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Deutsche Auswanderin in Chile: "Leider gibt es hier zu viele Machos"
Privat

Julia Krez, 33, arbeitet als Chemikerin unter lauter Männern in der Wüste Chiles, zwölf Stunden am Tag. Als promovierte Wissenschaftlerin hat sie es besonders schwer. Weg will sie trotzdem nicht.

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zeichenkette 11.02.2019, 14:50
20.

Zitat von roenga
Dass die Stimme einer Person, die neu im Land und der Firma ist und Sprache und Gebräuche noch nicht so genau kennt, am Anfang nie die gleiche Gewichtung hat, wie die der etablierten Kollegen. das diese Person auf die anderen zugehen muss und nicht umgekehrt.
Es gibt ein ganz typisches Macho-Gehabe in hierarchischen Strukturen, nach dem selbst die "ranghöchste" Frau immer noch unter dem "rangniedrigsten" Mann zu stehen hat. Das ist bei Schimpansen übrigens genauso und wird da auch (notfalls mit Gewalt) durchgesetzt. Es geht dabei dann überhaupt nicht neutral um "Personen", sondern um Mann und Frau und männlichen Stolz (der sich in solchen Fällen nicht zuletzt daraus speist, dass selbst der größte Verlierer immer noch über allen Frauen steht und sich von ihnen nichts sagen lassen muss). Darum geht es und da hilft es auch nicht, wenn Sie dann auf einmal ganz neutral von "Person" reden.

Eine typische Reaktion von solchen Männern ist dann, es als Benachteiligung zu empfinden, wenn sie auf einmal Frauen nicht mehr benachteiligen dürfen.

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Stäffelesrutscher 11.02.2019, 14:51
21.

Zitat von HevoHo
"Die Chilenen sind mutiger. Wenn sie Geld haben, sparen sie es nicht, sondern geben es für das Leben aus. Sie kaufen sich ein schönes Auto oder einen großen Fernseher - ohne lange darüber nachzudenken." - Die einen nennen es mutig, ich nenne es naiv, leichtsinnig, verschwenderisch und verantwortungslos. Das ist wohl dann der angesprochene Kulturunterschied...
Nun, erstens haben wir neulich gelernt, dass auch gut bezahlte US-amerikanische Staatsbedienstete nichts vom Sparen halten und daher nach einem Monat ohne Gehalt faktisch pleite sind, und zweitens müsste man als Hintergrund wissen, dass Chile unter Pinochet die Rentenversicherung massakriert hat. Das wirkt umfassend.

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roenga 11.02.2019, 14:59
22.

Zitat von Mardor
Was für ein dummes Zeug Sie da von sich geben! Im Übrigen, da es bei Ihnen ja am Textverständnis zu hapern scheint: Die Frau ist Chemikerin, Dr. rer. nat. und hat damit fachlich auch mehr Einblick als ca. 99 Prozent ihrer Kollegen.
Ach du lieber Himmel, die Frau ist Dr.rer.nat. - da entfällt natürlich jede Einarbeitung und auch die tägliche Arbeit in einer Mine in Chile ist einer Akademikerin aus Deutschland bestens bekannt!! Dass die dummen Chilenen mit jahrelanger praktischer Arbeitserfahrung vor Ort das nicht gewusst haben ist natürlich unverzeihlich. Ich empfehle Ihnen mal den Beitrag des Inolstädter Fliesenlegermeisters der keine Aufträge mehr von Audi Ingenieuren entgegennimmt, weil die kraft ihres Ingenieurstudiums alles besser wissen. Ihr Verständnis der natürlichen Überlegenheit des promovierten Akademikers in jeder Arbeitssituation geht da in die gleiche Richtung.

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layDiLike 11.02.2019, 15:07
23.

Ich denke, das eigentliche Problem ist, dass sie Prozesse optimiert, schaut, wo für das Unternehmen gespart werden kann, sie aber dem Land z. B. an sozialem Engagement nichts zurückgeben wird. Es fehlen Beständigkeit und Leidenschaft, soziale Verantwortung und das Interesse und der Wille im Land etwas zu bewegen. Man kann sich über mangelnde oder zu teure Spielplätze aufregen, man kann aber auch versuchen, Einfluss zu nehmen, etwas zu verändern. Das spüren die Menschen nun mal. Es ist ein tolles Abenteuer, ein schöner Karrierekick, aber auch nicht mehr.

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zeichenkette 11.02.2019, 15:25
24.

Zitat von Stäffelesrutscher
Nun, erstens haben wir neulich gelernt, dass auch gut bezahlte US-amerikanische Staatsbedienstete nichts vom Sparen halten und daher nach einem Monat ohne Gehalt faktisch pleite sind, und zweitens müsste man als Hintergrund wissen, dass Chile unter Pinochet die Rentenversicherung massakriert hat. Das wirkt umfassend.
Naja, dass "gut bezahlte US-amerikanische Staatsbedienstete nichts vom Sparen halten und daher nach einem Monat ohne Gehalt faktisch pleite sind" ist ihre Interpretation. Dass galt für einige, aber lange nicht alle der 800.000 Staatsbediensteten und in den USA ist Wohneigentum nunmal deutlich üblicher als im Miet-Land Deutschland, da hat man dann Schulden, die man monatlich abbezahlen muss. Und oft genug auch mehrere 100.000$ Schulden für den Studienabschluss. Da bleibt erstmal nix zum Sparen übrig, wenn man das von einem mageren Gehalt im öffentlichen Dienst jeden Monat abbezahlen muss... Aber dafür hat man dann auch ein Haus und einen Studienabschluss. Dieser Spott über die Amerikaner, die nach einem Monat ohne Gehalt schon pleite sind, ging mir damals schon mächtig auf die Nerven, das ist bei vielen Leuten hier wieder so eine typische Art von "das paßt genau auf meine Vorurteile, das merke ich mir und krame es bei jeder passenden oder auch nicht passenden Gelegenheit raus".

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roenga 11.02.2019, 15:31
25.

Zitat von zeichenkette
Es gibt ein ganz typisches Macho-Gehabe in hierarchischen Strukturen, nach dem selbst die "ranghöchste" Frau immer noch unter dem "rangniedrigsten" Mann zu stehen hat. Das ist bei Schimpansen übrigens genauso und wird da auch (notfalls mit Gewalt) durchgesetzt. Es geht dabei dann überhaupt nicht neutral um "Personen", sondern um Mann und Frau und männlichen Stolz (der sich in solchen Fällen nicht zuletzt daraus speist, dass selbst der größte Verlierer immer noch über allen Frauen steht und sich von ihnen nichts sagen lassen muss). Darum geht es und da hilft es auch nicht, wenn Sie dann auf einmal ganz neutral von "Person" reden. Eine typische Reaktion von solchen Männern ist dann, es als Benachteiligung zu empfinden, wenn sie auf einmal Frauen nicht mehr benachteiligen dürfen.
Es gibt auch ein typisches Feministinnen-Gehabe, dass sich unter anderem darin ausdrückt allgemeingültige negative Aussagen über 'den Mann' zu tätigen, natürlich ohne jeden wissenschaftlichen Beweis und sehr häufig garniert mit einem Pseudobeispiel aus dem Tierreich. Woher kennen wir den Vergleich von Gruppen von Menschen mit Tieren aus der deutschen Geschichte noch mal?

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Einhorn 11.02.2019, 17:56
26.

Machismo ist in ganz Südamerika extrem ausgeprägt. Sogar meine Kollegen haben schon bestätigt, dass sie dieses Gehabe und Gegockele als sehr anstrengend empfinden. Da wird nahezu in jedem Statusmeeting erst einmal die Rangordnung geklärt und bis man dann zum Thema kommt, haben die meisten Europäer schon keine Lust mehr, weil man doch eigentlich nur mal eben ein paar Dinge klären könnte. Witzig, dass das selbst die Spanier zu nerven scheint, dabei sollten die das im Ansatz kennen.

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kaiosid 11.02.2019, 18:02
27. lustig

Ja, in Südamerika sachlich unterwegs zu sein ist schwer. Erstmal Küsschen, ein wenig quatschen und irgendwann vielleicht ein wenig arbeiten. Da haben die Menschen dort nicht so viel Bock drauf, muss man langsam angehen; sicher ist es dort (Chile) auf jeden Fall. Antofagasta ist natürlich hart, lieber Vina de Mar oder Santiago.

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Hamberliner 11.02.2019, 20:14
28. verschiedene Details

Nicht erwähnt wurde eine putzige Eigenschaft der Chilenen: Sie scheinen sich im Vergleich zu anderen Südamerikanern große Mühe zu geben, den Spaniern ählich zu sein. Das ging damals, als in Spanien noch diese rautenförmigen Schilder an den LKW, die distintivos, vorgeschrieben waren, soweit, dass in Chile ebenfalls viele LKW damit herumfuhren. Die gefühlte Sicherheit basiert wohl auf der hohen Polizeipräsenz. Einen versuchten Raubüberfall hab ich trotzdem mitbekommen, und dass diese ältere Dame ihre Handtasche erfolgreich festhielt lässt den Schluss zu, dass sie darauf vorbereitet war, dass man damit im allgemeinen rechnet. Trotz der hohen Mietkosten, von denen im Artikel die Rede ist, fiel mir eines auf: Die Südhälfte Chiles ähnelt ja landschaftlich eher Mitteleuropa, und um Valdivia herum gibt es eine wunderschöne Seenlandschaft. Da kostete der Hektar Wassergrundstück mit Baugenehmigung nur einen Spottpreis. Einen vierstelligen Euro-Betrag. Die Versuchung, im Alter dahin zu emigrieren, ist schon groß. Ich weiß nicht, ob es bei mir nur ein Zufallstreffer war oder ob der Artikel das verschweigt: Man trifft in Chile noch auf Faschisten, dass einem die Sprache wegbleibt. Ich musste mir vom Taxifahrer folgendes anhören: Ach, Sie kommen aus Deutschland, das ist ja interessant. Ihr Deutschen habt ja auch den Kommunismus abgeschafft, nachdem wir Chilenen euch vorgemacht haben, wie das geht. Nur dass Ihr uns den Honecker hergeschickt habt, das finde ich nicht so nett. Den wollten wir hier genausowenig haben.

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MeinForumname 11.02.2019, 23:41
29.

Zitat von Rookie
Wenn Hochschulabsolventen erfahrene Mitarbeiter die Welt erklären wollen und sich danach wundern, dass sie die grandiose Ideen nicht sofort implementieren ist bekannt. Die Autorin interpretiert das so, dass dies aufgrund ihres Geschlechts erfolgte. Das ist aber nur Ihre Annahme. Besserwisser sind nicht überall willkommen und gute Ideen müssen erstmal richtig verkauft werden. Soll auch für Frauen gelten :-)
Woher kommt eigentlich der absurde Anspruch auf Bestandsschutz? Hundert Jahre Dampfmaschine können jetzt nicht einfach veraltet sein? Rettet den Diesel? Wie oft sehe ich, dass sich die "langjährige Erfahrung" am Ende dann einfach als Cargo Cult entpuppt und sich das Geschreibsel, das sich erstaunlicherweise wie ihres liest ("erfahrene Mitarbeiter", "die Welt erklären", "grandiose Ideen müssen verkauft werden") dann in langen Lamentieremails ergiest, weil sich irgendein altes Schlachtross beleidigt fühlt, wenn sich die Vorgehensweisen aus den 80ern auf einmal als schlicht alt, überkommen, rückständig, unrentabel und schlicht überflüssig erweisen?
Die schauen dann auch immer ganz traurig, wenn man sie zur Seite stellt und ihnen mitteilt, dass die Projekte nicht funktionieren, weil genau die alten Schlachtrösser dagegen arbeiten und nicht, weil die Ideen Scheiße sind. Und erstaunlicherweise sind es dann immer die Nichtakademiker, denen die Grundlagen schon immer fehlten und die sich lediglich Vorgehensweisen abgeschaut haben, ohne jegliches wissen, warum diese funktionieren, die am meisten über "Hochschulabsolventen" weinen...
Natürlich wird die Autorin als Frau diskriminiert, gerade wenn sie hochqualifiziert ist. Welche Gründe sollten denn sonst genommen werden? Und Sie arrangiert sich eben damit, ich würde Unpünktlichkeit nirgends dulden. Und ich arbeite mit genügend Südamerikanern und Asiaten zusammen, die ebenfalls Unpünktlichkeit in ihren Projekten nicht dulden.

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