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Coaching für Sensible: Raus aus der Kellner-Falle!
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Feinfühlige Menschen dienen oft anderen statt sich selbst. Und am Ende sind alle unglücklich, beobachtet Karrierecoach Martin Wehrle. Deshalb: im eigenen Leben lieber Koch als Kellner!

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Business Ethics 02.05.2017, 13:00
10.

Zitat von unaufgeregter
Bin mit 18 ausgezogen in die eigene Wohnung und habe es nie bereut. ...
Das ist natürlich "ideal", aber damit waren Sie vermutlich in einer sehr glücklichen Position, die Sie von vielen anderen Menschen in diesem Alter unterschieden hat.

Entweder hatten Sie genug Geld, sich Ihre eigene Wohnung zu finanzieren - entweder weil Sie eben "Geld hatten", finanziert durch die Eltern oder andere, oder Sie haben eine Ausbildung gemacht statt studiert bzw. Bafög erhalten. Auf jeden Fall waren Sie in der glücklichen Lage, nicht von Ihren Eltern abhängig zu sein - Glückwunsch, denn das ist nicht Standard!

Ich kenne Menschen, bei denen es genau anders war: sie durften ihr Wunschstudium nicht machen, sondern lediglich das, welches die Eltern ausgewählt hatten, und das auch nur am von denen bestimmten Ort, sprich dem Heimatort. Druckmittel: sie bekamen kein Bafög und hätten ihre Eltern schon verklagen müssen, um das Wunschstudium am Wunschort (zumindest teil-)finanziert zu bekommen. Das wurde zumindest einer mir bekannten Person genauso von ihrem Vater gesagt: "dann musst Du mich verklagen". Ich glaube kaum, dass ein frischgebackener Abiturient dies durchzieht. Ob diese Person heute glücklich ist oder nicht, Koch oder Kellner? Gute Frage, weiß ich leider nicht...

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Business Ethics 02.05.2017, 13:02
11.

Zitat von sponcon
Lieber bin ich Kellner. Dann kann ich den Koch so richtig maß nehmen. Der Kellner ist das Bindeglied zwischen Küche und Gast. Und wenn die Küche Sche...e baut, soll sie es auch ausbaden. Trifft auch auf andere Lebensbereiche zu.
Da haben Sie etwas nicht verstanden, befürchte ich! Das Essen ist auf jeden Fall auf dem Weg zum Gast verdorben. Als es die Küche verließ, war es jedenfalls noch in Ordnung. Immer. Ohne wenn und aber.

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Olaf 02.05.2017, 13:43
12.

Zitat von kfp
In manchen Fällen mag das zutreffen, dass man sich besonders getroffen fühlt, wenn man sich insgeheim "ertappt" sieht. Wenn ich aber daran denke, wann mich selbst Vorwürfe am schwersten getroffen haben, war das nicht in solchen Fällen, sondern wenn ich "unbesehen" nach Vorurteilen be-/verurteilt wurde. Oft nachdem ich monatelang Arbeit und Ideen in mein Projekt gesteckt hatte und dabei auch nicht vernachlässigt hatte,dass meine Handschrift den Beteiligten bekannt war. Wenn man dann aber alles in einem Kommentar nach den absolut unzutreffendsten Stereotypen beiseite gewischt sieht, trifft das von der übelsten Seite. Vermutlich, weil hier alle Möglichkeiten zum Widerspruch bzw. Beweis des Gegenteils zwecklos sind, weil man erkennen muss, dass das. Gegenüber auf dem Auge sowieso blind ist und nichts abweichend von seinen Vorurteilen Chancen hat, zu ihm durchzudringen.
Was Herr Wehrle meint, ist sich nicht zu abhängig zu machen von der Anerkennung anderer. Natürlich ist es enttäuschend, wenn Ihre Leistungen so wenig gewürdigt werden.

Aber wenn es Sie wirklich tief und persönlich trifft, dann sollte man sich fragen, warum das gerade hier so ist, denn dann ist auch immer etwas Herzblut im Spiel gewesen.

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syracusa 02.05.2017, 13:45
13.

Zitat von Business Ethics
Da haben Sie etwas nicht verstanden, befürchte ich! Das Essen ist auf jeden Fall auf dem Weg zum Gast verdorben. Als es die Küche verließ, war es jedenfalls noch in Ordnung. Immer. Ohne wenn und aber.
Mein Bruder ist Koch, und während seiner Lehrzeit bekam sein Lehrrestaurant tatsächlich einen Michelin-Stern. In der Kritik stand zu lesen, dass es wohl sogar zwei Sterne geworden wären, wenn der Service nur besser funktioniert hätte. Sie dürfen es mir glauben, dass die Köche dann viele informelle Wege gefunden haben, sich an den Kellnern zu rächen und sie auf Trab zu bringen.

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Hans_Suppengrün 02.05.2017, 14:15
14.

Zitat von syracusa
Mein Bruder ist Koch, und während seiner Lehrzeit bekam sein Lehrrestaurant tatsächlich einen Michelin-Stern. In der Kritik stand zu lesen, dass es wohl sogar zwei Sterne geworden wären, wenn der Service nur besser funktioniert hätte. Sie dürfen es mir glauben, dass die Köche dann viele informelle Wege gefunden haben, sich an den Kellnern zu rächen und sie auf Trab zu bringen.
Haben Sie eigentlich verstanden, dass die Koch und Kellner-Rollen in dem Artikel bloß als Metapher benutzt werden???

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antandre 02.05.2017, 14:27
15. @murksdoc #9

Die Eltern haben aber das Kind so erzogen, dass es entweder nicht mehr weiß, was es will, weil es so zugeschüttet ist mit Erwartungen und mit Regeln gegen Intuition und Gefühl und auch Vernunft, dass es seinen eigenen Willen nicht mehr spürt, oder aber es weiß noch, was es will, verspürt aber den Druck, dass es aus der Familie "ausgestoßen" werden könnte. Die Erziehung durch Liebesentzug ist ja immer noch gängige Praxis, insbesondere bei Elternhäusern, bei denen gilt, dass man vor Nachbarn, Freunden und "Gleichwertigen" bestehen muss mit wohlerzogenen, erfolgreichen Kindern.

Kinder kommunizieren nur dann nicht, was sie wollen, wenn sie gelernt haben, dass das nicht zählt. Kinder verstummen, wenn sie merken, dass die Eltern sich um das Gesagte nicht scheren. Die Eltern SIND in der Verantwortung für die Antwort auf die Frage, ob sie es richtig gemacht haben beim Aufziehen ihres Kindes, dh. kann sich das Kind selbst glücklich machen mit seinen Entscheidungen oder wird es eine Marionette von eingetrichterten Erwartungen und rennt durch die Welt in dem Glauben, dass es nur andere befriedigen müsste, dann würde es geliebt, geachtet, belohnt. Wer sich selbst lieben und achten kann, wurde auch von den Eltern als Kind geliebt und geachtet. Und wer für sich selbst gute Entscheidungen trifft, durfte bei den Eltern lernen, dass sie die Entscheidungen ihres Kindes 1.hören wollten, 2.akzeptiert habe, 3.unterstützten, denn als Kind kann man ja nicht jede Entscheidung allein auch verwirklichen. Es ist natürlich logisch, dass das Kind nicht immer allein entscheiden kann, deswegen ist die Sensibilisierung der Eltern dafür, wie ein Kind seine Wünsche äußert, wichtig, dann WANN es wirklich was allein entscheiden kann, und dass man dem Kind nicht den Willen bricht, dh. richtig umgehen lernt mit einem zornigen Kleinkind usw.

Es liegt an der Erziehung der Eltern, wenn sie nie zuhören, nie wissen wollen, was dem Kind wichtig ist, dem Kind die Liebe entziehen, wenn es Erwartungen nicht erfüllt, dem Kind nicht ermöglicht haben, seine eigenen Entscheidungen zu treffen und als ElternumWELT diese wohlwollend und unterstützend aufzunehmen. Die Eltern sind die erste Welt, in der eine Kind bestehen muss, und die Erfahrungen überträgt es später auf alles. Ich sage nicht, dass das immer böse von Eltern gemeint ist, wenn sie denken, das Kind hätte noch nicht den nötigen Weitblick und deswegen sollte es besser auf die Eltern hören. Aber die Eltern können sich eben auch nicht aus der Verantwortung ziehen, wenn das Kind später sagt, es hätte gern einen anderen Lebensweg probiert. Und oft genug setzen die Eltern ihren Willen einfach nur durch, ohne dass es nötig wäre, einfach, weil es bequemer ist als sich mit dem eigenen Selbstwertgefühl auseinanderzusetzen und mal zu akzeptieren, dass man sich über Kinder nicht profiliert. Oder weil es bequemer ist, die Mehrarbeit und Aufmerksamkeit dem Kind nicht zu geben, die die Unterstützung seiner eigenen Entscheidungen erfordern würden. Deswegen ist es genauso eine Schutzfunktion der Eltern, um sich aus der Verantwortung zu stehlen, wenn sie dann sagen "du warst doch 18 und konntest allein entscheiden, was du willst".

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dr.eldontyrell 02.05.2017, 14:45
16. Binsenweisheiten

Klar kann ich mir jeden Tag vorbeten, was für ein toller Hecht ich bin.
Deckt sich nur weder mit meinem Bauchgefühl noch mit meiner Gehaltsabrechnung.
Good guys finish last these days.
Das leben ist fad.

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kfp 02.05.2017, 18:09
17. nicht ganz

In manchen Fällen mag das zutreffen, dass man sich besonders getroffen fühlt, wenn man sich insgeheim "ertappt" sieht. Wenn ich aber daran denke, wann mich selbst Vorwürfe am schwersten getroffen haben, war das nicht in solchen Fällen, sondern wenn ich "unbesehen" nach Vorurteilen be-/verurteilt wurde. Oft nachdem ich monatelang Arbeit und Ideen in mein Projekt gesteckt hatte und dabei auch nicht vernachlässigt hatte,dass meine Handschrift den Beteiligten bekannt war. Wenn man dann aber alles in einem Kommentar nach den absolut unzutreffendsten Stereotypen beiseite gewischt sieht, trifft das von der übelsten Seite. Vermutlich, weil hier alle Möglichkeiten zum Widerspruch bzw. Beweis des Gegenteils zwecklos sind, weil man erkennen muss, dass das. Gegenüber auf dem Auge sowieso blind ist und nichts abweichend von seinen Vorurteilen Chancen hat, zu ihm durchzudringen.

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paddy_reilly 02.05.2017, 18:34
18. Wunschstudium am Wunschort

Zitat von Business Ethics
[...] Ich kenne Menschen, bei denen es genau anders war: sie durften ihr Wunschstudium nicht machen, sondern lediglich das, welches die Eltern ausgewählt hatten, und das auch nur am von denen bestimmten Ort, sprich dem Heimatort. Druckmittel: sie bekamen kein Bafög und hätten ihre Eltern schon verklagen müssen, um das Wunschstudium am Wunschort (zumindest teil-)finanziert zu bekommen. Das wurde zumindest einer mir bekannten Person genauso von ihrem Vater gesagt: "dann musst Du mich verklagen". Ich glaube kaum, dass ein frischgebackener Abiturient dies durchzieht. Ob diese Person heute glücklich ist oder nicht, Koch oder Kellner? Gute Frage, weiß ich leider nicht...
Na ja, man muß sich das halt auch leisten können, das Wunschstudium am Wunschort in der Wunschwohnung. Ich war schon froh, überhaupt studieren zun können.

Und ob man es beim Wunschstudium zum Koch gebracht hätte, weiß man auch nicht. Vielleicht nicht mal zum Kellner.

Im Übrigen: Auch die Eltern haben Wünsche und können sich nicht immer alle erfüllen.

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kfp 02.05.2017, 23:42
19.

Zitat von Olaf
Was Herr Wehrle meint, ist sich nicht zu abhängig zu machen von der Anerkennung anderer. Natürlich ist es enttäuschend, wenn Ihre Leistungen so wenig gewürdigt werden. Aber wenn es Sie wirklich tief und persönlich trifft, dann sollte man sich fragen, warum das gerade hier so ist, denn dann ist auch immer etwas Herzblut im Spiel gewesen.
Auf der Arbeit bin ich aber dummerweise abhängig von der Anerkennung anderer - ob ich "nur" 8h am Tag durchstehen muss oder ob die nächste Vertragsverängerung bzw. Aufkündigung des aktuellen Lebens, Hobbies, Freundeskreis usw. und der nächste Umzug ans andere Ende der Republik daran hängt. So ist es leider nicht immer nur "enttäuschend", wenn man sich an Vorurteilen und Scheuklappendenken die Zähne ausbeißt, sondern ein existenzieller Eingriff ins eigene Leben. - Und da trifft es einfach deutlich stärker, wenn man unfair beschuldigt wird und keine Chance sieht, sich zu wehren, als wenn sich man "nur" bei einer eigenen (tatsächlichen) Schwäche ertappt sieht und dann "nur" mit seinem inneren Schweinehund kämpfen müsste, (berechtigte) Kritik an sich heranzulassen. In letzterem Fall hat man nämlich zumindest noch eine Möglichkeit, selbst Einfluss zu nehmen, während man im ersteren geknebelt und mit gebundenen Händen da sitzt und sich niedermachen und zerstören lassen muss... (Und jeder Widerspruch und Gegenbeweis wird einem so lange im Mund umgedreht, bis er wieder zum vorgefertigten Weltbild des Gegenübers passt.)

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