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Coaching-Kultur: "Menschen verwandeln sich in Schmalspur-Persönlichkeiten"
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Die sogenannte Coaching-Kultur verbreitet sich schneller als ein Grippe-Virus, findet unsere Autorin - und grübelt, welche Sätze sie am meisten nerven.

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rudi-ratte 22.04.2019, 08:43
40. ein Paradox:

Tatsächlich breitet sich die Coaching-Kultur ebenso aus wie die Psychotherapie-Kultur. NLP ist dafür ein gutes Beispiel: 3 Lügen in einem Begriff: NEUROwissenschaften werden bestenfalls als Metapher benutzt ebenso wie LINGUISTIK und PROGRAMMIERT wird da gar nix!
Woher kommt der hohe Bedarf? - Speziell in der deutschen Kultur sind wir gerne selbst-Gestrickt und kautzig-autark. Im Sinne: ich brauche nichts, kann alles selbst! Symbolisiert wird das ganz gut in der Verwendung des verbalen Mode-Füllstoffs: "Alles Gut" was man teils entgegengeschleudert bekommt, wenn man Jemandem auf der Strasse Hilfe anbieten möchte.
Wir brauchen keine Fotografen weil wir ja mit dem Mobilphone selbst fotografieren können, keine Grafiker weil wir selbst ein DTP-Programm auf dem Rechner haben usw...
Diese sich selbst vorgegaukelte Autarkie findet sich auch hier im Forum weder wenn Leute mit dem Hinweis:"habe selbst ein Gehirn" ... "kann selbst denken" sich vormachen, Handlungen und Entscheidungen werden ausschliesslich bewusst und auf der Basis eines freien Willens initiiert.
So kippt die Autarkie dann - oft wenig reflektiert - in ihr Gegenteil um. Insbesondere wenn man nichts dafür bezahlen muss (sondern Firma, Krankenkasse oder sagen wir einfach "Mama") und bei Psychotherapie: wenn de anderen meine Hilfsbedürftigkeit nicht mitbekommen!
Wenn dann noch Rattenfänger Angst und Trauer als Krankheit definieren und mit pseudowissenschaftlichen Begriffen klimpern, dann haben sich die Richtigen gefunden.
Ich bin Psychotherapeut, helfe gerne Menschen mit schweren seelischen Erkrankungen, Menschen die sich einfach ausheulen wollen verweise ich auf ihr soziales Netzwerk und nehme sie nicht in Behandlung.

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droptableall 22.04.2019, 08:46
41.

Sind Menschen die zum Psychologen gehen auch Schmalspurpersönlichkeiten? Ich verstehe was gemeint ist, finde es aber grenzwertig, Menschen die Hilfe suchen so zu platt und pauschal in einem Artikel zu diffamieren. Ein Schmalspurjournalismus, der auf die Schwachen haut.

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sysadm53 22.04.2019, 08:47
42. Meine Erfahrung: Coaching ist mehr

Der Blick des Autors auf Coachings scheint doch sehr eingeschränkt zu sein. Anscheinend hat er schlechte Erfahrungen bei (schlechten?) Coachings gemacht. Das Ziel von Coachings ist es doch nicht Menschen zu indoktrinieren und sie dazu zu bringen ihre Persönlichkeit aufzugeben oder gar zu dressierten Äffchen zu machen. Vielmehr sollen durch strukturierte Kommunikation Möglichkeiten erarbeitet werden, nicht nur berufliche Herausforderungen vernünftig bewältigen zu können. Im Beruf habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass Coachings sinnvoll sind. Besonders für die jungen neuen Mitarbeiter, um Defizite ihrer Erziehung zu kompensieren und bei Führungskräften, die nicht führen können und der Meinung sind, dass aufgrund ihrer Position sie ohne hin über den Dingen schweben. Bei differenzierterer Reflexion lassen sich sicherlich viele Beispiele finden, wo Coachings helfen können;)

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dr.mischke 22.04.2019, 09:09
43. Coaching

Der nicht nur beliebte Peter Sloterdijk
nennt Menschen , die vom coaching leben,
Beratergockel!

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siri_paibun 22.04.2019, 09:10
44. was ist schlecht daran, von Erfahrung zu lernen?

Lassen wir mal dieses dämliche Wort Coach weg. Erinnert immer so an cockroach.
Nennen wir ihn mal Trainer oder Lehrer. Das passt besser.
Warum gibts die eigentlich? Weil heutzutage die Vorgesetzen nicht mehr mehr Fachwissen haben, als der, den Sie beaufsichtigen. Vorgesetzte haben heute andere Fähigkeiten. Und wenn Sie die Leute fachliche fördern wollen, brauchts halt einen der das kann. Ist auch ok. Der Werkstattmeister als oberste Kompetenz hat halt in vielen Bereichen ausgedient, oder es gab ihn noch nie. Schauen wir mal in eine Arztpraxis. Der Herr Doktor ist bestimmt ein cleverer Bursche, aber von Büroorganisation ist er fachlich nicht so tangiert. Also werden Coache der Pharmaindustrie eingeladen. Die machen das auch fast umsonst, wenn man das richtige Softwareprodukt nimmt. ok, böse, ich weis.
Und in der restlichen Welt treiben sich Herrschaaren von selbsternannten Coaches rum und grasen den Markt ab. Das sind keine Lehrer. Das sind Gleichmacher. Die bringen die Herrscharen des Headset-Proletariats dazu, an der richtigen Stelle mit der richtigen Betonung genau das Gleiche zu sagen. Das ist für das Callcenterpartikel nicht mal schelcht. Es senkt für den Kollegen den Stresslevel. Man kann auf Automatismen zurückgreifen. Sagt der Kunde jenes, erwidere ist das. Ganz einfach. Und dass wird dann in Rollenspielen solange vor aller Augen trainiert, bis auch der letzte die Scham verloren hat und sich in seine Rolle als Äffchen eingefügt hat. Das Blöde ist nur, genau wie im Artikel zu lesen ist, der Kunde merkt das immer sehr schnell. Diese Floskeln und unauthentischen Gesprächsverbrämer bewirkeln beim geübten Kunden, Kollegen, Mitarbeiter oder Untergebenen sehr schnell das Gegenteil.

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les2005 22.04.2019, 09:10
45. Polemik aus der Froschperspektive

Zitat von timtom2222
Na das Problem ist doch, damit völlig ungeeignete Personen zu Führungskräften befördert werden. Da Sie zwischen menschlich völlig ungeeignet sind, meint die Geschäftsleitung (nach dem Coaching Geschäftsführung) ein Coaching würde alle Probleme lösen. Das Hauptproblem ist jede Führungskraft hört sich gleich an und stellt keine Persönlichkeit da!
ok, halten wir fest:. Jede Führungskraft ist Mist, und Coaching kann daran auch nichts ändern.
Die Kommentare hier erinnern mich an die 80 Millionen Fußballtrainer im Land, die es alle besser könnten, aber leider müssen sie die hauptamtlichen Stümper ertragen. So ähnlich ist es dann wohl auch mit den Führungskräften. Die geborenen Führungskräfte dürfen leider nicht führen, während die Ungeeigneten vergeblich gecoacht werden. Hm....

Wir leben ja im Zeitalter der hochgelobten Authentizität, wo sich jeder Dschungelcampbewohner und Teilnehmer sonstiger Shows von Talentfreien in die Brust klopfen kann und sich dafür loben, daß er sich jedenfalls treu geblieben sei, denn das sei ja das Wichtigste überhaupt. Wirklich?

Jeder hat täglich mit Vorgesetzten zu tun (wobei sich Coaching ja nicht auf Vorgesetzte beschränkt), und kann darüber viel Negatives berichten. Gleichzeitig scheinen viele die Vorstellung zu haben, zur guten Führungskraft werde man geboren. Woher kommt diese Sicht? Andere anzuleiten, Konflikte zu moderieren, Lösungen auszuverhandeln ist etwas, das man genauso lernen kann und muß wie praktisches arbeiten oder Fachwissen.

Natürlich ist es schwieriger, persönliches Verhalten zu ändern als einen neuen Handgriff zu erlernen, und ich teile die Skepsis, wie oft das gelingt. Es mag auch schlechte Coaches geben - ich habe aber auch einige gute kennengelernt. Der Rest ist dann an die eigene Bereitschaft geknüpft, sich zu hinterfragen und sich weiterzuentwickeln.

Aber Coaching pauschal zu verdammen ist genauso sinnfrei wie Führungskräfte pauschal zu verdammen.

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neonerl 22.04.2019, 09:11
46. Leider gilt in der freien Wirtschaft zunehmend ...

.... das Prinzip "Wer nichts macht, macht keine Fehler, und wer keine Fehler macht wird befördert" zu. D.h. auf gar keinen Fall etwas ausprobieren oder vielleicht sogar einen erkannten Fehler korrigieren. Stattdessen wird sich mit allen im Umfeld abgestimmt und der Fehler vertuscht, so daß er nicht sichtbar wird. Dazu ist es aber unabdingbar, daß man nie jemanden auf die Füße tritt und immer nett zu allen ist. Dafür liefert Coaching das ideale "Framework". Personen mit Charakter und Anstand wechseln lieber in den Mittelstand. Der kann sich sowas nämlich nicht leisten. Falls jetzt jemand nach Beispielen fragt: z.B. der ganze Abgasskandal konnte nur durch solches Duckmäusertum erst diese Dimensionen erlangen. Jeder deckt jeden.

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bluebill 22.04.2019, 09:16
47. Zeitgeist

Wenn es nach der Welt der Coaches und Gecoachten geht, jagen wir alle fragwürdigen Idealen nach. Alle müssen möglichst gleich jung aussehen, gleich schlank, fit und "gesund" sein, dieselbe farblose, inhaltsarme, politisch korrekte Handbuchsprache sprechen. Und natürlich auch so denken. Allerdings immer mit Blick auf den eigenen Vorteil, denn jeder soll ja "weiterkommen " - wohin eigentlich? Als Oberroboter unter anderen Robotern? Die völlige Einschränkung des ganzen Wesens auf das pure Funktionieren ist skurril. Essen wird zur reinen Nährstoffzufuhr, Kultur und Reisen zu reinen Statussymbolen, ohne die Inhalte zu erfassen. Empfindungen sind tabu, außer Floskeln wie "großartig" und "interessant". Und worüber wir gerade nachdenken sollen, was wir schön finden oder abstoßend, was wir kaufen und was wir vermeiden, geben uns Twitter, Instagram und Facebook vor. Die Menschen mutieren zu lebenslanger Kindheit, unmündig und leicht zu beeinflussen. Fragt sich natürlich, wer sie dann lenkt und wohin.

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haresu 22.04.2019, 09:19
48. Freiwillige Selbstentkernung

Völlig richtig! Man sollte allerdings nicht glauben, dass der Charakter erst in diesen Veranstaltungen verloren geht. Der fehlt vorher schon und die Lust zu denken auch. Das beschriebene Kauderwelsch ist nur das äußere Zeichen für die Bereitschaft sich einzufügen und bei vielen dürfte tatsächlich die eigene Stromlinienförmigkeit ein Selbstzweck sein, die Hoffung auf Anerkennung wichtiger als Erfolg im engeren Sinne oder gar die eigene Machtausübung, die beide aber natürlich auch eine wichtige Rolle spielen. Ergebnis ist jedenfalls die Verfestigung von Machtstrukturen und die Unterdrückung kreativen Potentials.

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johnnywaters 22.04.2019, 09:22
49. Osterloch?

Na das ist ja mal ein dünner Beitrag. Es wird verallgemeinert, statt mit Beispielen zu arbeiten, und eigentlich nur eine Berufsgruppe abgekanzelt, indem man sich als Opfer einer solchen geriert. Niemand zwingt Sie, liebe Autorin, einen Coach zu nehmen. Das ist wie beim Tennis, da können Sie mit Trainer arbeiten, müssen aber nicht. Bleibt ganz Ihnen überlassen. Sie sind ja erwachsen, und können selbst entscheiden, nicht wahr. Offenbar geht es Ihnen jedoch hier darum, zu polarisieren, was ja auch gelingt, wie man an vielen Kommentaren sieht. Da kann der Coach nur lachen, vermutlich bräuchten Sie einen, der Ihnen das alles noch mal erklärt.

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