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Berufsausbildung: Schulabgänger setzen auf Pflegeberufe
DPA

Pflegeberufe sind bei jungen Leuten so beliebt wie nie. Und doch fehlen immer mehr Kräfte in Alten- und Pflegeheimen. Experten fordern, die Ausbildung stärker an die Hochschulen zu verlagern. Doch gegen den akuten Mangel hilft das nicht.

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Pflegeengel 18.07.2012, 11:21
20.

Zitat von LeToubib
Wieso des Arztes? Fuer mich als Stationsarzt war "meine" Stationsschwester immer gleichrangig. Und der CO des U.S. Army Medical Departements, der , ist eine Krankenschwester, ! Willkommen in 21. Jahrhundert ...
Danke, das erleben wir jeden Tag:
Es wird seitens der Ärzte jeden Tag delegiert, wo es nur möglich ist, damit die scheinbar unangenehmen Zeitfresser-Arbeiten von uns examinierten Pflegekräften erledigt werden, hierbei Entlastung der Ärzte möglich machen. Aber: Wo bitte bleibt unser adäquates Gehalt dafür?

Gruß Pflegeengel

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LeToubib 18.07.2012, 13:43
21.

Zitat von Pflegeengel
[...] Aber: Wo bitte bleibt unser adäquates Gehalt dafür? Gruß Pflegeengel
Verzeihung, aber ich bin der S-5 unserer Brigade, also zustaendig fuer die Zusammenarbeit mit Zivilkrankenhaeusern, nicht fuer Besoldungsfragen ...

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Ingmar E. 18.07.2012, 16:30
22.

Zitat von c.w.a
eine Pflegerin - mit Realschulabschluss - 3 Jahren Ausbildung und einem halben Jahr Berufserfahrung weiß im Gegensatz zu den akademisierten Theoretikern was sie tut.
Sie sind der Meinung meine jahrelange Berufserfahrung auf ITS geht plötzlich abhanden, sobald ich meinen Abschluss habe?

Was hat akademisierung mit Theoretikern zu tun? Das Ziel ist, dass die Praktiker einen akademischen Abschluss bekommen, und nicht dass irgendwelche Menschen abseits der Praxis schlaue Debatten abhalten.
Zitat von
Behaupten sie ernsthaft, dass durch eine Akademisierung der Pflege mehr Pflegekräfte vorhanden sind?
Ja klar, die Abiturienten werden immer mehr anteilsmäßig und die müssen wir gewinnen.

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Ingmar E. 18.07.2012, 16:53
23.

Zitat von Pflegeengel
Aber: Wo bitte bleibt unser adäquates Gehalt dafür?
Ich verdien als Pfleger einen Tick mehr Nettostundenlohn als ein Assistenzarzt. Er hat zwar am Monatsende wesentlich mehr Geld aufm Konto, ich arbeite aber wirklich nur 30h für meine Kohle, und er aber 50-60h. Dadurch ist der Lohn pro Stunde im Vergleich nicht so schlecht.
Lohnerhöhung des Haustarifvertrags >4% in diesem Jahr. In meinen Augen bewegt sich etwas in die richtige Richtung.

Ich finds schlimm welche Abneigungen hier gegen die Akademisierung herrschen. In den USA gibts mittlerweile schon soviele Pfleger mit Doktorgrad, die direkt am Patientenbett arbeiten, dass sich die Docs darüber beschweren, dass nur sie mit Doktor angeredet werden wollen.

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gunnarqr 18.07.2012, 17:10
24. Deutschland hat die Pflege die es verdient

Die Pflege in Deutschland war und ist unterbezahlt und unterbesetzt. Ein abgeschlossenes Studium der Pflegewissenschaften bedeutet nicht unbedingt bessere Bezahlung, da die Leitungsfunktionen meist besetzt sind und nicht so schnell frei werden. Solange die 'einfache' Gesundheits- Krankenpflegerin so schlecht bezahlt wird derzeit, braucht man sich über fehlenden Nachwuchs nicht wundern und sollte jeden jungen Menschen derzeit dringend davon abraten diesen Beruf zu ergreifen.
Zudem wird verstärkt versucht, den Anteil der 3 jährig Examinierten zu drücken und mit deutlich minder Qualifizierten zu ersetzen. Das gilt für alle Krankenhäuser und Pflegeheime.
Als ein seit 1997 als Stationsleitung Beschäftigter in einer der deutschlandweit größten Kliniken weiß,ich, wovon ich rede.
In meinem Unternehmen sind wir Stationspflegeleitungen laut Geschäftsführung auf Augenhöhe zu Chefärzten. (Manchmal auch nicht, bei der Bezahlung sowieso nicht).
Die deutsche Ausbildung der Pflege ist zudem allenfalls Mittelmaß, die Niederländer und einige andere Nachbarn sind in der Beziehung deutlich besser.
Unter'm Strich eine Schande für unser Land

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Ingmar E. 18.07.2012, 17:39
25.

Zitat von gunnarqr
Die Pflege in Deutschland war und ist unterbezahlt und unterbesetzt. Ein abgeschlossenes Studium der Pflegewissenschaften bedeutet nicht unbedingt bessere Bezahlung, da die Leitungsfunktionen meist besetzt sind und nicht so schnell frei werden.
Es geht doch explizit darum, dass bei den Praktikern, die am Patientenbett arbeiten, mehr Akademiker vorhanden sein sollten.
Für Leitungsfunktion studiert man wohl besser Pflegemanagment als Pflegewissenschaft.

Zitat von
Solange die 'einfache' Gesundheits- Krankenpflegerin so schlecht bezahlt wird derzeit, braucht man sich über fehlenden Nachwuchs nicht wundern und sollte jeden jungen Menschen derzeit dringend davon abraten diesen Beruf zu ergreifen. Zudem wird verstärkt versucht, den Anteil der 3 jährig Examinierten zu drücken und mit deutlich minder Qualifizierten zu ersetzen. Das gilt für alle Krankenhäuser und Pflegeheime.
Ganz ehrlich, viele Kollegen mit Realschulabschluss und Examen sind einfach nichts für eine Intensivstation. Trotzdem muss man sie nehmen, weil nichts anderes am Markt ist.

Wenn man die Stellen von examinierten Pflegepersonal durch Pflegehelfer ersetzt, und die nur für die Grundpflege einsetzt, kann man mehr Menschen anstellen. Und im Gegenzug braucht es eine Akademisierung, damit die Qualität bei der Behandlungspflege ansteigt. Und fürs Kreuzel setzen in Dokumentationsbögen braucht es einen medizinischen Dokumentationsassistenten und keine examinierte oder akademische Pflegekraft.

Ich bin ein großer Verfechter des Primary-Nurse-Konzepts. Es ist einfach Quatsch wenn eine examinierte oder akademische Kraft Grundpflege betreibt oder nur noch Dokumentationsaufgaben erledigt.
Zitat von
Die deutsche Ausbildung der Pflege ist zudem allenfalls Mittelmaß, die Niederländer und einige andere Nachbarn sind in der Beziehung deutlich besser.
Das ist der Punkt, unsere Ausbildung ist ziemlich miserabel und man kann oft nur Angst bekommen, wenn man Berufsanfänger auf Patienten loslässt.
Früher als es noch genug Bewerber gab, wurden an vielen renommierteren Krankenhäusern nur Abiturienten angenommen zur Ausbildung. Das hat schon seine Gründe.

Ich träume davon dass die duale Ausbildung in 50Jahren der Standard ist, dass es hauptsächlich nur noch examinierte Krankenschwestern gibt, die gleichzeitig den Bachelor haben.
Solange die einfache Krankenschwester sich scheut den Weg der Akademisierung zu gehen, kann sie auch nicht erwarten wie ein Akademiker bezahlt zu werden. Wobei die Situation mMn gar nicht so schlecht ist, wie sie dargestellt wird.

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Syriolan 18.07.2012, 18:04
26. haha

Zitat von
Ja klar, die Abiturienten werden immer mehr anteilsmäßig und die müssen wir gewinnen.
Ich mache momentan die Ausbildung zum Krankenpfleger. In unserem Kurs haben 40% Abitur. KEINER von diesen hat vor, in der Pflege zu bleiben, sondern macht die Ausbildung nur, weil der NC noch nicht fürs Wunschstudium gereicht hat.

Ich bezweifle sehr, dass für jemanden den Pflege vorher schon nicht interessiert hat, das Ganze durch ein Studium attraktiver findet zumal durch Zugangsbeschränkungen noch mehr potentielle Bewerber wegfallen, die vielleicht dann WIRKLICH Interesse haben und das nicht nur als Zwischenrunde oder Voraussetzung für's Studium (Pflegemanagement) brauchen.

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Ingmar E. 18.07.2012, 18:25
27.

Zitat von Syriolan
Ich mache momentan die Ausbildung zum Krankenpfleger. In unserem Kurs haben 40% Abitur. KEINER von diesen hat vor, in der Pflege zu bleiben, sondern macht die Ausbildung nur, weil der NC noch nicht fürs Wunschstudium gereicht hat.
Ja, war auch meine Intention für die Ausbildung, Wartezeit fürs Medizinstudium. Aber wie ein guter Kumpel sagte: "wer mal auf Intensivstation gearbeitet hat, und dann noch Arzt werden will, hat nichts gelernt".

Wie gesagt, gleicher und höherer Netto-Stundenlohn als der Assistenzarzt, und im Gegensatz bin ich nach 8,5h wirklich runter von Station. Und die Weiterentwicklungschancen sind genauso gegeben. Mittelfristig will ich einen eigenen ITS-Pflegedienst haben, da macht man teils mehr Geld als ein Facharzt mit eigener Praxis.

Medizin ist heutzutage eher ein Schreibtischjob und 10-Finger-Schreibmaschinenkurs wohl sinnvoller als 80% der Ausbildungsinhalte auf der Arztschule.

Bei uns sind die meisten Abiturienten, trotz der gleichen Ankündigungen wie bei ihren Klassenkameraden, dann doch in der Pflege geblieben. Es ist nämlich ein ziemlich toller Beruf, wenn man in der richtigen Abteilung landet. In der Ausbildung konnte ich das bei weitem noch nicht so abschätzen. Aber ich bin für den Verlauf des Patienten sehr oft wichtiger als der unerfahrene Asssistenzarzt der seine fünfte Nachschicht auf einer Intensivstation alleine macht, und dem der Arsch in den allermeisten Fällen ziemlich auf Grundeis geht ;D.

Die Menschen wollen in den Medizin-Bereich weil es Prestige bringt, das nützt aber wenig wenn dir die Frau wegläuft, weil du nie zuhause bist. Manche sehr engagierte Assistenzärzte, die sozusagen sich schon für Karriere empfehlen wollen, machen auch mal 80h in der Woche. Und das natürlich oft als unbezahlte Überstunde, was dann den Netto-Stundenlohn ziemlich nach unten reisst.

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Ingmar E. 18.07.2012, 18:28
28.

Zitat von Syriolan
In unserem Kurs haben 40% Abitur.
Früher wurden an sehr renommierten Krankenhäusern praktisch nur Abiturienten zur Ausbildung genommen. 40% ist schon ein extrem schlechter Wert.
In den meisten Ländern wird Pflege an Universitäten gelehrt, Deutschland ist eins der wenigen Ländern, wo ein Realschulabschluss ausreicht als Zugangsvorraussetzung. Und offenbar gibt es trotzdem Pflegekräfte in diesen Ländern die danach auch jahrelang in dem Beruf bleiben.

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oexli 18.07.2012, 18:48
29.

Zitat von sysop
Pflegeberufe sind bei jungen Leuten so beliebt wie nie. Und doch fehlen immer mehr Kräfte in Alten- und Pflegeheimen. Experten fordern, die Ausbildung stärker an die Hochschulen zu verlagern. Doch gegen den akuten Mangel hilft das nicht.
Ich arbeite selbst seit Jahrzehnten im sozialen Bereich in einer gGmbH. Allen interessierten jungen Menschen, die in diesen Berufsfeldern arbeiten möchten, sei gesagt: die beschämend niedrige Entlohnung für Tätigkeiten im sozialen, medizinischen und pflegerischen Bereich entspricht der mangelnden gesellschaftlichen Wertschätzung für die zu versorgenden Menschen. Die produzieren nämlich nicht so richtig, sondern kosten nur Geld. Meine Kollegen und ich spüren nur allzu deutlich die Reallohneinbußen der letzten Jahre. Wer selber eine Familie gründen und seine Existenz langfristig sichern möchte, sollte andere Berufe wählen.
Der Erwerb von "Gotteslohn" bezahlt nicht Wohnung und Versicherungen.

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