Forum: Karriere
Ein Metzger schließt seinen Betrieb: "Meine Mutter stand neben mir und hat geweint"
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In den vergangenen zehn Jahren mussten rund 30 Prozent der Metzgereien und Bäckereien in Deutschland aufgeben. Auch Arno Schmelz in Kassel war darunter. Hier erzählt er von Schulden, Ängsten - und lügenden Kunden.

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beuerlein 28.04.2019, 08:28
1. Folgen

der Geiz-ist-geil-Metalität. So geht es uns Landwirten auch. Buchhandlungen, Tante Emma Läden, Post, Sparkasse....

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schwäbischalemannisch 28.04.2019, 08:35
2. Tragisch. Aber sicher auch selbst verschuldet

Betriebswirtschaft ist oft nicht das Ding von Handwerkern. Man muss sich den Gegebenheiten anpassen. Was über Generationen ein „Selbstläufer“ war, ist heute leider eher ein Auslaufmodell. Es ist wohl so, dass die großen Betriebe Massenware produzieren, zwar unter hygienisch einwandfreien Umständen. Aber die Qualität ist eben nicht die selbe wie im Fleischerfachgeschäft, was heute die meisten Metzgereien ja nur noch sind. Nur: immer mehr Menschen können sich qualitativ hochwertigere Lebensmittel nicht mehr leisten. Und ein paar Dutzend Großkonzerne weltweit decken heute weitgehend unsere Versorgung mit Kalorien ab. Ich sage bewusst nicht Lebensmittel…

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hermann_huber 28.04.2019, 08:35
3. Geiz ist halt nicht geil

Sondern ein Störgefühl.

Sehr schade das zu lesen von einem Betrieb mit 10 Mitarbeitern.

Das ist eben Deutschland. Den teuersten Grill und das grösste Auto geleast um anderen zu Imponieren. Und dann am liebsten das billigste vom billigsten Essen kaufen

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sunnysideoflife 28.04.2019, 08:40
4. ...so traurig...

...und immer mehr solcher Betriebe gehen den Bach hinunter..
Ich kaufe mein Fleisch tatsächlich nur beim Metzger, wenn ich wie vorgestern in der Nettowerbung Hackfleisch 500gr für 1.49€ oder 1.99€ jetzt weiß ich es nicht mehr so genau, sehe, dann könnte ich das würgen anfangen..und alle rennen hin und kaufen es..kein Wunder das alle immer kränker werden.
Fast niemanden interessiert es woher sein Fleisch od andere Produkte herkommen, Hauptsache billig, ob dabei nötig oder nicht, billig ist und bleibt der Trend, damit man mehr für, Klamotten, Urlaub, Auto ausgeben kann..
Dabei ist es beim Metzger um die Ecke, gar nicht mal teuer, aber man hat das Verhältnis durch die ganzen Discounter total verloren..alles kaputt und es lässt sich leider nicht aufhalten..traurig

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transsib_reisen 28.04.2019, 08:43
5. Geiz-ist-geil-ist-strohdumm

ja klar, wenn das Gros der Leute unbedingt Schnitzel haben muss für 4,99 / Kilo, geht der Metzger unter und mit ihm jede Menge Fachkenntnisse.

Dass Frau Mustermann dann aber den letzten aufgeblasenen Wasserfleischdreck vom Supermarkt ersteht, ist die logische Folge!

Lieber nur 1 X Steak pro Woche, das darf dann 50.- / Kilo kosten vom Biolandwirt.

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westerinen1967 28.04.2019, 08:47
6. Ganz normales Unternehmerrisiko

Das ist doch etwas ganz Normales. So verhält es sich seit jeher, in allen Branchen und überall auf der Welt. Rahmenbdingungen ändern sich, neue Konkurrenz tritt "in den Ring", Kundenverhalten passt sich Veränderungen an.

Der Einzelfall ist jeweils schmerzhaft und traurig, aber dennoch ist das nichts irgendwie Beunruhigendes. Andere Berufe sind beispielsweise vollständig verschwunden und trotzdem geht alles weiter.

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polltroll 28.04.2019, 08:51
7. Bedenkliche Entwicklung

Es ist wirklich bedauerlich wenn so ein Traditionsbetrieb mit regionalem Bezug schließen muss. Vor allem das immer wieder widersprüchliche Kundenverhalten ist gruselig: Amazon wirbt im Fernsehen mit der „Manufaktur Liebevoll“ und Regionalität... scheint ja allen so wichtig zu sein. Aber dafür 2 Schritte mehr machen oder etwas mehr zahlen will keiner. Zumal das Meiste von dem Amazon Kram aus China kommt! Schöne Doppelmoral die da sichtbar wird.

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karlo1952 28.04.2019, 08:59
8. Bei der ganzen Problematik darf man nicht übersehen,

dass immer mehr Menschen immer weniger Fleisch verzehren. Vor allem die Jüngeren essen lieber vegetarisch oder vegan. Auch wir essen max. 2mal die Woche Fleisch, und davon einmal im Restaurant. Wurst brauchen wir seit Jahren nicht mehr. Von uns kann also kein Metzger überleben. Aber das ist eben der Lauf der Dinge.

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christerix 28.04.2019, 09:00
9. Erschütternde und verstörende Realität

Nimmt man alle Meldungen der letzten Jahre und der jüngsten dieses Jahres zusammen, kann man nur zum Schluss kommen, dass hier unsere Regierung(en) absolut geschlafen haben. Dass die EU mit eine Schaufel die Gräber mitschaufelt, nun, das wissen wir nicht erst seit gestern. Die "Hygienevorschriften" sind in vielerlei Hinsicht wohl eher als "Beamtenvorschriften" zu sehen, weil realitätsferne EU-Kommissare und Parlamentarier, leider auch Minister, irgendwelche Gesetze erlassen, von denen sie ohnehin nur sehr wenig Ahnung haben. Ganz ehrlich: Welcher Minister hat Ahnung von Kleinbetrieben, welcher Politiker und welcher aus den Politikern gewählte EU-Kommissar? Wir sehen das doch auch an anderen Stellen wie den Bienenschutz - da schreibt ein Imker eine Petition (der Spiegel berichtete, er brauche 50.000 Unterschriften und die Abgabe läuft bis 1.Mai), dass Pestizide mehr geprüft werden. Da gehen Kinder auf die Straße, weil sie ihr Recht auf eine Zukunft zeigen. Und unsere Volksvertreter? Wie kann jemand Entscheidungen treffen, wenn er keine Ahnung hat? Was hat ein Politiker denn gelernt? Was jat er studiert? Wo hat er wirtschaftliche Kompetenz her?
(Nebenbei: Welcher Politiker hat bspw. Ahnung, dass Tablets an Schulen für Kinder der größte Lern-Schwachsinn ist? Keiner. Aber einen solchen Schwachsinn entscheiden.)
Nein, hier ist ein systemischer Fehler, wie wir eindeutig (!) sehen können. Das, was dieser Metzgerei passiert ist, wiederholt sich zuhauf und geht doch weiter. Wenn jemand lernen würde, dann würde es den Mist irgendwie stoppen. Wenn er aber nicht gestoppt wird, dann darf ich mit Fug und Recht behaupten, dass da Inkompetenz regiert.
Von unseren derzeitigen Volksvertretern kann man jedenfalls keine Hilfe erwarten. Die verscherbeln doch alles lieber an die Großkonzerne - auch unsere Nahrung, unser Wasser, unsere Wirtschaft und unser Klima.
Freuen wir uns auf den weiteren Niedergang des Mittelstandes und den Kettenreaktionen.

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