Forum: Karriere
Bundesgerichtshof: Trompeter darf stundenlang proben - auch wenn's die Nachbarn nervt
Getty Images / iStockphoto

Wie viel Musik ist im Reihenhaus zumutbar? Ein Berufstrompeter und seine Nachbarn streiten seit Jahren darüber. Nun hat der Bundesgerichtshof entschieden.

Seite 1 von 9
mailconnect 26.10.2018, 14:26
1. Landlust

Ein Reihenhaus in Augsburg. Tür an Tür mit Nachbarn. Tür an Tür mit Menschen, die gelegentlich einfach nur nerven. Ich bin heilfroh, nicht in der Stadt zu wohnen. Auf dem Land ist es viel entspannter. Noch schöner wäre es, in Island zu leben. Oder irgendwo in den USA. Das nächste Haus 2 Kilometer weiter. Da kann Trompete spielen wer will.

Beitrag melden
quark2@mailinator.com 26.10.2018, 14:28
2.

Und sich dann über die Konsequenzen wundern. Das kann bis zum (Selbst)mord führen, aber daran ist dann natürlich niemand schuld. Nein, das ist hier kein Post um sowas zu relativieren oder zu rechtfertigen, sondern einfach eine sachliche Feststellung. Wer jemals unter dauerndem Lärm gelitten hat weiß, daß man irgendwann fast zu allem fähig ist. Und wenn es gut geht, dann zeitigt es enorme gesundheitliche Schäden, z.B. bzgl. Herzkrankheiten. Wir haben ähnliche Entscheidungen ja schon in Bezug auf Lärm durch Kinder und teilweise auch auf Windkraftanlagen. Hier machen Leute idealistische Politik, die sich ganz offensichtlich selbst nie länger in der Situation befanden. Und einfach ausziehen ist ja auch keine Lösung, die sich die meisten leisten könnten.

Beitrag melden
werlesenkann 26.10.2018, 14:29
3. Falsche Entscheidung

Da sieht man wieder, dass man vor deutschen Gerichten höchsten Recht, niemals aber Gerechtigkeit bekommt. Der BGH hätte den Berufsmusiker verpflichten sollen, sein Haus besser zu isolieren. Dies wäre genauso hinnehmbar gewesen, wie die Belästigung für die Nachbarn. Wahrscheinlich hat keiner der Richter einen solch lauten Nachbarn und kann sich überhaupt nicht in die Lage versetzen. Oder falls doch wissen sie ja am besten, mit welchen juristischen Tricks man das abstellen könnte.

Beitrag melden
Sepp Hinterseer 26.10.2018, 14:34
4. Wie man so rücksichtslos sein kann

… und auch nur für kurze Zeit anderen mutwillig seine Musik aufdrängt, erschließt sich mir absolut nicht.

Beitrag melden
Gmorker 26.10.2018, 14:34
5. Dämpfer?

Da ich selbst Posaunist bin (nicht hauptberuflich) frage ich mich, warum der Profi nicht mit einem Dämpfer übt. Für Ansatz und Fingerfertigkeit spielt das vorhandensein des Dämpfers keine Rolle und die Lautstärke wird so drastisch gedrosselt, das man schon im Nebenraum kaum noch hören kann, das da jemand spielt, geschweige denn durch die Wand.... Da ein Dämpfer nicht nur die Lautstärke reduziert, sondern auch den Klang verändert, ist nachvollziehbar, das er nicht nur mit Dämpfer üben kann, aber es geht ja auch gar nicht darum, das er gar nicht üben soll. Grade die täglichen Etüden, die tatsächlich dafür erfunden wurden, Zuhörer in den Wahnsinn zu treiben, kann er aber grade mit Dämpfer absolvieren. ... interessant am Artikel finde ich, das ein Profi nicht weniger Rechte als ein Hobby-Spieler hat, denn genaugenommen ist das doch eine gewerbliche Nutzung seiner Privaträume. Das hat üblicherweise andere Auflagen als ein Hobby.

Beitrag melden
Eutighofer 26.10.2018, 14:35
6. Im Mehrfamilienhaus wird's laut werden

Wenn nun in einem Mehrfamilienhaus 4 Hobbymusiker wohnen und zu unterschiedlichen Zeiten üben könnten diese insgesamt 12 Stunden am Werktag Musik machen. Die Richter am BGH wohnen vermutlich im Einfamilienhaus...

Beitrag melden
sh.stefan.heitmann 26.10.2018, 14:41
7. Völlig richtige Entscheidung...

...wer einfach nur Ruhe haben will sollte nicht in ein Reihenhaus ziehen. Es gibt Ruheziten (Nachtruhe), solange die eingehalten wird kann man so laut sein wie man will!

Beitrag melden
VormSpiegel 26.10.2018, 14:41
8. Kopfhörer und Elektronische Variante

Es muss doch möglich sein für eine Trompete einen Schalldämpfer anzubringen, oder es wird eine Schalldämpfende BOX aufgebaut die als Ton-Studio fungiert, wenn der Raum insgesamt nicht schallgedämpft werden kann.
So oder so, eine permanente akute Schallbelästigung ist einfach nicht akzeptabel, ganz egal was irgendjemand erzählen will, das kann man im krassen Fall mal eine Woche durchmachen , wie ein schreiendes Kind, aber irgendwann dreht man einfach durch unter der Belastung.

Ergo, es gibt immer Lösungen auf die man sich einigen SOLLTE wenn man nicht schlichtweg sadistisch ist.
Beim Musik ist eine Schalldämpfung einfach essentiell, damit man nicht allem und jedem um sich herum gewaltig auf die Nerven geht (und das macht keine Freunde, ist also im Interesse von jedem, auch dem Musiker).
Egal was so eine Schalldämmung am Ende kostet, allemal sinnvoller als für solche Dinge noch vor Gericht gehen zu müssen (was die Lage ja nur umso schlimmer macht, wenn beide Seiten völlig verbohrt irgendwie einen "Sieg" haben wollen).

Beitrag melden
spon_3501918 26.10.2018, 14:44
9. Immer dieses wenn...

Zitat von Eutighofer
Wenn nun in einem Mehrfamilienhaus 4 Hobbymusiker wohnen
Wenn jeder Richter immer nur vom sogenannten WorstCase ausgehen würde dann dürfte keiner mehr Grillen, Rauchen, ...

Grillen 1x die Woche erlaubt => 7 Griller im Haus die sich abwechseln also wieder jeden Abend grillen.
Wenn da 4 (Berufs-)musiker wohnen würden dann hätte es ja vielleicht - aber auch nur vielleicht - ein leicht anderes Urteil geben können. Aber es wurde nun mal ein Fall mit einem Musiker verhandelt.

Beitrag melden
Seite 1 von 9
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!