Forum: Karriere
Das Votrags-Einmaleins: Jetzt rede ich!

Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie sollten jetzt mit Ihrer Rede anfangen. Ja, genau jetzt. Aber wie fängt man das Publikum ein und verhindert, dass es nach wenigen Minuten wegdämmert? Management-Berater Rüdiger Klepsch hat einige Tipps parat.

lizard_of_oz 08.08.2011, 10:20
1. Noch etwas ganz wichtiges für die geplagten Zuhörer

Bei einer Power Point Präsentation hat der Vortragende stets die noch folgende Anzahl an Folien anzugeben, also etwa so: Folie 1/20. Das macht es besonders bei langweiligen Vorträgen einiges erträglicher zu wissen, wie lange man es noch aushalten muss. Es gibt bei langweiligen, etwa formelüberfrachteten, Vorträgen nichts schlimmeres, als wenn bei Folie 40 kein Ende abzusehen ist. Das sind dann wie gefühlte 120 Folien und jede weitere sind wie gefühlte fünf Folien. Ich habe es schon erlebt, dass die Leute (alles Akademiker, also mit Selbstbeherrschung) nach 20 oder 30 Folien zu grummeln beginnen oder aber bei spannenden Präsentationen auch nach 180 Folien (F&E) noch zuhören und mitschreiben, ich als Präsentierender war allerdings danach mehr tot als lebendig.

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Hamberliner 08.08.2011, 10:52
2. Auswendig lernen!

Zitat von sysop
Alle Augen sind auf Sie gerichtet. Sie sollten jetzt mit Ihrer Rede anfangen. Ja, genau jetzt. Aber wie fängt man das Publikum ein und verhindert, dass es nach wenigen Minuten wegdämmert? Management-Berater Rüdiger Klepsch hat einige Tipps parat.
Bei Fachvorträgen ist die Zeit ja üblicherweise auf genau 20 Minuten begrenzt. Ich kann deshalb nur raten, den schriftlich formulierten Vortragstext inkl. Wechsel der Folien vorher mit der Stopuhr zu üben, bis es sitzt. Damit habe ich bei meinem Rigorosum und danach im weiteren Berufsleben immer gute Erfahrungen gemacht, die Leute waren immer begeistert. Tut man dies nicht, akkumulieren sich ganz schnell kleinste Verzettelungen oder äh, öh zu einem Zeit-Defizit, oder man lässt sich aus dem Konzept schmeißen wenn jemand lacht und man weiß nicht warum.

Welche Formulierungen sich gar nicht flüssig sprechen lassen erkennt man im schriftlichen auch nicht unbedingt, das merkt man erst, wenn man es mündlich ausprobiert.

Und dann bei der Konferenz kurz vorher sich nochmal irgendwohin ins Freie verdrücken, egal ob die Leute denken man führe Sebstgespräche, und aus dem Kopf mit dem Blick auf die Uhr eine letzte Generalprobe murmeln.

Das Gegenteil ist ein Spielchen namens Powerpoint-Karaoke. Der Kandidat bekommt eine Powerpoint-Präsentation zu einem völlig überraschenden Thema, die er vorher noch nie gesehen hat, und soll hierzu improvisiert etwas vortragen.

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hman2 08.08.2011, 11:39
3. Kraftpunkt

Zitat von lizard_of_oz
Bei einer Power Point Präsentation hat der Vortragende stets die noch folgende Anzahl an Folien anzugeben, also etwa so: Folie 1/20. Das macht es besonders bei langweiligen Vorträgen einiges erträglicher zu wissen, wie lange man es noch aushalten muss. Es gibt bei langweiligen, etwa formelüberfrachteten, Vorträgen nichts schlimmeres, als wenn bei Folie 40 kein Ende abzusehen ist.
Und weil das Thema Powerpoint schon fiel, mein Tipp, bestens bewährt bei mir und vielen, denen ich diesen Rat gab:
Machen Sie am besten keinen (gar keinen) Gebrauch von den tausend Effekten in Powerpoint. Es stört nur, selbst animierte Umbrüche. Die sind spätestens dann tödlich, wenn Sie "mal schnell" etwas vor- oder zurück wollen. Keine "reinfliegenden Buchstaben", keine Blättereffekte, nix. Ganz tabu sind Soundeffekte. Wenn Ihre Präsentation andauern "zisch, wumm, peng" macht wird der beste Sachvortrag zur Lachnummer.

Am besten: Folien gestalten wie --- Folien. Einfach so wie man früher Overheadfolien baute. Große Schriften, die auch Brillenträger in der letzten Reihe lesen können, maximal 6-10 Zeilen pro Folie. Nicht zu viele Schriftgrade, maximal drei: Folientitel, Überschrift, Fließtext. Nur eine, maximal zwei Schriftfarben: Schwarz, evtl. dunkelblau.

Screenshots immer nachbearbeiten! Am besten Screenshots nur schießen, wenn der Rechner vorher auf die Auflösung 800 x 600 gestellt wurde, denn dann kann man verkleinerte Darstellungen davon in der Präsentation noch lesen. Nur dann. Außerdem: keine Hintergründe. Ausschnittvergrößerungen wo sinnvoll, wichtiges mit Kreis oder Pfeil markieren.

Eingearbeitete Fotos vorher auf Beamerauflösung (75 bis 100 dpi) runterrechnen, dann lädt die Präsentation schneller, da die Dateigröße drastisch sinkt. Bei Grafiken: Keine Grafiken mit mehr als 10-15 Elementen, mehr sieht sich kein Mensch an.

Was auflockernd wirkt: Falls verfügbar ein einzelnes Video, das dann aber bitte formatfüllend vorgetragen wird, und nicht mehr als 2 Minuten. Aber wirklich nur wenn was passendes verfügbar ist.

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holdenb 08.08.2011, 13:46
4. Überschrift + Bilder und Grafiken, ansonsten Text weglassen !

Weil Niemand gleichzeitig geschriebenen und gelesenen Text verarbeiten kann = Modalitätseffekt, siehe
Mayer, R. & Moreno, R.: Nine Ways to Reduce Cognitive Load in Multimedia Learning. Educational Psychologist, 2003, 38, 43-52.

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SasX 09.08.2011, 06:31
5. -

[QUOTE=hman2;8456234
Am besten: Folien gestalten wie --- Folien. Einfach so wie man früher Overheadfolien baute. Große Schriften, die auch Brillenträger in der letzten Reihe lesen können, maximal 6-10 Zeilen pro Folie. Nicht zu viele Schriftgrade, maximal drei: Folientitel, Überschrift, Fließtext. Nur eine, maximal zwei Schriftfarben: Schwarz, evtl. dunkelblau.
[/QUOTE]

Dann noch zwei Hinweise von mir:

1)Eine Folie nicht mit zu vielen Aussagen überfrachten. Sonst hören die Leute nicht zu, sondern lesen erst einmal ihre Folie durch.

2) Mit Hyperlinks arbeiten. Die Ecken der Folien eignen sich gut. Z.B. oben links immer auf jeder Folie einen Hyperlink zum Anfang der Präsentation haben und unten rechts einen zur letzten Seite. Auch eine Art Inhaltsverzeichnis mit Hyperlinks versehen. Grund: Wenn jemand irgendwo in der Präsentation eine Frage zu einer Folie stellt kann man, wenn man die Hyperlinks vernünftig einsetzt, darüber mit 1-3 Klicks zu der gewünschten Folie navigieren. Das wirkt besser, als die Präsentation verlassen zu müssen und in Powerpoint dann die gewünschte Folie zu suchen. Man bleibt die ganze Zeit in der Präsentation.

Vielleicht auch mal gar nicht Powerpoint verwenden. Prezi z.B. ist auch mal eine Alternative und sorgt dafür, dass man seine Präsentation schon anders aufbaut.

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1berliner 09.08.2011, 09:12
6. Auswendiglernen = NO GO

Zitat von Hamberliner
Bei Fachvorträgen ist die Zeit ja üblicherweise auf genau 20 Minuten begrenzt. Ich kann deshalb nur raten, den schriftlich formulierten Vortragstext inkl. Wechsel der Folien vorher mit der Stopuhr zu üben, bis es sitzt. Damit habe ich bei meinem Rigorosum und danach im weiteren Berufsleben immer gute Erfahrungen gemacht, die Leute waren immer begeistert. Tut man dies nicht, akkumulieren sich ganz schnell kleinste Verzettelungen oder äh, öh zu einem Zeit-Defizit, oder man lässt sich aus dem Konzept schmeißen wenn jemand lacht und man weiß nicht warum.
Ganz eindringlich möchte ich vor echtem Auswendiglernen warnen, wie es der Titel von Hamberliner nahe legt.
Hamberliner hat völlig recht, üben mit Stoppuhr ist unabdingbar, und der Text sollte im Kopf vorformuliert sein (man sollte schon zu jeder Folie wissen, was man da sagen will).
Aber auf keinen Fall einen Text aufschreiben und auswendiglernen, so ein Vortrag wirkt in 99% der Fälle hölzern, man nutzt zu oft Schriftsprache, und man erschwert sich das Eingehen auf das Publikum.

Mein Extremfall war jemand, der seinen Text inklusive der Zahlen bis auf die dritte Kommastelle auswendiggelernt hatte, aber im 2.Drittel des Textes im auswendig gelernten Text stecken blieb - genau so wie wir es aus Grundschultagen bei auswendig gelernten Gedichten kennen. Lieber locker und frei reden, dann wirkt das souveräner, auch wenn man dann vielleicht die ein oder andere prägnante, mühsam vorher überlegte Formulierung doch vergisst.

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qlcasa 09.08.2011, 20:01
7. Jeder muss sein Weg finden.

Dieses Thema ist immer wieder interessant, nicht so sehr der Artikel, der ist einfach "mehr vom Üblichem" und bringt nicht wirklich was neues. Ich glaube auch nicht so sehr das ein Artikel zur eigenen Perfektion beiträgt. Was hier interessant ist sind die einzelnen Beiträge im Forum.
Ich muss Sagen ich bin immer wieder überrascht wie viele Leute Ihre Präsentationen mit PowerPoint herstellen. Ich persönlich bevorzuge die gute alte Folie - ja, ich meine die alte Overheadfolie. Und nein, ich bin sehr vertraut mit PowerPoint (und davor habe ich viele Jahre Harvard Graphics benutzt), aber seit etwa 3 Jahren benutze ich wieder Overhead Folien. Die Gründe dafür waren vielfältig, zum einen hat es natürlich mit meinem persönlichen Geschmack zu tun und vielleicht benutze irgendwann in der Zukunft wieder ein Präsentationsprogram. Aber es hat auch mit meinen Vorlieben beim Präsentieren zu tun. Ich arbeite gerne mit Bilder, mit möglichst wenig Farben (wenn möglich schwarz/weiß), maximal 10 bis 12 Folien, und freie Rede (natürlich bedingt es gute Vorbereitung, was aber nicht schwer ist wenn man Bilder/Grafiken/Schaubilder arbeitet, die man als Anker benutzen kann). Aber die Folien geben mir auch andere Möglichkeiten die ich persönlich sehr schätze:

- Die Zeit die das Folienwechseln dauert, benutze ich zum überlegen und ich kann diese Zeit auch dehnen ohne das es sehr auffällt, je nachdem was ich machen will.

- Sehe genau was als nächste Folie kommt, was bei PowerPoint schwerer ist,

- Ich kann mitten im Vortrag die Entscheidung treffen Folien weg zu lassen und niemand merkt es, bei PowerPoint sehen das die Leute wenn man Folien überspringt

- Mir persönlich fällt es viel leichter meine Zeit zu kontrollieren wenn ich Folien verwende

- Ich mag gerne mal während meine Vorträge bestimmte Sachverhalte herausstellen, das mach ich auf die Altmodische Art-und-Weise, mit Unterstreichen, Kringeln, etc. und zwar ganz bewusst direkt auf die Folie, was ich bei PowerPoint nicht tun kann (ich weiß, mit der Maus geht das auch, aber es ist viel schwerer und ich verliere Fokus)

- Manchmal habe ich auch Folien von älteren Vorträge dabei die ich dann bei Bedarf während meines aktuellen Vortrages einfach benutzen kann wenn ich will, das geht auf ganz natürliche Weise und man kann die Suche nach der Folie (es hilft wenn man die Folien die man dabei hat sehr gut kennt!) gut überbrücken und kaschieren. Auch das geht nur ganz schlecht bei PowerPoint ("...warten Sie mal, ich habs gleich...")

Wie gesagt, ich bin nach vielen Jahren aus vielerlei Gründen wieder zurück zur Folie und komme damit sehr gut damit klar. Ich bin mir auch über die Nachteile von Folien bewusst:

- Statisch
- Teuer (müssen gedruckt werden)
- Können herunterfallen, verloren gehen, etc. (aber es gibt keine "blue screens")
- Wenn sie ausgedruckt sind, und man hat keinen Drucker dabei oder keine Zeit, dann kann man keine Änderungen mehr einfügen
etc.

Aber ich habe vor allem eins gemerkt und zwar das meine Vorträge jetzt prägnanter sind und das die Leute mehr auf meine Ausführungen achten.

Schlussendlich jeder muss sein weg finden, es gibt zwar einige Techniken, aber das wichtigste ist das man sich selbst treu bleibt. Wenn man mit aller Gewalt versucht was zu Kopieren wirkt man künstlich, dabei ist, meiner Meinung nach, nichts langweiliger als Jemanden der versucht etwas anders zu sein als er ist.

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