Forum: Karriere
Büro-Alltag: Coaching ist kein Couching

Wenn Führungskräfte in kniffligen Fragen Rat suchen, bietet Coaching erste Hilfe. Nur: Der Markt ist unübersichtlich, "Coach" kann sich jeder nennen. Management-Berater Rüdiger Klepsch erklärt, warum Coaching nichts mit Psychotherapie zu tun hat und woran man abstruse Praktiken erkennt.

Smoke 05.09.2011, 12:28
1. Nutzlos

Nach meinen Erfahrungen sind Coachings reine Geldverschwendung.

Entweder erzählt der Coach Dinge die man selbst schon weiß oder er hat auf die Dinge die man wissen möchte auch keine Antwort parat.
Im Endeffekt viel Blabla für viel Geld.
Zwei Stunden intensives Recherchieren im Internet besitzt einen größeren Nutzen als zwei Stunden Coaching.

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netbil 05.09.2011, 12:46
2. Und woran erkennt man nun...

Zitat von sysop
Wenn Führungskräfte in kniffligen Fragen Rat suchen, bietet Coaching erste Hilfe. Nur: Der Markt ist unübersichtlich, "Coach" kann sich jeder nennen. Management-Berater Rüdiger Klepsch erklärt, warum Coaching nichts mit Psychotherapie zu tun hat und woran man abstruse Praktiken erkennt.
..."abstruse Praktiken" ? Irgendwie bin ich nach der Lektüre des Artikels nicht schlauer als vorher. Kriterien zur Vorselektion gibt es wohl nicht,und als Mittelständler bin ich nicht in der Lage, mir 10 Coaches einzuladen, um in kostenlosen Gesprächen den besten herauszusuchen.
Da bleibe ich besser bei meinem Vorurteil, dass es in meinem Unternehmen eines Coaches nicht bedarf.

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hjf 05.09.2011, 22:42
3. Ein Coach gibt nicht die richtigen Antworten sondern stellt die richtige Fragen!

In einem Forumsbeitrag wird bemängelt, dass man nach der Lektüre des Artikels nicht schlauer sei als vorher und keine Kriterien zur Vorselektion genannt würden.
Dem kann ich nur zustimmen.

Die Schlussfolgerung eines anderen Beitrages halte ich allerdings für falsch: nämlich die, dass Coaching "nutzlos" sei! Nach den Erfahrungen des Verfassers sei Coaching reine "Geldverschwendung", weil der Coach einem Dinge erzählen würde, die man selbst schon wüsste, oder aber auf die Dinge, die man wissen möchte, auch keine Antwort parat hätte.
Das sehe ich völlig anders!

Ein guter Coach hat m.E nicht die "richtigen Antworten" zu geben, sondern die "richtigen Fragen" zu stellen. Ein Coach soll dem Manager andere Blickwinkel/Perspektiven auf seine Fragen/Probleme/Szenarien eröffnen. Er sollte ihm helfen, seine Denkmuster zu erkennen und diese zu durchbrechen. Ein Coach sollte dem Manager die Fragen stellen, die etwas in Frage stellen und die sich seine Kollegen und Mitarbeiter vielleicht nicht trauen zu stellen. Der Manger sucht nach Antworten und der Coach hilft ihm dabei.

Edward de Bono (bitte googeln), ein weltweit anerkannter Experte auf dem Gebiet der "Seriuos Creativity", hat dazu eine Reihe von Methoden entwickelt, die man als "zielführend" bezeichnen kann. Eine davon ist bspw. die Methode "Die Sichtweise der Anderen" oder auf Neudeutsch: "Other Peoples View". Hört sich ganz einfach an und die meisten meinen, das natürlich bei ihren Evaluierungen und Entscheidungen zu tun. Aber in der Praxis sieht das i.d.R. ganz anders aus.
Warum? Weil einem die eigenen Denkmuster dabei im Wege stehen: Sie sind einerseits Voraussetzung unserer Existenz und optimal, wenn es darum geht, das Tagesgeschäft zu bewältigen. Anderseits aber stören sie, wenn man neuen Herausforderungen gegenübersteht. Da fällt es dann oft schwer, über den eigenen Tellerrand zu schauen, die fach- und geschäftsmodellspezifischen Scheuklappen abzulegen und ausgetretene Denkpfade zu verlassen. Und das größte Problem dabei ist: Man bemerkt das häufig gar nicht. Da sollte der Coach Hilfestellung gebe, u.a. mit den De-Bono-Methoden!

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Trixi 07.09.2011, 02:30
4. Mmmmh...

Vor ein paar Jahren war irgendwie jeder Zweite entweder Webdesigner oder selbst ernannter Fotograf, der mir über den Weg lief.

Und in letzter Zeit treffe ich immer mehr Coachs.

Das lustige ist, dass diese selbst ernannten Coachs, m.E. ihr eigenes Leben nicht einmal auf die Kette bekommen und permanent den Finger in "anderleuts" Wunden legen wollen.

Sehr erheiternd.

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coach1607 21.04.2013, 13:01
5. Coaching als Hilfe zur Selbsthilfe

Ich kann dem Artikelinhalt sehr zustimmen bis auf einen Punkt: Berufliches lässt sich zwar im Coaching trennen, aber nicht strikt!
Es ist schwierig geworden, ‚den’ Coach für seine Probleme zu finden. Deshalb ist es im Vorfeld wichtig, sich selbst die Frage zu stellen:
Was ist es genau, was mich zurzeit beschäftigt?
Ob diese Gründe hierfür privater oder geschäftlicher Natur sind, lässt sich häufig nur schwerlich trennen. Der Klient will ein Problem lösen...also hat es mit seiner Persönlichkeit und seinen bisherigen Erfahrungen zu tun, wie er bisher seine Probleme angegangen und gelöst hat...aber nun stößt er durch die besondere Herausforderung an seine Grenzen!
Diese zu überwinden kann einerseits mit neuem Wissen kompensiert werden, wenn sich klar ein Wissensdefizit aufzeigt. Da braucht es in der Regel einen fachlichen Berater der Coachingfähigkeiten besitzt.
Andererseits aber stellt sich aus meiner Erfahrung im Coachingprozess sehr häufig das Bewusstwerden der bisherigen Problemlösungsstrategie, der Motivation, des Mutes oder der Unklarheit des weiteren Weges dar, die mit effektiven Coachingmethoden jenseits der reinen Fachlichkeit durchaus gut zu realisieren ist. Coaching ist deshalb aus meiner Sicht mehr als ein nur ‚besser Wissen’, sondern ein Prozess des guten Zu- und Hinhörens und der Fähigkeit, durch Fragen zur Persönlichkeitsentwicklung den Bewusstseinsspielraum im Problemumfeld des Klienten zu erweitern.
Also: Eine ‚Hilfe zur Selbsthilfe’ zu leisten und weniger eine Beratung durchzuführen wäre der ideale Weg.
Genau an dieser Stelle zeigt sich aber auch der schmale Grat zwischen dem Coaching als Methode und einer vielleicht eher anzuratenden Psychotherapie. Da muss ein Coach unbedingt die Signale erkennen, wann psychotherapeutische Hilfe angezeigt und eine Empfehlung zu einer Therapie auszusprechen ist. Gefährlich wird es dann, wenn ein Coach nur aus wirtschaftlichen Beweggründen oder fachlicher psychotherapeutischer Inkompetenz einfach weiter macht...das wäre unverantwortlich.

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