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Dolmetscherin : "Hinterher soll keiner mehr wissen, dass ich dabei war"
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Sie kennen die Staatsgeheimnisse dieser Welt und flüstern Barack Obama ins Ohr. Dolmetscherin Helle Fordyce erklärt, wie sie sich auf Konferenzen vorbereitet, und warum Versicherungen sie und ihre Kollegen in eine Risikostufe mit Piloten stecken.

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FrischFrosch 12.10.2015, 22:34
10. Computer-Übersetzungen

Da fällt mir erst mal Hofstadters "Gödel, Escher, Bach - An Eternal Golden Braid" bzw. "ein endloses geflochtenes Band" ein - wo es "buchstäblich" (EGB - GEB) drauf ankommt, nicht nur im Titel, der ganze Wälzer wimmelt nur so von solchen (nicht nur typografischen) Spielchen. Da ist die Übersetzung für sich allein schon ein bewundernswertes Meisterwerk, das kriegt ein Computer in 100 Jahren nicht hin.

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KilgoreTrout 12.10.2015, 22:46
11.

Zitat von Sibylle1969
(...) Ich habe bei meiner Arbeit schon öfters die Aufgabe gehabt, die Übersetzungen (Englisch->Deutsch) von Webseiten oder Marketingmaterialien, die auf IT-Themen spezialisierte Übersetzungsbüros erstellt haben, korrekturzulesen, und was da heraus kam, war oft haarsträubend. Man konnte sofort sehen, dass die meisten Übersetzer/innen weder den Sinn des englischen Originaltexts verstanden hatten noch ihre deutsche Muttersprache gut beherrscht haben. Letztendlich habe ich dann immer die Übersetzungen komplett neu machen müssen, wobei alle Kollegen gesagt haben, dass mein Text deutlich besser war als der von den professionellen Übersetzer/innen. (...)
Schon öfters, aha. ;)

Mit Verlaub, Madame, das kommt davon, wenn man 1. Agenturen einsetzt und sich dann 2. das billigste Angebot heraussucht.
Und das werden Sie sicherlich getan haben, wie so gut wie alle in Ihrer Branche, die einfach daran glauben, ein "auf IT-Themen spezialisiertes Übersetzungbüro" gefunden zu haben, weil es so auf der Website steht ...

Wer sich einigermaßen auskennt, sucht sich tatsächlich einen freiberuflichen oder fest anzustellenden Übersetzer, den er auf Herz und Nieren prüft. Der entfernt dann die Deppenleerzeichen und unnötigen Anglizismen aus den Texten, die der durchschnittliche IT-Knecht verbricht.

Spezialisten von der Sorte "in 20 Jahren macht das alles der Computer" und "ich kann das alles besser als die Profis" erlebe ich tagtäglich ... weil ich deren Unfug und Verschlimmbesserungen zu nicht mehr ganz so billigen Preisen in letzter Sekunde wieder richten darf. Also immer weiter so: die Firma dankt.

Nur in einem Punkt haben Sie völlig recht. Diplomübersetzer sind oft kein Stück fähiger als Übersetzer ohne Diplom mit Sprachgefühl. Aber das merken die meisten Kunden erst, wenn es zu spät ist – oder auch gar nicht.

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eggie 12.10.2015, 22:51
12.

"Rien ne vaS plus" wird sie wohl nicht hochhalten, denn 3.pers.sing.m. wird ohne S geschrieben. Man könnte es sogar googlen. Aber das scheint nicht im Gesamtpaket der Henri-Nannen-Schule enthalten.

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nahörmal! 12.10.2015, 22:56
13. gehört das jetzt hierhin?

Na gottseidank beschreibt die Dolmetscherin, auf Augenhöhe interviewt von Frau Endres, dass --- ZITAT "Wenn ich zum Beispiel einen Brief übersetze aus einem Sprachraum, wo man zu sehr blumigen Abschiedsformulierungen neigt, übersetze ich nicht wörtlich "Mit der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen, den besten Wünschen für Ihre Gesundheit und die Ihrer Familie, möge Gott Sie schützen", ...". Warum ich das schreibe? Ich war sehr verwundert über http://www.spiegel.de/politik/ausland/juergen-todenhoefer-biederte-sich-assad-vertrauter-an-a-1034624.html, wo ihm ein "Liebe Prinzessin des Nahen Ostens" schon Schelte wegen Anbiederei etc. einbrachte. Aber wenn nun eine Dolmetscherin manchen Sprachräumen blumige Formulierungen attestiert - dann kann ja an Todenhöfers E-Mail-Anrede nichts Verwerfliches gewesen sein, oder?

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emmerot 12.10.2015, 23:05
14. you made my day

Ich muss eine Lanze brechen für die Übersetzung durch Menschen. Lebenserfahrung, Sprachgefühl, und Menschenkenntnis (dem Autor und dem Leser gegenüber) können durch noch so schlaue Computer erst in vielöen Jahren ersetzt werden. Das habe ich gelernt, als ich zeitweise am Wochenende einen Nebenjob als forklift driver hatte und dabei viel Gelegenheit fand, verschiedene Versionen von Übersetzungen kennen zu lernen. Und das bringt mir auch heute noch sehr viel. Schon damals konnte ich nach den ersten vier, fünf Sätzen erkennen, ob eher ein sales engineer (m/w) oder doch ein facility manager (m/w) übersetzt hatte. Und heute erkenne ich teilweise schon am Geschmack, wer die neueste Folge von Doctor Who synchronisiert hat. "Who really composed Beethoven's 5th?"

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bb103 12.10.2015, 23:11
15. Terminologische Spitzfindigkeiten ;-) ... äh Präzision

Endlich mal ein ausgewogener Artikel über die Branche. Allerdings würde ich mir, wenn schon nicht von den Journalisten, dann wenigstens von den Dolmetschern wünschen, dass sie auch die Verben „dolmetschen“ und „übersetzen“ korrekt verwenden: Dolmetscher übersetzen keine gesprochene Sprache. Sie dolmetschen gesprochene Sprache. Ansonsten könnte man sie auch in der Fachsprache als Übersetzer bezeichnen. Tut man aber nicht.

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JaIchBinEs 12.10.2015, 23:15
16. Kommunizieren bedeutet

Zitat von mich_tav
Die computergestützte Übersetzung wird nicht "in 20 Jahren soweit sein". Diese Prognose hatten wir schon vor 20 Jahren. Dass sie irgendwann soweit sein wird, ist sicher, aber es wird noch zwei Menschengenerationen dauern, bis Computer allgemeine Texte einigermaßen verständlich werden übersetzen können, von metasprachlichen ganz zu schweigen.
Absolut Zustimmung!
Selbst wenn ein Übersetzungsprogramm alle Redewendungen(engl.:"It rains dogs and cats", dt,:"Es regnet in Strömen") auswendig kennt oder mit unsymmetrischen Mehrdeutigkeiten (engl. "line", deutsch "Zeile" oder "Linie"?) klarkommen würde, könnte es mit dem "Verstehen" hapern.
Sprachliche Kommunikation kann Semantik enthalten, das heisst der Sinn eines Satzes wird erst durch die Vorgeschichte klar.
Bis eine KI etwas korrekt "versteht", kann es noch dauern.

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JaIchBinEs 12.10.2015, 23:18
17. Fluchgebräuche

Ich stelle mir bei Verhandlungen vor, das da auch mal geflucht wird.
Kennt Frau Fordyce da die Gebräuche?

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ArminSellerie 12.10.2015, 23:27
18. The Ü-files

Ja da kann ich auch ein Lied davon singen. Als ich 7 war, wollte ich unbedingt Sales Manager werden. Hauptsächlich, weil mich das Korrekturlesen von Übersetzungen so faszinierte. Während meines Medizinstudiums habe ich dann allerdings gemerkt, dass ein Fussballprofi deutlich mehr verdienen kann - fast die Hälfte eines Facility Managers. Leider brach ich mir bei einem Probetraining in Leipzig die Hand, weshalb ich notgedrungen eine Agentur für freiberufliche Key Account Manager gründen musste. Und was soll ich sagen: Die Jungs sind wirklich extrem fit in Sachen Simultan Dolmetschen und IT-spezifischen Überetzungen. Wobei sich genau hier der Kreis schliesst: Unsere Kunden sind vor allem Sales Manager, die sich von uns Übersetzungen plagiieren lassen, um diese dann als ihre eigenen vorzugeben. Heute verdiene ich das 4,5 fache eines Bekannten.

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GyrosPita 12.10.2015, 23:46
19.

Zitat von mich_tav
Die computergestützte Übersetzung wird nicht "in 20 Jahren soweit sein". Diese Prognose hatten wir schon vor 20 Jahren. Dass sie irgendwann soweit sein wird, ist sicher, aber es wird noch zwei Menschengenerationen dauern, bis Computer allgemeine Texte einigermaßen verständlich werden übersetzen können, von metasprachlichen ganz zu schweigen.
Och, ganz bestimmt wird das ja bald ein Computer machen können. Das Elektroauto steht ja auch seit 30 Jahren "bald" vor dem Durchbruch. Sehr "bald" wird aktuell das selbstfahrende Auto seinen Durchbruch feiern.

Was noch fehlt ist ein Computerprogramm das einem regelmäßig irgendwelche Prognosen unterjubelt die man dann kritiklos nachquasseln kann. Na ja, kommt bestimmt bald...

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