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Bundesrechnungshof : Arbeitsagenturen verschwenden Millionen für Bildungskurse
DPA

Der Bundesrechnungshof hat stichprobenhaft analysiert, in welche Kurse Arbeitslose von Jobcentern geschickt werden. Das Ergebnis: Die Vergabe erfolge "planlos". Rund 190 Millionen Euro würden pro Jahr verschwendet.

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hadriani 26.03.2018, 11:00
60. Floristinnen ...

vor etlichen Jahren ging bereits durch die Presse, dass vermehrt Floristinnen ausgebildet wurden ... Plötzlich gab es in Kleinstädten massenweise Floristinnen ... für die es überhaupt keine Aufgaben und schon gar keine Läden gab. Unterhaltsam sind auch die Angebote "Bewerbungstraining" oder "Wie gestalte ich eine Bewerbung". Dort vermitteln dann antiquierte Herrschaften, die die heutigen Bedingungen überhaupt nicht mehr einschätzen können, dem jüngeren arbeitslosen Menschen Inhalte, die nur noch als katastrophal zu interpretieren sind. Mir sind mehrere solcher Menschen bekannt, die "gezwungen" wurden an diesen Bewerbungsseminaren teilzunehmen. Für das Wiedereinsteigen in eine reguläre Tätigkeit war dieses Bewerbungsseminar jedoch einfach "für die Katz".

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ernale 26.03.2018, 11:04
61. Ja und?

Hartz 4 wird aus Steuergeldern finanziert, das heißt, die Kosten der Unterkunft (Nettokaltmiete, Nebenkosten und Heizkosten) sowie die Regelleistung. Diese Unterstützung ist nicht als Dauergabe gedacht, wird aber mittlerweile als Dauergabe mit Anspruchshaltung gesehen. Kd. sind sofort beim Jobcenter, wenn mit "ihrem" Geld etwas nicht stimmt, aber ob Kd. auch sofort bei einem Arbeitgeber auftauchen, wenn ein Job winkt? Der Arbeitsmarkt boomt. Und wenn es einem Langzeitarbeitslosen nicht passt, dass er auf eine Maßnahme geschickt wird, dann kann er ja arbeiten, oder? Und den Steuerzahler entlasten. Ob er nun bei einem Arbeitgeber "sinnlose" Tätigkeiten (Produktion, Helfer) durchführt oder sinnlose Maßnahmen. Eins ist sicher, das ist natürlich nicht so bequem, die Komfortzone zu verlassen

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jocomo 26.03.2018, 11:05
62. nicht in der offiziellen Arbeitslosenquote enthalten!!!

Sorry, aber als Arbeitslose werden diese Fälle nicht mehr gezählt, sprich in der offiziellen Arbeitslosenquote, die man in den Tagesthemen sieht und mit der sich Politiker brüsten, sind sie nicht mehr drin, wie auch viele andere Fälle. Deswegen wird ja von Kritikern gesagt, dass wir eigentlich ca. 1 Mio. mehr Arbeitslose hätten, als die Quote suggeriert.
Dass die Fälle in irgendeinem Unterpunkt aufgeführt werden, sehen nur noch Fachleute und interessiert die meisten auch nicht wirklich...aber dieses "Geschöne" der Arbeitslosenstatistik ist auch ein internationales Problem

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Little_Nemo 26.03.2018, 11:28
63. Pfui, diese eklige Armut

Zitat von sammilch
Natürlich belächele ich auch diese "Aktivierungskurse", habe aber auch Verständnis dafür, dass es sie wohl geben muss. Der Grund: Schauen Sie sich die Leute an die in diesen Aktivierungskursen sitzen. Schauen Sie sich generell mal die Leute an, die morgens ins Arbeitsamt gehen oder davor stehen. Möchten Sie die als Arbeitskollegen? Es ist bei vielen notwendig, dass sie "aktiviert" werden. Dazu gehören elementare Dinge wie tägliche Körperpflege, saubere Kleidung von unangemessenere Kleidung zu unterscheiden oder keinen Hochprozentigen Alkohol vor dem Amtsgang/Kurs zu trinken. Es mag lächerlich und klischeehaft klingen. Aber genau diese Leute steigen morgens beim Arbeitsamt aus der Straßenbahn aus. Und da hat man die Arbeitslosen noch nicht gesehen! (Kleiner Scherz am Rande) Wir müssen uns im klaren sein, dass viele keine Struktur kennen, diese werden durch den Aktivierungskurs wenigstens versucht zu aktivieren: morgens aufstehen, pünktlich sein, anwesend sein, mitarbeiten, seine Meinung auch mal zurückhalten oder sachlich formulieren usw. Ohne diese Grundkenntnisse kann man die Langzeitarbeitslosen noch zu so vielen Zwangsvorstellungsgesprächen schicken, es wird keine Wirkung haben. Kritik, dass man doch nicht alle über einen Kamm scheren kann nehme ich an. Das liegt mir auch fern. Nur, ich sehe jeden Tag Leute, denen die jahrzehntelange Armut ins Gesicht geschrieben steht. Die sich schon im Supermarkt an der Kasse nicht angemessen ausdrücken können. Die riechen, die unsauber und unangemessen (meisten die Frauen) gekleidet sind, die man einfach nicht einmal als Hilfsarbeiter einstellen möchte.
Und da Sie ja vorurteilsfrei urteilen, sind Sie natürlich absolut sicher, dass die Leute, die an der Supermarktkasse vor Ihnen riechen und sich nicht ausdrücken können, mit denen identisch sind, die da morgens vor dem Jobcenter (oder bei Ihnen offenbar noch vor dem Arbeitsamt) stehen, die man aber trotzdem nicht über einen Kamm scheren kann, was Sie ja nie tun würden, obwohl Ihr Überwachungsapparat offenbar lückenlos ist. Und aufgrund Ihrer Vorurteilsfreiheit können Sie auch sagen, dass diese Maßnahmen den Delinquenten Struktur geben und ihnen dabei helfen elementare Grundkenntnisse über das Leben, insbesondere das Arbeitsleben, zu lernen, denn da Sie vorurteilsfrei sind haben Sie ja sicher schon eine repräsentative Auswahl solcher Maßnahmen von innen begutachtet, um hier dieses fundierte Urteil fällen zu können. Und für Sie als vorurteilsfreien Menschen spielt es auch gar keine Rolle, wie es dazu kommen konnte, dass man diesen Leuten ihre jahrzehntelange Armut so sehr ansieht (und -riecht), denn sie wissen, daran können nur diese Leute allein schuld sein.

Das Elementarste und zugleich nahezu Einzige, was ich in so einer Maßnahme gelernt habe ist, sich morgens vor den Computer zu setzen, möglichst still zu sein und zuzusehen wie man irgendwie den Tag rum kriegt. Das konnte ich allerdings vorher auch schon. Und, man höre und staune, noch eine weitere Lehre wurde mir dort vermittelt: alles andere interessiert ohnehin niemanden.

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sparrenburger 26.03.2018, 11:34
64. Begleiten Sie doch mal ein paar

Dann sollten diese Journalisten mal einige der Leistungsempfänger einige Zeit begleiten. Dann wird recht schnell deutlich wie planlos die Zuweisungen sind.
Ich kenne auch keinen H-4 Empfänger der sagen könnte wo die Reise mit dem Jobcenter hingeht.
Das verraten die Sachbearbeiter nämlich nicht, soll ja ne Überraschung sein^^.

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mcmercy 26.03.2018, 11:35
65.

Zitat von Martuk
Sinnlose Regelungen eine andere Art, als Beispiel: Hartz-4 Empfänger möchte eine 2. Ausbildung machen. Resultat: Hartz-4 Empfänger wird langzeitarbeitsloser Hartz4-Empfänger, da er von 600 Euro Ausbildungsvergütung nicht leben könnte.
Hartz IV dürfte weit unter 600€ betragen, warum also nicht die Ausbildung machen? Auch dann kann man Wohngeld beantragen, müssen normale Azubis ja auch.

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Janosch2001 26.03.2018, 11:41
66. Nur zwei Beispiele

Im ersten Fall hätte ich eine Weiterqualifizierung, damals SPS S7 benötigt zur Aufnahme einer Stelle. Abgelehnt da nicht im Programm enthalten. Im zweiten Fall ging es um ein Zusatzmodul für einen Klima- und Kältetechniker. Der potenzielle Arbeitgeber hätte die Hälfte zur Not bezahlt. Abgelehnt. Statt dessen gab es Bewerbungskurse. Das war aber nicht das Problem, sondern einzig und alleine die „Scheine”, denn das Wissen war vorhanden.

Fazit: Die Maßnahmen sind ineffizient und nicht auf die Bedürfnisse zugeschnitten. Also abschaffen.

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jogi2001 26.03.2018, 11:41
67.

Zitat von kuschl
Das hat System. Die Schulungen, meistens übrigens nicht sinnvoll, finden nämlich in gewerkschaftsnahen Bildungseinrichtungen statt und in deren Vorständen wiederum sitzen Spitzenfunktionäre. Daher auch der Hang zur Ausbildung aller möglichen bildungsfernen Menschen. Man will seine Weiterbildungsmaßnahmen verkaufen, ein knallhartes Geschäft und gutes Zubrot.
Das ganzen nennt sich Sozialindustrie. Ob da sinnvoll Geld verbraten wird oder nicht, spielt eine untergeordnete Rolle.

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thelix 26.03.2018, 11:47
68.

Zitat von ernale
Und wenn es einem Langzeitarbeitslosen nicht passt, dass er auf eine Maßnahme geschickt wird, dann kann er ja arbeiten, oder?
Mein Lieber... im Allgemeinen hat es einen Grund, daß jemand Langzeitarbeitslos ist. Die meisten sind einfach alt oder krank oder beides. Schon mal darüber nachgedacht? Hm?

Übrigens: Wie sinnvoll ist es zB, einen 64jährigen Buchbinder, der zuletzt 1972 als solcher gearbeitet hat und wegen Tötungsdelikt bis vor kurzem in der JVA einsaß, in ein Bewerbungstraining zu schicken?

Wie vermessen ist es, einen buchstäblich vor wenigen Wochen frisch aus Bagdad heimgekehrten Offizier in ein Word-Seminar zu schicken?

Wie arrogant ist es, einen Studienüberflieger im Maschinenbau, der sich mitten in Gehaltsverhandlungen mit gleich zwei großen deutschen Autoherstellern befindet, in einen Ein-Euro-Job zu stecken?

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khg 26.03.2018, 11:51
69. reine Statistikverschönerung

War selbst länger als IT-Dozent für einen "Bildungsträger" tätig. Die Leute wurden nur in den Kursen geparkt um sie aus der Statistik zu haben. Ich hatte unter anderem einen aus der Berufssparte Handwerker, ca. 62 Jahre alt, sollte Windows, Internet, Excel, Word lernen um später einen Job zu bekommen. Der hatte definitiv keine Ahnung wie er zu der Ehre kam in diesem Kurs zu landen und er war nicht der Einzige. Unvorstellbar wie frustrierend es ist als Dozent in 20 leere Augenpaare zu schauen weil die denen man etwas beibringen soll nicht den Funken einer Ahnung haben was sie in diesem Schulungsraum sollen. Schade ums Geld des Steuerzahlers. Ich habs natürlich auch wegen des Geldes gemacht. Schade drum.

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