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Bundesverwaltungsgericht: Lehrer müssen nicht auf eigene Kosten auf Klassenfahrt
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Fährt eine Lehrkraft auf Klassenfahrt, muss ihr das Land die Kosten erstatten, hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden. Schon die Anfrage, auf Kostenerstattung zu verzichten, setze Lehrer unzulässig unter Druck.

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karlaschnikow 23.10.2018, 18:52
1. Stellenwert der Bildung

Allein die Notwendigkeit dieser Klage zeigt, wie es um Schule und Bildung in vielen deutschen Bundesländern beschaffen ist.
Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass genau dieses Problem in zumindest einem weiteren Bundesland besteht/bestand.
Meine Freunde und Bekannte aus der sog. freien Wirtschaft lachen mich seit vielen Jahren dafür aus, dass ich für "Dienstreisen" noch draufzahle bzw. draufgezahlt habe.
Abgesehen davon, dass die zusätzliche Arbeitszeit nicht bezahlt oder ausgeglichen wird (nach meiner Definition hat man bei einer einwöchigen Fahrt für mindestens 4 Tage (mo-do) ca. 14h/Tag Arbeitszeit und 10h/Tag "Bereitschaft").

Langer Rede kurzer Sinn: Politikern, Schulämtern und Schulleitungen geht es oft nur darum, möglichst wenig Geld auszugeben.
Die SuS sind egal. Auf das oftmals (bis zur Selbstaufopferung gehende) Engagement der LehrerInnen wird dagegen gesetzt.

Wie häufig setzten LehrerInnen eigenes Geld für Ihrer SuS ein?
Soviel zum Thema "staatliche Aufgaben, privat finanziert".

P.S. : Wer denkt, eine Klassenfahrt sei für LehrerInnen "Urlaub" dem ist sowieso nicht mehr zu helfen!

Karl

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spiegelleser987 23.10.2018, 18:57
2.

Klassenfahrten haben wir früher auch gemacht. So haben wir Industrie, Landwirtschaft, die Natur und andere Kleinstädte in der Nähe besucht. Das trägt zur Bildung bei. Man muss es aber nicht übertreiben und extrem weit wegfahren oder fliegen. Das kann jedes Kind mit seinen Eltern im Urlaub tun. Was soll denn bei der Bildung helfen, wenn eine Fahrt von Baden-Württemberg nach Berlin längere Zeit gemacht wird? Deswegen waren die 38.000 Euro für die Klassenfahrt von Berlin nach New York auch nur rausgeschmissenes Geld.
https://www.welt.de/politik/deutschland/article148448562/Diese-Klassenfahrt-kostete-Steuerzahler-38-000-Euro.html

Echte Bildung gibt es heute nicht mehr.

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touri 23.10.2018, 18:59
3.

Eine genehmigte Klassenfahrt ist quasi eine Dienstreise, warum sollte diese anders behandelt werden? Ehrlich gesagt ich ging bisher immer davon aus, dass Lehrer Klassenfahrten bezahlt bekommen. Ist ja (für die Lehrer) keine Spaßveranstaltung...

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max-mustermann 23.10.2018, 19:26
4.

Selbst wenn alle Reisekosten vom Land übernommen werden (die zusätzliche Arbeitszeit wird ja weiterhin nicht bezahlt) wer tut sich denn sowas freiwillig an. Eine Woche lang 24 Stunden rund um die Uhr im Einsatz und die volle Verantwortung für eine Horde oft unerzogener verwöhnter Kinder, da muss mann ja bekloppt sein.

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sorosch 23.10.2018, 19:33
5. Gilt das auch

für nicht verbeamtete Lehrer? Im Artikel steht: "Als verbeamteter Lehrer muss er die Reisekosten nicht aus eigener Tasche zahlen...."

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Mähtnix 23.10.2018, 19:43
6.

Zitat von touri
Eine genehmigte Klassenfahrt ist quasi eine Dienstreise, warum sollte diese anders behandelt werden? Ehrlich gesagt ich ging bisher immer davon aus, dass Lehrer Klassenfahrten bezahlt bekommen. Ist ja (für die Lehrer) keine Spaßveranstaltung...
Ich wusste von Freunden, dass das Verfahren so war/ist. Ich habe nie verstanden, dass sich die Berufsverbände so lange nicht dagegen gewehrt hatten.
Sie haben Recht: Es ist und bleibt eine Dienstreise. Und die Entwicklung wird nach den Urteilen des BAG (Zeitanrechnung der Flugzeit zum Auslandsdienstort) und des EUGH (Bereitschaftsdienst eines Feuerwehrmannes) noch weiter gehen....

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klaus.beuse 23.10.2018, 19:57
7.

Naja, wenn der Lehrer während dieser Klassenfahrt von seiner Aufsichtspflicht entbunden wird, sollte er natürlich auch privat für seine Kosten aufkommen! Die grundsätzliche Frage lautet also: WIRD er davon entbunden? ;-)

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Orthoklas 23.10.2018, 20:06
8. Logo

Wenn in der privaten Wirtschaft Dienstreisen von Arbeitgeber komplett bezahlt bzw. vergütet werden müssen, dann darf man das auch wohl im Öffentlichen Dienst erwarten. Der Stellenwert der Bildung ist in diesem Land ohnehin höchst bedauernswert.

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titoandres 23.10.2018, 20:07
9. @Spiegelleser

"Man muss es aber nicht übertreiben und extrem weit wegfahren oder fliegen. Das kann jedes Kind mit seinen Eltern im Urlaub tun." Stellen Sie sich vor, dem ist nicht so. Es gibt Kinder und Jugendliche, die aufgrund der finanziellen Situation noch nie im Ausland waren. Reisen bildet. Es ist wichtig, dass Schüler Rom oder Paris sehen, wenn wir von ihnen warten, dass sie offen für andere Kulturen sind und sich mit der Geschichte unsere Zivilisation beschäftigen. Lehrer, die sich dafür in den Dienst stellen, verdienen unseren Respekt. Wer mit eigenen Kindern , zwei Teenagern, eine Stadtreise mit kulturellen Tätigkeiten gemacht hat, soll mal daran denken, wie es wäre, mit über 20 Teenagern unterwegs zu sein, die alle unterschiedliche Vorstellungen vom Alltag haben.

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