mir im Zweifel erklären, warum sie recht und ich unrecht habe. Handwerker die was können gibt es reichlich. Die unfähigen Handwerker erkennt man meist daran, dass sie nur einen schlauen Spruch drauf haben und alle anderen als unfähige Theoretiker bezeichnen.
Was der Herr kann oder nicht kann, kann ich mangels Zusammenarbeit nicht beurteilen. Vielleicht wurde er aber auch nur öfters von den Theoretikern beim Pfusch erwischt - und das ärgert ihn.

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Champagnerschorle 12.01.2019, 17:42
273. oh je

Zitat von manicmecanic
Und auch Ihr Einwand nun mit dem kaufmännisch schlecht sein geht doch an dem Punkt voll vorbei den Sie genannt hatten.Was bitte hat denn ein normaler Handwerkerarbeitnehmer mit dem kaufmännischen zu tun?Nichts,Sie reden hier von dem Meister,von dem war aber keine Rede.Ich habe nur klar gemacht daß Sie offensichtlich keine bzw. kaum arbeitende Handwerker kennen die mies bezahlt werden.Es bleibt dabei,die große Mehrheit der Handwerker wird nicht besonders gut bezahlt.Ich habe meine Vita ja etwas dargestellt,ich habe oft gewechselt aus o.g. Gründen.Immer wieder in kleinen oder kleinsten Betrieben gelandet.Die Mehrheit der Kollegen die ich so kennenlernte hat oft trotz teils langjähriger Berufspraxis immer noch mies verdient.Immer noch das wahre Arbeitsleben für die große Mehrheit solcher Arbeiter.
Zum kaufmännischen: Schon ein Stift der nicht zu wirtschaften weiß ist aufgeschmissen - aber wem schreib ich das.
Ja stimmt, ich kenne keine Handwerker die hart arbeiten und wenig Vermögen haben (...bezahlt - haha), ist aber heutzutage auch quasi unmöglich, lesen Sie mal hier im Forum wie leicht es ist einen Handwerker zu bekommen.
Ihr persönliches Schicksal ist schade, aber es ist wie mit den Arbeitslosen. In Bayern sind 4% arbeitslos, das ist schade und persönliches Schicksal - aber 96% haben Arbeit - das sind in meinem Bild die Handwerker die nicht unvermögend sind.

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linus40 12.01.2019, 17:51
274. Ambivalent

Ich bin immer skeptisch, wenn einzelne Gruppen pauschal ausgegrenzt werden (außer natürlich bei AfD Wählern und sonstigen Braunen), aber der Kollege scheint ja einschlägige Erfahrungen zu haben, von daher akzeptabel.
Ich wünsche ihm aber mal ein positives Erlebnis mit einem der genannten Ingenieure. Es gibt sicher auch unkomplizierte Kunden aus diesem Kreis. Das ganze erinnert mich stark an meinen Hausarzt, der schon aufstöhnt, wenn sich jemand als Lehrer vorstellt. Trotzdem hart er auch im Freundeskreis Lehrer. Kein Problem.

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mr.mellow 12.01.2019, 17:53
275. Was will uns dieser Beitrag sagen?

Informationsgehalt des Artikels: In Bayern gibt es einen Mann, der keine Ingenieure mag. Wow - was ist los? Hat dieser Artikel es nicht auf die Bento-Seite geschafft?

Es ist traurig, dass in unserer Gesellschaft immer Feindbilder gesucht werden. Es sind "die Lehrer", "die da Oben", "die Akademiker", "die Handwerker", "die Ausländer", "die Ossis" oder jetzt eben "die Ingenieure". Solche Ansichten sagen vermutlich mehr über den Horizont von demjenigen aus, der sie tätigt, als über den Betroffenen. Leider wirft das nun wieder zu Unrecht ein schlechtes Bild auf viele Handwerker, die nicht im Traum auf den Gedanken gekommen wären solche primitiven pauschalisierenden Aussagen in die Welt zu setzen. Tja - über lange Sicht entsteht so eben auch Hass zwischen unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft.

Richtig traurig finde ich es jedoch, dass der Spiegel jetzt auch noch eine Plattform für solche pauschalisierenden Meinungen bietet. Wo ist die Stellungnahme der Gegenseite? Wo ist das kritische Hinterfragen? Nichts kommt da! Da könnte man ja beinahe auf die Idee kommen über "die Presse" zu schimpfen. Aber wartet: Auf die Idee sind ja schon andere gekommen. Aber was in der Politik funktioniert...

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MatthiasPetersbach 12.01.2019, 17:54
276.

Zitat von glidercruiser
wer als Handwerker nicht so gerne erklärt was er da wie vor hat, beißt natürlich gerade bei Ingenieuren auf Granit. Das ist wohl beiderseits eine Frage der Einstellung ;-( Muß bald mein Bad fliesen lassen und hoffe, dass 'Schmiedl' der wirkliche Name ist, und ich nicht unfairerweise einen Bogen um die falschen Schmiedls mache.
Ich entnehme dem Text tatsächlich NICHT, daß der gute Mann sich nicht einen Wolf erklärt, zuvorkommend und höflich und sachlich argumentiert hat - und sich dann trotzdem die Zähne ausgebissen hat.

Und dann eine - eben SEHR pauschalierende - Konsequenz gezogen hat.

Es sind sicher nicht alle so - aber es gibt sie. Und irgendwann ist es eben auch die Wahrscheinlichkeit, die einem die Lust nimmt und einen zur Vereinfachung drängt.

Wie im Verkehr - Natürlich gibts auch vernünftige Autofahrer dieser Marken - aber wenn mir auf der Autobahn jemand im Rückspiegel steht, dann ist es doch mit allzugroßer Wahrscheinlichkeit ein Audi oder ein Mercedes.

Der Mensch (vor)urteilt nach Wahrscheinlichkeiten.

Aber vielleicht ist der Betreffende ja auch der Brüller, vollkommen pflegeleicht, bemüht und eher übergenau - und Sie würden sich blendend verstehen und wären super zufrieden? Reden Sie mit dem, fragen Sie nach vorherigen Aufträgen und zur Not :) nen Architekten.

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ArnoNym 12.01.2019, 17:54
277.

Zitat von ing-besserwisser
Ich habe meinen Fliesenleger auch nicht voll bezahlt Um es zu vervollständigen sollte man erwähnen, dass auf dem Bau ordentlich gepfuscht wird.
Ich meinen schon, denn er hatte sowohl gut und kooperativ gearbeitet als auch nicht versucht, mich zu besch..ßen. Es gibt also auch gute und faire Handwerker. Mein erster Bodenleger gehörte dazu leider nicht und war das "beste" Beispiel für Pfusch und Betrug am Bau.

Zitat von
Dass sich Ingenieure die technische Sachverhalt eben gut beurteilen können sich nicht jeden Pfusch von Handwerkern bieten lassen ist wohl normal.
So sieht's aus. Für einen pfuschenden Handwerker ist es natürlich peinlich und nervig, wenn jemand seine Arbeitsqualität tatsächlich beurteilen kann. Es gibt sicher auch überpenible Ingenieure, aber einem Ingenieur kann man viel besser als anderen Berufsgruppen technisch erklären, warum etwas nicht besser, schöner, kleiner, ebener etc. zu machen ist. Darüber sollte sich ein Handwerker eigentlich freuen.

Nebenbei bemerkt: Ein Indiz, ob ein Handwerker etwas taugt, ist IMHO auch, ob er ein Problem damit hat, wenn man ihm beim Arbeiten zuschaut. Die ganzen Pfuscher möchten das, so gut es geht vermeiden. Ein guter Handwerker hat damit meistens kein Problem und erklärt vielmehr gern, was er macht, und ggf. auch, warum genau so und nicht anders.

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Zweistein100 12.01.2019, 17:57
278. Rastermaß nicht gleich Rastermaß

Bin Dipl.-Ing. (FH) und habe mir vooor dem Abi viel praktisches Wissen am Bau und im Handwerk angeeignet, leider nicht Fliesenlegen. Später galt es meine Terrasse zu fliesen. Mit CAD das Verlegemuster mit vielen Schrägschnitten und „Zufallsmuster“ entworfen. Die Fliesenfirma hat den Auftrag angenommen, der ausführende Geselle hat „geknurrt“, aber hinterher war alles in Ordnung.

Andermal ein anderer Betrieb. Es galt für´s Bad Fliesen von zwei unterschiedlichen Lieferanten zu verlegen, die vom Fliesenleger selbst und Dekorfliesen für die Bordüre vom Baumarkt. Theoretisch das gleiche Rastermaß. Alle Fliesen rechtwinklig zu verlegen. Jaja, machen wir. Doch dann gab es einen Versatz, weil die Baumarktfliesen um die Fugenbreite länger waren. MERKE: Es gibt Fliesen, bei denen ist das Nennmaß das verlegte Rastermaß inkl. Fuge, bei anderen ohne die Fuge!

Der Geselle störte sich nicht daran. Der Versatz wurde also immer länger. Zum Glück war meine Frau anwesend, so dass gleich der Chef alarmiert werden konnte. Die Baumarktfliesen wurden dann korrekt gekürzt.

Leider hat dieser Unternehmer bei den Bodenfliesen auf 5 mm Fugenbreite bestanden – die Dehnung ist zu berücksichtigen. Später bei anderer Terrasse die Fliesen selbst verlegt mit 3 mm Fuge, hält nach 15 Jahren trotz Frost und 40 Grad Sommerhitze immer noch.

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materialist 12.01.2019, 17:59
279. 100% richtig

Die Handwerker sind im Moment in der komfortablen Situation daß sie nicht jeden Kunden brauchen und hierzu gratuliere ich ihnen.Ich habe mir früher auch nicht jeden Kunden angetan und hätte noch viel öfter nein sagen sollen.Bevor man sich mit solchen neunmalschauen Preisdrückern rumärgert lieber mal ne Stunde eher Feierabend machen.Von 1h Freizeit hat man 1h frei,von 100 Euro mehr Umsatz bleibt unter dem Strich nicht mal die Hälfte.

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