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Bewerbung XXL: Schreiben Sie doch, was Sie wollen
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Bewerbungen sind strikt formalisiert: Lebenslauf bitte tabellarisch, maximal eine Seite Anschreiben. Oder darf's auch mehr sein? Persönlich und emotional? Karriereberaterin Svenja Hofert empfiehlt: Pfeifen Sie auf alle Regeln!

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Micael54 04.05.2015, 10:50
30. Ein Brief an Menschen wirkt oft Wunder

Schon von früher Jugend an war ich in eine Hamburger Zeitschrift verknallt. Sie war auch ein Grund dafür, dass ich bei einer Tageszeitung in Bayern ein Volontariat absolvierte. Ich schrieb oft über Themen, die auch in dieser Zeitschrift stehen könnten. Und ich schrieb viele Artikel so, dass sie auch in meiner Zeitschrift veröffentlicht werden könnten. Oft schrieb ich in meiner Freizeit wenigstens Einstiege dieser Zeitschrift ab, um den Schreibstil in den Kopf zu bekommen. Und plötzlich sah ich am Jahresende eine Stellenanzeige dieser Zeitschrift in DIE WELT: „Redakteur gesucht.” Damals wurden tatsächlich noch Redakteure über Stellenanzeigen in Tageszeitungen gesucht. Aber es sprach kaum etwas dafür, dass ich den Job bekommen sollte. Zumindest dann nicht, wenn ich in meine Bewerbung nur das schreiben würde, was man in eine Bewerbung schreibt. Genau das schrieb ich nun dem Chefredakteur in einem persönlichen Brief. Ich schrieb den Brief nicht an die Personalabteilung. Denn die kannte ich ja nicht. Aber ich kannte den Chefredakteur von seinen hunderten Artikeln, die ich in seiner Zeitschrift gelesen hatte. Schon drei Tage später bekam ich keinen Brief von der Personalabteilung, sondern einen Anruf von der Sekretärin des Chefredakteurs. Sie fragte mich, für wann sie den Flug nach Hamburg buchen sollte – und eine super schöne berufliche Laufbahn begann. Ob so etwas nur in der Medienbranche funktioniert? Nein. Viele Jahre später kam ich mit einem Nachbarn ins Gespräch, dem es offenbar immer schlechter ging. Er erzählte mir, dass er nach seiner Weiterbildung zum Feinmechanik-Techniker keinen Job bekomme. Nicht einmal eine Einladung zum Bewerbungsgespräch. Als Grund dafür nannte er mir, dass er zwar mit Leib und Seele Techniker sei, aber als geborener Türke nicht so fehlerfrei Deutsch schreiben könne, wie er das gerne würde. Und genau das schrieben wir dann am folgenden Wochenende an das US-Unternehmen in München, bei dem er unbedingt arbeiten wollte. Diesmal an die Personalabteilung. Wenige Tage später bekam er einen Brief, dass gerade keine Stelle frei sei. Aber man werde sich sofort melden, wenn eine Stelle frei sei. Und das passierte dann auch. Die drei Monate bis dahin konnte mein Freund leicht überbrücken. Wir hatten auch noch an andere Unternehmen solche Briefe geschrieben. Insgesamt ging die Sache dann so aus, dass ihn das US-Unternehmen knapp zwei Jahre später auf eine leitende Position in seinem Heimatland versetzte.

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chiefseattle 04.05.2015, 10:57
31. schreib was du willst

..., so wie in Amerika. Ziemlicher Quatsch. Die meisten Jobs bekommt man durch persönliche Beziehungen und einem Vorstellungsgespräch. Nach der Abi-Note fragt keiner und diverse Master und Doktor Titel sind auch eher Makelatur. Zeugnisse von Firmen sind immer sehr gefragt.

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michfisch00 04.05.2015, 11:09
32. 1. Beispiel

Ich bekomme ganz viele Bewerbungen, die othograpisch sehr mangelhaft sind. Ich prüfe ca 5-10 Unterlagen pro Woche.
Wenn da dann schon Rechtschreibfehler drin sind...tschüss . Mir ist klar, dass jemamd in seinem Fach rotzdem gut sein kann, aber das ist nicht der Punkt. Als Bewerber hat man ausreichend Zeit und Gelegenheit , korrekte Unterlagen zu erstellen. Was soll ich da von jemandem halten, wenn er trotz dieser Möglichkeiten keine Qualität abliefert? Dann scheint ja die Stelle nicht so wichtig zu sein. Es macht dabei gar nichts, wenn Bezahldienste in Anspruch genommen werden. Die Unterlagen sind ja keine Prüfung . Nein es geht um Qualität, Wertschätzung und Prozessdenken. Eine solche Korrektheit ist natürlich auch nur eine notwendige Bedingung, keine hinreichende.

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kfp 04.05.2015, 11:12
33.

Zitat von kestrel2
Mehr Mut täte vielen Bewerbern definitiv gut. - Daher gefällt mir die Formel "Erreichen Sie die Personen, die Sie erreichen wollen, auf die Weise, auf die Sie sie erreichen können." ausnehmend gut. - Wie viele Menschen diese Formel umzusetzen wagen oder sich darunter etwas konkretes vorstellen können, steht auf einem anderen Blatt.
Vergessen Sie's - solange Sie denjenigen, den Sie erreichen wollen, nicht persönlich kennen, ist dieses Sätzchen auch nur eine leere Worthülse. Ob Sie nämlich den Ton treffen, der dem-/derjenigen zusagt, ist reines Glücksspiel. Ich habe schon mit Bewerbungen voller Tippfehler, auf die ich mich völlig halbherzig beworben hatte, die Stelle gekriegt (oder eben doch nicht), genauso wie ich weder auf voll stromlinienförmig durchoptimierte Bewerbungen auf scheinbar perfekt passende Stellen entweder Intervieweinladungen bekommen habe oder nicht - völlig zufällig und komplett unvorhersagbar. Klar, manchmal kriegt man die Stelle mit einer unkonventionellen Bewerbung, meistens aber eben auch nicht.

Das liegt wohl daran, dass es nicht nur beim Bewerber liegt, sich unter solchen "Erreichen"-Bewerbungen etwas Konkretes vorzustellen und es umzusetzen. Sondern dem Entscheider bei der einstellenden Firma muss es eben auch gefallen. - Und das ist leider schwierig, wenn dort die meisten dermaßen auf Stromlinienform getrimmt sind, dass ein Bewerber, der "nur" mit gesundem Menschenverstand ankommt und ehrliche Begeisterung an der Stelle gepaart mit der nötigen fachlichen Qualifikation authentisch auf seine persönliche Weise mitteilt, praktisch chancenlos ist. Die Regeln werden halt eben von Arbeitgeberseite diktiert, und viele von denen gehen halt im Zweifelsfall doch lieber auf stromlinienförmige Nummer sicher...

Aber danke trotzdem für einen ehrlichen Artikel zu diesem Thema. Viel zu selten wird so klar zugegeben, dass der Bewerbungszirkus total aus den Fugen geraten ist und Beachten aller möglichen Bewerbungsregeln auch nicht wirklich hilft. Wer den Job kriegt, ist halt inzwischen ein weitgehend motivations- und qualifikationsunabhängiges Glücksspiel geworden...

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kanzlermacher 04.05.2015, 11:23
34. Käse!

Selten so einen realitätsfernen Mist gesehen. Das mag ja in Ausnahmefällen funktionieren, wenn man sich bei einem Start-Up oder einer Werbeagentur bewirbt. Aber für fast 100% der Bewerber sind diese Tipps "tödlich",
Ich bekomme täglich gut ein Dutzend Bewerbungen auf den Tisch. Da habe ich keine Lust, irgendwelche Märchen oder lustigen Geschichten zu lesen. Dazu hat man einfach keine Zeit. Ich möchte einen klar strukturierten Lebenslauf, aus dem die bisherigen Arbeitgeber und die dort erworbenen Erfahrungen hervorgehen. Dieses Geschwurbel "ich kann anpacken" oder ""Menschen mögen mich" steht in den allermeisten Fällen in den Lebensläufen, die sonst nicht viel zu bieten haben. Am Ende des Tages führt nur ein Weg ans Ziel: 1. Nur auf Stellen bewerben, auf die man auch wirklich passt. 2. Den Lebenslauf an der Sache orientieren und nicht mit irgendwelchen ergoogelten Hemingway-Zitaten oder überdimensionierten Fotos "schmücken". 3. Ein individuelles Anschreiben aufsetzen, dem man nicht gleich ansieht, dass es sich um einen Serienbrief handelt. 4. Wenn irgendwie möglich, finden Sie einen Ansprechpartner heraus und nutzen Sie bei Großkonzernen nicht die Homepage zur CV-Übermittlung. Dort verschwinden Sie - wenn Sie Pech haben - in einer großen Datenbank und werden nie wieder gefunden. 5. Und der wichtigste Tipp: Vergessen Sie den obenstehenden Artikel, bzw. hinterfragen Sie jeden einzelnen Punkt kristisch.

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jhea 04.05.2015, 11:33
35.

Zitat von fatherted98
...wer nicht ins Schema paßt wird von Anfang an aussortiert...das ist die Realität. Solche Tipps sind echt für die Tonne....naja...von irgendwas müssen "Karriereberater" ja auch leben.
Der beste Teil dabei ist ja, dass diese Karriereberater dann 'ihren einen Fall' haben, der es genauso gemacht hat.

Nunja, 1 Fall in 12 Jahren Tätigkeit, das ist eine tolle Quote.

Kann gar nicht mehr zählen wie viele Maßnahmen vom JobCenter ich besuchte, und in wie vielen davon solche Karriereberater hatten, die einen weis machen wollten, was da reinzugehören hat...

Und jeder sagte zum Vorgänger immer 'alles scheiße'
(beim achten war die Probe aufs Exzempel... da hab ich ihm einfach das vorgelegt was wir 8 Monate zuvor zusammen gemacht hatten - junge hat der doof geguckt ^^ )

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kfp 04.05.2015, 11:34
36.

Zitat von michfisch00
Ich bekomme ganz viele Bewerbungen, die othograpisch sehr mangelhaft sind. Ich prüfe ca 5-10 Unterlagen pro Woche. Wenn da dann schon Rechtschreibfehler drin sind...tschüss . Mir ist klar, dass jemamd in seinem Fach rotzdem gut sein kann, aber das ist nicht der Punkt. Als Bewerber hat man ausreichend Zeit und Gelegenheit , korrekte Unterlagen zu erstellen. Was soll ich da von jemandem halten, wenn er trotz dieser Möglichkeiten keine Qualität abliefert? Dann scheint ja die Stelle nicht so wichtig zu sein. Es macht dabei gar nichts, wenn Bezahldienste in Anspruch genommen werden. Die Unterlagen sind ja keine Prüfung . Nein es geht um Qualität, Wertschätzung und Prozessdenken. Eine solche Korrektheit ist natürlich auch nur eine notwendige Bedingung, keine hinreichende.
Ich habe einige Zeit in den USA gearbeitet, in einem bunt gemischten Team aus ca. 70% Asiaten, 15% Europäern, 15% US-Amerikanern. Die Dokumentation der internen Software war oft so geradebrechtes Englisch, dass man zweimal drüberlesen musste, um es auch zu verstehen (oder ggf. beim Verfasser nochmal nachfragen). Selbst die Kundenkommunikation war oft noch voll Rechtschreibfehlern.

Und jetzt der Witz: Es hat keinen gestört. Die Leute dort waren mit sehr wenigen Ausnahmen fachlich brilliant, begeistert bei ihrer Arbeit und auch menschlich absolut angenehme Kollegen. Gleichzeitig war die Firma auch in der Branche berühmt für herausragende Produkte und hatte entsprechende Gewinnmargen. Aber hier wären das alle totale Loser, die niemand einstellen will, weil sie kein fehlerfreies Anschreiben tippen können. Ich verstehe einfach nicht, wieso die Rechtschreibung in D angeblich soviel wichtiger sein soll als jegliche fachliche Errungenschaft, Motivation und Fähigkeit zur konstruktiven Zusammenarbeit...

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h.w.d. 04.05.2015, 11:36
37. Nein, es ist kein Zufall

Zitat von chiefseattle
..., so wie in Amerika. Ziemlicher Quatsch. Die meisten Jobs bekommt man durch persönliche Beziehungen und einem Vorstellungsgespräch. Nach der Abi-Note fragt keiner und diverse Master und Doktor Titel sind auch eher Makelatur. Zeugnisse von Firmen sind immer sehr gefragt.
Die "Beraterin" und andere Kommentatoren machen es sich zu einfach.

Zum einen sind wir nicht in Amerika. Hier gibt es ein gutes, klar definiertes Ausbildungssystem und hohe Erwartungen an das Fachwissen der Mitarbeiter. Entsprechend wollen die meisten Unternehmen nachweisbare Qualifikationen, nicht die Selbsteinschätzung, welche Fähigkeiten man hat.

Zum anderen hängen die Erwartungen an die Bewerbung viel weniger von den "Vorlieben des Personalers" ab als von der Branche und der Position. Entsprechend haben die Unternehmen in der Regel ja auch den "Personaler" ausgewählt.

Wenn ein "Kreativer" für eine Marketingagentur gesucht wird, wird es stark auf eine kreative, mitreißende Selbstpräsentation ankommen. Wenn ein Entwicklungsingenieur in der Automobilindustrie gesucht wird, geht es primär um Abschlüsse, einschlägige Berufserfahrungen, eigene Entwicklungen und Patente.

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Mitti 04.05.2015, 11:36
38. bitte nicht gewollt originell

Letztendlich soll eine Bewerbung doch eines: Werben.
Was gut rüberkommt, ist erlaubt.
Was gewollt originell aussieht, kommt in die Tonne.
Wer nichts zu erzählen hat oder kein Händchen fürs Schreiben hat, tut sich selbst einen Gefallen, wenn er dem potentiellen Chef zeigt, dass er immerhin fähig ist, gängige Normen einzuhalten und sauber zu arbeiten.

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lazycat 04.05.2015, 11:37
39. Kurz und Bündig

Eine Stunde des Arbeitgebers kostet bares Geld. Also kurze Bewerbungen schreiben, möglichst 1-2 Seiten, mehr nicht. Bewerbermappen der Argen kann man vergessen da zu umfangreich. Diese werden direkt aussortiert. Wichtig ist ein Bewerbungsgespräch zu erhalten. Dort kann man dann alles weitere besprechen. Am besten, wenn möglich eine fertig ausgefüllte Faxantwort beifügen zum Ankreuzen und Bewerbungstermineingabe für den Arbeitgeber. Damit hat man die grösste Wahrscheinlichkeit einen Termin zu bekommen. Für den Arbeitnehmer ist es schnell und er braucht nicht mal einen Brief schreiben.

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