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Azubi-Mangel: Warum das Handwerk boomt - und trotzdem Nachwuchs fehlt
Deutsche Handwerkskammer (DHKT)

Wer ein Haus bauen oder renovieren will, muss wochenlang auf Dachdecker oder Klempner warten: Die Auftragsbücher der Handwerker sind voll. Trotzdem finden sie keine Lehrlinge. Woran liegt das?

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1579 21.08.2018, 19:39
70. Die Handwerksbetriebe sind auch Schuld,

dann viele Betriebe wollen nicht ausbilden, aber dann gut ausgebildete
Gesellen einstellen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen.
Es würde mich interessieren, ob die junge Frau auch ein Praktikum beim Optiker, oder Hörgeräteakustiker gemacht hat. Beides klassische Handwerksberufe. Damals habe die Ausbildung als Augenoptiker noch mit Realschulabschluss machen können. Heute braucht man Abitur. ( unverständlich warum das so ist)Gute Verdienstmöglichkeiten und bei Interesse kann man den Meister machen.

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mi.fango 21.08.2018, 19:52
71.

Ich habe selber eine Lehre zum Maurer abgeschlossen. Vorteil: in den Semesterferien konnte ich auf dem Bau durcharbeiten für ein ordentliches Gehalt, welches dann fürs kommende Semester vollkommen ausreichte. Also musste ich mir nicht die Nächte als Kellner um die Ohren schlagen, so wie viele meiner Kommolitonen/-Innen.
Nächster Vorteil: es kommt schon mal was in die Rentenkasse UND
wohl wichtigster Vorteil: man sammelt Berufserfahrung.
Ich kann diesen Weg durchweg nur empfehlen. Sind mit Abitur nur 2 Jahre Ausbildung bis zum Gesellenbrief. Nicht allzuviel in einem Leben, in dem man in heutiger Zeit sicher mehr als einen Beruf von der Lehre bis zur Rente macht...

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solynieve 21.08.2018, 19:56
72.

Ich kann es einfach nicht verstehen, wieso die ganze Welt hinter einem Hochschulabschluss herrennt. Grundsätzlich sollte die Auswahl des Berufes nach den Interessen gehen. Ich glaube durch eine allgmein gefühlte Unsicherheit will mittlerweile jeder studieren. Die Zukunftsängste der Eltern werden durch die Kinder weitergelebt. Als Handwerker kann man durchaus mehr verdienen, als manch ein Akademiker, auch wenn das Geld bisweilen härter zu verdienen ist. Ich weiß das, meine Frau ist selbstständige Akademikerin, ich bin selbsständiger Handwerker. Man sollte einfach flexibel bleiben, nichts ist für das ganze Leben.
Etwas mit den Händen zu können ist in unserer Gesellschaft (in jeder Gesellschaft) ein hohes Gut und natürlich hätten viele Handwerksberufe nach oben hin noch Spiel und Möglichkeiten in akademische Berufe zu wechseln. Entscheidend wäre die Durchlässigkeit der Hochschulen, auch ohne Abi ein Studium beginnen zu können, weil Erfahrung ein hohes Gut ist. Doch da tun sich Hochschulen immer noch schwer. Das würde das Handwerk aufwerten und einem nicht das Gefühl geben, dass das Handwerk eine Sackgasse ist.

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mistermb 21.08.2018, 19:59
73.

Bin gelernter Maurer. Hab nach der Ausbildung noch zwei Jahre in dem Beruf gearbeitet. Aber die Bezahlung für die schinderei die man jeden Tag hat, ist einfach ungerecht. Danach hab ich in die Industrie gewechselt. Muss zwar Schicht arbeiten, aber werd anständig bezahlt, und hab immer pünktlich Feierabend.

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r_b 21.08.2018, 20:00
74. Das duale Ausbildungssystem

Das duale Ausbildungssystem ist bereits seit den 1990er Jahren aus den Fugen geraten. Damals, wollten und sind viele junge Menschen nach dem Abitur, quasi direkt danach, zur Uni gerannt. Ähnlich ist es auch heute immer noch.
Aber auch die Firmen müssen sich hinterfragen, ob man für jeden Rotz, einen studierten Mitarbeiter/ in benötigt.
Zwischen dem Abitur und der Uni, müsste man eine Berufsausbildung durchführen, damit man wenigstens irgend etwas in der Tasche hat. Denn viele hatten damals studiert und ihr Studium mit 28 abgebrochen und standen mit nichts in der Hand vor der Tür. Heute sind an vielen Unistandorten, dermaßen viele Menschen am studieren, was einerseits gut ist aber andererseits schwer wiegt.
Aber: Es wird immer mehr digitalisiert: Benötigt man denn noch so viele Arbeitsülätze für Menschen? Pessimisten meinen, es wird ein Heer von Millionen Arbeitslosen geben...
Deswegen sollte man auch ein Bedingungsloses Grundeinkommen geben, denn es werden immer noch ausreichend Steuern bezahlt um so ein Projekt zu finanzieren.
Müssen wir unsere Gesellschaftsform nicht ändern? Heute, sind die meisten Arbeitnehmer: Moderne Sklaven!!
Mit einem Bedingungslosem Grundeinkommen, wäre man frei jedweder verpflichtung und man die Hauptzahl der Menschen wäre und könnte kreativer am Arbeitsmarkt teilnehmen.
Ein großer Teil der Bevölkerung bekommt eh schon ein Bedingungsloses Grundeinkommen. Beamte im Ruhestand! Es heißt nur: Pesnion. Wir Steuerzahler, finanzieren unsere Beamten.
Viel zu oft, werden viele, viele Lehrer zu Ferienbeginn entlassen. VIele dieser Angestellten, könnten mit einem Bedingungslosem Grundeinkommen wesentlich besser arbeiten und für ihre Rente vorsorgen. Es kommt nicht gut rüber, wenn 1-2 Monate pro Jahr fehlen, dam an vom Land SH wieder einmal entlassen worden ist. Sparen, dadurch, tut das Land SH nichts.
Bei einem Bedingungslosem Grundeinkommen, entvielen ALG I und II, die Mütterrente ginge darin auf, die Renten vielleicht auch. Das Bedingungslose Grundeinkommen, wäre bereits heute finanzierbar.....Wir müssen unsere heutige Gesellschaftsform, grundlegend überdenken und spätestens 2030 um 360 Grad, gedreht haben. Ansonsten wird dieses, heutige System zusammenbrechen.

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observerlbg 21.08.2018, 20:00
75. Ja, da wird dem saturierten deutschen Bürger nicht zügig geholfen....

...und schon wird allein hier bei SPON zum dritten Mal innerhalb kurzer Zeit der Untergang des Abendlandes wegen Fachkräftemangel, unterbesetzten Handwerksbetrieben und mangelnder Arbeitsbereitschaft der Jugend prophezeit. Ich war selbst sehr lange als Ingenieur im Handwerk leitend beschäftigt. Die Zahlungsmoral der Kunden nahm zusehens ab, es wurde immer öfter um Kleinbeträge gefeilscht, die Raum- und Fahrzeugkosten steigen und steigen, es kommen immer mehr Zusatzkosten auf den Betrieb zu (Ausnahmegenehmigungen wg. ruhenden Verkehr, Sondermüllentsorgung.....), immer mehr rechtliche Einschränkungen ect.pp. Und dann soll ich auch noch die Gesellen und Lehrlinge besser bezahlen, obwohl die Kunden immer weniger bezahlen wollen. Tja, dann mach ich meinen Betrieb halt dicht. In der Industrie habe ich jetzt sechs Wochen Urlaub, regelmäßige Freizeit (bezahlt!), an den Wochenenden frei, weniger Stress, weniger Sorgen... Ja, als selbstständiger Handwerker konnte ich meine Arbeitszeit selbst bestimmen, mir meine Kunden aussuchen, meine Preise frei gestalten.... WER glaubt denn so einen Blödsinn? Ach ja, zum ersten Post hier: nein, das Abitur wird einem heute nicht leichter gemacht und es ist auch nicht grundsätzlich zu leicht. Es kostet schon viel Anstrengung, ein Abitur besser als 2.0 zu bekommen. Das ist die Vorraussetzung für wirklich gute Ausbildungs- und Studienplätze. Im Vergleich zu heute hatte man mir mein Abitur vor 30 Jahren regelrecht geschenkt. Nein, heute ist die Jugend besser informiert und lässt sich nicht mehr so schnell auf den Arm nehmen ;-)

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horst1109 21.08.2018, 20:00
76. Es gibt viele Gründe ...

Ich unterrichte Menschen in Handwerksberufen und berate sie dahingehend, die Chancen im Handwerk zu nutzen. Viele Betriebe werden in den kommenden Jahren übergeben oder warten darauf einen geeigneten Nachfolger zu finden. Die Verdienstmöglichkeiten sind für einen Junggesellen noch nicht sehr gut, werden in den kommenden Jahren jedoch besser. Als Selbstständiger Handwerker kann man bereits jetzt sehr gut verdienen und künftig die Preise fast selbst bestimmen. Ich habe selbst zwei Berufe gelernt, einen im Handwerk, einen in der Industrie. Den Schülern rate ich, unbedingt im Handwerk zu bleiben, die Chancen und Möglichkeiten in der Industrie werden sich aufgrund der Digitalisierung für viele verschlechtern. Zudem drängen immer mehr Akademiker in den Arbeitsmarkt und konkurrieren dort mit den Menschen mit Berufsausbildung. Hier passen sich die Verdienstmöglichkeiten nach unten an, selbst wenn sich manche mit akademischer Ausbildung im Sachbearbeiterjob wohler fühlen. Hierfür hat man in der Industrie und im Handel auch andere (meist englische) Berufsbezeichnungen eingeführt, Key Account Manager hört sich eben besser an als Verkäufer. Ein weiterer Grund für den Run auf die akademische Ausbildung liegt in den Elternhäusern begründet. Viele Kinder haben es gar nicht mehr nötig, sich ihre Zukunft zu erarbeiten, da die Großeltern und Eltern schon so viel für den Nachwuchs zurückgelegt haben, dass sich die Kinder nunmehr lieber mit weniger Geld im Beruf, dafür aber mit Einkommen aus Vermietung und Dividende verwirklichen möchten.

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susuki 21.08.2018, 20:01
77.

Gruppen von Handwerker die sich, um einen Auftrag zu erledigen, für kurze Zeit zussmmenschliessen.

Ohne grossen OverHead.

Wenn jetzt noch die Auftraggeber mitspielen?

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Ökofred 21.08.2018, 20:06
78. ah so...

Zitat von roninger2000
Hat die Politik den Leuten eingetrichtert, dass Deutschland ganz weit hinten liegt, weil der Akademikeranteil viel zu niedrig ist. Man hat das nun geschafft. Jede Menge mediokrer BWLer, Ärzte, Journalisten, Lehrer & Co. aber keine Mechaniker, Maurer, Schreiner, ... Und jetzt glaubt man, dass die fleißigen Ungelernten aus Polen, Nigeria, ... für die mediokren Akademiker zum Hungerlohn arbeiten werden. Leute, akzeptiert es. Es ist nun genauso wie überall auf der Welt. Qualifizierte Handwerker gibts praktisch nicht mehr. Und die paar wenigen verdienen sich Gott sei Dank eine goldene Nase. Und das ist gut so! Ich komme selber aus einer Handwerkerfamilie. Zum Hungerlohn arbeiten für die Frau Doktor oder gar nicht bezahlt werden, weil der Herr Lehrer eine Mängelrüge hat? Come on, das ist Geschichte!
Die Polen, Rumänen und Bulgaren rocken unsere Baustellen, wann waren Sie das letzte mal dort? Und qualifizierter war es vor zig Jahren auch nicht, als da noch mehr Deutsch gesprochen wurde..
Und die "mediokren" Ärzte, BWLer etc verdienen alle gutes Geld und waren auch viel weniger von Arbeitslosigkeit bedroht in den letzten Jahren. Leute akzeptiert es.. wer in diesen Zeiten kein Abitur macht und ein Studium aufnimmt hat den Schuss nicht gehört....

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mailo 21.08.2018, 20:19
79.

Naja, auch oder besonders im Handwerk kann man halt keinen Ausschuss gebrauchen. Gefragt sind ein hohes Maß an Kreativität und die Fähigkeit eigenständig Entscheidungen zu treffen. Verständnis für die Sache und die Fähigkeit Kunden gut zu beraten runden das Profil als Geselle ab. Bringt man das nicht mit, geht man besser in die Industrie ans Fließband oder kellnert.

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