Forum: Karriere
Doku über Unternehmensberater : Eine wirklich radikale Veranstaltung
Harun Farocki

"Der Sinn muss einfach da sein": Berater sprechen ihre eigene Sprache - verstehen kann sie kaum jemand. Filmemacher Harun Farocki hat Hamburger Unternehmensberater mit der Kamera begleitet und sich ihnen wie ein Ethnologe genähert. Zurecht, wie sein Film beweist.

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Isolde2 12.10.2012, 15:55
10.

@mcafro (Zitat: ich weiss sehr wohl, dass meine kunden dinge wissen, die ICH nicht weiss...)

...zum Beispiel, dass man tot mit d schreibt (hinten, nicht vorn) ;-).

Wo ich Sie aber hier schon mal dran habe und Sie sich doch offensichtlich so gut in der Branche auskennen, gleich noch eine Frage: mein Eindruck ist, dass "Unternehmensberater" sich in den letzten, sagen wir 25-30 Jahren kolossal vermehrt haben in Deutschland. Es muss Unmengen von "Unternehmensberatern" im Land geben. Dementsprechend muss die Konkurrenz doch auch gigantisch sein. Ist das denn überhaupt noch attraktiv, dieser Beruf? Oder ist die Tatsache, dass auch Sie einen Ford Focus Kombi Jahreswagen fahren ein Zeichen, dass es mit der Branche bergab geht? Die Frage meine ich übrigens ganz ernst und keineswegs ironisch. Wäre tatsächlich für eine Antwort dankbar.
Gruss,
Isolde2

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StormLeo 12.10.2012, 16:24
11. Ernste Antwort...

Zitat von Isolde2
Dementsprechend muss die Konkurrenz doch auch gigantisch sein. Ist das denn überhaupt noch attraktiv, dieser Beruf? Oder ist die Tatsache, dass auch Sie einen Ford Focus Kombi Jahreswagen fahren ein Zeichen, dass es mit der Branche bergab geht? Die Frage meine ich übrigens ganz ernst und keineswegs ironisch. Wäre tatsächlich für eine Antwort dankbar. Gruss, Isolde2
Hallo,
ich weiß, dass ich nicht direkt angesprochen war, aber ich antworte trotzdem... (is bestimmt auch wieder typisch Berater oder so...)

Ich selber arbeite jetzt ein paar Jahre als Unternehmensberater und behaupte mal ein ordentliches Bild der Branche zu haben. Und ich muss sagen, der Beruf ist immernoch überaus attraktiv. Sicher ist die Goldgräberzeit (80-90er Jahre) längst vorbei, aber für einen Berufseinsteiger ist das egal. Einem selber gehört die Firma eh nicht ;)
Attraktiv ist das schnelle Lernen, die umfangreichen Erfahrungen, die Kontakte in alle Ebenen von Konzernen und natürlich nicht zuletzt auch die Bezahlung.
Klar gibt es heute auch viele selbständige einzelne "Unternehmensberater", die in der Tat wenig Ahnung haben und dadurch auch nicht sonderlich erfolgreich sind... aber so is das ja in jedem Job, oder?

Alles in allem würde ich aber keineswegs sagen, dass es mit der Branche bergab geht :)

viele Grüße...

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R2B2 12.10.2012, 16:45
12. optional

Einstiegsgehalt 60.000, Nach der Probezeit Dienstwagen für 500 Euro Leasingrate sind so die Pakete die ich kenne. Wer da mit der Berufserfahrung Ford Focus faehrt, ist sicherlich nicht die Art von Unternehmensberater die den meisten Leuten da vorschweben.

Von daher hat die Branche an sich nach wie vor seine Reize, dies ist aber nur möglich, da ein gewisser Mehrwert für den Kunden erzeugt werden kann

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poeller 12.10.2012, 16:49
13. Falsche Überschrift

In der Überschrift "Unternehmensberater" zu schreiben, ist wohl nur ein Akt der Aufmerksamkeitsheischerei. Hier geht es um Raumkonzepte. Das hat aber auch gar nichts mit Unternehmensberatung, wie man das z.B. mit McKinsey, Boston oder Roland Berger assoziiert zu tun. Beratung ist leider viel quantitativer und, auch wenn manche es nicht glauben, richtig harte Arbeit.

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c54 12.10.2012, 16:49
14. Der Einsatz

von Unternehmensberatern erfolgt in 90% der Fälle deswegen, weil entweder der Unternehmer selbst zu feige ist, längst bekannte Schwachstellen seines Ladens zu beseitigen und dazu einen Persilschein von vermeintlichen externen Fachleuten will, oder weil er von Kreditgebern dazu genötigt wird. Meine persönlichen Erfahrungen mit UBs zeigten mir deren meist äußerst mageres Kompetenzniveau. Die Beratungen brachten außer erheblichen Kosten rein gar nichts, die meisten Maßnahmen waren reine Theorie und für die Praxis untauglich. Aber was soll´s, ein Unternehmen, das unfähig ist, seine Fehlentwicklungen selbst zu erkennen, ist éh zum Untergang verurteilt, egal ob mit oder ohne Unterstüzung durch UBs.

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der tom 12.10.2012, 16:53
15. Ganz üble Menschen...

...diese Berater. Können nichts und verdienen viel zu viel Geld. Eigentlich sind alle Berater nur Schwätzer, die einfach nichts anständiges gelernt haben. So sieht also die Welt der Berater aus Sicht des Spiegel aus. Eine klein wenig differenziertere Sichtweise hätte dem Spiegel eigentlich ganz gut gestanden. Ist es nicht etwas billig, immer wieder die gleichen Vorurteilen und pauschalisierenden Bildern, die wir schon 1'000mal gehört haben, herauszukramen?

Wenn ich darüber nachdenke, ob Berater unserem Unternehmen geschadet oder geholfen haben, muss ich feststellen, dass es auf die Beratungsfirma ankam. Einige sind mit guten Ideen gekommen, die wir, vielleicht auch auf Grund einer gewissen Betriebsblindheit, nicht gehabt haben und haben diese auch professionell, wirkungsvoll und nachhaltig umgesetzt. Es gibt natürlich auch in diesem Berufsstand "Schwarze Schafe". Aber auch nicht jeder Handwerker hat bei mir zu Hause immer nur gute Arbeit abgeliefert.

Und der Witz mit den Schafen ist übrigens auch schon fast 20 Jahre alt - er wird halt reflexartig immer mal wieder gerne zum besten gegeben wenn das Stichwort "Unternehmensberater" fällt. Zu dem Thema Beratung gibt es noch eine Menge zu sagen, man muss nur bereit sein, sich mal wirklich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

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deedl 12.10.2012, 17:04
16. Ich habe Mitleid mit Unternehmensberatern

Zitat von StormLeo
Attraktiv ist das schnelle Lernen, die umfangreichen Erfahrungen, die Kontakte in alle Ebenen von Konzernen und natürlich nicht zuletzt auch die Bezahlung.
Sie tun mir leid. Sie gehören zu denen, die ihr Leben opfern in der Hoffnung, dass es sich später bezahlt macht. Unternehmensberatung ist etwas für Menschen ohne Leben. Solche kenne ich auch, die arbeiten bei McKinsey, lassen sich da ausbeuten von Leuten, die wirklich viel Geld verdienen und glauben auch noch am großen Rad zu drehen, obwohl sie nur Knechte sind.

Mann kann natürlich 70 Wochenstunden arbeiten und sich das schönreden. Letztendlich bietet ein erfülltes Privatleben deutlich mehr Möglichkeiten, zu lernen und Erfahrungen zu sammeln. Kontakte zu irgendwelchen Konzernebenen sind menschlich wertlos, sie dienen lediglich der zukünftigen Karriere und werden danach bewertet, dass sie zukünftig vielleicht zu mehr Geld führen, welches vielleicht die Lebensqualität bringt, die jetzt geopfert wird. Tatsächlich ist es das gute alte Prinzip Paradies: ärgere dich nicht über aktuelle irdische Qualen, denn später kommt das Himmelreich. So kontrolliert man Menschen, das ist alt und bewährt.

Der Berufsanfänger in der Unternehmensberatung wirft die besten Jahres seines Lebens weg und wird auf die Zukunft vertröstet. Der Stundenlohn ist mager, da die "gute Bezahlung" eher ein Schmerzensgeld für massive Überstunden ist. Wer etwas vom Leben haben möchte, der sollte sich einen normalen Job suchen, der einem ein erfülltes Privat- und Sozialleben ermöglicht (ja, man kann das ausdrücken ohne "Work-Life-Balance" zu sagen). Kein Geld der Welt kompensiert das Unleben, von Sonntag Nachmittag bis Freitag Abend aus dem Koffer zu leben und pappiges Hotelfrühstück zu essen.

Ich wünsche jedem, der so einen Job hat, dass er eines Tages die Weisheit gewinnt, dass die "Anerkennung" im Job von Leuten kommt, von denen sie nichts Wert ist und dass die "Erfolge" im Job Pyrrhussiege sind, dass das "Lernen" nur ein Kratzen an Oberflächen ist, ohne dass komplexe Zusammenhänge jemals voll durchdrungen werden und dass die Mehrbezahlung gegenüber einem normalen Job in keiner Relation zu den Opportunitätskosten in Form von Lebensqualität steht.

Wie gesagt, ich kenne solche auch, ich möchte nicht mit ihnen tauschen.

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BettyB. 12.10.2012, 17:22
17. Unternehmensberater - Unternehmensleitungsunterstützer

Der Unternehmensberater habe ich einige erlebt, Zumeist ging es dabei darum, einen Externen zu haben, der eigentlich längst bekannte schlechte Nachrichten zu verkaufen helfen sollte. Die zumeist jungen und redegewandten Männer kamen dann auch darauf, was die Unternehmensleitung wollte, verpackten deren Ideen sprachlich - und freuten sich dabei auf die Chance eines Folgeauftrags. Auf die blitzenden Zähne durfte man ihnen dabei zumeist nicht fühlen, denn dann wäre ja herausgekommen, dass sie von Geschäft selbst wenig verstehen. Tja, und dann holte oft die Wirklichkeit die Unternehmensleitung ein und aus den so schönen Plänen wurde nichts. Teuer eingekufte heiße Luft, aber die Leitung konnte dann doch den Kopf schütteln, denn der Vorschlag stammte schließlich von Externen. Tolle Taktik, die aber leider selten aufging...

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wrdlmpfd 12.10.2012, 17:28
18.

Zitat von R2B2
Einstiegsgehalt 60.000, Nach der Probezeit Dienstwagen für 500 Euro Leasingrate sind so die Pakete die ich kenne. Wer da mit der Berufserfahrung Ford Focus faehrt, ist sicherlich nicht die Art von Unternehmensberater die den meisten Leuten da vorschweben. Von daher hat die Branche an sich nach wie vor seine Reize, dies ist aber nur möglich, da ein gewisser Mehrwert für den Kunden erzeugt werden kann
So wie die 12 (!) Consultingfirmen, die z.T. gleichzeitig die Traditionsfirma "Märklin" in die Insolvenz "berieten"?
Ich zitiere einen Spon-Artikel aus 2009, der die erste Maßnahme des Insolvenzverwalters wie folgt beschreibt:
"Seine erste Maßnahme im Unternehmen beschrieb der Jurist mit den Worten: "Alle Berater raus." Teure Beraterverträge galten als ein Grund für die Schwierigkeiten von Märklin. Diese Verträge nun aufzulösen, spare einen knapp zweistelligen Millionenbetrag im Jahr, sagte Pluta. Dies sei fast die Hälfte des Jahresverlustes. Zur Zahl der bei Märklin tätigen Berater sagte Pluta: "Da tränen einem die Augen."

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mk84 12.10.2012, 18:38
19. Kreisläufe

Mich wundert ehrlich gesagt, dass die Unternehmensberatungsbranche überhaupt noch existiert... Aber in den Netzwerken der "Leistungsträger" kennt man sich eben, obwohl selbst der letzte tolle Hecht am Hebel mittlerweile mitbekommen haben sollte, wie sinnfrei diese "Leistungen" für ein Unternehmen sind (für den beauftragten alten Kumpel aus dem BWL und Co. Studium selbstverständlich nicht, der "verdient" ja sein Geld mit... ähhh... "Beratung")

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