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Deutsche Ärzte in Kalkutta: "Eine andere Medizin, eine andere Welt"

Ärztemangel, Gesundheitsreform, Honorarklagen - Mediziner in Indien kennen ganz andere Sorgen. Einige deutsche Ärzte arbeiten mitten in Kalkutta in einer Slum-Ambulanz. Sie kämpfen gegen das Elend und gegen Krankheiten wie Tuberkulose.

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Si_iso 25.04.2011, 17:52
1. Indien ... Dritte Welt?

Indien ist Atommacht und einer der groessten Waffenimporteure weltweit.
http://www.spiegel.de/politik/auslan...746468,00.html

Zudem hat Indien ein riesiges Wirtschaftswachstum und strebt ein Weltraumprogramm an.

So sehr ich "Ärzte fuer die 3. Welt" gut finde, frage ich mich, was die denn in Indien verloren haben. Zudem würde mich mal interessieren, ob das Engagement nicht im Zweifel eher kontraproduktiv ist; Solange internationale Hilfsorganisationen sich um die grundliegende Gesundheitsvorsorge kümmern, braucht der Indische Staat das nicht zu tun, sondern kann sein Geld in Waffen und Raketen stecken.

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gorge11 25.04.2011, 20:30
2. So eine Medizinstudium in Deutschland

Zitat von Si_iso
Indien ist Atommacht und einer der groessten Waffenimporteure weltweit. Zudem hat Indien ein riesiges Wirtschaftswachstum und strebt ein Weltraumprogramm an. So sehr ich "Ärzte fuer die 3. Welt" gut finde, frage ich mich, was die denn in Indien verloren haben. Zudem würde mich mal interessieren, ob das Engagement nicht im Zweifel eher kontraproduktiv ist; Solange internationale Hilfsorganisationen sich um die grundliegende Gesundheitsvorsorge kümmern, braucht der Indische Staat das nicht zu tun, sondern kann sein Geld in Waffen und Raketen stecken.
kostet so um die 300.000 Euro.
Im Grunde ist nichts dagegen eizuwenden,
dass sich die Mediziner auch in Indien
betätigen, Robert Koch war ja auch da.
Aber langsam könnte Indien damal für bezahlen.
Unsre Deutscher Kunde zahlt ja auch für
unsere Indischen Kollegen, 30% weniger,
als für uns, aber ihr Arbeit ist maximal
ein Drittel wert.
Der Indische Manager der Tröten ist im Prinzip aber ganz gut. Aber er managt halt nur, gehört zur oberen Gesellschaftsschicht mit ziemlich hoher Kaufkraft.
eine ganze Kundebateilung vom 10-20 Leuten
muss nun alles in Englisch verfassen, damit er es
versteht, er hätt ja auch mal Deutsch lernen können in 5 Jahren.
Im Allgemeinen kommen natürlich noch Produktpriratierie
dazu und Plagiatentum.
Schwierige Geschäftspartner.
Trotz der herausragenden gesellschaftlichen Stellung
ist er jetz zum zweiten Mal hintereinander
an Typhus erkrankt, diesmal mit Gelbsucht.
Mein Firma könnet ihn hierhinholen, und
mit Orginalmedikamenten heilen lassen,
aber so weit geht die Liebe dann doch nicht.

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Bärchen09 25.04.2011, 22:35
3. eine andere Welt

Zitat von Si_iso
Indien ist Atommacht und einer der groessten Waffenimporteure weltweit. Zudem hat Indien ein riesiges Wirtschaftswachstum und strebt ein Weltraumprogramm an. So sehr ich "Ärzte fuer die 3. Welt" gut finde, frage ich mich, was die denn in Indien verloren haben. Zudem würde mich mal interessieren, ob das Engagement nicht im Zweifel eher kontraproduktiv ist; Solange internationale Hilfsorganisationen sich um die grundliegende Gesundheitsvorsorge kümmern, braucht der Indische Staat das nicht zu tun, sondern kann sein Geld in Waffen und Raketen stecken.
Das hört sich zuerst mal ganz logisch an. Und eigentlich müßte eine Wirtschaftsmacht wie Indien wirklch in der Lage sein, seine Menschen selbst medizinisch zu versorgen.
Passiert aber nicht. Es gibt keine GKV und die meisten indischen Ärzte behandeln nur gegen Bares. Das können wieder die armen Menschen nicht bezahlen. Hinzu kommt, was viele nicht wahrhaben wollen: seit Mahatma Gandhi ist das Kastensystem eigentlich verboten. In Wahrheit ist es immer noch voll da. Wer in einer niederen Kaste hineingeboren wird, hat einfach keine Chance.
Oft versuchen christliche Schulen, gerade solchen Kindern eine Ausbildung zu geben. Darum werden sie dann von der fundamentalistischen Hindukpartei verfolgt und an der Arbeit gehindert. Wo käme es hin, wenn die Armen nicht mehr unterwürfig dort bleiben, wo man sie hinsteckt, sondern ein Wertgefühl entwickeln.
Eine gute Bekantne war als Frauenärztin viele Jahre in eíner Stadt in Tamil Nadu tätig. Unvorstellbar! Frauen, die dort zur Behandlung kamen, waren oft am Rande des Todes. Am Ende hat man das Krankenhaus geschlossen, weil die Ärzte Christen waren. Denn indische Ärzt kamen nicht nach.

Ich finde die Arbeit dieser Ärzte in Kalkutta sehr lobenswert. Denn solche Epedemien gehen auch an uns nicht spurlos vorbei. Kann man einfach die Augen verschließen, weil eigentlich ganz andere zuständig wären?
Schön, wenn Indien endlich mal die Verantwortung auch für seine Armen übernehmen würde.

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Softship 26.04.2011, 05:58
4. Ganz schön vermessener Beitrag!

Zitat von Bärchen09
Das hört sich zuerst mal ganz logisch an. Und eigentlich müßte eine Wirtschaftsmacht wie Indien wirklch in der Lage sein, seine Menschen selbst medizinisch zu versorgen. Passiert aber nicht. Es gibt keine GKV und die meisten indischen Ärzte behandeln nur gegen Bares. Das können wieder die armen Menschen nicht bezahlen.
Meine Güte! Die meisten Länder dieser Erde haben keine GKV. Nicht mal die USA hat eine GKV und kann seine Menschen selbst medizinische versorgen. Wie kommen Sie denn dazu, alle anderen Ländern Ihre Maßstäbe anlegen zu wollen!?
Zitat von Bärchen09
Hinzu kommt, was viele nicht wahrhaben wollen: seit Mahatma Gandhi ist das Kastensystem eigentlich verboten. In Wahrheit ist es immer noch voll da.
Was Sie wohl nicht wahrhaben wollen: das Kastensystem ist überhaupt nicht verboten. Es gibt auch so was wie eine Kastenzugehörigkeitsbescheinigung. Keine Ahnung, wie Sie auf die Idee gekommen sind, dass es anders wäre.
Zitat von Bärchen09
Oft versuchen christliche Schulen, gerade solchen Kindern eine Ausbildung zu geben.
Die meisten christlichen sind Privatschulen, die die Eltern der Kinder teuer bezahlen müssen – immerhin sind besser als die staatlichen Schulen.
Zitat von Bärchen09
Darum werden sie dann von der fundamentalistischen Hindukpartei verfolgt und an der Arbeit gehindert.
Vereinzelt, aber nicht generell. Viele Hindus, aber auch Moslems, schicken ihre Kinder in christliche Schulen – also Vorsicht mit solchen Verallgemeinerungen.
Zitat von Bärchen09
Eine gute Bekantne war als Frauenärztin viele Jahre in eíner Stadt in Tamil Nadu tätig. Unvorstellbar! Frauen, die dort zur Behandlung kamen, waren oft am Rande des Todes.
Tja, anders als in Deutschland, wo sie für jedes Wehwehchen hinrennen.
Zitat von Bärchen09
Am Ende hat man das Krankenhaus geschlossen, weil die Ärzte Christen waren.
Das glaube ich schlicht nicht. In den zwei Jahren in Indien habe ich jedenfalls nie gehört, dass so was passiert wäre.
Zitat von Bärchen09
Ich finde die Arbeit dieser Ärzte in Kalkutta sehr lobenswert. Denn solche Epedemien gehen auch an uns nicht spurlos vorbei. Kann man einfach die Augen verschließen, weil eigentlich ganz andere zuständig wären? Schön, wenn Indien endlich mal die Verantwortung auch für seine Armen übernehmen würde.
Wenn Indien nicht restlos ausgeplündert worden wäre, wären sie darin wohl viel weiter. Aber letztlich ist es so, dass es schön wäre, wenn alle Länder sich um ihre Armen kümmern würden. Indien ist keine Ausnahme.

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Koda 26.04.2011, 10:01
5. inwiefern...

Zitat von Softship
Wenn Indien nicht restlos ausgeplündert worden wäre, wären sie darin wohl viel weiter. Aber letztlich ist es so, dass es schön wäre, wenn alle Länder sich um ihre Armen kümmern würden. Indien ist keine Ausnahme.
ausgeplündert? Indien ist seit Ende der 1940er unabhängig, hat seitdem einige Kriege mit Pakistan über standen und Bangla-Desh in die Unabhängigkeit geholfen. Sie sind Atommacht und streben in den Weltraum. Nichts für ungut, aber Deutschland hat vor kurzem erst die letzte Rate der Reparationszahlungen aus dem ersten Weltkrieg bezahlt, nach dem zweiten Weltkrieg war Deutschland komplett am Boden und sicher, man kann zwei Länder nur schwer miteinander vergleichen, aber trotzdem ist die Entwicklung auch an Indien in den nunmehr 70 Jahren nicht vorbeigegangen und es sollte wundern, dsass ein Land einerseits so modern sein kann, andererseits gleichzeitig noch archaische Normen wie Kastendeskriminierung vorherrschen.

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Softship 26.04.2011, 10:56
6. Nee, Sie haben es nicht begriffen...

Zitat von Koda
ausgeplündert? Indien ist seit Ende der 1940er unabhängig, hat seitdem einige Kriege mit Pakistan über standen und Bangla-Desh in die ......
Sie kennen Indien offensichtlich nicht. Was verstehen Sie denn unter "modern"? Für mich ist Indien gar nicht modern – nur weil die einige Leute haben, die in der IT-Branche tätig sind, und auch einige sonst hochqualifizierte Ingeniere, ist das Land noch lange nicht "modern"! Über 70% der Bevölkerung lebt auf dem Land, die Mehrheit der Menschen lebt ohne Strom, und die, die Strom haben, können sich nicht darauf verlassen, dass der 24 Stunden täglich zur Verfügung steht. Genau ist es mit fließendem Wasser – von Trinkwasserqualität ganz zu schweigen. Motorisiert ist auch gerade mal die Hälfte der Haushalte. Indien ist bestenfalls ein Schwellenland.

Kastendeskriminiertung? Sie haben wirklich keine Ahnung. Es ist nicht alles, wie Sie sich das einfach vorstellen. Wer nie in Indien war, kann auch nicht begreifen, dass das Kastensystem auch durchaus positive Seiten hat. Und glauben Sie mir, ich bin kein Inder, aber durch meine zwei Jahre dort habe ich Einsichten erhalten, die man von bestenfalls 3 Wochen Touri-Dasein in Goa, Delhi, Jaipur, Mumbai und Agra eben nicht erhält.

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Jochen Binikowski 26.04.2011, 11:51
7. x

Das Engagement der deutschen Ärzte ist gut, aber m.M. nach gibt es eine bessere Strategie:
Man stellt einheimische Ärzte ein und verteilt lokal hergestellte Medikamente. Das spart die Flug- und Hotelkosten der ausländischen Ärzte, auch benötigt man keine Dolmetscher, Beipackzettel-Übersetzungen und die Patienten haben mehr Vertrauen zu einheimischen Ärzten.
Wir haben auf diese Weise schon mehrfach Free Clinics auf den Philippinen (ähnliches Lohn- und Kostenniveau wie Indien) durchgeführt. Die Behandlungskosten pro Patient (inkl. Medikamente und Nachuntersuchungen etc.) sind für deutsche Verhältnisse ein Witz.

Wie so etwas in der Praxis aussieht kann man sich hier anschauen:

http://www.youtube.com/watch?v=y7W_DtaYmRk

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Softship 26.04.2011, 22:14
8. .

Zitat von Jochen Binikowski
Das Engagement der deutschen Ärzte ist gut, aber m.M. nach gibt es eine bessere Strategie: Man stellt einheimische Ärzte ein und verteilt lokal hergestellte Medikamente. Das spart die Flug- und Hotelkosten der ausländischen Ärzte, auch benötigt man keine Dolmetscher, Beipackzettel-Übersetzungen und die Patienten haben mehr Vertrauen zu einheimischen Ärzten. Wir haben auf diese Weise schon mehrfach Free Clinics auf den Philippinen (ähnliches Lohn- und Kostenniveau wie Indien) durchgeführt. Die Behandlungskosten pro Patient (inkl. Medikamente und Nachuntersuchungen etc.) sind für deutsche Verhältnisse ein Witz. Wie so etwas in der Praxis aussieht kann man sich hier anschauen:
Ich gehe davon aus, dass in der Regel einheimische Medikamente verwendet werden. Aber selbst regulär importierte sind deutlich billiger als die aus Europe mitgebrachte. Ich hatte in Indien auch keine Problem, "high-tech"-Medikamente wie Immunsuppressiva zu erhalten.

Es gibt zwei unterschiedliche "Kategorien" von Ärzten in Indien. Ich habe festfestellt, dass die "gelernte" Ärzte ziemlich schnell überfordert sein können - generell können sie etwa so viel wie eine erfahrene Pflegekraft. Die studierte Ärzte sind allerdings z.T. hervorragend. Aber die wollen dann auch richtig verdienen... und das können sie nicht, wenn sie Arme behandeln.

Eine Organisation die medizinisch Interessantes leistet, ist "Impact India".

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Jochen Binikowski 27.04.2011, 08:24
9. x

Zitat von Softship
Ich gehe davon aus, dass in der Regel einheimische Medikamente verwendet werden. Aber selbst regulär importierte sind deutlich billiger als die aus Europe mitgebrachte. Ich hatte in Indien auch keine Problem, "high-tech"-Medikamente wie Immunsuppressiva zu erhalten.
Es gibt in Manila eine Organisation die derartige Projekte mit billigen, aber zugelassenen, Generika-Medikamenten versorgt. So etwas sollte es in Indien auch geben.

Die Beschaffung hat meine Schwägerin durchgeführt, die ist Ärztin an einem staatlichen Krankenhaus in Manila. Ich vermute mal dass es für eine ausländische NGO schon etwas schwieriger ist, da heranzukommen. Deshalb könnte die Strategie dieser NGOs in einer Finanzierung örtlicher Projekte liegen.

Wenn das zu einer dauerhaften Einrichtung wird und die lokalen Ärzte ein vernünftiges Gehalt bekommen werden die ganz gewiss nicht ins Ausland abwandern. Es gibt ja genug einheimische Ärzte, nur eben nicht genügend die es sich leisten können für lau zu arbeiten.

Auf den Philippinen geht das soweit, dass sich massenhaft Ärzte zu Pflegern umschulen lassen weil sie dann ohne Zulassungsprobleme in den USA usw. arbeiten können und mehr verdienen als wenn sie als Arzt in der Heimat arbeiten. Meine Schwägerin ist Anfang 40 und verdient gerade mal 500 EURO im Monat. Das ist auch für Manila-Verhältnisse viel zuwenig. Mit den Kosten (Flug, Hotel, Dolmetscher etc.) für einen 4-wöchigen Aufenthalt eines ausländischen Arztes könnte man vermutlich einen einheimischen Kollegen 6 Monate bezahlen.

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