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Bewerbungsgespräche: "Video Killed the Interview Star"

Wenn Chef und Bewerber sich beschnuppern, können Handschlag und Kantinengeruch den Ausschlag geben. Bei Video-Interviews kommen nicht nur die künftigen Mitarbeiter schlecht weg. Sie machen sich auch ein verheerendes Bild von der Firma.

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cor 28.08.2013, 11:47
10. 15 km

Zitat von der_gott
Ich hatte so ein Interview genau einmal, die Firma wäre genau 15km entfernt gewesen aber man hat darauf bestanden... für den Headhunter der die Vorauswahl getroffen hat musste ich weiter fahren!...
Also wenn bei 15 km Entfernung auf ein Video-Interview bestanden wird, stimmt sowieso irgendwas nicht. Ich wäre da schon stutzig geworden und hätte direkt gefragt, warum darauf bestanden wird.

Wir benutzen Video-Interviews nur zur Vorselektion. Persönliches Erscheinen zu weiteren Vorstellungsgesprächen ist unabdingbar.

Der Artikel spiegelt die Problematik meines Erachtens ziemlich gut wider. Man gewöhnt sich aber daran. Es dauert eine ganze Weile, bis man allgemein mit Video-Calls zurecht kommt. Das gilt nicht nur für Interviews.

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smithyk 28.08.2013, 12:54
11. Menschenverachtender geht es kaum

Bei meiner letzten Jobsuche wurde ich auch mit so einem unsäglich schrecklichen Unternehmen konfrontiert. Erst musste ich meine Daten in eine Webplattform eingeben. Anscheinend gefielen meine Eingaben dem automatischen Filter und ich erhielt eine Email mit einem Link auf die Seite einer irischen (!) Firma. Dort wurden mir auf dem Monitor Fragen angezeigt. Ich musste mich mit meiner eigenen Webcam beim Beantworten filmen. Hallo!!? Geht's noch!!?

Diese Prozedur habe ich abgebrochen. Unpersönlicher und menschenverachtender geht es kaum. Bei einem Unternehmen, das Bewerber wie Stück Vieh behandelt will ich auf keinen Fall arbeiten. Wenn bereits das Bewerbungsverfahren so unmenschlich abläuft, dann will ich lieber nicht wissen, wie man behandelt wird, wenn man dort arbeitet.

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SteGra 28.08.2013, 12:58
12. Zeitversetzte Videointerviews werden unabdingbar

Interessanter Beitrag zu Pros und Cons von live Videointerviews z.B. via skype, google hangout & Co. Da dies schon lange bekannt ist haben sich zeitversetzte Videointerviews in der Vorseklektion etabliert. Ich habe diese neue Form des Recruitings vor über einem Jahr für rund 5.0000 Bewerbungseingänge mit-eingeführt und nutze es kontinuierlich. Damit kann man zwei Dingen bewegen a) Effizienz und b) Fairness gegenüber dem Bewerber. Dies haben wir auch wissenschaftlich untersuchen lassen. Der tradierte Wege CV screening, Telefoninterview oder live Video in der Vorselektion birgt eignungsdiagnostisch große Fehlerquellen die man durch zeitversetzte Interviews reduzieren kann.... UND wir messen die Zufriedenheit der Bewerber. Die neue Form kommt extrem gut bei Bewerbern an, wir als cool attestiert und als fair bewertet. Win-Win für beide Seiten!

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petermalysia 28.08.2013, 13:11
13. Deutschland hinkt hier doch auch wieder hinterher..Neuland..

Ich schreibe in letzter Zeit viele Bewerbungen und biete immer Videokonferenz zumindest als Erstkontakt an.

Ganze 2 mal wurde davon gebrauch gemacht 1 professionell und einmal war es so stümperhaft, ich hätte am liebsten gleich abgebrochen. Und das für ein IT Job und geführt von dem IT Manager der Deutschen Institution wow !

Stutzig wurde ich schon das die keine Videokonferenzräume in Ihren Asienniederlassungen haben um mich dort mit Deutschland professionell zu Verbinden. Aber als sie dann einen Laptop nahmen und den jeweils an die Gesprächsteilnehmer hin und her schoben hoffte ich nur es dauert nicht zu lange.

Aber wie gesagt: alles Neuland ;-)

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henrywotton 28.08.2013, 14:10
14. käme nicht in frage

das unternehmen, sofern es nicht in australien säße, wäre für mich gestorben. ich habe schon 2 mal bewerbungsgespräche abgesagt bzw. jobs abgelehnt, weil mir einfach der arbeitsort unheimlich war, die büros laut und stinkend und die potentiellen kollegInnen unsympathisch. diese eindrücke kriegt man bei einem video-interview doch gar nicht mit. ebenso wie den erwähnten laschen händedruck, schuppen auf dem chef-sakko und so weiter. arbeitslosenquote hin oder her: auch ein bewerber darf ansprüche haben.

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caspense 28.08.2013, 14:12
15. Nur weil es neu ist, ist es cool?

Ich halte mal überhaupt nichts von dieser Variante der Gesprächsführung und wie man sieht wird sie auch mehrheitlich negativ empfunden. Dazu kommt, dass der Bewerber in der Bringschuld ist ein Büro oder einen anderen neutralen Raum privat nutzen zu können und das Unternehmen spart sich auch noch die wenigen Euro Anfahrtskostenersatz.

Ich bin froh, dass ich meinen ersten Job auf klassische Art und Weise mit Onlinebewerbung und zwei Gesprächen bekommen konnte und als ich später wechselwillig war, ging auch die neue Firma auf den etablierten Pfaden einer Onlinebewerbung und darauf folgend einer Gesprächseinladung.

Hingegen hatte ich vor meinem ersten Job ein Gespräch bei anderer Firma und am Ende konnte ich zum Glück bereits sagen, dass ich dort nicht arbeiten mochte.
Auf dem Weg zu so einem Gespräch bekommt man schon unweigerlich einen Einblick in so ein Unternehmen im Gegensatz zur Abbildungen einer Webcam.

Bei einem zeitversetzten Videogespräch würde ich mir veralbert vorkommen - wenn ich direkt vergleichbare Filter haben will als Unternehmen, dann gebe ich eine passende Eingabemaske bei einer Onlinebewerbung vor.

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firefox34 28.08.2013, 15:33
16. Screening ist kein Bewerbunggespräch

Zitat von SteGra
Interessanter Beitrag zu Pros und Cons von live Videointerviews z.B. via skype, google hangout & Co. Da dies schon lange bekannt ist haben sich zeitversetzte Videointerviews in der Vorseklektion etabliert. Ich habe diese neue Form des Recruitings vor über einem Jahr für rund 5.0000 Bewerbungseingänge mit-eingeführt und nutze es kontinuierlich. Damit kann man zwei Dingen bewegen a) Effizienz und b) Fairness gegenüber dem Bewerber. Dies haben wir auch wissenschaftlich untersuchen lassen. Der tradierte Wege CV screening, Telefoninterview oder live Video in der Vorselektion birgt eignungsdiagnostisch große Fehlerquellen die man durch zeitversetzte Interviews reduzieren kann.... UND wir messen die Zufriedenheit der Bewerber. Die neue Form kommt extrem gut bei Bewerbern an, wir als cool attestiert und als fair bewertet. Win-Win für beide Seiten!
Genau das ist doch das Thema der Personaler... Masse statt Klasse. Das ist kein qualifiziertes Bewerbungsgespräch, sondern ein Screening. Da wird alles genommen was da kommt und durchgesiebt. Einem Bewerber dabei zuzuschauen wie er Aufgaben löst bringt weder Erkenntnisse über seine fachliche noch seine soziale Kompetenz. Offensichtlich ist das lesen von CVs zu langweilig. Man guckt lieber "Bewerber TV".

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justaguy85 28.08.2013, 16:05
17.

Zitat von sysop
Wenn Chef und Bewerber sich beschnuppern, können Handschlag und Kantinengeruch den Ausschlag geben. Bei Video-Interviews kommen nicht nur die künftigen Mitarbeiter schlecht weg. Sie machen sich auch ein verheerendes Bild von der Firma.
Hmmm was ich hier schon wieder an Vorwürfen höre...."ist nur gut weil es neu ist", "Amerikanisierung", "Masse statt Klasse",....das ist wohl ein Hinweis darauf, dass einige Unternehmen den Zweck dieser Videointerviews nicht so ganz verstehen. Oder es wehren sich manche Leute gegen den Fortschritt.

Fakt ist aber: Es gibt Menschen die gerne über den Tellerrand sehen, weltoffen sind und keine Angst haben. Diese Menschen gehen dann mal raus aus Deutschland. Nach Amerika, Asien, Australien oder sonstwohin. Oft - sehr oft - sind diese Menschen jung, gerade fertig mit dem Studium und haben kein Geld. Wenn das Unternehmen die Anreise nicht zahlt, welche Wahl hat man? Den eigenen Traum auszuwandern aufgeben, weil man die € 1.000.- für den Flug nicht hat?
Aus Sicht des Unternehmens ist es alles andere als Selbstverständlich, die Anreise für ausländische Bewerber zu bezahlen. Lieber 50 Inländer interviewen als € 50.000,- Reisekosten (plus € 5.000,- Übernachtungskosten) nur für Interviews ausgeben.
Die Alternative heißt Videointerview. Ist zwar suboptimal, aber besser als nichts. Somit kriegen mehr Menschen die Chance auf etwas außergewöhnliches.

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olithefake 28.08.2013, 16:54
18. Meine Erfahrungen

Ich habe vor kurzem mit 3 Firmen Video-Interviews über Skype durchgeführt. In meinem Berufsfeld nicht mehr ungewöhnlich. Hier mal meine positiven und negativen Aspekte:

+ Distanzen können ohne Geld- und Zeitaufwand überbrückt werden. Da ich mich aus einem bestehenden Arbeitsverhältnis beworben habe ein riesiger Vorteil.
+ Umgang und Affinität mit Technik wird sichtbar. In meinem Berufsfeld wichtig.
- Der Blickwinkel ist in der Tat nicht perfekt.
- Die Soft-Skills einer Firma (z.B. Klima, Kollegen etc.) lassen sich nicht ableiten.
- Die eigenen Soft-Skills werden für die Firma nicht sichtbar. Gegenseitige Sympathien können daher kaum eingeschätzt werden.

Allgemeines...
Gutes Reden ist nicht mehr wichtig? Im Gegenteil! Bei Videointerviews liegt viel mehr Gewicht auf gute, spontane Argumente. Man kann kaum vom Thema ablenken, hat keine weiteren Mittel.

Fazit: Für die erste Auswahl sind Video-Interviews auf jeden Fall zu empfehlen. Vor allem wenn man nicht arbeitlos ist und somit wenig Zeit hat. In jedem Fall muss man sich sehr gut auf das Gespräch vorbereiten, am besten alle Infos ausgedruckt vorsortieren. Das finale Gespräch sollte dann aber unbedingt beim künftigen Arbeitgeber stattfinden.

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kfp 28.08.2013, 17:36
19.

Zitat von SteGra
Interessanter Beitrag zu Pros und Cons von live Videointerviews z.B. via skype, google hangout & Co. Da dies schon lange bekannt ist haben sich zeitversetzte Videointerviews in der Vorseklektion etabliert. Ich habe diese neue Form des Recruitings vor über einem Jahr für rund 5.0000 Bewerbungseingänge mit-eingeführt und nutze es kontinuierlich. Damit kann man zwei Dingen bewegen a) Effizienz und b) Fairness gegenüber dem Bewerber. Dies haben wir auch wissenschaftlich untersuchen lassen. Der tradierte Wege CV screening, Telefoninterview oder live Video in der Vorselektion birgt eignungsdiagnostisch große Fehlerquellen die man durch zeitversetzte Interviews reduzieren kann.... UND wir messen die Zufriedenheit der Bewerber. Die neue Form kommt extrem gut bei Bewerbern an, wir als cool attestiert und als fair bewertet. Win-Win für beide Seiten!
Ich bin schockiert, wie man Videointerviews und zeitversetzte Videointerviews auch nur annähernd vergleichen kann. Erstere halte ich zum ersten Kennenlernen durchaus sinnvoll für beide Seiten, um dem Bewerber eine nutzlose Anreise (für die er evtl. Urlaub nehmen muss) und dem Unternehmen die Übernahme dieser Kosten zu ersparen.

Zeitversetzte Interviews dagegen sehe ich nur als eine weitere Schikane von Personalern, denen Foto, Alter, Geschlecht und Familienstand immer noch nicht ausreichen, nach Pseudo-Kriterien auszusortieren, weil sie die wirkliche Qualifikation nicht beurteilen können.

Im realen Arbeitsleben spricht man nicht nach zig Übungsdurchläufen zu künstlich ausgeklügelten Testfragen in eine Black Box, sondern unterhält sich miteinander als reale Personen (durchaus auch immer häufiger über Video). Wer sich also "live" vor Ort oder per Video vernünftig unterhalten kann (und sich bei Videogesprächen auch nicht immer sofort von den Tücken der Technik völlig aus dem Konzept bringen lässt), scheint mir deutlich wahrscheinlicher qualifiziert zu sein als derjenige, der sich in vorher bis zum Erbrechen durchgeübten Black-Box-Interviews inklusive ständigem Nachjustieren von Kamera, Hintergrundmotiven usw. am besten in Szene setzt. Letzterer beweist damit ungefähr so viel wie jemand, der bei den Bewerbungsbildern an den besseren Fotografen geraten ist.

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