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Coaching-Kultur: "Menschen verwandeln sich in Schmalspur-Persönlichkeiten"
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Die sogenannte Coaching-Kultur verbreitet sich schneller als ein Grippe-Virus, findet unsere Autorin - und grübelt, welche Sätze sie am meisten nerven.

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Andreas P. 22.04.2019, 09:34
50. Das Ergebnis des Marktes

Diese Situation ist das Ergebnis eines Marktes, wo nur die verdienen, die Coaching-Seminare und Zertifikate für Coaches anbieten. Ein guter Coach sollte selbst erfolgreich im Leben (ausserhalb des Coaching) gewesen sein. Aberheute machen Hausfrauen und im Berufsleben gescheiterte eine Ausbildung zum Coach. Das ist eine Gefahr für die Menschheit. Aber man muss sich ja nicht darauf einlassen.

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expressionist 22.04.2019, 09:41
51. Das kenne ich gut

Ja, ich habe auch den Fehler gemacht, dass ich zu wenig bei mir selbst war in jüngster Vergangenheit. Viele Kollegen habe Ängste und versuchen, diese sich weg-coachen zu lassen. Letzten Endes will niemand Schwäche zeigen. Darum geht es und das ist der Knackpunkt.

Ich hatte in einem aufgezwungenen Chef-Gespräch einmal bemerkt, dass ich meine Arme verschränke (Abwehrhaltung). Nach kurzem Gedankenblitz wurde mir klar, dass ich das nicht überspielen will. Ich blieb in meiner Abwehrhaltung, so fühlte ich mich auch. Natürlich wurde ich im laufenden Gespräch auf meine Körperhaltung angesprochen mit dem Hinweis, dass dies ein Schuldeingeständniss wäre, kein Scherz.

Ich denke, wenn wir lernen, wieder Schwäche zu zeigen, dann werden wir auf dem Weg der Ehrlichkeit weiter kommen und über unsere wahren Bedürfnisse zu reden lernen.

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mintyapple 22.04.2019, 10:02
52. Des Kaisers neue Kleider?

Zitat von norobato
komisch, die ganzen negativen Meinungen hier. Noch nie ein positives Coaching erlebt? Ich schon, mit einer klaren Analyse einer bestehenden unbefriedigenden Ausgangssituation und dem gemeinsamen Finden von möglichen Lösungen. Nicht viel anders als eine gute Mediation (kein Tippfehler), bei der man sich mit sich selbst auseinandersetzt und einen Weg findet, seine Energie sinnvoll einzusetzen. Da gab es auch keine "Phrasen", sondern kreative Umsetzung in Eigenverantwortung.
Ich frage mich auch, wovon in dem Artikel und in den Beiträgen hier eigentlich die Rede ist. Will jetzt keiner zugeben, dass er überhaupt nicht weiß, was Coaching ist?

Ein Coach schreibt den Coachees nicht vor, was und wie sie zu denken oder was für Sätze sie von sich zu geben haben, sondern er/sie stellt gezielte Fragen, mit deren Hilfe der Coachee Antworten findet, auf die er/sie nur selber kommen kann. Ich habe damit im Rahmen eines Karrierewechsels auch überaus positive Erfahrungen gemacht.

"Sie hat da einen Punkt" und dergleichen (wo jetzt? auf der Nase?) löst bei mir zwar auch allergische Reaktionen aus, aber was hat das mit Coaching zu tun?

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inmyop 22.04.2019, 10:02
53. Wer bezahlt die Rechnung...

...eines Coachings? Wir haben seit mehreren Jahren eine neue Geschäftsführung, nach dessen Einsetzung mehrere Kolleginnen/Kollegen den Dienst quittiert haben. Die Stimmung hat sich seitdem deutlich verschlechtert. Um diesem Stimmungsabfall entgegen zu wirken, wurden mehrere professionelle Team-Coachings veranstaltet. Die Coaches hatten alle eine langjährige Ausbildung und Erfahrung, Internetauftritt mit Referenzen etc. Das eigentliche Problem, die mangelhafte Führung, wurde thematisiert, aber keine Konsequenzen gezogen. Stattdessen wurde das Rumpfteam, welches immer schon gut zusammen gearbeitet hat, tatsächlich einem Team-Coaching unterzogen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Die Empfehlung hätte lauten müssen, die Führungsebene zu verändern oder sogar auszutauschen. Es geht beim Coaching nicht um Ehrlichkeit, sondern um gefügig machen. Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Ganz einfach.

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Sybille Paas 22.04.2019, 10:05
54. starke Klienten

... am liebsten würde ich Sie gern mal Mäuschen spielen lassen, bei meinen Coachings, dann könnten Sie sich einen Eindruck von meinen starken Klienten machen, das sind tolle, reflektierte Menschen, die (mitunter sehr) viel Verantwortung tragen. Ab und zu nehmen Sie sich einen Sparringspartner, um auf sich drauf zu schauen. Klar bin ich subjektiv, wenn ich als Coach sage, das ist eine gut investierte Zeit, auf sich zu achten - es ist mir ein Rätsel, dass Menschen soviel Zeit & Geld in Äußeres investieren (Wimpern, Lippen, Nägel, Botox) und dabei innerlich auf der Strecke bleiben...

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wasistlosnix 22.04.2019, 10:10
55. Arbeitsmarkt 50+

Was braucht ein Coach. Ein gewisses Lebensalter. Die Aussicht keine oder nur noch eine schlechte Festanstellung zu bekommen. Menschen die an Ratgeber und Kalenderblätterweisheiten glauben. Schon ist ein Arbeitsmarkt für die Generation 50+ geschaffen.

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heidschnucke 22.04.2019, 10:20
56.

Zitat von new#head
Coaching und Coach sind in diesem Land keine geschätzten Begriffe. Also darf sich jeder so benennen. Es fühlen sich auch viele berufen Coach zu sein und experimentieren an Menschen herum. Ein Coach wird nie versuchen Persönlichkeit und Authentizität " weg zu coachen". Im Gegenteil, gerade Führungskräfte leben von Ihrer Identität. Coaching hat auch nichts mit dem erlernen von Weichspülerphrasen zu tun. Da wird vieles falsch verstanden.
"Geschätzte Begriffe"? You made my day!

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padberx 22.04.2019, 10:20
57. Coaching ist ein Angebot

In dem Kommentaren kommt viel methodische Unkenntnis über Coaching zum Ausdruck, deshalb hier mal ein kurzes Statement aus der gelebten Praxis: Als Coach agiert man als professioneller Sparringspartner und unterstützender Ratgeber, nicht als Manipulator. Als systemischer Coach etwa bietet man seinen Coachees die Möglichkeit zur begleiteten Selbstreflexion an. Dabei wird keineswegs das Hirn des Coachees abgeschaltet, sondern ganz im Gegenteil: Zunächst wird die vom Coachee wahrgenommene Herausforderung genau umrissen und kritisch hinterfragt, damit man weiß, ob man wirklich auf der richtigen 'Baustelle' unterwegs ist. Erst danach beginnt die gemeinsame Suche nach möglichen Lösungswegen, die im geschützten Umfeld eines vertraulichen Gesprächs jenseits von hierarchiebedingten Interessenkonflikten oder sonstigem Konfliktpotenzial diskutiert und an eigenen Erfahrungen gespiegelt werden können. Auf diese Weise findet der Coachee somit letzten Endes selbst die am besten für ihn geeignete Lösung für seine Herausforderung. Menschen, die für die Lösung von Problemen ohnehin nur auf sich selbst vertrauen und keinerlei Ratschläge in Anspruch nehmen wollen (hiervon scheint es im Forum einige zu geben ...), sind somit für ein Coaching ungeeignet - das ist dann auch für den Coach einfach nur vergebliche Liebesmüh' ...

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kleinsteminderheit 22.04.2019, 10:26
58. Normierung statt Entfaltung der Persönlichkeit

Gut gemachtes Coaching fördert die Entwicklung der Persönlichkeit durch Entfaltung der individuellen Fähigkeiten und Neigungen.

So viel zur Theorie. In der Praxis sind die Coaches häufig eher unfreie Geister, die auf eine Normierung ihres Klientels hinarbeiten. Bei Coaches hat es häufig nicht zum Psychologen, Lehrer oder Priester gelangt. Die Ausbildung ist dünn, der didaktische Werkzeugkasten schlecht bestückt.

Dafür haben sie klare, allgemeingültige Zielvorstellungen und fürchten nichts mehr, als Kunden mit ausgeprägter Persönlichkeitund Lebenserfahrung, die nicht in das One fits All Konzept passen.

Das Bildungsideal des Alexander von Humboldt fordert Bildung als Grundlage der individuellen Freiheit und eine kritische Auseinandersetzung mit jeglichen Lehrinhalten. Coaches arbeiten meist mit Glaubenssätzen. Sie fordern unkritische Gefolgschaft sowie Orientierung an vorgegebenen Zielen und Normen. Statt Fähigkeiten individuell zu fördern, zwängen sie diese in Korsetts. Statt Persönlichkeiten zu entfalten, formen sie diese gemäß den Anforderungen ihrer Auftraggeber.

Coaching ergibt nur dann Sinn, wenn der Klient selber über Zielsetzung des Coachings und Wahl des Coaches entscheiden kann. Aber das ist, wie gesagt, meist nur Theorie.

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oliviarubia 22.04.2019, 10:30
59. Aus einer Kreisliga-Truppe wird auch keine Bundesliga-Mannschaft

Nach mehrmaligem Lesen ist mir weiterhin unklar, was uns dieser Beitrag sagen soll. Die Autorin ist persönlich unzufrieden mit Führungskräften, die ein Coaching durchlaufen haben und zeigt nun auf die Coaching-Branche mit dem bewertenden Zeigefinger. Ja? Gut, es ist eine Glosse, da darf man das. Fakt ist, dass Führungskräfte, die sich jahrzehntelang erfolgreich im "kissing up/kicking down" generiert haben, in Zeiten stetigen Wandels plötzlich spürbar an ihre Grenzen kommen. Plötzlich sollen sie mutig sein, Verantwortung übernehmen und gerne auch Fehler zugeben. Also, alles Dinge, die sie in ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn tunlichst vermieden haben. Probleme damit? Dann sollte ein Coaching helfen. Tut es aber dann nicht, wenn die gecoachte Person a) sich gar nicht in Frage stellen will und b) auch nie wirklich führen wollte (sondern nur Karriere machen). Ein Coaching macht aus einer mittelmäßigen Führungskraft keinen Überflieger. Aus einer Kreisliga-Truppe wird durch einen guten Coach keine Bundesliga-Mannschaft. Vielmehr ist es die Aufgabe eines Coaches, dem Coachee dabei zu helfen, sich über die eigenen Stärken und Schwächen bewusster zu werden. Das mag auch dazu führen, dass eine vermeintliche Führungskraft nach einem Coaching gar nicht mehr führen will, weil man die Stärken ganz woanders sieht. Zuletzt: Ja, die Coaching-Branche ist ein Wirtschaftszweig genau wie bei Steuerberatern oder Elektrikern. Da gibt es topp-Leute auch auch Scharlatane. Am Ende entscheidet der Kunde, was für ihn passt. Nochmal zur Ausgangsfrage: War es das, was die Autorin uns sagen wollte?

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