Forum: Karriere
Diskriminierung: "Niemand gibt zu, dass es an der Herkunft liegt"
Corbis

Bewerber mit ausländischen Namen haben es bei der Jobsuche schwer, zeigte kürzlich eine Studie. Hier berichten drei Deutsche mit türkischen Wurzeln von zerrissenen Mappen, üblen Beleidigungen und Interviewmarathons.

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Newspeak 01.04.2014, 14:52
1. ...

Ja, es gibt Diskriminierung in Deutschland, und nicht zu knapp, aber nicht nur wegen der Herkunft oder des ausländischen Namens, sondern auch wegen Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung und vor allem auch sozialer Herkunft. Das ist das eine. Und nicht, daß das toll wäre. Aber...

Ich habe mich zum Beispiel für eine Ausbildung an Krankenhäusern beworben. Lauter Absagen. Ein Praktikum durfte ich aber machen. In der Ausbildung hätte ich das Kopftuch ablegen müssen. Das verstehe ich nicht, denn es bringt ja für die Hygiene eher einen Vorteil.

...mit solchen Argumentationen schießt man sich schon selbst ins Aus. Ein Kopftuch ist nicht vergleichbar mit einer medizinischen Einweghaube. Das hat mit Diskrimierung durch den Arbeitgeber nichts zu tun, sondern mit dem Schutz des Arbeitsnehmers und vor allem der Patienten. Wenn man das schon nicht einsieht, dann ist man vielleicht unabhängig von der Herkunft nicht ausbildungsfähig. Nur so ein Gedanke...

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faust1911 01.04.2014, 15:03
2. In

einem säkularen Staat zu erwarten, daß offene und provokant zur Schau getragene Religionsinsignien bei einer Bewerbung ignoriert werden müssen, hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit Ignoranz seitens der Bewerberin. Und lenkt leider von den berechtigt angeprangerten Ungerechtigkeiten in der Behandlung von Menschen mit vorurteilsbehafteten Merkmalen ab.

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Horstino 01.04.2014, 15:10
3.

Kandidat 3 wurde echt übel mitgespielt und das ist besonders bitter, weil der Mensch im Leben eigentlich alles richtig gemacht hat.

Bei den Kandidaten 1 + 2 ist die Sache aber komplexer.
Kandidat 1 scheint nicht besonders reflektiert zu sein. Wenn Firmen meinen, türkischstämmige Mitarbeiter wären problematisch, so ist daran allein die Diskriminierung schuld. Auf die Idee, dass eine Erziehung des Sohnes zum verwöhnten Pascha der sich nichts zu sagen oder gefallen lassen hat zu einem schwierigen Verhalten in hierarchischen Strukturen führen könnte, kommt er nicht. Niemand muss ein Duckmäuser sein, aber im Zweifel muss es laufen wie der Chef es sagt.
Und bei Kandidatin 2 ist es letztlich ähnlich. Wenn ich einmal Ärger mit dem Vater eine Verkäuferin hatte wegen dessen obskuren Sittenvorstellungen, schaue ich, dass ich das in Zukunft vermeide. Dabei vom Kopftuch auf die problematischen Vorstellungen zu schließen ist sicherlich valider als dies anhand der Haarfarbe zu tun.

Umgekehrt habe ich türkische Verkäuferinnen erlebt, die mich mit einem Maximum an Verachtung behandelt haben. Als zahlender Kunde wurde ich wie ein Bittsteller behandelt. Ich glaube das Diskriminierungsproblem ist keine Einbahnstraße.

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charlie1111 01.04.2014, 15:11
4.

Zitat von faust1911
einem säkularen Staat zu erwarten, daß offene und provokant zur Schau getragene Religionsinsignien bei einer Bewerbung ignoriert werden müssen, hat nichts mit Intoleranz zu tun, sondern mit Ignoranz seitens der Bewerberin. Und lenkt leider von den berechtigt angeprangerten Ungerechtigkeiten in der Behandlung von Menschen mit vorurteilsbehafteten Merkmalen ab.
Mir ist kein Fall bekannt, bei dem eine Trägerin einer Kette mit Kreuz diese abnehmen musste, Ihnen?

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kernziel 01.04.2014, 15:16
5. Diskriminierte diskriminieren

hört sich paradox an, ist aber so....leider. Das habe ich schon häufig selbst erlebt und bin doch jedes Mal erenut darüber verwundert. Ich kann es einfach nicht fassen, dass Menschen, die selbst die Erfahrung machen, diskriminiert zu werden, häufig nicht die Fähigkeit entwickeln, mit anderen Menschen zu fühlen, die aus anderen Gründen diskriminiert werden. Traurig, SEHR traurig!

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denkpanzer 01.04.2014, 15:19
6. Fremdenfeindlichkeit vs Kopftücher

Deutschland ist fremdenfeindlich, und das ist nicht gut so. Wir verschenken uns viele gute Arbeitskräfte damit.

Aber wenn ich Kopftuch höre, bekomme ich Wut. Zuletzt wurde ein Berliner Zahnarzt erfolgreich verklagt weil er eine türkischstämmige Frau als Sprechstundenhilfe anstellen wollte aber nur ohne Kopftuch. Wer auf das Kopftuch beharrt sollte sich nicht wundern wenn es Absagen hagelt. Es ist ein Symbol der weiblichen Unterdrückung, auch wenn es freiwillig getragen wird.

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cabeza_cuadrada 01.04.2014, 15:26
7. schwieriges Thema

Zitat von Horstino
Kandidat 3 wurde echt übel mitgespielt und das ist besonders bitter, weil der Mensch im Leben eigentlich alles richtig gemacht hat. Bei den Kandidaten 1 + 2 ist die Sache aber komplexer. Kandidat 1 scheint nicht besonders reflektiert zu .....
hat halt auch was mit unangenehmen Erfahrungen zu tun oder mit Dingen von denen man in den Medien erfährt. Ich fahre Nachts nicht mit der U-Bahn oder halte mich in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil auf. Bin ich jetzt Rassist oder nur ein Angsthase?

Vielleicht sollte man auch mal die Gründe anschauen. Wenn ich auf Mallorca als Deutscher von den Spaniern schief angesehen werde, dann wegen der Erfahrungen derer mit Deutschen, mit denen ich zwar nicht in einen Sack gesteckt werden will, ich die Vorbehalte aber zu gut verstehen kann.

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majamaukisch 01.04.2014, 15:27
8. leserin

Hauptschulabschluss und KFZ Lehre, später hervorragende Bachelorarbeit und mehrere Sprachen? Das nenne ich aber Karriere. Wie geht das denn?

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Tiananmen 01.04.2014, 15:28
9.

So, so ... deutlich mehr Bewerbungen! Wenn ich die Zahlen recht erinnere waren es 7 statt 5. Und die Studie sagte das Gegenteil aus, nämlich, dass in der Mehrzahl nicht diskriminiert wurde, besonders bei größeren Firmen. Eigentlich waren die Unterschiede nur in Kleinbetrieben merkbar. Türkische Kleinunternehmer stellen dagegen nahezu keine deutschen Bewerber ein.

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