Forum: Karriere
Berufsausbildung: Schulabgänger setzen auf Pflegeberufe
DPA

Pflegeberufe sind bei jungen Leuten so beliebt wie nie. Und doch fehlen immer mehr Kräfte in Alten- und Pflegeheimen. Experten fordern, die Ausbildung stärker an die Hochschulen zu verlagern. Doch gegen den akuten Mangel hilft das nicht.

Seite 2 von 5
Ingmar E. 18.07.2012, 07:19
10.

In Deutschland wird unter Pflege oft noch Waschen, Windeln, Füttern verstanden. Dann bekommt man theatralisch gesagt "das könnte ich nicht", obwohl das noch die Sache am Job ist, die mit etwas Routine am leichtesten von der Hand geht.
Aber die Pflege als Beruf aufwerten, und uns entsprechende Löhne zahlen, da hörts anscheinend schon auf, wenn man hier die Kommentare liest.
Es scheint eine immense Unkenntnis zu herrschen, wieviele ärztliche Tätigkeiten wir mittlerweile übernehmen. Dann würde es den Menschen vllt. mal wie Schuppen von den Augen fallen, wie gefährlich das ist. Wenn z.B. in einem kleinen Kreiskrankenhaus auf ner Intensivstation eine Pflegerin das Beatmungsgerät einstellt, ohne eine akademische Ausbildung, am besten mit Realschulabschluss, 3Jahre Ausbildung und halbes Jahr Berufserfahrung.
Es sterben jährlich x-mal mehr Menschen durch Pflegefehler als durch den Strassenverkehr, aber eine bessere, eine akademische Ausbildung soll es dann doch nicht sein. Da greift man sich an den Kopf.

Auf Trinkgeld und soziale Anerkennung kann ich herzlich verzichten, wenn die Leute mal aufhören würden uns als Urinkellner zu sehen. Auf einer Intensivstation hab ich als Pfleger oft mehr Einfluss, mache mehr Handlungen auch nach eigenem Ermessen, als der anwesende Assistenzarzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mikestichel 18.07.2012, 07:49
11. "Pflege Mafia"

Ich weiß ja nicht woher Sie Ihre Informationen haben, aber vielleicht wäre ein Praktikum in der Pflege mal ein Weg für Sie. Ehrlich. Wie kann man nur von Pflege Mafia reden, während die Ärzteschaft in den letzten 5 Jahren gute 14% Gehaltserhöhung bekommen hat. Die Pflege ist im gleichne Zeitraum nicht mal mit einer Inflationsrate abgespeist worden.
Die Pflege ist mittlerweile eine hochqualifizierte Berufsgruppe mit etlichen Fachweiterbildungen. Pflege bedeutet halt nicht nur Waschen und Essen bringen. Pflege bedeutet Krankenbeobachtung. Lösungswege für Patienten finden. Immer mehr ärztliche Tätigkeiten zu übernehmen. Fachweiterbildungen und so weiter.
Einfach mal ein Praktikum machen, das Hilft wirklich! Am besten auf einer septischen Chirugie, in einer Demenz WG oder mal in die Nothilfe gehen. Da lernt man fürs Leben.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mikestichel 18.07.2012, 07:53
12. Ablehnen?

Und es ist gut das abgelehnt wird. Nicht jeder kann mit Menschen gut umgehen. Nicht jeder ist der immer stetig steigenden Anforderung gewachsen. Pflege ist heute etwas hochkompliziertes, in der immer mehr Tätigkeiten der Ärtzeschaft auf die Pflegeberufe abgewälst werden.
Ich bin mir manchmal nicht mehr sicher, ob das was jetzt zum teil nachkommt, wirklich diesen Anforderungen gewachsen ist. Einen Großteil hätte man vor gut 10 Jahren nicht mal genommen. Heute bleibt uns kaum noch was anderes übrig. Guten Nacht Deutschland.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ingmar E. 18.07.2012, 08:31
13.

Zitat von mikestichel
Ich bin mir manchmal nicht mehr sicher, ob das was jetzt zum teil nachkommt, wirklich diesen Anforderungen gewachsen ist. Einen Großteil hätte man vor gut 10 Jahren nicht mal genommen. Heute bleibt uns kaum noch was anderes übrig. Guten Nacht Deutschland.
Da bin ich langfristig optimistisch gelaunt. Ich setze auf stark steigende Energiekosten (Peak Oil, Peak Gas,Kohle, Uran) und eine folgende Deindustrialisierung.
Die Kernfrage ist für mich in Zukunft: "Für welche Dienstleistungen würden die Menschen, um sie bezahlen zu können, die Karre verkaufen und die Wohnung ungeheizt lassen?"

Und da werden auch viele Abiturienten bald merken, dass es doch nicht soviele offene Ingenieursstellen gibt und man mit Medienberufen nicht weiterkommt, wenn keiner mehr Geld für Medien hat. So ein typischer Geisteswissenschaftler oder Medienmensch kann ich mir noch am Patientenbett vorstellen. Bei einem Metallgießer oder Anlagenbauer bin ich da skeptischer, ob der das überhaupt will, selbst wenn er sonst nirgends mehr einen Job findet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
strandtiger 18.07.2012, 08:40
14. Armes Deutschland

Ich habe gerade versucht mit fortgeschrittener Lebenserfahrung, 20 Jahren Patientenerfahrung und langer Leitungsfunktion als Altenpfleger der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Leider ist lt.Auskunft des Ministeriums für Soziales in Schleswig-Holstein keine Möglichkeit gegeben, die 3-jährige Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen... Da ich mit fast 50 Lebensjahren keine Lust verspüre zusammen mit 16 jährigen Jungs & Mädchen die Grundlagen der Rechtschreibung, richtige Ansprache des Patienten oder die Geheimnisse der Händedesinfektion zu erleiden, da in Deutschland Lebenserfahrung schlicht nicht zählt, habe ich mich dagegen ausgesprochen. Trotz Begeisterung der Altenpflegeschulenleitung im Gespräch, trotz meiner Bereitschaft 2 Jahre lang von € 700 monatlich zu leben: So wird das nix! Und wozu brauchen wir da noch Akademiker?? Einfach die kassenärztliche Vereinigung verbieten, das Orthopädensponsoring einstellen, den Facharzt für Gerontologie stärken und in der Geldverteilungsmaschine stärker berücksichtigen. So einfach geht es, politischen Willen vorausgesetzt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ingmar E. 18.07.2012, 09:03
15.

Zitat von strandtiger
Und wozu brauchen wir da noch Akademiker??
Um die Effektivität und Effiziens zu verbessern? Damit mit den gleichen Geldmitteln am Ende mehr für den Klienten/Patienten rumkommt? Um Pflegenden eine Argumentationsgrundlage zu bieten, abseits von "meine Erfahrung", mit der sie ihre Maßnahmen begründen können? Um das Selbstverständnis der Berufsgruppe zu stärken, sich mit den Medizinern auf Augenhöhe zu begeben? Um sich anderen Ländern anzugleichen? Um Grundlagenforschung über Pflege zu betreiben? (Für Grundlagenforschung bekommen andere Wissenschaften Milliardenbeträge) Um wissenschaftliche Erkenntnisse anderer Disziplinen auf Inhalte abzuklopfen die für die Pflege relevant sind, und diese in die Praxis einzuführen?

Wieviele Gründe brauchen sie noch?
Sie könnten auch fragen: "Warum braucht es Ingenieure, wenn es auch geschickte Maschinenschlosser gibt?". Da kann ich echt nur den Kopf schütteln. Jedes Gebiet, dass für das Leben eines Menschen relevant ist, hat es verdient akademisch durchleuchtet zu werden, wenn selbst Gebiete so durchleuchtet werden, die für das Leben eines normalen Menschen völlig unrelevant sind.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pflegeengel 18.07.2012, 10:27
16.

Zitat von seduro34
So lange Pflegeeinrichtungen und Wohnstätten GmbH bzw. gGmbH geführt werden, muss sich niemand wundern, das vorgeblich kein Geld da ist. Jeder der in der Branche arbeitet und Einblick in die Pflegesätze hat weiß, das genug Geld vorhanden ist. Leidtragende sind die Mensche, die auf Pflege angewiesen sind.
Wir Pflegenden haben auch keine Aussicht auf adäquate Löhne und Gehälter. Es sind also nicht die zu Pflegenden allein, die das Leid tragen sollen.
Schönen Tag noch
Gruß Pflegeengel

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Pflegeengel 18.07.2012, 10:34
17.

Zitat von Ingmar E.
In Deutschland wird unter Pflege oft noch Waschen, Windeln, Füttern verstanden. Dann bekommt man theatralisch gesagt "das könnte ich nicht", obwohl das noch die Sache am Job ist, die mit etwas Routine am leichtesten von der Hand geht. Aber die Pflege als Beruf aufwerten, und uns entsprechende Löhne zahlen, da hörts anscheinend schon auf, wenn man hier die Kommentare liest. Es scheint eine immense Unkenntnis zu herrschen, wieviele ärztliche Tätigkeiten wir mittlerweile übernehmen. Dann würde es den Menschen vllt. mal wie Schuppen von den Augen fallen, wie gefährlich das ist. Wenn z.B. in einem kleinen Kreiskrankenhaus auf ner Intensivstation eine Pflegerin das Beatmungsgerät einstellt, ohne eine akademische Ausbildung, am besten mit Realschulabschluss, 3Jahre Ausbildung und halbes Jahr Berufserfahrung. Es sterben jährlich x-mal mehr Menschen durch Pflegefehler als durch den Strassenverkehr, aber eine bessere, eine akademische Ausbildung soll es dann doch nicht sein. Da greift man sich an den Kopf. Auf Trinkgeld und soziale Anerkennung kann ich herzlich verzichten, wenn die Leute mal aufhören würden uns als Urinkellner zu sehen. Auf einer Intensivstation hab ich als Pfleger oft mehr Einfluss, mache mehr Handlungen auch nach eigenem Ermessen, als der anwesende Assistenzarzt.
Sie erhalten meine vollste Zustimmung. Dieses"Arschputzer"-Ansehen meines Berufes habe ich schon lange satt. Es interessiert sich aber kein Mensch für den wahren Inhalt dieses Berufes, bis sie ihn nicht selber brauchen (in Form einer für sie zuständigen Pflegekraft). Wer schon will noch mehr Pflegeversicherungsbeitrag bezahlen, damit unsere Gehälter angemessen sind, hm??? Da hört sich das Gequatsche von wegen: ..."entlohnt diesen Beruf anständig! ...." sofort auf, gell?
Gruß Pflegeengel

Beitrag melden Antworten / Zitieren
c.w.a 18.07.2012, 10:36
18. und wer setz es um?

@ Ingmar E.

„ … Wenn ich statt 7 examinierten Pflegern im Dienst, 3 akademisierte Pfleger im Dienst habe und 6 Pflegehelfer kann das z.B. sogar preiswerter sein, und dennoch für den Patienten eine bessere Versorgung bedeuten ...“

Und wo sollen die preiswerten Pflegehelfer herkommen?
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 3 akademisierte Pfleger die Papier schwärzen können, aber keinen Ma der in der Lage ist einen Patienten angemessen zu versorgen & pflegen.
Wer hilft Menschen mit Inkontinenz? 1ner Ihrer 3 akademisierten Pfleger?
Alle meine akademisierten Pflegekräfte diskutieren über Expertenstandards, haben die besten Lösungen, Konzepte …und wer setz es um? 1ner Ihrer 3 akademisierten Pfleger?


„ … wie gefährlich das ist. Wenn z.B. in einem kleinen Kreiskrankenhaus auf ner Intensivstation eine Pflegerin das Beatmungsgerät einstellt, ohne eine akademische Ausbildung, am besten mit Realschulabschluss, 3Jahre Ausbildung und halbes Jahr Berufserfahrung …“

eine Pflegerin - mit Realschulabschluss - 3 Jahren Ausbildung und einem halben Jahr Berufserfahrung weiß im Gegensatz zu den akademisierten Theoretikern was sie tut.

Behaupten sie ernsthaft, dass durch eine Akademisierung der Pflege mehr Pflegekräfte vorhanden sind?

Gruß
c.W.a

Beitrag melden Antworten / Zitieren
LeToubib 18.07.2012, 10:40
19.

Zitat von DMenakker
Es gibt schlicht nicht genügend Ausbildungsplätze für Altenpfleger / Altenpflegehelfer. Das ganze auf Uni Niveau zu verlegen ist totaler Quark. Wenn überhaupt, dann ist noch eine zusätzliche Berufsebene oberhalb der examinierten Altenpflegerin, aber unterhalb des Arztes einzuführen [...]
Wieso unterhalb des Arztes? Fuer mich als Stationsarzt war "meine" Stationsschwester immer gleichrangig.

Und der CO des U.S. Army Medical Departements, der Surgeon General, ist eine Krankenschwester, LTG Patricia Horoho!

Willkommen in 21. Jahrhundert ...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 2 von 5