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Bewerbungstaktik: Wann sage ich, dass ich nur Teilzeit arbeiten kann?
Corbis

Der Traumjob ist nah, doch in Vollzeit ausgeschrieben. Wann fragen, ob die Stelle auch als Teilzeitkraft zu haben ist? Ein Personalchef spricht Klartext.

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Kb671 05.11.2015, 07:21
1. Genau!

Unternehmen und Personaler sind bez. der Position auch immer genauso flexibel und ehrlich, wie in dem Beitrag von der Bewerberin verlangt wird. Dazu ist die Erde eine Scheibe und Schweine können fliegen...

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sbi 05.11.2015, 08:02
2. Aus Sicht eines Personalers...

... mag das richtig sein, aber das mindert u.U. sehr die Chance, dass man (im Gespräch) auch vermitteln kann, dass man für den potentiellen Arbeitgeber interessant wäre.

Bei mir hat damals geklappt, in Gespräch zu sagen, dass ich nur halbtags arbeiten will, und mich dann auf die (angestrebten) 30h hoch handeln zu lassen. :)

Eine andere erfolgreiche Strategie: Im Gespräch Wunschkandidat werden, um dann vor der Unterzeichnung des Vertrages damit um die Ecke zu kommen, dass man ein anderes Angebot hat, das i.A. zwar weniger attraktiv sei, aber verkürzte Arbeitszeit erlaubt.

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smell 05.11.2015, 08:13
3. Super-Tipp

Adrian Schimpf gibt den allerbesten Tipp aus Arbeitnehmer-Sicht, den man sich nur vorstellen kann: im Anschreiben auf die Teilzeit hinweisen.

Genau so schießen sich der Bewerber ganz sicher aus dem Rennen. Wenn man Schimpfs-Profil anschaut, wundert man sich etwas über diesen absurden Ratschlag, eigentlich ein alter HR-Hase, warum dann so ein Ratschlag? Vielleicht ist es sein Alter, sein Generation oder dass sich Adrian Schimpf im Rahmen sein hundertjährigen Konzernkarriere nicht wirklich weiterentwickelt hat.

Aus Arbeitnehmersicht ist der Sachverhalt einfach: der Bewerber MUSS Optionen generieren, je mehr desto besser. Und desto selbstbewußter wird er in Gespräche gehen, auftreten und verhandeln. Wenn es sich schon vom Start jede Option verbaut, wird es nicht leichter für ihn. Weiter muss oder sollte ein Kandidat absolute Bedingungslosigkeit von Anbeginn an signalisieren. Daher sollte man den vollständigen Prozess durchlaufen – immer mit Signal, 'klar mache ich Vollzeit, ich liebe Arbeit!' – bis das Angebot kommt! Dann lässt man den Arbeitgeber ein zwei Tage warten, sagt ihm dass man das Angebot super findet, leider aber noch ein zweites bekommen hat mit 30h und man sich das schon immer gewünscht hat und jetzt die Entscheidung super schwierig, zumal 30h stat 40h nicht der Riesenunterschied ist (im Vgl. zu 20h). So, verhandelt man. Wichtig ist, dass es authentisch ist und eben nicht so kommt wie 'das hatte ich vergessen zu sagen'. Klar dann schießt man sich aus dem Rennen.

Schimpf hat es schon selbst angedeutet: Wie oft hatte ich Situationen, bei denen Bewerber wegen formaler Kriterien ausgeschieden sind oder dass der Bewerber in den ersten zehn Sekunden im Gespräch einen grauenhaften Eindruck hinterlassen hat. Aber im Laufe des Gespräch kann sich das Blatt sehr wenden – dafür sind Bewerbungsgespräche ja da, ein Lebenslauf und Foto kann so täuschen. Und wenn ein Arbeitgeber jemanden will, dann ist er auch immer verhandlungsbereit. Man muss ihn allerdings erst 'verführen'.

@Spiegel: ich verstehe, dass Schimpf durch seine Stellung nicht ganz offen sprechen kann und seine Antwort political correct sein muss. Aber seriously, mit so weltfremden Ratschlägen ist dem Leser nicht geholfen und unerfahrene glauben den *** und verbauen sich jegliche Optionen.

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chrisbr 05.11.2015, 08:35
4. Gänzlich an der Realität vorbei..

.. lieber Herr Schimpf. Versuchen Sie es doch einmal mit Ihrer Empfehlung, rein interessehalber, um festzustellen, ob Sie auch nur eine einzige Einladung bekommen. Das ist des Wurzels Übel der klassischen beruflichen Diskriminierung von Frauen mir kleinen Kindern: in Teilzeit nimmt sie niemand, im alten Job werden sie - nicht immer, aber in der Regel - degradiert oder abgeschoben. Es wird wirklich Zeit, dass dieses überwiegend einseitig berufliche Risiko für Frauen gerecht auf alle elterlichen Schultern verteilt wird. Und da von alleine nichts passiert, muss eben die Politik ran. Bis dahin gilt: Vollzeit bewerben und nach 6 Monaten einen Teilzeitantrag stellen. Weil man keine andere Wahl hat.

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kandana 05.11.2015, 08:50
5. Lächerliche Tipps

Das Problem ist nur, dass die Bewerbung bei einem Personaler landet, der seine Vorgaben hat.
Heißt die Vorgabe Vollzeit und es steht im Anschreiben, man könne leider nur Teilzeit arbeiten, ist man schon aussortiert.
Der Personaler schaut sich die Qualifikationen gar mehr an und einer aus dem Fachbereich, der über darüber befinden könnte, ob Teilzeit doch möglich wäre, bekäme die Bewerbung schon gar nicht mehr auf den Tisch.
Zumal sich ja seit Jahren der Trend dahin gehend entwickelt, dass man ja schon zu 110% auf das Profil passen muss, gerne noch etliche Extras, damit bloß keine Zeit oder Arbeitskraft zum Einarbeiten oder Anlernen verschwendet werden muss.
Bewerbungen, die dann nicht ins Schema und zu den Vorgaben passen, werden bei der Vielzahl an eingehenden Bewerbungen selten berücksichtigt.

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sf73 05.11.2015, 09:00
6. Immer die Dummen

Wer so vorgeht, wie hier vom Personalprofi beschrieben, bekommt nie einen attraktiven Teilzeitjob!!! Mal ehrlich, fast jeden Job kann man in Teilzeit ausführen, wenn die Firmen das fördern wollten. Bedeutet aber Umdenken bei den Vollzeitlern, z.B. mehr Disziplin bei Besprechungen usw. Die meisten Teilzeitkräfte, die ich kenne, ausschl. Mütter versteht sich, reissen in 25 Stunden was andere in 40 nicht schaffen, würden aber nicht für einen Vollzeitjob genommen. Hoffentlich ändert sich das noch!

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cs01 05.11.2015, 09:05
7.

Wenn möglich würde ich die Probezeit Vollzeit arbeiten und dann feststellen, dass ich nur Teilzeit arbeiten kann und dann die Teilzeit verlangen. Mag zwar ein wenig hinterhältig sein, aber was will man machen.

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SNA 05.11.2015, 09:09
8. It's the law, stupid! Anspruch auf Teilzeit

So wird das mit der Teilzeit, der Gleichberechtigung von Frauen im Arbeitsleben und der Vereinbarkeit von Arbeit und Familie nie was. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz sieht in § 8 einen Anspruch auf Teilzeit im laufenden Arbeitsverhältnis vor, der nach dem Gesetz nur schwer, nach den Arbeitsgerichten nur sehr schwer, vom Arbeitgeber abgelehnt werden kann. Wenn es irgendwie geht, sollte man erst Vollzeit anfangen und dann, wenn die ersten sechs Monate herum sind, Teilzeit nach $ 8 TzBfG beantragen...

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Sibylle1969 05.11.2015, 09:16
9. Eine Freundin von mir

Eine Freundin ist IT-Fachkraft und Datenbankspezialistin. Sie hat ein Kind, das vor kurzem eingeschult wurde. Sie ist seit über 10 Jahren bei einem großen Anwenderunternehmen in der IT-Abteilung. Einem Jobwechsel war sie zeitweise nicht abgeneigt, und aufgrund ihrer gefragten Kenntnisse erhält sie auch regelmäßig Anfragen von Headhuntern über Xing. Aber da sie wegen des Kindes "nur" ca 30 Stunden pro Woche arbeiten kann/will, winken die Headhunter sofort ab, weil sie stets nur an Vollzeitkräften interessiert sind. Ich kenne auch einige ehemalige Kolleginnen (alles IT-Branche), denen nach ihrer Elternzeit eine Rückkehr in Teilzeit verweigert wurde, so nach dem Motto "Ganz oder gar nicht". Da muss sich die IT-Branche also nicht wundern, wenn sie für viele Frauen unattraktiv ist.

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