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Azubi-Mangel: Warum das Handwerk boomt - und trotzdem Nachwuchs fehlt
Deutsche Handwerkskammer (DHKT)

Wer ein Haus bauen oder renovieren will, muss wochenlang auf Dachdecker oder Klempner warten: Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Trotzdem finden sie keine Lehrlinge. Woran liegt das?

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nesmo 21.08.2018, 17:58
1. Das Abitur

wird zu leicht gemacht und ein Studium wird zu sehr glorifiziert. Es steht fest, dass heutige Abiturienten deutlich schwächer sind als früher, insbesondere in bestimmten Bundesländern. Es wird den Jugendlichen von den Eltern, den Medien, den Lehrern und ihrem Umfeld das Abitur als alternativlos dargestellt, wenn man im Leben etwas werden will. Dieses Image des Abitur ist falsch, nur wer wirklich etwas besonderes kann, sollte Abitur machen. Es gibt zu viele mit Abitur und teilweise auch Studium, die am Ende diese Ausbildung nicht brauchten.

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max-mustermann 21.08.2018, 18:01
2.

Ist ja schön wenn mann inzwischen 1500 Euro als Azubi im letzten Lehrjahr bekommt, viel wichtiger ist aber die Frage wieviel man dann nach der Ausbildung bekommt und da sieht es halt in vielen Bereichen immer noch schlecht aus. Die Mieten und andere Lebenshaltungskosten steigen seit Jahren drastisch an also ist es doch klar das jeder versucht möglichst einen Job mit besserem Verdienst zu bekommen und da stehen die Chancen mit Studium oft immer noch besser.

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Normaler Wutbürger 21.08.2018, 18:06
3. Woran das wohl liegt ...

Jahrzehntelang wird doch nun den Kindern von politischer Seite eingetrichtert "ohne Abi und Studium seid ihr nichts wert".
Weiterführende "Bildung" war und ist doch das Maß aller Dinge. Egal ob es sinnvoll für den einzelnen war oder nicht, erstmal lieber Abi. Diese Meinungsbildung hat sich nun entgültig in den Köpfen aller verankert.

Gleichzeitig dazu, hat die Politik einen großen Teil des Handwerks direkt abgewertet, mit der Handwerksnovellierung 2004 (Wegfall der Meisterpflicht für viele Handwerksberufe), was unter anderem zu einem massiven Preis und Lohnverfall geführt hat. Ganz abgesehen von Lehrstellen, und dem algemeinem Ansehen von den Berufen, bei denen man sich fortan ohne jegliche Qualifikation selbstständig machen und sich "Fachabetrieb" nennen konnte.

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danielc. 21.08.2018, 18:08
4. Bologna

Im Zuge der Anpassungen an das US-System müssen nun, da die Hochschulen traditionelle Handwerksabschlüsse (Bachelor, Master) statt akademischer Grade anbieten, die Handwerksausbildungen ebenfalls dorthin verlegt werden. Ein studierter Maurer/Dachdecker hat dann nicht nur ein gutes Einkommen, sondern entspricht dann auch den Erwartungen an höhere Bildung.
Entspricht der TV-Engineer eher dem Radio- und Fernsehtechniker oder den Ingenieur?
Bitte nicht falsch verstehen, ich habe selbst einen handwerklichen Titel ohne akademischen Grad, empfinde jedoch die namentliche Anpassung der Hochschulabschlüsse als persönliche Herabsetzung. Das duale Ausbildungssystem mit Theorie und der Berufsschule und Praxis im Betrieb ist ein Erfolgsmodell verglichen mit den Ländern, die so etwas nicht kennen. Ein Master ist noch lange kein Meister.

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j.vantast 21.08.2018, 18:08
5. Zu kurz gedacht

"Wir waren ja immer nur zwei Tage vor Ort. Das ist viel zu kurz, um sich für einen Beruf zu entscheiden, den man dann ein Leben lang machen soll."

Warum denn ein Leben lang? Ich selbst habe schon in vielen Berufen gearbeitet und ich kenne sehr viele bei denen das ebenso ist. Andere erlernten erst ein Handwerk und studierten anschliessend. Wieder andere fingen ein Studium an und brachen es ab.
Mein Sohn wollte trotz gutem Abitur Tischler werden. Ja bitte, ihm soll es Spass machen. Nicht mir oder den Lehrern. Aber nun haben wir den Salat: Handwerker verdienen mittlerweile sehr gut, denn die Nachfrage bestimmt den Preis. Im Gegenzug haben wir in Deutschland enorm viele Akademiker die heute Taxi fahren.

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Kasob 21.08.2018, 18:09
6. Woran das liegt?

Hier in Mitteldeutschland werden z. B. Tischler gesucht, ausschließlich über Zeitarbeit, dass sind Löhne von ca 9,50€ bis 11€. Für eine Ausbildung mit HWK Abschluss ein Witz.

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kanadasirup 21.08.2018, 18:12
7. Ja warum nur?

Ich bin Elektriker und kann damit aus erster Hand berichten warum man keinen Handwerksberuf ergreifen sollte den man nicht absolut liebt:
1. Man ist Mensch zweiter Klasse - zum Teil schon Sklave. Akademiker verachten einen meistens.
2. Die Bezahlung ist mies als Angestellter, als Azubi reine Ausbeutung.
3. Die Arbeitsbedingungen sind hart und gefährlich.
4. Ausbilder, Meister, Architekten, Bauherren etc. fordern immer alles und zwar sofort. Wehe wer Fehler macht.
5. Überstunden? Aber gerne doch, immer. Urlaub? Da müssen wir mal drüber reden.

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Sibylle1969 21.08.2018, 18:13
8.

Da will die junge Frau aus der Fotostrecke Tischlerin werden, aber die Familie redet es ihr aus. Stattdessen medizinische Fachangestellte, einer der typischsten Frauenberufe, noch dazu einer der am schlechtesten bezahlten qualifizierten Jobs überhaupt.

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magic88wand 21.08.2018, 18:14
9. Kaum Chance einen Betrieb aufzubauen

In den 60er und 70er Jahren hat jeder Handwerksmeister früher oder später einen satten Auftrag bekommen, mit dem er wachsen und Leute einstellen konnte - auch ohne entsprechende Erfahrung oder Referenzen. Man traute den Leuten etwas zu. Heute nicht mehr. Private und öffentliche Bauherren setzen auf alteingesessene, etablierte Anbieter, auch wenn das Preis-Leistungsverhältnis schlechter ist. Man tut was alle anderen auch tun. Kein Wunder, dass niemand mehr ins Handwerk will. Einen Betrieb führen kann man kaum noch ohne einen existierenden zu übernehmen.

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