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Befristete Arbeitsverträge für Lehrer: Wann sich eine Entfristungsklage lohnt
DPA

Tausende Lehrer werden bundesweit in den Sommerferien arbeitslos - weil ihr befristeter Vertrag genau am letzten Schultag endet. Arbeitsrechtler Ralf Friedhofen erklärt im Interview, worauf Betroffene achten müssen.

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menton 10.07.2018, 17:11
10. Naja, erstmal finde ich gut, dass Gemeinden und Länder sparen...

Zitat von Analog
wie wichtig den Politikern die Bildung wirklich ist. Wenn ein Mikro hingehalten wird, ist es natürlich ganz oben auf der Agenda. *Kopfschütteln* Wie es auch sehr wichtig ist, das Pflegekräfte ordentlich bezahlt werden müssen. Da wo die Städten und Gemeinden es umsetzen könnten in ihren Krankenhäusern, gibt es den größten Hungerlohn...
... und unser Geld nicht verpulvern.

Von Hungerlohn kann übrigens bei - vor allem verbeamteten - Lehrern noch in der Krankenpflege keineswegs gesprochen werden. Im Vergleich zu manchem anderen Beruf (Frisöre, Arzthelfer, Steuer- oder Rechtsanwaltsfachangestellten, Sozialarbeiter, Architekten, Einzelhandelskaufleuten, etc. pp.) verdienen die - wie auch Polizeibeamte, etc. die alle immer so kräftig auf die Tränendrüsen drücken - ganz ok.

Die Gemeinden und Länder sollten aber schon darauf achten, dass sie marktgerecht bezahlen, damit sich auch künftig genug Lehrer finden und der freie Markt nicht die potentiellen Bewerber abfischt.

Dort wo es rechtlich möglich ist und sich genug Bewerber finden, können diese meinetwegen auch befristet beschäftigt werden - das geschieht anderswo auch. Ob es einen hinreichenden Befristungsgrund gibt, wenn Lehrer nicht über die Ferien beschäftigt werden, kann allerdings rechtlich bezweifelt werden.

Immer daran denken: Wenn hier gefordert wird, dass Staatsbedienstete besser behandelt werden sollen als Mitarbeiter in der freien Wirtschaft, bezahlen WIR das am Ende!

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geoelterblitz 10.07.2018, 18:10
11. Skandal

Wir reden immer darüber wie wichtig Bildung für unser Land und unsere Kinder ist. Und ausgerechnet in unserem Land werden Lehrer wie Dreck behandelt und von einer Befristung in die nächste gezwungen. Dafür muss man sich bei den befristeten Lehrer entschuldigen. Und die Politiker sollen die Befristetei abschaffen.

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nordwega 10.07.2018, 18:35
12. die sache mit der würde a la art1 gg

Ich bin selbst betroffen. Die entwürdigende Behandlung in BaWü beginnt damit, dass man von der Arbeitsagentur am 01.08. in eine arbeitsmarktpolitische Massnahme gesteckt wird. Gerade die Sommerferien, wo mal keine Klausuren korrigiert werden,etc, gelten als Erholungsphase, in anderen Bereichen nennt man das auch Urlaub.
Die Agentur jedoch stellt alle Arbeitnehmer gleich, für Lehrer gibt es keine Ausnahmen. Vertragszusagen erhält man, trotz absehbaren Bedarf, vom Schulamt jedoch erst im September, da man den Anschein von Kettenverträgen vermeiden möchte. Diese Praktik erlaubt es der Agentur, angestellte Lehrer im Sommerurlaub in eine Massnahme zu stecken. Tritt man in den Sommerferien letzlich seinen Urlaub an, muss man diesen noch bei der Agentur genehmigen lassen.
Als ich der Agentur erklärte, dass ich NUR in den Sommerferien meinen mir zustehenden Urlaub nehmen kann, drohte man mir sofort mit Leistungseinbussen bei Hartz4, was sie auch letzlich gemacht haben. Ich zahle auch Beiträge in die Arbeitslosenversicherung, darf diese dann aber bei Bedarf nicht in Anspruch nehmen. Ich erachte diese Handhabe als illegal. Wird Zeit, dass jemand klagt!
Grüße an Frau Dr. Susanne Eisenmann. Meine befristete Chefin

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bafibo 10.07.2018, 18:53
13. Einerseits ist der Einwand berechtigt

Zitat von dickebank
Was soll eine Schule mit dem 65. Kollegen mit den Fakulten Deutsch und Geschichte, wenn der Bedarf in Musik, Englisch und den MINT-Fächern besteht? Des Weiteren sind derzeit in erster Linie Stellen für die Lehrämter an Grundschulen und Schulen der Sekundarstufe I (bis Klasse 10) sowie an berufsbildenden Schulen nicht zu bestzen. Lehrkräfte für Gymnasien gibt es wie "Sand am Meer".
Andererseits geht es hier um jemand, der schon einmal (oder mehrfach) einen Vertrag hatte. Ich würde daraus schließen, daß der Betreffende gebraucht wurde. Die festangestellten oder beamteten Lehrer werden ja nicht mehr - von Mutterschaftsurlaub-Rückkehrern oder nach längerer Krankheit Genesenen abgesehen -, sondern höchstens weniger. Also sollte spätestens nach zwei Jahren klar sein, ob man den befristet Angestellten länger braucht.

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Birs 10.07.2018, 19:43
14. Ich will befristet eingestellt werden DÜRFEN!

Warum stellt die Befristung von Lehrern eine Befristung mit Sachgrund dar? Das ist mir nicht ganz klar geworden. Aber selbst wenn dem so sein sollte, wird sich demnächst so einiges ändern. Im aktuellen Koalitionsvertrag steht, dass neben der Reduzierung der sachgrundlosen Befristung von 2 auf 1,5 Jahre auch die Befristung nach Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) auf maximal fünf Jahre begrenzt werden soll. Wie sich das bei den Lehrern auswirken wird, ... Keine Ahnung. Aber (Grundlagen-) Forschung im öffentlichen Dienst (und die ist für gewöhnlich ÖD: neben Behörden natürlich Unis und Institute wie Helmholtz, Fraunhofer, Leibnitz, etc sind allesamt ÖD) wird, sollte das tatsächlich kommen, drastisch reduziert werden. Für höhere Dienste gilt da ja seit einiger Zeit meist eh schon das Wissenschaftszeitvertragsgesetz (Befristung auf 6 Jahre nach jedem Abschluss), nun kommt für G- und M-Dienste also auch das Aus nach maximal fünf Jahren. Ich fragte mich, was denkt sich unsere Politikelite, wenn sie ihren Angestellten sowas einbrockt? Sicher, Befristungen sind Mist, aber die Befristung zu befristen kommt für viele einem Berufsverbot gleich. Denn solange der Gesetzgeber nicht vorsieht, dass ebensoviele feste Stellen geschaffen werden, wie derzeit befristete Arbeitsverhältnisse im ÖD bestehen, wird der wissenschaftliche ÖD in den nächsten Jahren praktisch arbeitsunfähig werden. Von daher: lasst uns doch selbst entscheiden, ob wir wieder eine Befristung mit Sachgrund (=Projekt!) eingehen möchten, wenn ihr unsere Stellen schon nicht entfristen wollt! Schon echt mies, wenn man inzwischen schon darum kämpfen muss, wenigsten befristet angestellt zu werden...
Die hier beschriebenen befristeten Lehrstellen sind eine andere Problematik. Die sind imo ohne Sachgrund (auch wenn der Artikel das anders sieht) und damit noch ein Stück weiter unter der Gürtellinie und gehören wirklich verboten. Die exakt gleiche Arbeit muss auch im Anschluss noch gemacht werden, womit es keine Begründung für eine Befristung geben kann.

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Osservatore 10.07.2018, 21:12
15. Schwäbische Hausfrau

Zitat von menton
... und unser Geld nicht verpulvern. Von Hungerlohn kann übrigens bei - vor allem verbeamteten - Lehrern noch in der Krankenpflege keineswegs gesprochen werden. Im Vergleich zu manchem anderen Beruf (Frisöre, Arzthelfer, Steuer- oder Rechtsanwaltsfachangestellten, Sozialarbeiter, Architekten, Einzelhandelskaufleuten, etc. pp.) verdienen die - wie auch Polizeibeamte, etc. die alle immer so kräftig auf die Tränendrüsen drücken - ganz ok. Die Gemeinden und Länder sollten aber schon darauf achten, dass sie marktgerecht bezahlen, damit sich auch künftig genug Lehrer finden und der freie Markt nicht die potentiellen Bewerber abfischt. Dort wo es rechtlich möglich ist und sich genug Bewerber finden, können diese meinetwegen auch befristet beschäftigt werden - das geschieht anderswo auch. Ob es einen hinreichenden Befristungsgrund gibt, wenn Lehrer nicht über die Ferien beschäftigt werden, kann allerdings rechtlich bezweifelt werden. Immer daran denken: Wenn hier gefordert wird, dass Staatsbedienstete besser behandelt werden sollen als Mitarbeiter in der freien Wirtschaft, bezahlen WIR das am Ende!
Das spricht die kretschm..äh schwäbische Hausfrau, die in Gesellschaftskunde nicht aufgepasst hat...;-)) Eine Schande ist das, was die neoliberale Gerhirnwäsche angerichtet hat und anrichtet. Ganz witzig finde ihre Feststellung, dass Sozialarbeiter, Architekten und Einzelhandelskaufleute quai "hartz-4-gefährdet" sind. Da lachen ja die H...

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mcgrasi 10.07.2018, 23:03
16. Äpfel und Birnen

@menton: Der vergleich hinkt. Eine Friseurin hat nach ihrem Mittelschulabschluss eine Lehre gemacht. Ein Lehrer hat dann noch die Oberstufe besucht, Abitur gemacht, ein Lehramtsstudium mit dem ersten Staatsexamen und das Referendariat mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Sowohl Länge als auch Anspruch der Ausbildung ist offensichtlich nicht vergleichbar.

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menton 11.07.2018, 10:53
17. da haben Sie natürlich recht...

Zitat von mcgrasi
@menton: Der vergleich hinkt. Eine Friseurin hat nach ihrem Mittelschulabschluss eine Lehre gemacht. Ein Lehrer hat dann noch die Oberstufe besucht, Abitur gemacht, ein Lehramtsstudium mit dem ersten Staatsexamen und das Referendariat mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen. Sowohl Länge als auch Anspruch der Ausbildung ist offensichtlich nicht vergleichbar.
aber mein Beitrag bezog sich auf einen anderen Forumsbeitrag, der Parallelen zur angeblich so schlechten Bezahlung/Behandlung von Mitarbeitern im Gesundheitswesen, vor allem in der Pflege, zog.

Ich habe dann ja auch beispielhaft weitere Berufe genannt, in denen die Arbeitnehmer regelmäßig ebenso viel/wenig verdienen.

Im Übrigen: Das Lehramtsstudium ist - je nach Fachzusammensetzung - sicher nicht völlig anspruchslos. Zu vergleichen mit einem geistes- oder naturwissenschaftlichen Vollstudium auf Diplom/Staatsexamen/Master Level ist es aber andererseits sicher nicht.

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kkllaauussii 11.07.2018, 16:41
18. Es ist eine Schande und

man sollte hoffen, dass im Zuge des Fachkräftemangels eine Vielzahl der Lehrer einen unbefristeten Job außerhalb des Landes Schulbetriebes finden. Dann stehen diese nicht mher zur Verfügung. Einfach wäre auch ein Unterschriftenstreik, also einfach gemeinsam keine befristeten Verträge unterschreiben. Tut zwar erst einmal weh, kann aber Druck aufbauen. Schließlich bestimmen Angebot und Nachfrage auch auf dem Arbeitsmarkt das Geschäft.

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lobivia 11.07.2018, 17:36
19. #17 @menton

Das Lehramtsstudium IST ein Masterstudium.

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