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Druckerpatronen, Rotstifte, Klopapier: Was Lehrer aus eigener Tasche bezahlen
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Fast alle Lehrer in den USA kaufen mit eigenem Geld Unterrichtsmaterial - für durchschnittlich fast 500 Dollar pro Jahr, zeigt eine Studie. Ist das in Deutschland auch so?

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womo88 18.05.2018, 14:12
1. Eulen nach Athen tragen

Das ist doch bekannt, dass man alles selbst bezahlen muss. Keine Schule stellt einem Lehrer einen PC ins Arbeitszimmer und in die Schule auch nicht, weil er da keinen Arbeitsplatz hat. PC, Software, Drucker, Papier etc. zahlt man alles selbst. Man hat zwar in der Schule keinen Arbeitsplatz, muss diesen zuhause einrichten, aber keiner zahlt was dazu. Man hat ja auch Raumkosten.
Wenn ich nach Lehrmaterial gefragt habe, bekam ich dsas zwar, aber immer mit dem Hinweis, dass ich darauf kein Anrecht hätte, sondern es selbst besorgen und bezahlen müsse. Da war ich dann der Bittsteller, dem eine Schulleitrerin aus Gnade ein Schulbuch leihweise überließ. Das gibt es in keiner Firma außer noch in Kirche. Die sind noch schlimmer.

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order66 18.05.2018, 14:16
2.

Bei meiner Frau sind es jährlich ca. 2.000 bis 3.000 für Bücher, Material und KleinKram. Hinzukommt ca 150 € die ich dem Förderverein der Schule meiner Kinder spende, damit davon, Achtung kein Witz, eine Putzfrau, Seife und Papier für das Schulklo bezahlt wird. Willkommen in Deutschland.

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fräulein A. 18.05.2018, 14:32
3. Dito

Ich stecke ebenfalls viel Geld in den Unterricht und in die Ausstattung des Klassenraumes (Grundschule, Niedersachsen). Vieles davon erleichtert mir die Arbeit, wäre aber nicht unbedingt notwendig. Die Schüler kann ich auch ohne diese Anschaffungen AUSREICHEND (das ist Note 4) beschulen. Was ich aber unmöglich finde, ist, dass es Fächer gibt, in denen ich gezwungen bin mir Material anzuschaffen, weil Unterricht sonst nicht möglich ist. Für den Englischunterricht braucht man z. B. zwingend die zum Lehrwerk zugehörigen Bild- und Wortkarten für die Tafel. Den Kartensatz gibt es einmal an der Schule. Für 6 Klassen. Englischstunden liegen parallel. Finde den Fehler! Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Es geht pro Jahr mindestens ein Jahresurlaub drauf für Ausgaben. Aber wenigstens kann man das hier im Gegensatz zu den USA von der Steuer absetzen.
Manchmal denke ich, ich sollte einfach mal nur mit dem arbeiten, was ich zur Verfügung gestellt bekomme. Mal sehen, ob die Eltern nach 2 oder nach 3 Wochen auf der Matte stehen. Bei Elternabenden weise ich gelegentlich daraufhin, was in diesem Raum alles mir gehört. Meist herrscht dann Ungläubigkeit und Beschämung.

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dondon 18.05.2018, 14:33
4. Ja, es ist so.

Um die einleitende Frage zu beantworten: Ja, es ist in Deutschland auch so. Am schlimmsten ist es im Referendariat. In dieser Zeit verdient man sehr wenig und bezahlt sehr viele Dinge aus eigener Kasse. Und wenn man dann dreister Weise einige dieser Dinge als Werbungskosten in der Steuererklärung kenntlich macht, wird man sogar persönlich vom Finanzamtbeamten angerufen und zur Rede gestellt. Neben vielen unterrichtsrelevanten Dingen (Stifte, Papier, Druckerpatronen und auch der Drucker selber, teure Musikbücher mit noch teureren Cds, sonstige Bücher, Mappen, Hefter, Materialien für Kunst,... etc pp.) gehören da auch Dinge zu, wie Spezielreiniger für bspw. Fenster oder diverse andere Sachen, Sportkleidung, Taschen, Warnwesten, Lizenzen für Internetseiten, Dinge die geklaut werden und niemand finanziell ersetzt.... In der Grundschule sind diese Ausgaben vermutlich am höchsten. Aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

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lachina 18.05.2018, 14:37
5. Die Zahlen sind richtig.....

ich war Heimat- und Sachkundelehrerin an einer Grundschule in einem sozialen Brennpunkt. Fast alles Arbeitsmaterial habe ich selbst besorgt - den Eltern war auf Grund ihrer prekärer Lage keine Materialbeteiligung zumutbar bzw auch nicht einsichtig - da ich aber auch Bekannte, Verwandte etc. im Voraus um Materialien, die man verwenden kann, angehauen habe , unterhielt ich in der Tat ein kleines Sachkunde- und Kunstlager in meiner Wohnung. Im Lehrerzimmer habe ich gerade mal einen Stuhl und ein Schließfach, da ist kein Platz.
Lehrer erkennt man eh daran, dass sie alles mitschleppen bzw ihr Auto vollgeladen haben - deshalb ist nebenher bemerkt auch die Benutzung der Öffis fast unmöglich.
Außer Unterrichtsmaterialien kaufte ich auch einen Verbandskasten, Hefte, Ordner, Plastikhüllen und Stifte.
Die Schule hat natürlich einen Fundus, wenn man Glück hat, ist dann auch etwas da, aber oft nicht in der richtigen Anzahl oder das Falsche.
Auf den Gymnasien meiner Töchter war das aber defintiv anders: Für alles und jedes wurden wir Eltern zur Kasse gebeten. Arme Eltern oder Eltern mit mehreren Geschwisterkindern haben das beklagt.
Schon am Anfang meiner Laufbahn sagte man mir, es gäbe zwar Lehrmittelfreiheit, aber keine Lernmittelfreiheit, was bedeutet, dass diese Kosten Eltern, Schüler oder eben Lehrer zu tragen haben.

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mieze_0308 18.05.2018, 14:48
6. Ich bitte Sie!

Ich selbst bin Lehrerin und beglückwünsche den Autor, dass er mal wieder einen Schritt hin zum Lehrerbashing frei macht. JA, wir zahlen viele Posten selbst, JA, ich habe ein Arbeitszimmer extra im Haus, welches mir Zusatzkosten verursacht, JA .... Aber liebe Leute: Ich kann das alles absetzen, kann in meinem eigenen und persönlich eingerichtetem Zimmer arbeiten und bin frei mir auszusuchen, wann ich das tue. Ich bekomme ein gutes Gehalt und Zulagen. Und NEIN, ich habe keinen extra Arbeitslaptop, sondern nur den einen, den ich auch so hätte, ... Auch der Bankangestellte muss seinen schicken Koffer, seine Anzüge aus eigener Tasche zahlen, also bitte kein Gejammer. Und Rotstifte, echt? Ja so ein Fineliner kostet schon mal 60 Cent, aber müssen wir uns darüber beschweren?
Nur bei Klassenfahrten streike ich. Diese Kosten, auf denen ich tatsächlich sitzen bleibe, weil zu den eigentlichen Kosten der Fahrt eben auch die der Kinderbetreuung für 5-10 Tage oder ersatzweise notgedrungenermaßen Urlaubstage meinenes Mannes draufgehen, die uns keiner ersetzt, weigere ich mich zu zahlen. Sprich ic fahre grundsätzlich nicht, weil wir uns das tatsächlich nicht leisten können - aber das sind keine 60cent für einen Rotstift, sondern geht indem vierstelligen Bereich...

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mina2010 18.05.2018, 14:52
7. Nein bei uns ist dass viel besser ...

Ich war ca. 20 Jahre mit einer Grundschullehrerin zusammen und das ist auch schon ein Weilchen her.
500 Dollar wurden da Jahr für Jahr locker getoppt.
Kleiner Auszug:
Musikinstrumente
Selbst bezahlte Fortbildungen
Lehrbücher
Kopierpapier
Bastelmaterialien
Computer, Drucker
usw. usw.

Damals war wenigstens noch ein Arbeitszimmer absetzbar.
Dafür haben unsere Abgeordneten richtig Kohle nebenher, für die Sie keine Rechenschaft ablegen müssen.
Kaum eine Schule kommt ohne Ihren Förderverin über die Runden.
Die Schulverwaltungen sind noch so nett, die Farbe zu spendieren,
streichen dürfen Eltern, Lehrer und Erzieher selber streichen.
Allerdings ohne Versicherungsschutz.

Ohne das private Engagement wäre es um unser Bildungeswesen noch deutlich schlechter bestellt.

Ach, ja teilweise darf man es ja von der Steuer absetzen.

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ecsumma 18.05.2018, 14:56
8. Ca. 2.000€

Meine Frau ist Grundschullehrerin in Bayern.

Wir setzen jedes Jahr ca. 2.000-2.500€ Arbeitsmittel an, von denen jedoch lediglich ein Teil von der Steuer (zeigen Sie mal, dass der Prittstift nur für die Schule verwendet wird); und davon bekommen wir ja lediglich den Steueranteil wieder.
Die Kosten für ihr Arbeitszimmer (welches mit Aktenordnern, Unterlagen etc. voll ist) sind da noch gar nicht berücksichtigt.

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letztes_wort 18.05.2018, 14:56
9. Tja, so ist es

Bei meiner Frau kommt da auch einiges zusammen: Arbeitszimmer, Computer, Drucker, Toner, Papier dafür, Fotokopien müssen in der Schule auch bezahlt werden, Fahrtkosten für Praktikumsbetreuung der Schüler, Klassenfahrten, Bücher, Stifte, usw. usf. 2.000 bis 3.000 € kommen da pro Jahr zusammen. Selbst wenn man das (teilweise) von der Steuer absetzen kann, bleiben dennoch 70%, also 1.400-2.100€ bei uns selber hängen.

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