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Bundesarbeitsgericht: Kündigung von katholischem Chefarzt nach Wiederheirat unwirksam
DPA

Sein Fall betrifft die Sonderrechte der Kirche als Arbeitgeber von 1,4 Millionen Menschen in Deutschland: Seit zehn Jahren wehrt sich ein geschiedener, katholischer Arzt gegen seine Kündigung - und hat nun Recht bekommen.

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Frietjoff 20.02.2019, 15:45
70. »Gott in weiß« geht vor »Gottes Repräsentant in schwarz«

Das gilt natürlich nur für Chefärzte!

Bei einer Schwester, einer Kindergärtnerin oder einer Reinigungskraft wäre das Urteil ganz anders ausgegangen.

Und ja, natürlich sind alle kirchlichen Privilegien mit einer Demokratie inkompatibel und müssen schleunigst abgeschafft werden.

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AGCH 20.02.2019, 15:46
71.

Zitat von herbert
... Eine Kirchensteuer als eine Ablass fuer die Suenden ist in Deutschland weltweit einmalig und daneben.
In der Schweiz gibt es ebenfalls eine staatlich eingezogene Kirchensteuer, auch wenn das von Kanton zu Kanton unterschiedlich ist. Zum Teil müssen auch Unternehmen Kirchensteuer zahlen, da diese als juristische Person kein Gewissen haben und somit aus Gewissensgründen nicht austreten können.
Verkehrte Welt.

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Freidenker10 20.02.2019, 15:47
72.

Die Sonderrechte der kirchlichen Arbeitgeber sind eine Unverschämtheit, denn ihre Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten usw. werden genauso staatlich finanziert wie alle anderen auch! Hier sollte wirklich mal ein Grundsatzurteil her!

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principezinho 20.02.2019, 15:48
73. Das geht durchaus

Zitat von rosinenzuechterin
Wieso darf so eine Organisation in Deutschland überhaupt existieren? Man stelle sich vor, Siemens, VW oder Lufthansa als große Arbeitgeber würde ihren Angestellten die Wiederheirat verbieten und dem Führungspersonal das Heiraten an sich.Was darüber debattiert würde ... Wie solche Unternehmen am Pranger ständen ...
Ein Unternehmen kann einem Angestellten durchaus bei geschäftsschädigendem Verhalten kündigen. Und wenn ein Angestellter der Kirche, die von ihren Mitgliedern die Einhaltung der kirchlichen Lehre fordert, diese Lehre selbst nicht einhält, könnte man das durchaus als "geschäftsschädigend" im übertragenen Sinne verstehen. Vor allem wenn es sich um leitende Angestellte handelt, die bei Unternehmen wie bei der Kirche, ein Aushängeschild sind.
Das Arbeitsrecht (z.B. Kündigungsschutzgesetz) betrachtet leitende Angestellte in Teilen anders als "normale" Angestellte.
Natürlich wird man bei Siemens nicht wegen einer Wiederheirat gekündigt, aber wenn man öffentlich Produkte von Siemens schlecht machen würde, könnte das schon für eine Kündigung ausreichen. Und ein exkommunizierter Oberarzt in leitender Funktion in einem Krankenhaus der katholischen Kirche, ist in den Augen der Kirche nunmal ein ähnlicher Fall. Das Gericht hat jetzt anders entschieden und das ist auch gut so. Das gilt allerdings nur für den Arzt, der ja mit der Ausübung von Religion an sich, nicht viel zu tun hat (außer Wunder wirken vielleicht :-). Für die Gemeindereferentin gilt das Urteil nicht, da Sie unmittelbar mit dem Kernbereich der katholischen Religion zu tun hat. Und wenn ein Pfarrer heiraten will, dann wird er auch nicht Pfarrer bleiben können (wenn er nicht schon vorher als Diakon verheiratet war, was es auch gibt).

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Sendungsverfolger 20.02.2019, 15:48
74. Sportart

Zitat von loboloco
Ich bin ohne Konfession und habe mit der katholischen Kirche nichts zu tun. Vom sog. menschlichen Standpunkt verstehe ich sein Tun, dass überall Beliebigkeit Einkehr hält stimmt mich jedoch nachdenklich! Als katholischer Arzt in einer katholischen Einrichtung kenne ich die Regeln und ob diese nun zeitgemäß scheinen oder nicht spielt keine Rolle... platt gesagt: Ich gehe nicht in einen Fußballverein und möchte dann irgendwann auch mit der Hand spielen! Sic.
Nur dass es in Deutschland nur eine Sportart gibt und die nennt sich Grundgesetz.

Wenn man den historisch bedingten Art. 140 GG streicht - und das kann man problemlos, da die Religionsfreiheit ja über Art. 4 GG gewährleistet wird - hat es sich eh ausgespielt. Und den Art. 7 Abs. 3 GG (Religionsunterricht an öffentlichen Schulen) gleich mit, denn der ist der größte Mumpitz überhaupt. Da kann man auch das Vollmond-Anheulen zum Lehrfach erklären. Oder Osterhasenzüchtung und Fortbildungslehrgänge zum Weihnachtsmann. Der verpflichtende Pilotenschein für Spaghetti-Siebe wäre auch ganz nett.

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mens 20.02.2019, 15:48
75. Nachhilfe

Da muß ein weltliches Gericht der Kirche sagen was Menschlichkeit und Nächstenliebe bedeutet. Vielleicht wäre so mancher Katholik bei den Protestanten doch besser aufgehoben. Den in dieser Hinsicht wird sich beim Original nix tun.

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ltte 20.02.2019, 15:52
76. Unqualifizierte Forumsbeiträge

Mit schöner Regelmäßigkeit folgen auf Berichte über kirchliche Angelegenheiten wirre und wirrste Kommentare, die von ihren agnostischen Schreibern dazu genutzt werden, geschichts- und glaubensfern den Reichsdeputationshauptschluss zu ignorieren, Gläubige zu infantilisieren und, ganz abstrus, Schließungen kirchlicher Einrichtungen zu fordern. Ich hoffe, die eifernden und geifernden Schreiberlinge kämpfen mit derselben Entschlossenheit für Demokratie, Religions- und Meinungsfreiheit und Menschenrechte.

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fatherted98 20.02.2019, 15:53
77. das eigentlich Schlimme...

...an der Sache ist ja, dass die Cariatas oder Diakonie (je nach Konfessionsgemeinschaft) nur als Träger auftreten....dadurch Steuern gespart werden, Tarifverträge unterlaufen werden usw.
Die Kosten für die Einrichtungen werden durch geschickte Verträge an auf die Allgemeinheit abgewälzt....und dazu kommt dann noch, dass die Ideologie dieser Religionsgemeinschaften Auswirkungen auf das Privatleben der Mitarbeiter hat. Es wird Zeit das noch mehr Menschen in Deutschland bei den etablierten Kirchen kündigen....man kann viel besser Christ sein ohne Kirche.

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spon_2999637 20.02.2019, 15:54
78.

Zitat von Cannonier
da liebt ein Mensch einen anderen Menschen so sehr, dass er ihn heiratet. Dummerweise war er bereits mal verheiratet. Nur deswegen wirft ihn der Arbeitgeber raus. Nicht weil er Geld veruntreut hat, nicht weil er seinen Arbeitgeber schlecht macht, nicht weil er im Job unfähig ist. Nicht weil er sich eines Verbrechens schuldig gemacht hat.
Bei sexuellen Verfehlungen gegen Kinder wäre er kirchlichen Grundsätzen folgend einfach in ein anderes Krankenhaus versetzt worden....

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syracusa 20.02.2019, 15:54
79. EuGH rettet Demokratie gegen Angriff des BVerfGs

Juristisch halte ich die Angelegenheit für eigentlich trivial. Warum das deutsche Verfassungsgericht die katholische Kirche bei dieser völlig offensichtlich unrechtmäßigen Entlassung im Recht gesehen hatte (nachdem alle unteren Instanzen zugunsten des entlassenen Arztes geurteilt hatten), bleibt für mich ein Rätsel. Anscheinend ist Deutschland doch ein weniger säkularer Staat als ich angenommen habe, und das BVerfG doch auch manchmal eher auf der Seite des reaktionären Unrechts, als bei demokratischer Freiheit und Gleichheit.

Aber wir sehen hier ein Paradebeispiel für meine immer wieder geäußerte Feststellung, dass die EU für jeden EU-Bürger mehr Demokratie bringt, als es ein Nationalstaat alleine könnte. Der hier gegen das deutsche BVerfG urteilende EuGH hat als zusätzliches Element der Gewaltenteilung die Demokratie gerettet!

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