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Depressionen, Angststörungen, Burn-out: Immer mehr Menschen wegen psychischer Erkrank
Julian Stratenschulte/ DPA

Psychische Krankheiten sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit in Deutschland. Betroffen sind vor allem Frauen.

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otto1939 24.04.2019, 15:38
1. Es wird schneller und öfter berentet

Lange Zeit war es Ziel einer Behandlung, die Arbeitskraft der Betroffenen zu erhalten. Seit eingen Jahren wird stattdessen häufiger berentet, obwohl es heute bessere und wirksamere Medikamente als früher gibt. Dieser Trend schlägt sich in der Rentenstatistik nieder. - Ein anderer Grund für die steigenden Zahlen ist sicher auch ein Arbeitsethos, der sich nicht an den Bedürfnissen der Betroffenen orientiert, sondern am Leistungsprinzip: viele Menschen scheitern an sich selbst, weil sie verlernt haben, ihre Bedürfnisse zu erkennen und ihre Gefühle zu achten. Sie sehen sich selbst als krank oder minderwertig an und ignorieren die Warnsignale der Psyche. Aus Unsicherheit nehmen sie jede Zumutung hin. Besser wäre es zu lernen, die eigenen Fähigkeiten und Ressourcen richtig einzuschäten und sich weniger an den vermeintlichen Erfolgsmodellen zu orientieren. Eine sinnvolle Lebensgestaltung ist allerdings auch ohne Arbeit möglich, soferrn soziale Strukturen vorhanden sind, die Betroffenen eine Lebensperspaktive geben.

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Hans-Dampf 24.04.2019, 15:40
2.

Da Psychologie eine weiche Wissenschaft ist, sollte man diese Zahlen differenziert betrachten.
Oft waren Hausärzte früher nicht so sehr in der Erkennung psychischer Krankheiten geschult wie heute und/oder es wurde einfach eine andere Diagnose gestellt. Eine psychische Erkrankung zeigt sich häufig durch andere Symptome, z. B. Herzrasen und/oder Schlafprobleme bei einer Angststörung, was als Diagnose demzufolge etwas kardiologisches sein könnte. Überhaupt hat sich die Diagnostik verbessert - wer damals im hohen Alter starb, war einfach tot. Heute wird auch eine Diagnose gestellt wie z. B. Herzstillstand, Schlaganfall usw.
Und dass Frauen häufiger eine Diagnose erfahren, mag auch darin begründet sein, dass Fauen bei gesundheitlichen Problemen tendenziell eher zum Arzt gehen als Männer (was sich bspw. auch in der höheren Lebenserwartung manifestiert).
Fazit: nur weil die Diagnosen heutzutage mehr psychische Krankheiten haben, heißt das noch lange nicht, dass es diese Krankheiten damals nicht gab oder weniger gab.

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Die linke Kobra 24.04.2019, 15:44
3. Am besten Forum wieder schliessen

Der Artikel lässt die entscheidenden Fragen offen. So könnte meiner Ansicht nach bei Frauen der Beruf eine entscheidende Rolle spielen, da wohl Arbeiten in Sozialberufen inklusive Lehramt nervenaufreibend ist. Meist verstehen die Frauen das auch noch als Berufung, was dann die Trennung von Privatleben zum Beruf für einen gesunden Ausgleich verhindert. Man muss sich auch in anderen Berufen ebenso engagieren, aber man setzt sich da vernünftigerweise Grenzen. Ist jetzt meinerseits Spekulation, persönliche Erfahrung, die Zahlen hierfür fehlen in diesem Artikel.

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reflashed 24.04.2019, 15:52
4.

Und wir drehen das Hamsterrad schneller und schneller und schneller.
Wohlstand durch Wachstum, Turbokapitismus, ... das System wird seine Kinder fressen, was absolut keine Überraschung ist.
Es wird noch viel schlimmer werden, da wette ich drauf.

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petra,köln 24.04.2019, 16:43
5.

Dem 4. Kommentar kann ich nur mehr als zustimmen! Quantität statt Qualität, es muss alles schneller fertig werden, immer mehr und mehr Umsatz für Arbeitgeber, die die Taschen und den Hals nicht voll genug kriegen, und das auf Kosten der Arbeitnehmer. Dies ist insbesondere auch im Kanzleiumfeld der Fall, nicht nur in sozialen Berufen. Und auch ich wette, dass es in Deutschland noch schlimmer wird. in keinem anderen europäischen westlich orientierten Land ist das so schlimm wie hier. Da kann ich nur sagen, kein Wunder. Ich bin auch betroffen und ich weiß, warum.

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hexenbesen.65 24.04.2019, 17:12
6.

heute morgen Gespräch im Kollegenkreis... "Früher hatten wir 7 Qualitätsprüfer...heute nur noch 4.. Und ich war 3 Wochen krank, Nierenkoliken... Und WER macht die Arbeit ?" Es wird gespart, dass sich die Balken biegen, und dass die Anleger / Teilhaber jedes Jahr noch mehr Gewinn ausgeschüttet bekommen. Das geht zu Lasten der Mitarbeiter. Seit einem Jahr "bettel" ich schon um eine Vertretung (bin alleine in der Abteilung)..NIX ! Jetzt werde ich operiert, falle lange Zeit aus..Vertretung ? "Um Gottes willen---so schnell ????" Meine "Ur-alt" Vertretung, die , die das vor 5 Jahren gemacht hat, soll da jetzt wieder einspringen--obwohl sich da sehr viel verändert hat...UND noch ihre eigene Arbeit machen (zZt. wird sie noch im SAP-System angelernt, damit sie das "Lager" unter sich hat...) Und wenn ich komme, soll ich sie vertreten (klasse, habe soviel Arbeit, dass ich jeden Tag 9,5 Stunden arbeiten kann, dann soll ich noch Vertretung übernehmen ? Wie stellen die sich das vor ? Ich hab nur zwei Hände, ich bin kein Tintenfisch...)

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petra,köln 24.04.2019, 17:44
7.

... so ahnlich kenne ich das auch. Jetzt, wo ich weg bin, wird eine dritte Mitarbeiterin eingestellt. Da ging es auf einmal. Aber solange man es mitmacht ... Lorbeeren bekommt man keine und Rente dann auch nur noch lau. Ich frage mich tatsächlich, für was man sich fast 40 Jahre oder manche länger den ... aufreißt auf Kosten der eigenen Gesundheit? Und dieser Stress fällt einem mit zunehmendem Alter ja auch immer schwerer. Hauptsache, die obere Etage hat am Ende "des Tages" die Kippen voll. ... sollte sie es erleben!!

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mina2010 24.04.2019, 21:44
8. Könnte man mehrere Thesen aufstellen ...

1. Das heutige Tempo macht krank. Permanete Erreichbarkeit per mail oder Handy dürften da ihren Teil beitragen. Allerdings sind wir wahrscheinlich auch schon so weit, dass wir in Depressionen verfallen, falls mal 15 Minuten keine überflüssige Nachricht kommt.
2. Wir bauen langsam eine Industrie von Psychologen, Psychatern und Sozialarbeitern auf. Die sind alle in einem weichen, kaum erfolgskontrollierbaren Bereich unterwegs. Ähnlich wie Unternehmensberater ... wir sind wichtig ... wir haben unsere Knete ...
der Rest?
3. Wir machen mit im Hamsterrad ... wir brauchen unseren SUV, Urlaub auf den Malediven, alle 2 Jahre ein neues Smartphone, Netflix ... könnte hier Weniger Mehr sein?
Nee, geht nicht, der Nachbar hat sich gerade einen 80" TV gekauft!
4. Schon vor 50 Jahren gab es Psychologen, die einen darauf trainiert haben, wie man mit Macke der Bundeswehr entkommen konnte.
Nun ist die Wehrpflicht entfallen ... haben die nur die Zielgruppe gewechselt.

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AnnaLena77 24.04.2019, 23:24
9.

"Psychische Krankheiten sind die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit in Deutschland. Betroffen sind vor allem Frauen."

Ist ja auch kein Wunder das Frauen vor allem betroffen sind. Viele arbeiten nicht nur Vollzeit im Beruf, sondern erledigen auch nach wie vor das Gros der Haushaltarbeit und der Kindererziehung und da wo Vater dann doch untersützen, bleibt trotzdem die Planung und Management, der sogenannte "Mental Load", des Ganzen an den Frauen hängen!
(was gibt es zu essen, wann müssen die Kinder in den Verein, was ziehen sie an, wie lange passen sie Sachen noch, wann muss wieder gewaschen werden, welcher Müll muss heute raus, welche Verwandten haben wann Geburtstag und bekommen eine Karte, was muss eingekauft werden, Artztermine für Hund und Kinder, wenn die Verwandten kommen wer hat welche Allergie und wer kann nicht neben wem sitzen, was wird gebraucht damit der Esstisch dann schön dekoriert ist, etc)

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