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Berufseinstieg mit Bachelor: Schmalspurer oder Blitzstarter?

Mal preisen Unternehmen das Tempo des Bachelor-Modells, mal belächeln sie es als kleine Hafenrundfahrt:*Sind das überhaupt richtige Akademiker? Fünf Absolventen erzählen, wie sie mit dem Studium Bolognese in den Beruf starten - oder warum sie doch lieber den Master draufsatteln.

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christian_walter 24.01.2012, 14:45
1. der klassiche "Ex ud Hopp" Akademiker

Na klar, wir haben es auch im Hochschulbetrieb geschafft und den "wirtschaftlichen Anforderungen" der Unternehmen genuege getan. Das alles um den "Standort Deutschland" zu sichern. Nichts anderes.
Bildungshochburg sind wir schon lange nicht mehr. Nun schnell ein paar Pseudoakademiker "Baqchelor" aus der taufe gestampft und diese in die Perspektivlosigkeit der Arbeitswelt entlassen.

Ein deutscher Bachelor ist ein Abschluss zweiter Klasse "der zu nichts qualifiziert". der Abschluss hat weniger t Fachhochschulniveau, wobei letztere Absolventen wenigstens noch Praxisnezug mitbringen und in der Regel ueber eine sehr viel qualifiziertere Ausbildung verfuegen.

Ich arbeite im Moment in einem Land, wo die durchschnittliche Abschlussqualifikation der Akademiker desolat ist. Titel koennen erworben werden.
Soweit ist es in D noch nicht. Doch schon der Dreisatz bereitet manchem echte Akademiker artge Schwierigkeiten. Vom Abstraktionsvermoegen und einer Problembearbeitung auf akademischen Niveau spreche ich schon nicht mehr.
Ich will aber davon absehen, das Lied zu singen: Frueher war alles besser.....

Auch damals war es nicht einfach nach demStudium eine angemessen bezahlte Stellung zu finden, schon gar nicht in dem Bereich in dem ich studiert habe. Ich habe auch ein wenig Glueck gehabt, das gebe ich zu!

Dafuer habe ich laenger studiert, mir wuerde etwas vernuenftiges vermittelt , musste natuerlich reinpowern (das muessen die armen Wuerstchen heute auch). Studieren hat sehr viel mit Kopf und Sichtweise oeffnen zu tun und solide Fachkenntnis. Doch, dass schnallen unsere Politiker nicht mehr.

Heute geht es darum Halbqualifizierte zu generieren, die sich als Praktikanten oder 26.000 Brutto zur Mehrwertsteigerung des Unternehmens den Arm aufreissen oder gleich als Packer oder Hartz IV beginnen.

Traurig das Ganze und vor allem unnoetig in einem der reichsten Laender der Erde, welches sich einmal durch Denker ausgezeichnet hat.

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danielohondo 24.01.2012, 15:23
2. Nicht ganz !

Herr Wirtschaftsingenieur vergleicht seinen Bachelor mit dem Diplom an seiner FH, als ob es das gleiche wäre. Nun, es mag vielleicht an seiner FH so sein, bei uns ist es anders.

Da ich noch auf Diplom studiere und meine Diplomarbeit jetzt schreibe und wir auch im Betrieb noch Bachelorstudenten haben, kann ich sehr gut vergleichen. Auch die Studien- und Prüfungsordnungen musste ich mir genau angucken, so war der Vergleich ganz einfach. Das Bachelor-Studium an der FH wurde um einen Semester gekürzt und es wurden zum Teil einige Fächer rausgeworfen, bzw. gekürzt oder anders aufgebaut. Dafür wurden mehr Übungsstunden eingefügt, wo die Studenten mehr den Stoff einprägen können. Die Praktische Phase wurde dadurch kürzer. Man muss nun die Bachelorarbeit und das Praxissemester innerhalb des 7ten Semester erledigen. An sich sind die Veränderungen klein, da die Praxisphase kürzer ist und einige Fächer etwas beschnitten wurden, aber es ist immer noch ein vollwertiges Studium mit einem akademischen Grad, den man auch verdient bekommt.

Trotz allem ist es nicht mit Diplom vergleichbar, da man durch längere Praxisphase, sprich Diplom 6 Monate, Praxissemester 6 Monate deutlich mehr Praxisbezug hatte. Außerdem konnte man die Fächer auch so belegen, wie man es wollte. Man war nicht gezwungen streng nach Plan zu studieren und konnte noch nebenbei Arbeiten. Heute müssen die Bachelorstudenten Auflagen erfüllen mit Creditpoints und möglichst den Plan einhalten, weil sonst Nachteile für Studenten entstehen.

An der Uni ist der Bachelorabschluss nichts weiter als erweitertet Vordiplom mit paar Fächern mehr und einer Bachelorarbeit die vom Umfang her eine Projektarbeit nicht überschreiten muss, aber kann. Praxisbezug gleich null, es sei denn der Student macht selbst Praktika in Semesterferien oder ganzes Semester währende des Studiums. Es sind dann 6 Semester insgesamt ohne Praxis.

Nun, wenn ich Personaler wäre und entscheiden müsste, ob ich Bachelor(FH) oder Bacherlo(Uni) einstellen soll, dann ist wohl die Entscheidung klar, wer bessere Karten hat. Eindeutig der FHler, da dieser immer noch solide ausgebildet werden mit sehr kleinen Abstrichen, die man aber locker wettmacht gegenüber den älterden Diplom(FH).

Also, wenn man an der Uni seinen Bachelor bekommen hat, dann würde ich unbedingt einen Master dranhängen, sonst hat man einfach keinen vollwertigen Abschluss.

MFG.

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mauimeyer 24.01.2012, 15:25
3. Das deutsche Bildungssystem...

Zitat von sysop
Mal preisen Unternehmen das Tempo des Bachelor-Modells, mal belächeln sie es als kleine Hafenrundfahrt:*Sind das überhaupt richtige Akademiker? Fünf Absolventen erzählen, wie sie mit dem Studium Bolognese in den Beruf starten - oder warum sie doch lieber den Master draufsatteln.
..hatte diese Europäische Regelung nicht nötig! Jetzt soll sogar die Krankenschwester zum Bachelor ausgebildet werden. Wird sie dadurch besser? Was wir mit Sicherheit haben, ist eine Inflationierung der Bildungsabschlüsse. Die Spreizung der Leistungen innerhalb der gleichen Gruppe ist erheblich und teilweise mit gutem Gewissen kaum vertretbar. Die gehaltsrelevante Beurteilung von Professoren durch Studierende hat zu erheblichen Konzessionen bei der Zensuren-Bildung geführt. Nach dem x-ten Versuch ist dann die "5" das "Aus" fürs Leben. Dann wird eben eine "4" daraus gemacht. Vermeidet auch Ärger. Wenn man die Pseudo-Zertifikate mancher Unis aus dem Club-Mediterranee anschaut, muß man ja hier ein wenig "nachsichtig" handeln. Diese Situation hat sich mit dem Bachelor verstärkt.Auswendiglernen-auskotzen in der Prüfung-vergessen- aber nicht begreifen. Dabei sind die alle nett und höflich! So ist das, wenn man (OECD) >35% eines Altersjahrgangs studieren läßt. Zum Schluß haben wir Viele, die vieles wissen (wenn schon) aber nichts können. Die frühere "Höhere Handelsschule" war auf Grund ihrer Klientel (richtige Abiturienten, wo man Mathe noch nicht abwählen konnte)) meist über dem heutigen Niveau "Bachelor of Business Administration".
Ich weiß, ich bin alt! Macht nichts. Mir muß man nicht glauben! Die Wahrheit deckt der Arbeitsmarkt unerbittlich auf!
Kauri

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jehudi 24.01.2012, 17:04
4.

Ich kann nur jedem davon abraten bei dem B- Studium stehen zu bleiben. Wir stellen viele Akademiker ein, aber so gut wie nie einen Bachelor. Leute , Zähne zusammenbeißen und nochmals hinsitzen. Es lohnt sich.... Sonst habt Ihr einfach nur 3,5 Jahre vergeudet und hättet einfach besser eine Berufsausbildung gemacht.

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--_Der_Kleine_Prinz_-- 24.01.2012, 17:16
5. Mag sein, dass Sie alt sind, aber ...

Zitat von mauimeyer
..hatte diese Europäische Regelung nicht nötig! Jetzt soll sogar die Krankenschwester zum Bachelor ausgebildet werden. Wird sie dadurch besser? Was wir mit Sicherheit haben, ist eine Inflationierung der Bildungsabschlüsse. Die Spreizung der Leistungen innerhalb der gleichen Gruppe ist erheblich und teilweise mit gutem Gewissen kaum vertretbar. Die gehaltsrelevante.....
... dennoch haben Sie weder immer Unrecht noch immer Recht.
Ich bin übrigens auch über 50. Und ich bin Ingenieur, Dipl.-Ing., um genau zu sein.

Das Problem des Bachelors ist ein anderes, denke ich: Die Wirtschaft wollte billige Arbeitskräfte, die Ansprüche an die Arbeitnehmer steigen in unserer "durchtechnisierten" Welt, die Politiker als Klientel-Bediener haben den Dipl.-Ing. geopfert.
So sieht es für mich aus.
Denn der Dipl.-Ing. war ein absolutes Qualtitätsprädikat, auch im tiefsten Afrika wusste man damit etwas anzufangen. (Nicht, dass jeder Dipl.-Ing. wirklich gut war, nene, das nun nicht. Da gab es ebenfalls Schatten.)
Außerdem war diese Reform zum Batscheloor ja auch DIE Gelegenheit zur Einführung von Studiengebühren, nicht wahr, werte Politikerkaste?

Und nun stellen alle entsetzt fest, dass das Ganze ein Fehlschlag war. Da gibt es Unis, die den Diplomstudiengang wieder einführen (sehr vernünftige Leute!). Und unsere Politiker ... tja, die stehen da und staunen.

Es ist sehr traurig, dass hier nur große, ernsthafte Leute am Werk waren. Besonders für die Kinder, die sich zum Bachelor ausbilden ließen - die Industrie hat nämlich inzwischen bemerkt, dass das mit den billigen Arbeitskräften nichts ist.
Die machen eben auch nur billige Produkte. Mit ein wenig Nachdenken hätte man da auch vorher drauf kommen können.

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leser_81 24.01.2012, 17:55
6. ?

[QUOTE=christian_walter;9504692]Ein deutscher Bachelor ist ein Abschluss zweiter Klasse "der zu nichts qualifiziert". der Abschluss hat weniger t Fachhochschulniveau, wobei letztere Absolventen wenigstens noch Praxisnezug mitbringen und in der Regel ueber eine sehr viel qualifiziertere Ausbildung verfuegen.
[QUOTE]

Komisch, ich habe einen Bachelor und hatte damals einen Vertrag in einem großen Wirtschaftsunternehmen geschlossen bevor ich die Arbeite abgegeben habe !
Es kommt immer drauf an wie man sich in Job verhält. Wie schnell nehme ich neue Dinge auf, wie belastbar bin ich, wie motiviert bin ich, kann ich mit Menschen umgehen, kann ich mich verkaufen und komme bei anderen Menschen gut an. Alles Dinge die man in keinem Studium lernt !
Nach ein paar Jahren im Job frägt keiner mehr ob Bachelor, Master oder Diplom da frägt man wie man sich im Job verhält und welche Leistungen man dort erbringt !

Leute die mit Master, Diplom oder Doktor nichts hinbekommen möchte auch niemand haben.

Ich sammel mit meinem Bachelor lieber im In - und Ausland Erfahrung statt noch 2 oder 3 Jahre länger zur UNI zu gehen.

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5mark 24.01.2012, 18:10
7. Abschlussheuchelei

Die Idee des Bachelor ist schon extrem zweischneidig.

Wo funktioniert es den mit dem Bacherlor wirklich? In den USA, zumindest in einigen Berufen. Da studiert man am College alles durcheinander mit einem Hauptfach und macht dann darin seinen Bachelor. Danach verschwindet man in der Wirtschaft.
Nur einen Beruf hat man dann nicht, sondern nur einen Abschluss. Wirkliche Berufe lernen die auch dort nur durch die Postgradstudies. Das Jurastudium ist dort ein Aufbaustudium, Medizin und viele andere genauso.
Alle anderen Jobqualifikationen werden in Traineeprogammen der Unternehmen vermittelt (mit dem Nachteil das man diese erworbenen unternehmensspezifischen Fähigkeiten nur beschränkt woanders einsetzten kann)

Und an letzteres haben wohl auch die Politiker gedacht. Die Uni oder FH soll nur gebildete Rohlinge auf den Markt schmeißen und die Wirtschaft soll sie zu genau in die Unternehmen passenenden Berufstätigen formen.
Das dumme ist nur das in der Wirtschaft immer noch der wunsch nach einem 23-jährigen promovierten Akademikers mit 10 Jahren Berufserfahrung.

Also verkommt der Bachelor nur als geheuchelter Abschluss. Vergleichbar mit em Vordiplom dem Physikum oder dem ersten jur.Staatsexamen. man kann grundsätzlich gar nichts damit anfangen.

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chris_chris 24.01.2012, 18:28
8.

Wann wird das endlich von den Medien begreifbar gemacht, dass man unterscheiden muss zwischen Bachelor (FH) und Bachelor (Uni).
Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Während die Unis die neuen Studiengänge extrem gekürzt und neu strukturiert haben, ist an den meisten FHs fast alles gleich geblieben. Lediglich die Praxiszeit ist umstrukturiert worden.

Bachelor (FH) --> TOP!)

Bachelor (UNI) --> FLOP!

Zumal Uni-Leute schon Vorher extrem theoretisch ausgebildet waren. Wer in die Wissenschaft möchte, sollte einen Master machen. Für die Wirtschaft und für alles andere ist der Bachelor ein Segen! Da trennt sich die Spreu vom Weizen! Dauerstudent sein ist nicht mehr! Und das ist gut so...

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Tail on the Donkey 24.01.2012, 18:37
9.

Zitat von 5mark
Das dumme ist nur das in der Wirtschaft immer noch der wunsch nach einem 23-jährigen promovierten Akademikers mit 10 Jahren Berufserfahrung.
Und genau das ist der Kern des Problems. Heute wird das Diplom glorifiziert als wäre es der heilige Gral der Weltwissensvermittlung. Verglichen mit heutigen Bachelor- (JA!) und Masterveranstaltungen war die Form der Wissensvermittlung, wie man sie im Diplom (Wirtschaftswissenschaften) betrieb, ein Hohn für jeden, der heute sogar nur mit einem Bachelor die Uni verlässt.

Was sich die Wirtschaft an Absolventen wünscht, ist das eine - dieser Forderung als Idealbild nachzueifern ist aber genauso Käse wie ein 19-Semestriges Magisterstudium der Kunstgeschichte, antiken Philologie und Bedrohten Sprachen des Südsenegal zum Leitbild zu postulieren.

Als bald-Master habe ich meinen Bachelor, den ich zeitgleich mit vielen, die noch mit dem Diplom starteten, begonnen habe, keineswegs als Schmalspurabschluss kennengelernt. Sinnvolle Dinge wie Präsentationsfähigkeiten, wissenschaftliches Arbeiten, Rhetorikkurse und interdisziplinäre Schlüsselqualifikationen - ja, schauen sie neidisch, die diplomierten Diplomer. Im Master übrigens, der von seiner Wertigkeit wesentlich höher als ein altes Diplom einzustufen ist, wird das konsequent fortgesetzt. Es gibt anscheinend auch Unis, die begriffen haben, wie moderne Lehre geht, die sowohl für die Wissenschaft, als auch für die Berufsqualifikation und damit für die Wirtschaft, positives schafft.

Man darf es halt nur nicht dauernd zerreden. Und muss es nach außen transportieren.

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