Forum: Karriere
Ein Metzger schließt seinen Betrieb: "Meine Mutter stand neben mir und hat geweint"
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In den vergangenen zehn Jahren mussten rund 30 Prozent der Metzgereien und Bäckereien in Deutschland aufgeben. Auch Arno Schmelz in Kassel war darunter. Hier erzählt er von Schulden, Ängsten - und lügenden Kunden.

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slartibartfass2 28.04.2019, 11:24
90. Betriebswirtschaft?

Zitat von schwäbischalemannisch
Betriebswirtschaft ist oft nicht das Ding von Handwerkern. Man muss sich den Gegebenheiten anpassen. Was über Generationen ein „Selbstläufer“ war, ist heute leider eher ein Auslaufmodell. Es ist wohl so, dass die großen Betriebe Massenware produzieren, zwar unter hygienisch einwandfreien Umständen. Aber die Qualität ist eben nicht die selbe wie im Fleischerfachgeschäft, was heute die meisten Metzgereien ja nur noch sind. Nur: immer mehr Menschen können sich qualitativ hochwertigere Lebensmittel nicht mehr leisten. Und ein paar Dutzend Großkonzerne weltweit decken heute weitgehend unsere Versorgung mit Kalorien ab. Ich sage bewusst nicht Lebensmittel…
"Betriebswirtschaft" ist ein Glaubensbekenntnis und hat mit Wissenschaft oder ordentlichen Wirtschaftens gar nichts zu tun. Diese BWLer-Scientologen und ihre Entourage haben in den 80igern und 90igern erst die Grundlage geschaffen, dass Sätze gesagt werden dürfen wie "Geiz ist geil". Für den Ottonormalverbraucher von heute ist es aber auch schwierig geworden an echte Lebensmittel zu kommen. Ich kaufe nur nich ganz wenige Produkte in den Discountern, wie z.B. (echte) Margarine und Kaffee. Fleisch und Wurst kaufe ich nur noch in Fleischereien, denen ich vertraue. Das ist natürlich richtig teuer. Als dreiköpfige Familie geben wir über 1.000,- € pro Monat für (echte) Lebensmittel aus. Ich denke, das ist nicht für jeden machbar. Aber: zwischen dem Soylent Green in den Discountern und echten Lebensmitteln liegen Welten. Gerade Wurstwaren (die früher in Deutschland Spitzenklasse waren) sind dermaßen von den BWLer-Scientologen "downgegraded" worden, dass das mit Lebensmittel wirklich nicht mehr viel zu tun hat. Bei den Fertiggerichten ist es noch schlimmer. Und warum mache ich das? Ich möchte einfach das essen, was ich damals als Kind auch essen durfte. Außerdem möchte ich meinem Kind zeigen, dass Geiz eben nicht geil ist und Qualität ihren Preis hat.

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syracusa 28.04.2019, 11:25
91.

Zitat von frank-xps
Das die Fleischer wegen der vielen Vegetarier pleite gehen ist wohl so nicht haltbar
Dieser Unsinn ist schon dadurch widerlegt, dass wir heute enorm viel mehr Fleisch konsumieren als je zuvor. In den 1960er Jahren, als noch im kleinsten Dorf ein Metzger sein Auskommen gefunden hat, wurde nur halb so viel Fleisch konsumiert wie heute.

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Harald Schmitt 28.04.2019, 11:26
92. Wandel der Zeit nicht erkannt und zu viel Bürokratie

Das eine ist die überbordende EU-Bürokratie, wo jeder HAndschlag dokumentiert werden muss.
Das andere ist, dass der Wandel der Zeit verschlafen wurde. Dank Politikern und Ökoterroristen sind ja kaum noch Parkplätze für Kunden vorhanden, ganze Innenstädte werden gesperrt. Kunden und Lieferanten unerwünscht und die Händler können sich die Mieten nicht mehr leisten. ich laufe doch auch nicht mit 10kg Fleisch, Brötchen und Getränken für den Wochenendgrillfeier bei 25Grad im Sommer durch die Fußgängerzone und warte 30min auf die nächste Bummelbahn füpr nach Hause!
Bei öffentlichen Baustellen werden die billigsten oder Kumpels vom Bürgermeister genommen und ganze Strassenzüge monate oder jahrelang gesperrt ohne dass man Bauarbeiter sieht und ohne Rücksicht auf die steuerzahlenden Geschäftsleute.
Ich will als Verbraucher auch nicht für den Wochenendeinkauf mein ganzes Wochenende opfern und bei 20 verschiedenen Händlern anhalten.
Warum zum Geier gründen die Händler nicht ihre eigenen Supermärkte oder Markthallen? Da könnten sich dann Bäcker, Fleischer, Fischhändler, Obstverkäufer oder sonstwer zusammenschliessen als es Discountern zu überlassen ein Komplettangebot aus einer Hand anzubieten. Man spart dann auch Ausgaben für Theken, Lagerhaltung und Personal.
Ich war letztens beim Bäcker, die hatten am Samstag kurz vor 8 bevor der örtliche Discounter aufmachte kein einziges Brötchen mehr, leere Regale, das Angebot an Kuchen war auch schon am Ende! Da geht man doch kein zweites mal hin!

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oranje-web 28.04.2019, 11:26
93. als ich noch fleischesser war

gab es in meiner nähe keinen fleischer ( ich hab ein berlin gewohnt in der innen stadt) . ich spreche hier vonden 80zigerjahren. Um mein biofleisch zu kaufen musste ich zw. 30 und 45 min laufen. Also das fleischersternben fing schon viel früher an. Noch etwas kommt dazu vile Fleischereien heute verarbeiten auch nur das massentierfleisch. Warum soll ich als Fleischesser, das fleisch teurer beim fleischer kaufen wenn es dasselbe ist wie im Supermarkt an der fleischtheke ? Heute müssen sich Fleischreien halt spezialisieren. aber viele wollen das nicht. Und das kauf verhalten vieler Fleischesser ist halt auch unterirdisch. Weis selbst ausgesprächen .

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plusquam.perfekt 28.04.2019, 11:30
94. @frank-xps

Zitat: "Bezeichnend das diese Firmen wo all diese Multimillionen Unternehmer schuften keine Nachfolger finden, wohingegen im öffentlichen Dienst die Bewerber Schlange stehen"
Mal abgesehen von der Rechtschreibung ist der Inhalt dieses Satzes Blödsinn, der öffentlichen Dienst hat massive Probleme Arbeitnehmer zu finden.

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srbler 28.04.2019, 11:34
95. allerdings,

beziehen die metzger ihr fleisch von den selben schlachthöfen wie die frischetheken in gut geführten supermärkten, gute qualität ist da absolut gewährleistet und man gerne glauben das die kundschaft hier äußerst wählerrisch einkauft

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cave68 28.04.2019, 11:36
96. ich gehöre

zu den noch verbliebenen 10000 Bäckerei-Inhabern,die es hierzulande noch gibt.
Und es ist schon möglich zu existieren.Einige Foristen hier haben schon recht,wenn sie behaupten,dass auch viele Kleinbetriebe keine gute Qualität herstellen.
Aber selbst mit Qualität gibt es genügend Menschen,die man nicht als Kunde erreicht.
Kurioserweise spielt in meinem Fall der Preis gar keine Rolle...im Gegenteil:Ich bin im Schnitt sogar 10-20 Prozent günstiger als die Suoermarkt-Vorkassenzone.
Natürlich mit den 13 Cent-Brötchen am Discount-Backautomat kann auch ich nicht mithalten.
Über mangelnde Aufträge kann ich nicht klagen....andererseits sieht man bei jüngeren Menschen schon die Bequemlichkeit alles im Supermarkt zu kaufen um nicht noch (wie in meinem Fall) 2 Minuten extra Zeit zu investieren.
Kurios ist es,wenn man beispielsweise einen ortsansässigen Verein sponsort,in dessen Festzeitschrift dann liest,dass die Mitglieder doch die Sponsoren mit ihrem Einkauf unterstützen sollen...man dann aber selbst diverse Vorstandsmitglieder relativ selten in seinem Geschäft antrifft.....es ist die körperlich als auch die geistige Bequemlichkeit die der allergrösste Feind von uns Kleinbetrieben ist....

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marcaurel1957 28.04.2019, 11:37
97.

Zitat von mont_ventoux
an diesem Niedergang ist nicht unerheblich. Der Metzgermeister wird seine Steuern nicht - wie manche Grosskonzerne - in Luxemburg entrichten können. Auch hat er - anders als immer verlautbart wird - keinen uneingeschränkten Zugang zu Waren und Dienstleistungen in der EU, d.h. er kann z.B. nicht seinen Kühlhausstrom für 13 Cent pro kWh aus Schweden beziehen, sondern muss den weltweit höchsten deutschen Strompreis bezahlen. Die anstehenden Dieselfahrverbote in deutschen Städten werden auch anderen Einzelhandelsbetrieben noch gehörig zusetzen. Ans the winner is: Amazon. Tolle EU!
Sie bellen am falschen Baum....nicht die EU schreibt den Konsumenten vor, im Supermarkt zu kaufen...da tun diese ganz freiwillig.

Anschließend darüber zu jammern, dass es keine Schlachter und Bäcker mehr gibt ist amüsant.

Übrigens entrichtend die hiesigen Konzerne ihre Steuern duchaus auch hier

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marcaurel1957 28.04.2019, 11:39
98.

Zitat von jonath2010
"Gleichzeitig hatten wir hohe Investitionskosten durch EU-Auflagen. Wir mussten zum Beispiel unseren Betrieb wegen Hygienevorschriften umbauen und immer genau dokumentieren, wann wir welche Maschinen mit welchem Putzmittel sauber gemacht haben", klagt der Metzger. Ja, in kleinkarierten Vorschriften ist die EU ganz groß. Bloß wenn es um die wirklich wichtigen Dinge geht, welche die EU-Bürger umtreiben, versagt dieses Konstrukt kläglich. Zum Beispiel kriegt sie es die Kommission seit Jahren nicht hin, die EU-Außengrenzen gegen illegale Migration wirksam zu schützen.
Also mir sind die vorgeschriebenen Hygienestandards wichtiger als die Aussengrenzen....

Übrigens ist beides nicht auf dem Mist der EU gewachsen, sondern durch die Mitgliedsländer zu verantworten

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Flari 28.04.2019, 11:39
99.

Mal ein Thema/Kommentar, wo ich mit Ihnen absolut konform gehe!
Als Elektro-/Elektronik-Fachbetrieb habe ich ab den 80er Jahren Fleisch oft bei den unterschiedlichsten inhabergeführten Metzgereien gekauft.
NICHT, weil ich dort die bessere Qualität vermutete, sondern um Akquise für MEIN Unternehmen zu machen.
Und oft kam ich dadurch im Laufe der Zeit dann nicht nur VOR die Verkaufstheke, sondern auch in sämtliche Hinter-/Betriebsräume, sah Betriebsabläufe, Lieferanten, etc..., aber auch den Vergleich zu grossen SB mit und ohne Fleischtheke und einigen Grosserzeugern (Schlachthöfe u.ä.).
Hätte der normale Bürger diesen Einblick, würde er bei den meisten Kleinbetrieben der Lebensmittelbranche nie wieder etwas kaufen!
Egal ob Metzger, Bäcker, Bioladen, Imbiss, Restaurant, usw., wobei es aber auch dort erstklassige Ausnahmen gibt.
Aber es sind eben eher Ausnahmen!

Seit den 2000er Jahren und Internet kann jeder die statistischen Daten zu Lebensmittelerkrankungen nachverfolgen.
Anders als es die Medienberichte/Meldungen suggerieren, sind es fast(!) ausschliesslich/überwiegend Kleinbetriebe, welche für Krankheits- und Todesfälle in diesem Sektor verantwortlich sind.
Als Beispiel sei hier die Datenbank des RKI genannt, es bestehen aber noch diverse andere Möglichkeiten, z.B. Bundesamt für Rissikobewertung..

Mir geht ebenfalls diese EU- und Vorschriftenverschärfungs-Bashing auf den Keks.
JEDE Branche ist davon betroffen, ALLE zu Recht zum Schutz aller, aber fast jeder Betroffene heult natürlich rum, auch in meiner Branche, egal ob Handel oder Handwerk.
Wobei in meinen Augen die Kontrolldichte in DE viel zu niedrig ist, gerade bei Kleinbetrieben.

Der arme Metzger beschwert sich (im Artikel), dass er sein täglich benutztes Handwerkszeug auch einmal erneuern muss?
Wie alt müssen seine Messer sein, dass diese noch über Holzgriffe verfügten und wie selten wurden die geschärft??
Hat sich dieser Metzger niemals um eine halbwegs vernünftige Datenerfassung seines Betriebes gekümmert, dass er sagenhafte 15 ZUSÄTZLICHE Wochenstunden nur für die Erfassung der Daten neuerer Vorschriften benötigt?
Hat er bis zum Schluss noch alles mit Schreibblock und Bleistift gehändelt?
WAS hat er in diesen 15 Wochenstunden gemacht??

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