Forum: Karriere
Bewerbungsgespräche: "Video Killed the Interview Star"

Wenn Chef und Bewerber sich beschnuppern, können Handschlag und Kantinengeruch den Ausschlag geben. Bei Video-Interviews kommen nicht nur die künftigen Mitarbeiter schlecht weg. Sie machen sich auch ein verheerendes Bild von der Firma.

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zlep 28.08.2013, 09:37
1. Privatsphäre?

Ich würde definitiv ablehnen an dieser Form eines Bewerbungsgesprächs teilzunehmen. Ein Telefoninterview zum ersten Abgleich beider Seiten ist in Ordnung, immerhin verschwendet man ansonsten schlimmstenfalls einen oder sogar mehrere Tage, wenn man nicht vorher abklärt, ob der Job/Bewerber überhaupt in die engere Auswahl kommt. Aber Videobewerbungen lehne ich komplett ab, da dies meiner Meinung nach auch zu sehr in die Privatsphäre eindringt.

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ketzer2000 28.08.2013, 09:52
2. Wichtig ist die Chemie

Zitat von sysop
Wenn Chef und Bewerber sich beschnuppern, können Handschlag und Kantinengeruch den Ausschlag geben. Bei Video-Interviews kommen nicht nur die künftigen Mitarbeiter schlecht weg. Sie machen sich auch ein verheerendes Bild von der Firma.
Für ein längerfristiges Engagement in einer Firma ist es wichtig, dass die Chemie zwischen Mitarbeiter und Firma (Umfeld, Kollegen und Chefs) stimmt. Und das gilt für beide Seiten. In angloamerikanischen oder asiatischen Ländern, in denen der Wechsel von Stellen geübte Praxis ist, kann man eher sagen, "Sorry, ich habe mich vertan!" Wenn die Amerikanisierung unserer Unternehmen in Bezug auf Arbeitsmarktregeln und Philosophie weiter zunimmt, könnte sich ein solches Verfahren auch in D durchsetzen.

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sponrgw 28.08.2013, 10:00
3. Live-Video :-(, Zeitversetztes Video :-)

Das mit dem Live-Videointerview finde ich auch eigenartig, besonders das Problem mit dem falschen Blickkontakt sehe ich genauso wie im Artikel beschrieben. Aber das Beantworten von Standardfragen im zeitversetzten Video (lt. Ende des Artikels) stelle ich mir weniger problematisch vor und würde ich selbst auch nutzen, sofern allen Beteiligten klar ist, dass es sich um eine Vorauswahl handelt.

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floplo 28.08.2013, 10:31
4. kann auch funktionieren

Hab meinen naechsten Job auch nach einem 2 stunden Video interview bekommen, allerdings ist der Arbeitgeber auch am anderen Ende der Welt. (Und ich glaub auch nicht dass ich nach 24 Stunden Flug und 10 Stunden Jet-lag besser abgeschnitten haette als ueber Video)

Der falsche Blickkontakt ist vor allem eine Frage des richtigen Positionieren der Webcam (und wenn man so will kann der Arbeitgeber damit auch sehen ob der Bewerber sich richtig vorbereitet hat...)

und zlep, ich verstehe nicht ganz wieso ein Videointerview in Ihre Privatsphaere eindringt, eigentlich ist es eher das Gegenteil da sie weniger ueber sich preisgeben als in einem direktem Gespraech

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zlep 28.08.2013, 10:54
5.

Zitat von floplo
und zlep, ich verstehe nicht ganz wieso ein Videointerview in Ihre Privatsphaere eindringt, eigentlich ist es eher das Gegenteil da sie weniger ueber sich preisgeben als in einem direktem Gespraech
Nun ja, ich persönlich habe zuhause kein (neutrales) Büro und auch kein großes Bücherregal im Hintergrund, wie es oft in Bewerbungshelfern zum Thema Videointerview vorgeschlagen wird. Daher wüsste ich persönlich momentan nicht, wo in meiner Wohnung ich so ein Interview abhalten sollte, bei dem der Gegenpart nicht Einblicke in meine Privatsphäre erhält - sei es nun das Schlafzimmer, Wohnzimmer, oder wo auch immer. Im Übrigen ist dies doch auch einer der größten Kritikpunkte an sozialen Netzwerken. Ich persönlich möchte nicht, dass jemand wildfremdes sieht wie ich wohne.

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opag78 28.08.2013, 11:02
6. Andere skills gefordert

Zitat von sysop
Wenn Chef und Bewerber sich beschnuppern, können Handschlag und Kantinengeruch den Ausschlag geben. Bei Video-Interviews kommen nicht nur die künftigen Mitarbeiter schlecht weg. Sie machen sich auch ein verheerendes Bild von der Firma.
Ich persönlich bin sehr angetan von Videointerviews. Sie führen dazu, dass hard skills wie Fachwissen wichtiger werden, als ob jemand nur gut labern kann. Wenn auf video alle gleich schlecht aussehen, dann muss das Unternehmen mehr nach objektiven Kriterien entscheiden und kann weniger geblendet werden.

Natürlich ist das eine Veränderung besonders für die bisherigen "Interviewstars", aber, wie gesagt, nicht notwendigerweise zum Schlechteren.

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der_gott 28.08.2013, 11:10
7. Unangenehm

Ich hatte so ein Interview genau einmal, die Firma wäre genau 15km entfernt gewesen aber man hat darauf bestanden... für den Headhunter der die Vorauswahl getroffen hat musste ich weiter fahren!

Das Gespräch war dann mit 2 Personen, das heißt die Gesprächspartner sind relativ weit weg von der Kamera, was dazu führt dass die Mimik nicht besonders gut zu erkennen ist. Wenn ich dann noch durch die eingebaute Laptopkamera nach unten schauen muss, ist das alles wirklich keine angenehme Gesprächsatmosphere.

War ein Grund weitere Gespräche von meiner Seite abzulehnen, wenn es bei so schon anfängt habe ich wenig Lust in dem Umfeld zu arbeiten.

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MartinBe 28.08.2013, 11:35
8. Das wichtigste Vergessen

Die Autorin hat interessante Daten & Fakten zu diesem Trend zusammengetragen, besonders zu den Problemen mit Skype oder Google Hangouts. Einige der Wichtigsten Punkte wurden jedoch vergessen. Zum einen ist es - wieder mal - das leidige Datenschutzthema. Wenn ein deutsches Unternehmen Skype Videointerviews macht, bricht es deutsches Datenschutzgesetz, weil es nicht sicherstellen kann, dass die Videodaten (sensible personenbezogene Daten der Bewerber!) nicht in dritte Hände gelangen.

Zweitens, zum Thema zeitversetzte Videointerviews. Anders als Live-Videointerviews sollen zeitversetzte Videointerviews persönliche Gespräche nicht ersetzen! Sondern werden in der Regel dann eingesetzt, wenn Unternehmen Wert auf die Persönlichkeit des Kandidaten legen und gleichzeitig sicherstellen wollen, dass alle Bewerber in einem fairen - weil vollständig vergleichbaren - Prozess teilnehmen. Aus Sicht personaldiagnostischer Qualität (z.B. nach der DIN-Norm #33430) und der Auswahlfairness, ist das ein riesiger Fortschritt zu den etablierten Verfahren. Übrigens gibt es in der Psychologie immer Forscher, die dies auf Basis fundierter, wissenschaftlicher Studien beweisen, dass zeitversetzte Videointerviews - besonders wenn diese kompetenzbasiert durchgeführt werden - einen Gewinn nicht nur für die Effizienz sondern eben auch die Zuverlässigkeit des jeweiligen Recruitingprozesses.

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pia 28.08.2013, 11:38
9. zeitversetztes Videointerview - eigene Erfahrung spricht Bände!

Ich habe selber so ein zeitversetztes Videointerview im letzten Jahr gemacht. Natürlich war ich zu Anfang schon etwas skeptisch und fand es komisch, meine Antworten "in die Blackbox" zu sprechen. Nach dem Log in wurde ich dann allerdings in einem Video super nett von der Personalchefin des Unternehmens begrüßt, mir wurde alles nochmal ausführlich erklärt und auch Mut gemacht. Im zeitversetzten Videointerview hat man dann immer genug Zeit zur Vorbereitung. Und dadurch das man vorab so viele Testvideos machen kann wie man möchte, weiß man auch genau, wie man selber wirkt. Anders als bei anderen Unternehmen, bei denen ich mich beworben hatte, wurde ich hier nur 2 Tage danach zum folgenden persönlichen Gespräch eingeladen - super schnell und echt cool ;-)!

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