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Bahn erlaubt Bewerbung ohne Anschreiben: Schluss mit dem Bewerber-Blabla
Deutsche Bahn

Zu kompliziert, zu abschreckend: Azubis dürfen sich bald bei der Bahn ohne Anschreiben bewerben. Ist das leistungsfeindlich? Nein, sondern ein geschickter Zug.

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burlei 25.06.2018, 22:09
40. @Hanz Gruber, #36

Zitat von Hanz Gruber
Es ist doch eher so das diejenigen die sich ein Assessment Center antun müssen, die sind die die einfachen Stellen besetzen. Liegt doch schon in der Natur der Sache, einfache billige Stellen, die keine Aussortierung durch zu geringe Anforderungen an den AN zulassen, brauchen Assessment Center um die Flut an Durchschnittsbewerbern zu sortieren die so verzweifelt sind das sie ein Assessment Center nicht als Beleidigung ansehen. Für die Anspruchsvollen Stellen finden sich unter den wenigen Bewerbern, keine die so dringend einen Job bräuchten das Sie sich vom AG so in ihrer Qualifikation beleidigen lassen.
Sie kennen die Assessment Center der Deutschen Bahn? Da werden nicht die Bewerber für irgendwelche billigen Stellen ausgesiebt, die dienen als Filter. Wer sich als Eisenbahner mit 15, 20 Jahren Berufserfahrung und "nur" mittlerer Reife auf höher bewertete Posten im selben Geschäftsfeld bewerben will (z.B. als langjähriger Fdl auf größeren Stellwerken mit der Ambition zur ZugÜberwachung (ZÜ) in einer Betriebszentrale, also als höher gestellter Fdl mit Weisungsbefugnis), muss da durch. Hier sitzt er dann mit einer Hand voll Jüngelchen direkt aus dem Studium kommend, teilweise auch abgebrochenem Studium zusammen und muss sich "verkaufen". Muss "Teamwork" leisten usw. Das Ergebnis ist vorhersehbar, von 100 Praktiker kommen kaum 2 da durch. Auf der ZÜ sitzen dann weisungsbefugte Fachleute mit Studium und fehlendem Verständnis für die Praxis, Fachleute, die nicht den Unterschied zwischen einem Nahverkehrszug und einem Nahgüterzug kennen, die anweisen, einen Zug mit 750 Meter Länge in ein Gleis zu lassen, dass nur 550 Meter lang ist (die Unterlagen liegen ihnen vor) usw. Danke, die Geschichten über die Assessment Center kenne ich zur Genüge.

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Sibylle1969 25.06.2018, 22:21
41. Mal Hand aufs Herz

Wer hat sich nicht schwer getan mit dem Anschreiben, dem schon immer schwierigsten Teil der Bewerbung? Die wenigsten sind drin begnadet, auch ich tue mich schwer damit.

Ich bin in der Software-Branche tätig. Sobald ein Headhunter um Spiel ist, will der sowieso nur noch einen CV haben, sonst nichts.

Wobei der angelsächsische CV, der in der Branche üblich ist, einen Abschnitt über die eigene Person und Motivation beinhaltet, also ein Minianschreiben.

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tchantchès 25.06.2018, 22:40
42. Kein Zugführer!

Und auch hier wieder der obligate Hinweis: Der Mann auf dem Bild über dem Artikel ist kein Zugführer, sondern ein Triebfahrzeugführer. Der Zugführer - heute eher Zugchef - ist der Mann oder die Frau mit der Kelle und der Pfeife, der dem Triebfahrzeugführer das Signal zur Abfahrt gibt. Sie werden wohl einsehen, dass der Unterschied nicht ganz trivial ist.

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kezia_BT 25.06.2018, 23:04
43. Bildung ?

Wahrscheinlich kann man lernen, wie man eine Lokomotve bedient, auch wenn man keinen deutschen Satz richtig zu Papier bringen kann. Ob ein Unternehmen aber gut daran tut, sich mit derart ungebildeten Mitarbeitern auszustatten, ist fraglich.

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solitaryway 25.06.2018, 23:10
44.

Was ist schon ein gutes Anschreiben? Das ist doch völlig subjektiv. Mit Glück trifft man den Ton des Personalers, mit Pech fühlt der sich veräppelt, weil man es wagte, ungewöhnlich zu schreiben. Und wenn der Personaler mit dem falschen Fuss aufgestanden ist oder gerade extrem Hunger hat, wird sein Urteil davon auch nicht gerade objektiver.

Ein auf die Stelle zugeschnittenes Anschreiben wird auch nicht die Mutter aller Lösungen sein. Innerhalb einiger Zeilen halte ich es auch für unmöglich, seine Persönlichkeit darzustellen. Mit Phantasie projiziert der Personalverantwortliche da schon eigene Vorurteile herein, weil die Worte und Ausdrücke in ihm andere Assoziationen wecken als beim Bewerber. Ebenso mit den unsäglichen Fotos. Ein Schnappschuss, eine Momentaufnahme, das ist so informationsarm, dass es jegliche Dynamik und Persönlichkeit verliert. Persönlichkeit lässt sich nur real erleben, dass kann man meines Erachtens nicht aus einem Foto und ein paar Zeilen ablesen.

Sich "abheben" mittels Worten - selbst wenn man das zu beherrschen vermag, entsteht daraus nicht notwenigerweise keine Korrelation zu den eigentlich geforderten Fähigkeiten - abhängig von der Stelle. Da mag sich bspw. ein fachlich qualifizierter Handwerker nicht so gewählt ausdrücken können, aber vielleicht beherrscht gerade der eine Besonderheit in seinem Fach. Vielleicht bringt der wertvolle Zertifikate und damit wertvolle Kompetenzen mit.

Im Anschreiben sehe ich kein geeignetes Filterinstrument. Wieviel fachlich gute Leute sind dabei schon rausgeflogen, weil sie gerade nicht die "richtigen" Worte geschrieben haben? Ich persönlich tue mich mit diesen Anschreiben auch jedesmal schwer (und dabei geht es nicht um das Einhalten der Geschäftsbrief-Form). Insofern begrüsse ich es, wenn kein Anschreiben notwendig ist. Gefiltert werden kann auch erstmal nach Hardfacts und später dann eben nach persönlicher Kompatibilität.

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!!!Fovea!!! 26.06.2018, 07:09
45. Egal ob

DB oder eine andere Firma. Man sollte wirklich Schluss machen mit diesem Bewerbungsschreiben. Das ist eine Farce, ein Blödsinn.

Selbst die vor Jahren eingeführten "Skills", ist doch Blödsinn, was hat z. B. Mountainbike fahren mit dem Job zu tun, wenn ein übergewichtiger Chef einem gegenüber sitzt?
(außer das dieser evtl. Komplexe bekommt und daher schon gegen den Bewerber ist?!)

Andere Unternehmen sollten dem Beispiel folgen.

Zu dem Heer der Foristen, die nun einen Untergang des Abendlandes vermuten sei gesagt, dass das Internet x-tausend Vorlagen bietet. Auch habe ich vielen Leuten in meinem Bekanntenkreis schon Hilfestellung gegeben und zu 99% hat es immer geklappt, dass die Bewerber zumindest eingeladen wurden.

Ein Bewerbungsschreiben ist doch sowieso "verlogene Schleimerei".

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!!!Fovea!!! 26.06.2018, 07:17
46.

Zitat von burlei
"Für Schüler ist so ein Motivationsschreiben schon schwierig." Als ehemaligem Eisenbahner läuft einem dabei schon ein kalter Schauer über den Rücken. Wie soll ein Azubi dann erst mal das Regelwerk 408.01-06 kapieren (öffentlich downloadbar), wenn schon ein simples Anschreiben zu kompliziert, zu abschreckend, zu schwierig ist? Wohlgemerkt, dieses Regelwerk ist kein geheimes Buch mit sieben Siegeln, nur den Eingeweihten zuzumuten, es ist einfach nur etwas, was ein Eisenbahner unter anderen Vorschriften zu beherrschen hat. Gut, nicht alle. Das höhere Management ist davon ausgenommen, aber der Rest, besonders "die da unten", die Lokführer, die Fahrdienstleiter haben das aus dem Effeff zu beherrschen. Und wehe wenn nicht!
Was hat das Anschreiben einer Bewerbung mit dem Lesen eines Regelwerkes zu tun?

Das Schlimme ist doch, dass man Azubis nicht mehr "lernen" lässt, sondern diese als billige Arbeitskraft sieht.

Ein Azubi hat Recht auf eine Ausbildung und in dieser Ausbildung hat er auch das Recht Fehler zu machen, da er etwas "lernt". Hierin ist doch die Problematik. Gerade von den älteren, die das schon seit 30 Jahren machen, unflexibel im Denken (das haben- und wird schon immer so gemacht) sind und einem jungen Menschen, der es auf Anhieb nicht kapiert (um in Ihrem Jargon zu bleiben), gleich als doof abzustempeln. Ich gebe Ihnen Recht, wenn man einem 10x das gleiche erzählt, das da eine kognitive Leistungseinschränkung wahrscheinlich zu erwarten ist. Aber gebt doch den jungen Menschen eine Chance und denkt doch nicht immer, dass Ihr der Käs` seid, der stinken darf!

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Bolligru 26.06.2018, 07:22
47. Super.

Jede und jeder der oder die jetzt die Bewerbung MIT Anschreiben verfaßt, auch wenn es nur kurz und knackig ist, sollte jetzt schon einmal einen Vorsprung haben, denn so zeigt sich doch ein gewisses Extra an Engagement.
Für mich als Personalchef wäre nach wie vor wichtig, einen ersten Eindruck über die Ausdrucksfähigkeiten von Bewerbern und Bewerberinnen zu bekommen und ob sie es schaffen, ein fehlerfreies Anschreiben zu verfassen.

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!!!Fovea!!! 26.06.2018, 07:26
48.

Zitat von ned divine
geworden und absolut salonfähig!! Heute kann doch auch der letzte Tölpel ein Studium beginnen, ob er es schafft oder zu Ende bringt. Whow cares... Denn merke: in Deutschland zählt heute nicht mehr individueller Verstand und Leistung, sondern Gender Mainstream, Quote und natürlich nicht zu vergessen "Inklusion". Leider nur gibt es dann auch unterm Strich das entsprechende Ergebnis: Everyone is a winner, nee, nicht wirklich, oder 2. Und 3. Plätze dürfen nicht meht sein. Sternchen für alle, keine Zensuren mehr. Weichgespülte nochtsaussagende und vor allem nicht mehr vergleichbare Bewertungstandards... Und ab sofort eben auch bei der Bahn keine Anschreiben mehr, ist doch egal, wer die Verantwortung da übernimmt, oder? Trauriges mittelmässiges Deutschland!!
3/4 Ihres Posts gebe ich Ihnen Recht.

Aber das das alles weggewischt werden soll durch einen Bewerbungsanschreiben, finde ich doch sehr seltsam.

1. Wen würden Sie einstellen, einen mit guten Noten, der evtl. ein mäßiges Bewerbungsanschreiben verfasst hat?

2. Oder einen, der ein durchwachsenes Zeugnis hat, aber ein perfektes Bewerbungsanschreiben?

Bei Punkt Nr. 1:

Ehrlicher Typ, der evtl. ein Minimalist ist, mit Sprache nicht so umgehen kann, aber evtl. sehr gut in Mathe, Physik, Chemie ist? Die Ausbildung schafft der bei uns im Nu!

Bei Punkt Nr. 2:

Fauler Schüler, evtl. intellektuell nicht so helle, wie kann der auf einmal, gemessen an den Zeugnisnoten, so eine tolle Bewerbung schreiben? (Der lügt, hatte Hilfe???) Ach so, er bemühte sich redlich um einen guten Eindruck zu erwecken....., hoffentlich fällt der nicht durch die Prüfung...

Ergo: Wer hat die besseren Karten?

Daher, Bewerbungsanschreiben sind und bleiben Blödsinn.

Als Nachtrag: Ein Bewerbungsschreiben ist auch kein Garant dafür, dass man für den Job geeignet ist, ferner ein Kündigungsschutz. Also abschaffen.

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!!!Fovea!!! 26.06.2018, 07:28
49.

Zitat von lobro
Früher bekam man für die meisten Ausbildungsberufe mit Volks- bzw. Hauptschulabschluss eine Lehrstelle. Selbst eine Bankausbildung konnte man mit Volksschulabschluss machen, heute nur noch mit Abitur. Für die Ausbildung zum Verwaltungsbeamten im gehobenen Dienst reichte die Mittlere Reife, heute muss es das Abitur sein. Wo sehen Sie da eine Absenkung des Niveaus?
Sehen Sie sich mal die Anforderungen für das Abi an.

Wahrscheinlich könnte ein Volksschüler von "früher" heute locker ein Abi bestehen.

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