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Büro-Beziehungen: Bin ich jetzt der Therapeut meines Chefs?
Warner Bros.

Too much information: Was, wenn das Gespräch mit dem Chef zu privat wird? Wenn zu viel Nähe im Arbeitsalltag verunsichert? Managementexpertin Anne Weitzdörfer gibt Tipps, wie sich die Lage entspannen lässt.

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kent-goslar 15.12.2015, 18:20
1. Psychotisch? Neurotisch?

Wenn schon ein Titelfoto aus einem bekannten Film gewählt wird und mit einem Text versehen, so sollte man nicht mit Fachbegriffen hantieren, deren Bedeutung man nicht kennt. Der Patient im Film leidet keinesfalls unter einer Psychose, sondern unter einer Neurose. Durch solche leichtfertigen Aussagen werden heute noch bei uns psychisch kranke Menschen stigmatisiert.

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jontev 15.12.2015, 21:47
2. In meinem Team gibt es auch Chef und Angestellte

aber es werden keine Informationen unter der Gürtellinie ausgetauscht. Bei der täglichen Arbeit sind mein Chef und meine Kollegen und ich ganz einfach Kollegen.
Wir sind lange zusammen und die Auslotung, wie tief man gehen kann ist vorbei. Intime Details, egal von wem, werden schnell abgeblockt.Wenn man nicht für den Zweck als Firmenpsychologe angestellt ist, Finger weg, das kann Brandgefährlich für den eigenen Job werden.
Und als Informatiker und Admin, habe ich sowieso ein Verschwiegenheitsgelübde wie ein Arzt. Was ich zu sehen oder lesen bekomme, ist unter einem Betongrab, soviel Berufsehre muss sein.

Aber falls ein Chef auf mich direkt zukommt, wird er keine Lösungen finden, er bekommt Empfehlungen, wo er aufgrund meiner Netzsuche Hilfe bekommt.
Da würde ich mich auch ins Zeug legen, um ihn als Chef zu behalten.

Das ist immer noch der saubere Weg, als irgendwann als Mitwisser Probleme zu bekommen.

Wer das anders sieht und gerne aus dem anonymen Schutz heraus den Chef anpisst, das ist seine Sache.

Wir sind alle nur Menschen, aber nie in Abhängigkeit wegen Vertrauensinformationen zum Vorgesetzten den Job riskieren.

Was bleibt mir jetz noch anzuraten?

Zuhören, Mh und Oh zu sagen und feststellen ob es akut ist und Hilfe empfehlen, oder ob das wieder abflaut.

Meistens ist es nach dem Zuhören gut und hinterher nichts mehr anmerken zu lasssen.
Erst wenn die Beschwerden(Stress in der FA) sich darauf häufen, behutsam die recherchierte Anlaufstelle für die Hilfe stillschweigend zu mailen/zukommen lassen.

Ist ein schwieriges Thema, das ich auch schon hinter mir habe. Das Leben des Chefs darf nicht in dein Leben eindringen, aber Du darfst helfen, Ihn wieder nach vorne zu bringen. In kleinen homöopatischen Dosen, das klappt.

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fatherted98 16.12.2015, 07:58
3. Ganz einfach...

...das eigene Desinteresse offen zeigen. Bringt zwar keine Bonuspunkte ein...aber wenn die eigene Arbeit gut ist, ist es egal. Der Chef wird es vermeiden künftig mit einem privat zu sprechen...ich bin sogar schon soweit, dass er sich nicht neben mich sezten will, weil er absolut keinen Gesprächsstoff mit mir hat.
Im übrigen sind solche Dinge meist die Folge übertriebenem Interesses am Chef und seinen Verhältnissen um sich einzuschleimen...ich halte mich an die alte Regel: Geh nicht zu deinem Fürst, wenn Du nicht gerufen wirst.
Da fährt man immer gut mit...

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stinkfisch1000 16.12.2015, 09:26
4. Seuche unserer Zeit

Idividualismus ist eine sich immer weiter verbreitende Ideologieseuche, die eben nicht nur dazu führt, dass jeder in "seiner ganzen Individualität" "wahrgenommen" werden will, sondern deren Kehrseite eben auch ist, dass alle anderen Menschen mit dieser "Individualität" in ihrer ungewaschenen Teiefe belästigt werden, um es mit Richard Sennett zu sagen "die Tyrannei der Intimität". Ausdifferenzierte Gesellschaften leben davon, dass man seine Rolle wahrt, und eben nicht den Kollegen mit mit dem Bruder, die Tochter mit dem Lebenspartner, die Firma mit der Familie und den Chef mit dem besten Kumpel verwechselt. Vielleicht sollten wir uns hin und wieder daran erinnern.

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Kapitän_Niveau 16.12.2015, 11:46
5. Wie wäre es mit einem bisschen Menschlichkeit?!

Meine Güte, was ist das denn für ein Problem?! Ich verstehe nicht, wieso man einem solchen Gespäch beklemmt ist ...Wir sind doch alle Menschen, egal ob Chef, Politiker oder Toilettenfrau. Und jeder hat auch mal private Sorgen, die einen zermatern. Man nimmt privaten Kummer genauso mit in den Job, wie Ärger am Arbeitsplatz mit nach Hause. Vielleicht liegt es am verkniffenen Hierachiedenken? Mein Tipp: sich einfach mal locker machen. Es ist doch ein großes Kompliment, wenn sich der Chef einem so anvertraut.

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Olaf 16.12.2015, 11:53
6.

Zitat von Kapitän_Niveau
Meine Güte, was ist das denn für ein Problem?! Ich verstehe nicht, wieso man einem solchen Gespäch beklemmt ist ...Wir sind doch alle Menschen, egal ob Chef, Politiker oder Toilettenfrau. Und jeder hat auch mal private Sorgen, die einen zermatern. Man nimmt privaten Kummer genauso mit in den Job, wie Ärger am Arbeitsplatz mit nach Hause. Vielleicht liegt es am verkniffenen Hierachiedenken? Mein Tipp: sich einfach mal locker machen. Es ist doch ein großes Kompliment, wenn sich der Chef einem so anvertraut.
Sehe ich auch so. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist. Man muss doch auch mal Mensch bleiben können. Schließlich befand der andere sich in einer Notlage und suchte jemanden mit dem er reden konnte.

Also zuhören und darüber die Klappe halten. Mehr ist nicht gefragt.

Das kann doch alles nicht so schwer sein.

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unaufgeregter 16.12.2015, 12:46
7. Dienst ist Dienst

Im geschilderten Fall hat der Chef ganz offenbar seine Machtstellung ausgenutzt und sich bei der Mitarbeiterin ausgeheult. Das geht nicht. Auch ein Chef sollte Freunde/Verwandte/gute Bekannte haben, denen er sein Leid klagen kann. Die eigenen Mitarbeiter sind grundsätzlich tabu.

Ich habe immer Arbeit und Privatleben konsequent getrennt und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht.

Zuhören und dann den Mund halten? Warum sollte sich die Mitarbeiterin das Gerede anhören? Sie ist doch kein seelischer Mülleimer.

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tidi0003 16.12.2015, 13:18
8. Befindlichkeiten

Zitat von unaufgeregter
Ich habe immer Arbeit und Privatleben konsequent getrennt und habe damit nur gute Erfahrungen gemacht. Zuhören und dann den Mund halten? Warum sollte sich die Mitarbeiterin das Gerede anhören? Sie ist doch kein seelischer Mülleimer.
Guten Tag,

grundsätzlich ist es richtig, berufliches und privates zu trennen, sonst könnte man seinen Beruf nicht professionell ausüben.

Was man dabei nicht vergessen sollte:
Wir sind trotz alledem noch Menschen.
Es geht ja nicht um die Schulaufgaben der Kinder, das Wäsche waschen oder sonstige private Alltäglichkeiten.
Und ebenso wenig geht es um Betriebsgeheimnisse.

Dass eine Trennung massiven Einfluss auf die Befindlichkeit hat sollte wohl klar sein - ähnlich wie ein Todesfall in der Familie. Das zu ignorieren oder als "seelischen Müll" abzutun zeugt aus meiner Sicht von sozialer Inkompetenz. Es ist aus meiner Sicht immer besser, im Bedarfsfall mit jemanden zu reden als über jemanden.

Wer meint, er könnte seine private Befindlichkeit an der Bürotür abgeben, dem wird sie über kurz oder lang auf die Füße fallen.

Und auch sonst sind wir doch an einer ganzheitlichen Betrachtung interessiert - solange der private Anteil im Beruf nicht dominant ist und die Arbeit drunter leidet.

Ich persönlich könnte jedenfalls nie in einer Firma arbeiten, in denen ich meinen Kollegen nicht auch auf menschlicher Ebene begegnen kann. Dazu gehört der freundliche Gruß ebenso wie die offene Kommunikation der Befindlichkeiten.

Es gibt genügend Menschen, die krank werden, weil sie zu viel in sich reinfressen, statt zu akzeptieren, dass zwischenmenschliche Befindlichkeiten ein ganz normaler Teil unserer selbst sind.

Gruß

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suelzer 16.12.2015, 13:32
9.

Erstens verstehe ich nicht, wieso das Titelbild aus dem De-Niro-Film mit dem geschilderten zwischenmenschlichen Fall zu tun hat und zweitens gebe ich den Verfasser des ersten Beitrages absolut recht, denn es ist ein riesiger Unterschied, ob jemand neurotisch oder psychotisch ist. Falls dieser Aufmacher von der Frau Weitz gewählt wurde, dann muss ich leider sagen, dass Dilemma heutzutage ist, dass sich jeder Coach und Berater nennen kann. Letztendlich ist das eine Masche, größere Firmen auszunehmen. Falls die Autorin das nicht ausgewählt hat, so sollte sie doch vor "Druck" des Artikels noch mal gegen checken, ob alles korrekt ist. Nehmen Sie das nicht persönlich, aber der Fall mit dem Chef, der wohl niemanden hat, bei dem er sich ausheulen kann und die Trennung kund tut, weil es sowieso irgendwann herauskommt, der hat mit einer psychischen Störung rein gar nichts zu tun. Ich möchte nicht wissen, wie viele Dösbaddeln in deutschen Büros nun falsche Schlüsse ziehen, zumal heutzutage eh keiner mehr richtig lesen kann noch zuhört.

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